Kritik: Killer’s Bodyguard

Ein Killer braucht einen Bodyguard! *Badumm Tzzz*

FSK 16

Spoilerfrei!

Titelbild zu Kritik Killer's Bodyguard mit Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Um was geht’s?

Michael Bryce (Ryan Reynolds) war der weltbeste Bodyguard, bis er einen wichtigen Auftrag gehörig vermasselte. „Vermasseln“ bedeutet im Kontext eines Bodyguards natürlich der Tod des Klienten. Michael stürzte also ab, inklusive Drei-Tage-Bart. Doch ein Auftrag von seiner Ex-Freundin Amelia (Elodie Yung, Elektra aus The Defenders), die beim Geheimdienst arbeitet, soll ihn zurück auf die Bahn bringen.

Der Auftrag: Eskorte für Ex-Knacki und Super-Hitman Darius Kincaid (Samuel L. „Motherf*cker“ Jackson) zu einer Gerichtsverhandlung. Darius soll nämlich gegen den festgenagelten Diktator von Weißrussland (Gary Oldman) aussagen, der von Kincaids Fähigkeiten als Auftragskiller Gebrauch machen wollte. Natürlich will dieser Kincaids Ankunft im Gerichtssaal unter allen Umständen verhindern – und setzt dafür Himmel und Hölle in Bewegung.

Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson auf einer Straße in Szenenbild von Kritik Killer's Bodyguard
Immerhin findet's Samuel L. Jackson lustig.

Irgendwie nicht lustig

Der erste Trailer zu Killer’s Bodyguard schlug virale Wellen. Der ist nämlich tatsächlich lustig und wurde von einigen schon als „Komödie des Jahres“ gepriesen. Während des Films fragt man sich dann allerdings, wie es der Trailer überhaupt geschafft hat, so lustig zu sein – bzw. wie es der Film schafft, so unlustig zu sein.

Ein paar Mal schmunzelt man schon. Doch die größten Lacher, die sich meistens als ein einsilbiges „Ha!“ äußern, haben den bitteren Beigeschmack, dass sie überhaupt nicht beabsichtigt waren. Dabei ist der Humor nicht einmal allzu platt oder geschmacklos. Es fehlt einfach das Timing. Die meisten Witze sind so ungekonnt platziert wie ein Furz auf einer Beerdigung. Schade, dass nicht einmal Sprücheklopfer Samuel L. Jackson daran etwas ändern kann. Eine One-Liner-Show à la The Last Boy Scout (1991) bleibt leider aus.

Rätselspaß: Genre raten mit 'Killer’s Bodyguard'

Wir hatten es doch vorhin schon mit dem „Buddy-Movie“. Das Rezept für ein solchen Film ist echt kein Hexenwerk. Dennoch schafft es Killer’s Bodyguard, die Story mit einem abstrakten Genre-Mix unnötig zu verwirren. Der Plot rund um den osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich ist so komplex wie der eines Bond-Bösewichts, ohne aber jemals so interessant zu sein.

Auch während des Roadtrips von Bryce und Kincaid scheint Regisseur Patrick Hughes genauso wenig den richtigen Weg zu kennen wie die beiden Hauptcharaktere. Der Film irrt irgendwo zwischen Komödie, Spionage-Thriller und Liebesdrama (!) umher. Besonders der letztgenannte Genre-Einschlag ist so unfassbar unnötig, dass man sich schnell fragt, unter welchen psychedelischen Substanzen das Skript-Brainstorming durchgeführt wurde. Kincaids bessere Hälfte Sonia (Salma Hayek) ist mit ihrem unerbittlichen Over-Acting wenigstens unterhaltend.

Funktioniert als 'Action-Komödie' immerhin zur Hälfte

Die viel zu langen zwei Stunden Laufzeit ziehen sich vor allem in der ersten Hälfte. Bis auf kurzes Geplänkel für Zwischendurch, hebt sich der Film seine Action-Sequenzen hauptsächlich für das letzte Drittel auf. Das Highlight ist eine verrückte Verfolgungsjagd durch Amsterdam, die überraschend fetzig und rasant inszeniert wurde. Hier macht Killer’s Bodyguard tatsächlich das erste Mal richtig Spaß.

Samuel L. Jackson auf einem Schnellboot in Amsterdam während einer Verfolgungsjagd, in einem Szenenbild zu Kritik Killer's Bodyguard
Komisch, dass sich Jackson ausgerechnet jetzt nicht amüsiert. Dabei macht der Film während der Action-Szenen am meisten Spaß.

Das hohe Tempo wird bis zum Schluss beibehalten. Wenn der Film schon nicht lustig sein kann, dann kann er wenigstens dem Zuschauer in den Allerwertesten treten. Diese Erkenntnis scheint auch Drehbuchautor Tom O’Connor eingeleuchtet zu sein – leider etwas zu spät.

Und die Moral der Geschicht’?

Plot Twist: Es gibt keine. Kurz bevor der Zuschauer denkt, der Film müsse zum Schluss noch ein wichtiges Statement zur Moral und Menschlichkeit loswerden, zeigt Killer’s Bodyguard urplötzlich den Stinkefinger. Das ist schon beinahe charmant. Filme mit einem Killer als Protagonisten brauchen eben keine Moral. Oder ist eventuell sogar das die Moral?

'Killer’s Bodyguard' ist von allem etwas, aber nichts richtig

Es war doch alles da: Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson als Traum-Duo, Gary Oldman als Schurke und ein fettes Budget. Doch leider verliert sich der Film in einem verzweifelten Genre-Mix mit schlecht platzierten Witzen und unnötigem Schnulz. Da fragt man sich, ob es an zu viel oder zu wenig Ambition gekrankt hat. Letztendlich ist Killer’s Bodyguard ein schnell vergessenes „Etwas“, das gegen Ende immerhin mit pumpender Action überzeugen kann. Baby Driver hat's trotzdem viel besser gemacht. 

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