Kritik: Spider-Man: Homecoming

Das Marvel-Universum heißt die Spinne endlich willkommen

FSK 12

Spider-Man mit Iron Man und Vulture im Hintergrund in Spider-Man: Homecoming

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

How to be a Superhero?

Dieser Frage will sich Nachwuchsheld Peter Parker aka. Spider-Man (Tom Holland) stellen. Nachdem ihn Unternehmer und Superheld Tony Stark aka. Iron Man (Robert Downey Jr.) während den Ereignissen in Civil War für kurze Zeit ins Team geholt hat und ihm ein High-Tech Spinnenkostüm entwarf, wartet Spider-Man sehnsüchtig auf weitere Aufträge. Doch sein "großer Mentor" meldet sich nicht. Stattdessen muss Peter weiterhin die Schulbank drücken und gleichzeitig seine Geheimidentität vor seinen Mitschülern und der attraktiven Tante May (Marisa Tomei) wahren. Die einzigen Trostpflaster sind sein bester Freund Ned (Jacob Batalon) und sein Teenie-Schwarm Liz (Laura Harrier). 

Peter Parker und Tony Stark (Robert Downey Jr.) gehen den Gang entlang
Peter Parker will unbedingt zu den Avengers, muss sich allerdings erst gegenüber Tony Stark (Robert Downey Jr.) beweisen.

Während des Wartens entschließt sich Peter eigene Erfahrungen als Superheld zu sammeln. Doch über Fahrraddiebstähle kommt der eifrige Spider-Man nicht hinaus. Bei seiner Suche nach einer richtigen Herausforderung stößt er schließlich auf eine Gruppe Bankräuber mit ungewöhnlichen High-Tech-Waffen, die außerirdischen Ursprungs zu sein scheinen. Spider-Man entschließt sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Ist etwa der entlassene Bergungsarbeiter Adrian Toomes (Michael Keaton: The Founder) Schuld, der nach den Ereignissen in The Avengers einen Teil der außerirdischen Technologie eingesteckt hat? 

Aller guten Dinge sind drei

Und so auch Spider-Man, der mittlerweile seinen zweiten Reboot in einem Zeitraum von 15 Jahren feiert. Nach der klassischen Spider-Man Trilogie und den weniger erfolgreichen Amazing Spider-Man Filmen, entscheidet man sich, mit Spider-Man: Homecoming in eine gänzlich neue Richtung zu gehen. Diesmal kommt es nämlich zu einer Zusammenarbeit zwischen Disney/Marvel und Sony – die momentan die Rechte an der Marke haben –, sodass Spider-Man endlich in das Marvel Cinematic Universe (MCU) integriert werden kann. Und es funktioniert. Statt zum dritten Mal die Ursprungsgeschichte um den Spinnenbiss und den ermordeten Onkel Ben aufzuwärmen, schmeißt man den neuen Spider-Man direkt in die Action. Eine abwechslungsreiche Idee, die neue Möglichkeiten in den Mythos über die menschliche Spinne einbringt. 

Spider-Buddys

Neben den neuen Änderungen bringt vor allem Tom Holland frischen Wind in den Cast. Statt einem (nahezu) erwachsenen Spider-Man, bekommen wir eine jüngere Version, die mitten in seinen Teenager-Jahren der große Held sein und bei den Avengern mitspielen will. Es entsteht eine neue Dynamik im MCU, wenn Peter Parker versucht, sein Teenagerleben mit seiner erhofften Superhelden-Karriere in Einklang zu bringen. Diesen jugendlichen und aufgeweckten Spider-Man fängt Holland perfekt ein. Vor allem in der Anfangsszene, in der Parker die Ereignisse aus Civil War aus seiner eigenen Perspektive mitfilmt und zudem noch auf Tony stark trifft, wirkt er wie ein süßer und liebenswürdiger Nerd. 

Doch er ist nicht der einzige Nerd. Natürlich bekommt Spider-Man einen noch nerdigeren "Sidekick". Sein bester Freund Ned erfährt durch einen (urkomischen) Zufall Spider-Mans wahre Identität und will ihm zur Seite stehen, aber nicht bevor er ihn mit unzähligen Fanboy-Fragen durchlöchert. Schnell erweist sich Ned als unerwartet komischer Szenendieb, der sich glücklicherweise auch in seriöseren Momenten durchsetzen kann. Rückblickend fragt man sich, warum die anderen Spidey-Filme noch nie einen eingeweihten Sidekick hatten.

Peter Parker (Tom Holland) und Ned Leeds (Jacob Batalon) stehen im Schulgang.
Peter Parker (Tom Holland) und Ned Leeds (Jacob Batalon) sind echte Spider-Buddys.

Tony Stark als Mentor?

