Kritik: Sausage Party – Es geht um die Wurst

Lebensmittel haben auch Gefühle!

FSK 16

Sausage Party

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Ein köstliches Leben

Tagtäglich besuchen Kunden den Supermarkt, ohne zu ahnen, dass sie ein Reich betreten, dass von Lebensmitteln bevölkert wird. Ihre größtes Lebensziel ist es, von diesen "Göttern" auserwählt zu werden und ins Paradies jenseits der Glastüren zu gelangen. Vor allem die Frankfurter Wurst Frank ( Seth Rogen, The Interview, im Deutschen: Tobias Kluckert) erhofft sich, zusammen mit dem weiblichen Hotdog-Brötchen Brenda Bunson (Kristen Wiig, im Deutschen: Katrin Fröhlich) ausgewählt zu werden, um in ihrem "Hotdog" zu landen. Ihr Glaube auf das Leben nach dem Supermarkt ist so unerschütterlich, dass sie nicht ahnen, dass die sogenannten Götter sie auf bestialische Weise niedermetzeln und konsumieren. Als einige der Lebensmittel die Wahrheit erahnen, planen sie die Flucht. Doch können sie tatsächlich etwas ausrichten?

Frank, die Frankfurter Wurst (Tobias Kluckert) und das Hotdog-Brötchen Brenda Bunson (Katrin Fröhlich) tauschen erotische Blicke aus.
Frank, die Frankfurter Wurst (Deutsch: Tobias Kluckert) wil unbedingt in das Hotdog-Brötchen Brenda Bunson (Deutsch: Katrin Fröhlich) "rein".

Wenn Comedians zu viele Freiheiten haben

Ein Film über lebendige Lebensmittel, die nicht gegessen werden wollen. Die Idee ist so bekloppt, wie originell und eine klares Hommage an den Überschuss von Disney- und Pixar-Filmen. Gleichzeitig bietet die Idee aber eine irrwitzige Vorlage für berüchtigte Comedians, wie das Comedy-Duo Seth Rogen und Evan Goldberg, die bereits mit Filmen wie The Interview deutlich über die Stränge geschlagen haben. Aber sie stehen mit den Regisseurenteam Greg Tiernan und Conrad Vernon nicht alleine da. Denn für die Sprechrollen als Lebensmittel haben sich diverse Kumpels von Rogen hinzugesellt, darunter zum Beispiel Jonah Hill und Michael Cera, die bereis durch Rogens und Goldbergs Film Superbad bekannt geworden sind. Auch James Franco, der ebenfalls bei The Interview die Tabus gebrochen hat, ist mit dabei. Und sie haben alle Freiheiten der Welt, denn bereits der Trailer macht zweifelsohne klar, dass dieser FIlm nichts für Kinder ist.

Ein kulinarisches Odyssee

Tatsächlich hätte man den Plot von Sausage Party eher einem Gag aus den Simpsons oder aus Family Guy zugetraut, doch einen abendfüllenden Film daraus zu machen, ist schon eine Sache für sich. So bekommen die Zuschauer eine amüsante Abenteuerreise durch die verworrenen Wege der Supermarktwelt und die Schrecken im Jenseits präsentiert. Die Handlung ist originell und bringt clevere Ideen mit sich.

Doch während des Films hat man oft das Gefühl, dass die Gags zu sehr im Vordergrund stehen. An sich natürlich kein Problem, doch nagt das deutlich an dem Storytelling, weshalb das Gefühl aufkommt, dass sich die Ereignisse relativ hektisch entwickeln. Viele wichtige Handlungselemente verlieren aufgrund überlanger Gags an Bedeutung. Die Balance zwischen Handlung und Humor fehlt und es ist klar ersichtlich, für was sich die Produzenten hier entschieden haben.

Barry (Michael Cera) versteckt sich.
Barry (Michael Cera) muss beweisen, dass er ein Mann ist und nicht nur ein kleines Würstchen.

Eine Anti-Pixar Produktion

Bei dem aktuellen Disney-Pixar-Monopol ist es schwierig, Animationsfilme mit entsprechender Publicity rauszubringen. Statt sich der Norm dieser Filmen anzupassen, präsentiert das Animationsteam seinen eigenen Charme und seinen eigenen Stil. Dieser "eigene Stil" wird vor allem dann ersichtlich, wenn man sich die beabsichtigt groben und karikaturistischen Menschen anschaut. Doch auch die glubschäugigen Lebensmittel wirken recht "plastisch".  Das mag beabsichtigt sein, dennoch fällt es nach einer Weile unangenehm auf. Gelungen hingegen ist die Motion-Qualität. Der Film ist erstaunlich flüssig und brilliert durch aufwendig erstellte Animationsszenen. Diese sind dynamisch und durch viele Perspektivenwechsel aufwendig gestaltet. Gegen den Szenenschnitt der Animation kann nichts gesagt werden.

