Kritik: Die glorreichen Sieben (2016)

Sieben Köpfe und eine Legende

FSK 12

Film Kritik am Western Die Glorreichen Sieben

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Im Westen ist immer was los

Im wilden Western zu leben war noch nie leicht. Und wie schwer so ein Leben wirklich sein kann, merken die Einwohner von Rose Creek aus erster Hand, als der skrupellose Geschäftsmann und Bandenführer Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) das Land für sich ergattern will und dabei nicht vor Einschüchterung und brutaler Gewalt abschreckt. Emma Cullen (Haley Bennett), deren Mann der Brutalität Bogues' zum Opfer fiel, will Vergeltung und schwört, ihre Stadt zu verteidigen. Ihr Vorhaben: Eine Truppe aus erfahrenen Söldnern anheuern.

Sie gelangt an den Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington, The Equalist). Chisolm, der offenbar selbst einen persönlichen Konflikt mit Bogue zu haben scheint, stellt schnurstracks eine Truppe aus sieben Anti-Helden zusammen – mit ihm eingeschlossen versteht sich. Zu der Truppe gehören der flinke Spieler Josh Farraday (Chris Pratt, Guardians of the Galaxy), der mexikanische Gesetzlose Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), der berüchtigte Scharfschütze Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), der asiatische Attentäter Billy Rocks (Byung-hun Lee), der bärenstarke Fährtenleser Jack Horne (Vincent D'Onofrio) und der indianische Krieger Red Harvest (Martin Sensmeier). Zusammen bereiten sie den Widerstand vor, um die kleine Stadt vor Bogue und seiner Armee zu befreien.

Die glorreichen Sieben zu Pferd

Glückszahl 7

Wir haben Glück. Wären es Acht, wären es die Hateful 8 und wir müssten uns auf einen düsteren Westernthriller einstellen. Doch es sind "nur" Sieben, was sie zu den Magnificent 7 macht, weshalb wir uns auf ein unterhaltsames Westernabenteuer einstellen können. Mit der Vorlage über sieben kulturell und beruflich unterschiedliche Westernhelden, hat Fuqua das Potenzial entdeckt, einen Westernfilm (mehr oder weniger) alter Schule zu drehen, mit einem einprägsamen Team, einem klaren Kampf zwischen Gut und Böse und einem optimistischen Setting. Man fragt sich schon fast, wieso niemand seit über 50 Jahren auf die Idee kam, den Westernklassiker neu aufzulegen.

Der Vorlage treu bleiben

Bei einem Remake, das auf einen über 50 Jahre alten Film basiert, der wiederum selbst auf einem japanischen Klassiker basiert, darf man sich nicht wundern, dass Die glorreichen Sieben das Rad nicht neu erfindet. Selbstverständlich war das auch nicht das Vorhaben und so bietet die Handlung nicht viel Innovation. Die Handlung wird schnell eingeführt und ist klar, stabil und altbewährt, was 2016 noch deutlicher auffällt, als es noch in den 60er Jahren der Fall war. Auch bestimmte Wendungen sind vorhersehbar. Am meisten fällt dieser Makel bei der Hintergrundgeschichte und der Motivation der Sieben auf. Zwar machen sie Andeutungen über ihre Vergangenheit und persönliche Motivationen, doch wird das nicht ausführlich beleuchtet. Die Sieben glänzen nicht gerade durch eine ausführlich sichtbare Charakterentwicklung. Doch auf den Einfallsreichtum der Handlung kommt es in diesem Film auch nicht wirklich an. Die Geschichte hat immer noch ausreichend Herz.

The Good, the Bad and the Promis

Denzel Washington als Kopfgeldjäger in die glorreichen Sieben

Sehen wir uns doch mal die Truppe genauer an. Die Sieben sind eine bunte Multi-Kulti-Clique mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Überraschend ist das nicht, schließlich macht das den Charme der Geschichte aus. Doch schnell wird ersichtlich, dass nicht alle Sieben gleich wichtig sind. Das wird an der Wahl der Besetzung klar: Die bekanntesten Schauspieler haben die Rollen mit der meisten Screentime. Somit ist es kein Wunder, dass die Aufmerksamkeit auf Denzel Washington, Chris Pratt und zum Teil auf Ethan Hawke liegt. Vor allem Chris Pratt überzeugt als unterhaltsamer und charismatischer Comic Relief. Eine Rolle, die man von dem "Space Cowboy" aus Guardians of the Galaxy nicht anders erwartet.

