Kritik: Kong: Skull Island

So hirnlos wie ein Totenschädel

FSK 12

Spoilerfrei!

Kong steht vor einem roten Sonnenuntergang während zwei Helikopter ihn angreifen im Film Skull Island

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Es sind die 70er, der Vietnam-Krieg geht gerade zu Ende, und Bill Randa (John Goodman) will beweisen, dass es auf der unerforschten Insel namens „Skull Island“ Wertvolles zu entdecken gibt. Und das Ganze möglichst bevor es die Russen tun. Also trommelt er eine wilde Truppe zusammen, bestehend aus dem britischen Kriegsveteran James Conrad (Tom Hiddleston, High-Rise, The Night Manager), Lieutenant Preston Packard (Samuel L. Jackson, The Hateful Eight) und seiner Militärtruppe, der pazifistischen Kriegs-Fotografin Mason Weaver (Brie Larson, Raum) und einigen Forschern.

Tom Hiddleston und Brie Larson erkunden die Insel in Kong Skull Island.
James Conrad (Tom Hiddleston), Mason Weaver (Brie Larson) und Hank Marlow (John C. Reilly) befinden sich im Fadenkreuz der "Schädelkriecher".

Angekommen auf Skull Island, wird das Expeditionsteam prompt von einem riesigen Affen überfallen, der die Neuankömmlinge als Bedrohung wahrnimmt. Doch wer ist der wahre Feind auf der Insel? Sind es eventuell die hässlichen Riesenechsen, die sich aus Erdlöchern hoch graben? Den Soldaten der Truppe ist das herzlich egal. Sie möchten den Affen Kong am liebsten – tot sehen.

Dieser Kong versteckt sich nicht

Wer sich noch an Godzilla aus dem Jahr 2014 erinnern kann, der erinnert sich an ein ewiges Versteckspiel – Godzilla selbst war kaum im Film. Um die Spannung künstlich in die Höhe zu treiben, ließ man das titelgebende Monster möglichst wenig auf der Leinwand auftauchen. Und wenn doch, dann nur möglichst kurz und in umständlich verwackelten Kameraaufnahmen. Für viele war das zu viel des Guten. Wo Godzilla draufsteht, sollte auch Godzilla drin sein. Monster-Action statt subtiles Mystery-Gehabe!

Kong: Skull Island schlägt schon beinahe demonstrativ den anderen Weg ein. Der Riesenaffe taucht urplötzlich in den ersten Minuten des Films auf und zerfetzt Bäume, Menschen und Helikopter, wie man es sonst nur in einem großen Finale erwarten würde. Die Größe und Gewalt des Monsters wird nicht versteckt, denn die Kamera hält einfach frontal drauf.

King Kong brüllt in Kong: Skull Island
Da ist er. Frontal, nicht verwackelt und in voller Größe: Kong.

Die Einführung von King Kong wirkt dadurch schon beinahe sarkastisch. Auch die trockenen Kommentare der Figuren („Ist das ein Affe?“) nehmen dem Film jegliche Ernsthaftigkeit. Regisseur Jordan Vogt-Roberts weiß genau, dass sein Kong-Film nichts weiter als hirnlose Monster-Action ist, und versucht erst gar nicht, das Geschehen realistisch und glaubhaft zu machen. Stattdessen besitzt er seine ganz eigene Filmsprache.

Visuelle Virtuosität und geistiger Dünnpfiff

So bieder sich Kong: Skull Island auch seinem Genre fügt: Der Film sieht unglaublich gut aus. Nicht nur die Computereffekte lassen einen dahin sabbern, auch die innovative Inszenierung verpasst dem Film einen extra coolen Look, der ihn (zumindest optisch) von anderen großen Blockbustern abhebt. Vogt-Roberts und Kameramann Larry Fong toben sich aus mit virtuosen Schnitten und Kameraeinstellungen (z.B. eine Libelle, die man zuerst für einen Helikopter hält), sodass es andauernd etwas zu entdecken gibt. Wenn nur alles in Skull Island so viel Charakter besitzen würde, wie Vogt-Roberts Regie…

