Kritik: The Founder

Kino à la Trump

FSK 0

Spoilerfrei!

Titelbild zur Kritik The Founder von 4001reviews mit Michael Keaton

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Seit 100 Tagen ist Donald Trump nun US-Präsident. Die Einschätzung seiner (Miss-)Erfolge sei jedem selbst überlassen (bzw. der US-Präsident übernimmt das für uns, da den „Fake-News“ ja nicht zu trauen sei), es ist aber davon auszugehen, dass der Immobilienmogul sich das Ganze auch etwas „anders“ vorgestellt hat.

Ausufernder und unkontrollierbarer Erfolg

Wo ist nun die Parallele zwischen Kroc und Trump? Der Film ist vor allem die Charakterstudie eines Mannes ohne jegliche Talente, eines Gebrauchtwarenhändlers, der billige Ideen verkauft und so dennoch zum Erfolg kommt.

Ray Kroc (Michael Keaton) nennt sich „Erfinder“, „Visionär“, und zieht durchs Land, um seine wenig überzeugenden Produkte, wie Shake-Mixer, zu verkaufen. Irgendwie landet er bei einem neuen Fast-Food-Laden namens McDonalds, der die Burger schneller und besser herstellt und verkauft als jeder sonst. Ray riecht das große Geschäft: Sofort beginnt er auf seine nervige Art, die Besitzer davon zu überzeugen doch zu expandieren. Schließlich willigen die zwei bodenständigen Brüder ein und überlassen es Ray, aus dem „Familienladen“ ein Franchise-Unternehmen zu machen. Doch bald zeigt sich, was passiert, wenn man einen „Fuchs in den Hühnerstall“ lässt, wie es einer der Brüder einmal ausdrückt…

Michael Keaton als Ray Kroc vor der Eröffnung einer McDonalds Filiale in The Founder
McDonalds Erfolg ist nicht den McDonalds-Brüdern zu verdanken, sondern diesem frech grinsenden Mann namens Kroc (Michael Keaton).

Ein typisches Biopic? 

The Founder zu kategorisieren fällt nicht leicht. Es ist ein kleiner Film, ohne große Effekte und Aufreger. Für einen klassischen „Independent-Streifen“ ist er aber zu geradlinig und konservativ erzählt – dem Ganzen fehlt doch etwas die Spannung. Am ehesten ist der Film die Charakterstudie eines Vertreters, der ohne Talent, aber mit einer Menge Beharrlichkeit ein Ziel verfolgt – und schließlich damit auch Erfolg hat.

Die versteckte Message 

Wie bereits erwähnt, fallen eine Menge Parallelen zum Aufstieg Donald Trumps, und seiner anschließenden Kür zum US-Präsident ins Auge: In einem Interview mit der LA Times räumte Regisseur John Lee Hancock ein, bei der Produktion von The Founder, die vor Trumps Wahl abgeschlossen war, die Ähnlichkeiten zwar nicht intendiert gehabt zu haben, vor dem Release waren diese aber so offensichtlich, dass die Premiere auf die Woche nach der Inauguration Trumps verschoben wurde. Zu ähnlich erscheint Ray Krocs Handeln, dass jenseits jeglicher Moral liegt, nur auf der Suche nach dem nächsten Erfolg, den er auf sein Konto schreiben kann

Dabei kann sich The Founder nicht wirklich entscheiden, wie er nun zu dem Phänomen steht: Für eine pointierte und politische Kritik ist er zu zahnlos. Er glorifiziert das Ganze aber auch nicht, sondern wählt einen Mittelweg. Die Message scheint zu sein, dass es nun mal solche Typen wie Ray Kroc gibt, die mit einer gnadenlosen Beutejagd ihren Erfolg ausweiten, und wie man mit ihnen letztendlich leben muss, sobald man sie einmal in den „Hühnerstall“ gelassen hat – ob man will oder nicht. Sehr wahrscheinlich, dass das auch das Fazit des Regisseurs zum Phänomen "Trump" ist.

'The Founder' ist konservatives US-Kino

Regisseur John Lee Hancock fertigte mit The Founder eine Charakterstudie des talentlosen Gebrauchtwarenhändlers anhand der wahren Geschichte des Ex-McDonalds-Eigentümer Ray Kroc. Das Ergebnis ist etwas bieder und zahnlos, aber durchaus sehenswert – vor allem, wenn man die (intendierten) Parallelen zur Geschichte und zum Aufstieg Donald Trumps erkennt und bedenkt.

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