Anders sieht es hingegen bei den übrigen Vier aus. Diese bekommen eine kleine Einführung und weniger Screentime, sodass sie sich ganz auf ihren ersten Auftritt, ihre Ausstrahlung und ihre individuellen Actionszenen verlassen müssen. Es kommt sogar die Frage auf, was ihre Motivation in diesem tödlichen Krieg ist. Klar wäre es unmöglich allen Sieben gleichwertig viel Aufmerksamkeit zu geben, dennoch hätte es nicht schaden können, es wenigstens zu probieren. Trotz allem geben alle Sieben mehr Ausstrahlung als die Bewohner der Kleinstadt. Diese bleiben nämlich blass und dienen dem Mittel zum Zweck: als Kanonenfutter. Selbst Haley Bennett weis als entschlossene Witwe nicht wirklich zu überzeugen und bleibt im Hintergrund.

Bandito Deluxe

Der erste Eindruck ist heutzutage immer noch entscheidend. Dieser Fakt ist kaum jemandem so gut bekannt wie dem Antagonisten Bartholomew Bogue. Dieser weis sich nämlich perfekt zu präsentieren. Bereits sein erster Auftritt ganz am Anfang des Films gehört zu einem der einprägsamsten Momente. Seine fast schon teuflische Ausstrahlung erfüllt die Szenerie mit unheimlicher und düsterer Spannung. Die ganze Zeit hat der Zuschauer eine berechtigte böse Vorahnung, dass gleich etwas passiert.  Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Axt fällt. Enttäuscht wird der Zuschauer nicht, denn Bogue ist mit seiner brutalen Skrupellosigkeit nicht zimperlich. Er ist durch und durch bösartig und das sollen alle Anwesenden erfahren. So sieht ein beeindruckend inszenierter Bösewicht aus.

Allerdings hätte man sich schon gewünscht, dass er mehr direkte Auftritte bekommt, denn abgesehen von seiner Einführung hat er danach nur vereinzelte Momente für sich. Man hätte gern mehr von Sarsgaard zu einem späteren Zeitpunkt gesehen. Nichtsdestotrotz bekommen wir einen einprägsamen Schurken serviert, den man einfach nur leiden sehen will.

Während der Dreharbeiten wurden keine Pferde verletzt

Selbstverständlich sind spannende Stand-Offs ein klassisches und altbewährtes Stilmittel in einem jeden Western. Die glorreichen Sieben macht da keine Außnahme. Intensive Spannung dominiert die Szenen mit den Fingern am Abdruck, wobei alles passieren kann. Das ist auch schön und gut. Doch Regisseur Fuqua hat sich gedacht, dass bei einem solchen Blockbuster in Sachen Aktion noch mehr gehen kann. Also beschert er uns ein Actionspektakel, das für ein Westernfilm ziemlich unüblich ist. Besonders die zweite Hälfte des Filmes wird dominiert von intensiven, wenn auch extrem langen Actionszenen, wobei sich die Sieben Individuen von ihrer besten Seite zeigen. Munition wird verschossen, Messer werden geworfen und Dynamit fliegt einem um die Ohren während sich die Stadt gegen die berittenen Angreifer wehrt. So viel Action, wie es in einen FSK 12-Film eben erlaubt ist. Es ist schon fast erstaunlich, dass keine Pferde zu Schaden kamen.

Ein Ritt durch die Prärie

Ohne groß drumrumzureden: Was den Film ausmacht ist die Atmosphäre. Die glorreichen Sieben bietet ein Western-Feeling, wie man es in dieser Form seit einiger Zeit nicht mehr spüren konnte. Seien es die intensiven Barszenen, die Siedlungen des wilden Westens oder die zahlreichen Landschaftsmontagen – der Film weis mit seinem Flair zu fesseln. Vor allem die Ritte durch die Prärie beim Tag-Nacht-Zyklus geben das Gefühl eines echten Westerns wieder. Die audiovisuelle Untermalung und eloquente Kameraführung tragen nur positiv zur Atmosphäre bei. Bei so einer Darstellung kann man nur hoffen, dass das Western-Genre weiterhin erhalten bleibt. 

Die glorreichen Sieben - Westernabenteuer mit Herz

Natürlich könnte man nun massive Kritik an der überholten Handlung und der geringen Charakterentwicklung üben, aber das wäre nicht im Sinne des Films. Der Film will auf moderne Weise die alte Geschichte erzählen und das hat er auch getan. Klassische Western-Elemente werden umfangreich genutzt und bieten eine überwältigende Atmosphäre, die einen immer noch im Bann hält, selbst nachdem der Film vorbei ist. Gezielt manövriert der Western zwischen Alt und Neu, in dem er altbewährte Elemente zum Spannungsaufbau nutzt und gleichzeitig ein aufwendiges und modernes Actionspektakel auf die Beine stellt. Selbstverständlich ist die Neuauflage kein Meilenstein des Genres, so wie es die Originale waren – das war auch nie das Ziel. Stattdessen zeigt Die Glorreichen Sieben seinen Vorgängern den gebührenden Respekt und weckt das Interesse für die Klassiker. Und ist das nicht schlussendlich der Zweck von Remakes?

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2 thoughts on “Kritik: Die glorreichen Sieben (2016)

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