Das ultimative Negativ-Beispiel: So langweilig können Film-Charaktere sein

Es scheint so, als ob Warner Bros. (Suicide Squad, Batman v. Superman) im Gegensatz zu Marvel und Disney Probleme damit hat, hohlen Effekt-Blockbustern etwas Seele einzuhauchen. Bevor ihr überhaupt daran denkt, mir ein „Das ist ein Monster-Film, da braucht man keine guten Charaktere!“ gegen den Kopf zu werfen – doch, braucht man. Dieser Film beweist es. Schlechte Charaktere ziehen alles runter. Wie unglaublich uninteressant können die beiden Hauptdarsteller Tom Hiddleston und Brie Larson schon sein? Die Antwort: So uninteressant, man könnte sie einfach aus dem kompletten Film streichen und er wäre dann sogar besser. 

Tom Hiddlestons Aufgabe in Skull Island ist der Definition der Schauspielerei nicht würdig. Er läuft durch den Dschungel und sagt ein paar Mal an, wo’s langgeht – also wortwörtlich, in welche Himmelsrichtung jetzt weitergelaufen werden muss. Nur Brie Larson ist tatsächlich noch langweiliger. Außer Fotos knipsen macht sie gar nichts. Wie kann man zwei Schauspieler dieser Klasse an so verboten-schlecht geschriebene Figuren verschwenden? 

Zu Samuel L. Jackson gibt es nur eins zu sagen. Samuel L. Jackson spielt Samuel L. Jackson. Punkt. 

Der einzige Mensch mit Seele in diesem Film ist tatsächlich John C. Reilly als gestrandeter Bruchpilot, der seit über 20 Jahren auf der Insel verharrte und auf Rettung wartete. In den Trailern wirkt seine Rolle wie ein deplatzierter Sidekick. Aber immerhin ist Reilly überhaupt irgendetwas. Ein paar lustige Sprüche haut er raus und sympathisch ist er irgendwie auch.

Ein riesiger Büffel steigt aus dem Wasser in Kong: Skull Island
Kein Scherz: Dieser riesige Büffel hat mehr Persönlichkeit als Tom Hiddleston (rechts).

Nicht vergessen: Es sind die 70er

Waren die 70er-Jahre wirklich so sehr die 70er-Jahre? Vogt-Roberts Inszenierung des hippen Jahrzehnts wirkt schon beinahe wie eine Karikatur. Das macht zum Großteil aber auch Spaß. Von Nixon-Wackelkopf-Figuren in Helikoptern, bis zu Pop- und Rock-Songs aus der Black Sabbath-Sparte, ist in Kong: Skull Island alles dabei. In der zweiten Hälfte des Films wirken die Song-Einlagen dann aber doch etwas zu gezwungen. So cool ist das nun auch wieder nicht, wenn das Expeditionsteam während einer Floßfahrt über einen Dschungelfluss mit einer Schallplatte 70s-Pop hört – sondern eher blöd und unpassend.

Trash statt Epik

Peter Jacksons  dreistündiger King Kong-Film lässt sich bezüglich Dramatik und Emotionen kaum überbieten. Das weiß Kong: Skull Island zum Glück. Stattdessen setzt Vogt-Roberts auf ein schnelles Erzähltempo, dass die Laufzeit von unter zwei Stunden rasend schnell abarbeitet.

Dementsprechend hinterlässt dieses Reboot natürlich auch keine großen Fußspuren. Das Finale ist bildgewaltig und unterhaltsam – im Grunde ist es aber auch nur ein Remake der bekannten "Kong vs. T-Rex"-Szene aus Peter Jacksons Film. Man verlässt das Kino also zufrieden und gesättigt. Fast-Food-Kino eben. Mehr ist allerdings auch nicht drin.

'Kong: Skull Island' ist visuell atemberaubend und absolut hohl

Der Newcomer-Regisseur Jordan Vogt-Roberts kitzelt aus jeder Kameraeinstellung und jedem CGI-Effekt das Maximum an Ästhetik heraus. Leider sind ihm dementsprechend Dramatik und Charaktere völlig egal. Dieses Kong-Remake sorgt für einen unterhaltsamen Abend im Kino, hinterlässt darüber hinaus aber absolut keinen bleibenden Eindruck. Im direkten Vergleich zu Godzilla, macht Kong: Skull Island aber wenigstens Spaß.

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