Produktpersönlichkeiten mit Verfallsdatum

Es ist ein Paradox an sich, Nahrung als Lebewesen zu betrachten. Dennoch möchte man dem sympathischen Würstchen mit Glubschaugen und Handschuhen alles Gute wünschen, während er den schrägsten Figuren begegnet, die das kulinarische Leben für ihn parat hält. Doch so einfallsreich die Figuren gestaltet sind, so blass und austauschbar bleiben sie im Gesamten. Viel Tiefe bekommen sie nicht und heben sich erst Recht nicht von absichtlich rassistischen Stereotypen ab. Die Lebensmittel verkörpern meist lediglich die Klischeepersönlichkeiten ihrer Herkunftsländer. So auch die zerstrittenen Begleiter Kareem Abdul Lavash (David Krumholtz, im Deutschen: Samir Fuchs), das muslimische Lavash und das jüdische Bagel Sammy Bagel Jr (Edward Norton, im Deutschen: Andreas Fröhlich). Beide tragen zur Dynamik bei, bleiben jedoch vorhersehbar.

Kareem Abdul Lavash (Deutsch: Samir Fuchs) und Sammy Bagel Jr. (Deutsch: Andreas Fröhlich) gehen zusammen einen Gang entlang.
Kareem Abdul Lavash (Deutsch: Samir Fuchs) und Sammy Bagel Jr. (Deutsch: Andreas Fröhlich) bringen die nötige Portion "ethnischen" Humors rein.

Die Stärke der Lebensmittel sind hingegen ihre Stimmen. Hier gilt auch großes Lob an die deutschen Synchronsprecher. Die Sprecher reißen sich fast die Stimmbänder raus, um den frechen Figuren das nötige Leben einzuhauchen. Die Dialoge und Akzente sind herrlich abgedreht und ein fester Bestandteil der komödiantischen Qualität. Die Wortwitze sitzen und die Akzente sowieso. Was will man mehr?

Jenseits des guten Geschmacks

So in etwa kann man den Humor dieses schrägen Trips bezeichnen. Das R-Rating ist ein Freifahrtschein für die Comedians, ungestraft alles zu bringen, was sie nur wollen – sei es gewalttätig, rassistisch, oder unanständig sexuell. Die Comedians bringen all das, wofür sie während ihrer Karriere berühmt und berüchtigt geworden sind. Der Humor ist derb, übertrieben und dennoch saukomisch. Nichts bleibt verschont, alles wird durch den Dreck gezogen. Dabei spielt es keine Rolle, was man sich in Anbetracht der Verantwortlichen ausmalt, sie übertreffen dennoch die Erwartungen - sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten. Denn der Humor des Filmes lässt sich grob in drei "Oh-mein-Gott"-Teile aufteilen: 

1.) Oh mein Gott, wie geil ist das denn!

2.) Oh mein Gott, die haben das tatsächlich gebracht!

3.) Oh mein Gott, bitte hört auf!

Der Grund dahinter ist einfach: Während der Humor zum Großteil sitzt, so ist die Bemühung der Produzenten zum Tabu-Bruch extrem hoch. Der Wunsch zu schockieren übersteigt den Wunsch zu unterhalten. Das kann auch deutlich negativ auffallen. Nicht wegen Prüderie oder politischer Korrektheit, sondern weil einige Gags einfach viel zu lang und zu gezwungen sind. Durch die Länge werden sie sogar schmerzhaft anzusehen (Stichwort: Das Ende).

Sausage Party ist derbe witzig, aber auch schwer verdaulich!

Dass Sausage Party nicht ernst genommen werden sollte, versteht sich von selbst. Dafür bricht der Film Tabus wo er nur kann. Er übertreibt, schockiert und lässt keinen Stein auf dem anderen. Komik und freche Dialoge sind der klare Kernpunkt, denn von Tiefe und Emotionen à la Pixar/Disney kann man hier beim besten Willen nicht reden. Die Handlung weicht den Gags und auch den Figuren mangelt es an "Leben". Wenn es den Produzenten darum ging, eine unverschämte Parodie auf die familienfreundlichen Animationsfilme zum machen und dabei sämtliche ethnischen Gruppen zur Weißglut zu treiben, dann haben sie das geschafft. Trotz allem ist Sausage Party ein gelungener Spaß  für Erwachsene mit Sinn für sehr derbe Komik. Alle anderen sollten sich nochmal des doppeldeutigen Titels bewusst werden und einen großen Sicherheitsabstand einhalten.

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One thought on “Kritik: Sausage Party – Es geht um die Wurst

  1. Ich weiß nur eines.
    Meine Freunde, ich und der ganze Kinosaal haben fast 90 Minuten lang Probleme gehabt, sich in den Stühlen zu halten. xD….
    Kritik hin oder her….wer mal richtig seine Birne abschalten will und einfach nur Unterhaltung sucht,
    ist bei dem Film genau richtig.
    Immer wenn man glaubt, dass es nicht mehr bekloppter geht, setzt der Film noch einen drauf und nachdem man die letzten Minuten das Gefühl hatte, dass es ein typisches Filmende geben wird,
    wird man schon wieder überrascht und es gab ein großes Finale….das hat dann dazu geführt,
    dass mir die Tränen über das Gesicht liefen, weil ich dabei war, vor lachen zu ersticken!!! *grins*
    Einen lustigeren Film hätten wir nicht wählen können.

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