Selbst der ikonische Tony Stark kehrt zurück, erstmals allerdings nicht als zentrale Figur. Die Befürchtung, dass er den Film übernimmt, ist ungerechtfertigt, denn er hält sich als Mentor für Spider-Man zurück und beschränkt sich auf ein paar wenige und dennoch wichtige Szenen im Film. Er lobt, belehrt und tadelt (natürlich vor allem letzteres). Abseits des Mittelpunktes macht Stark eine überraschend gute Figur und bringt sowohl komische, als auch prägende Momente mit ein, die ihn zu mehr machen, als bloß einem Cameo.

Neben der Präsenz des Milliardärs greift Spider-Man: Homecoming auf, wie die Ereignisse seit der Gründung der Avengers das Leben der New Yorker geprägt haben. Das zeigt sich bereits an den schwer zu beeindruckenden Einwohnern, die sich nach einer Alien-Invasion und einem etablierten Heldenteam nicht von einem Typen im Spinnenkostüm beeindrucken lassen. Und spätestens nachdem wir Schulvideos mit Captain America als Motivationstrainer gesehen haben, wissen wir: Das MCU hat Einzug in den Alltag gefunden. Und vor allem einer hat darunter zu leiden: Birdman. 

Birdman: Homecoming

Denn Birdman kehrt zurück – diesmal als Geier (engl. Vulture). Michael Keaton, der damals als Batman und kürzlich in Birdman (oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) brillierte, kehrt zurück. Doch dieses Mal als erstaunlich überzeugender Schurke. Als Entsorgungsunternehmer Adrian Toomes hat er unter Starks Einmischung zu leiden, als dieser ihm unpersönlich den Auftrag kündigt, sich um die Reste der Alien-Invasion zu kümmern. Einzig die eingeschmuggelte Alien-Technologie und der so ermöglichte Bau und Verkauf von futuristischen Waffen kann ihn und seine Familie vor dem Ruin bewahren. Mit dieser Rolle erschafft Keaton einen überzeugenden und sogar sympathischen Schurken, der sogar etwas an Walter White aus Breaking Bad erinnert. Dazu kommt das einprägsame Schurkenkostüm mit High-Tech-Flügeln und schon haben wir (endlich) einen überzeugenden Schurken aus dem MCU. 

Adrian Toomes Michael Keaton) lehnt sich an einen Handwerkstisch an.
Adrian Toomes Michael Keaton) hegt einen Groll gegen Tony Stark und wurde zum skrupellosen Waffenhersteller.

Das einzige Manko ist, dass der persönliche Konflikt zwischen ihm und Parker erst im zweiten Drittel des Films in die heiße Phase geht. Davor wirkt der Konflikt recht unpersönlich und langatmig. Erst mit dem Twist, der zwar unerwartet, aber gleichzeitig auch zu sehr aus dem Nichts kommt, erreicht der Konflikt überzeugende Ausmaße. 

Spider-Action für Anfänger

Peter Parker macht deutlich, dass er noch am Anfang seiner Karriere steht. So fällt auch die erste Hälfte des Filmes relativ locker aus, in der sich Spider-Man tollpatschig als Held beweisen will und sich nur langsam an die echte Gefahr herantastet. Die Actionszenen werden mit einer ordentlichen Portion  Humor gemischt, der in diesem Spider-Man-Film noch mehr herauszuschmecken ist, als in allen vorherigen Verfilmungen. Ob er in Eile mehrere Vorgärten in Mitleidenschaft zieht, oder verzweifelt versucht, die Feinheiten seines High-Tech-Spinnenanzugs zu verstehen – Spider-Mans Abenteuer ist saukomisch.

Der Grad an Action bleibt hingegen nur solide. In der zweiten Hälfte des Filmes wird sie spektakulärer, allerdings mangelt es an dem MCU-typischen "Wow-Effekt". Trotz allem bleibt der Film durchgehend spannend – ironischerweise besonders dann, wenn Parker seinen Anzug nicht trägt. 

'Spider-Man: Homecoming' ist eine würdige Rückkehr der liebenswerten Spinne

Spider-Man: Homecoming überzeugt durch eine erfrischende und abwechslungsreiche Interpretation der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. Tom Holland verleiht Spider-Man den nötigen jugendlichen Charme, der sich geschickt ins MCU eingliedert. Mit der nötigen Portion an Komik und Sympathie blicken wir in das Leben des Netzschwingers und erleben erstmals, welchen Einfluss das Übernatürliche auf die Mentalität der Bürger New Yorks hat. Obwohl die Zuschauer etwas auf bombastische und innovative Action verzichten müssen, wird das mit tollen Charakteren, einer aufwändigen Umsetzung und einem überzeugenden Schurken wieder wett gemacht.  

Dir gefällt dieser Beitrag? Jetzt teilen:

Kommentar verfassen