Kritik: The LEGO Batman Movie

Mit Bauplan zum besten DC-Comicfilm

FSK 6

Die Lego Figur Batman fliegt vor einem gelben Hintergrund siegessicher der Kamera entgegen

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Die einzigartige Welt des Lego-Batman

Tagtäglich rettet Batman (Will Arnett, im Deutschen: David Nathan) die Stadt Gotham City vor einer Unmenge an bunten Superschurken – stets auf eigene Faust und stets mit einem abnormen Ego. Doch selbst die größte Bewunderung der Stadtbewohner kann nicht hinweg täuschen, dass Batman sehr einsam ist.  

Seine Leben wird dadurch erschwert, dass Barbara Gordon (Rosario Dawson, im Deutschen: Claudia Urbschat-Mingues), die Tochter von Comissioner Jim Gordon (Hector Elizondo), den Platz ihres Vaters einnimmt. Diese will nämlich, dass Batman in Zukunft eng mit der Polizei zusammenarbeitet – ganz zu seinem Leidwesen, versteht sich. Noch schlimmer wird es, als Batman widerwillig die Rolle des Adoptivvaters für den enthusiastischen Richard „Dick“ Grayson (Michael Cera, im Deutschen: Luke Mockridge) übernimmt.  Einzig Batmans treuer Butler Alfred (Ralph Fiennes, im Deutschen: Jürgen Thormann) sieht darin eine Chance: Batman soll eine Familie gründen.

Die Lego-Figur Bruce Wayne gibt eine Gala im Film The LEGO Batman Movie
Wer sich an die Dark Night-Trilogie von Christopher Nolan erinnert, wird die Querverweise in The LEGO Batman Movie lieben.

Doch währenddessen braut sich in den dunklen Ecken Gothams etwas Böses zusammen. Der Joker (Zach Galifianakis, im Deutschen: Erik „Gronkh“ Range) ist beleidigt, weil Batman ihn nach all den Jahren nicht als seinen größten Widersacher ansieht. Ganz gleich wie viele Superschurken der Joker unter sich versammelt und die Stadt bedroht, Batman weigert sich, ihn als seinen größten Erzfeind anzuerkennen. Der Joker will das ändern und schmiedet einen Plan...

Ego Batman

Bereits in The LEGO Movie war Lego-Batman der heimliche Fan-Favorit. Es überrascht also nicht, dass er seinen eigenen Spin-Off-Film bekommt – was er er den Zuschauer auch nicht vergessen lässt. Egal, ob er zu Beginn über die richtige Aussprache des Studios Warner Bros. herzieht, seinen eigens komponierten Titelsong zum Besten gibt während er sich durch Unmengen von Schurken durchprügelt, oder seine Fans mit Batman-Fanartikeln beschießt. Batman macht klar, um wen sich der Film zu drehen hat. So viel Vierte-Wand-durchbrechende Eigenvermarktung  kennt man sonst nur aus Deadpool. Auch Batmans Eigenschaften werden auf die Schippe genommen, sodass aus dem Comic-Helden ein launenhafter Egomane mit massiven Komplexen wird. Und das ist großartig, witzig und erfrischend zu gleich. Ein eigener Film über Lego-Batman? Voll gerechtfertigt!

Buntes Gotham 

Die bunte Lego Welt Gothams in The Lego Batman Movie
Gotham geht auch anders: bunt, einfallsreich, witzig.

Lego-Batman ist nicht die einzige Figur aus dem Batman-Universum, die herrlich überzogen ist. Seine Kameraden sind es ebenfalls. Egal ob es der Butler Alfred ist, der Batman u.a. mit einer Kindersicherung vor Dummheiten bewahren will, oder der gnadenlos naive und hyperaktive Dick Grayson aka. Robin – sie alle sorgen für gute Stimmung. 

Bedauerlicherweise erhalten nicht alle Figuren die nötige Aufmerksamkeit. Bereits am Anfang wird der Zuschauer mit sämtlichen Schurken überhäuft, die jemals in einem Batman-Comic erschienen sind. Auch zahlreiche andere Figuren finden ihren Weg in das Lego-Abenteuer. Das Problem ist, dass ihnen nicht die nötige Zeit zur Verfügung gestellt wurde, sodass viele lediglich zu Cameo-Auftritte verkommen.

Gronkh ist der Joker

Die Lego-Figur Joker grinst bösartig in die Kamera im Film The Lego Batman Movie
DC nimmt sich selbst auf den Arm: der Lego-Joker ist besser als Jared Leto in Suicide Squad.

Natürlich kämpft Batman auch hier gegen den berüchtigten Joker, dem in der deutschen Version der Let’s-Play-YouTuber Gronkh seine herrlich überdrehte Stimme leiht. In dieser Version ist der Joker nicht der mörderische Psychopath, wie man ihn aus früheren Filmen kennt. Stattdessen sieht man ihn von einer selbstironischen und sentimentalen Seite. Er will nur eins: Respekt für seine Boshaftigkeit. Seine Rolle wird maßlos überspitzt dargestellt, ist dadurch aber ein besonderes Highlight des Films. Eines steht auf jeden Fall fest: Dieser Joker ist überzeugender, als der Jared-Leto-Joker aus Suicide Squad.

Von Batman-Fanboys gemacht?

Die Legofigur Batman im Einsatz in The LEGO Batman Movie
In The LEGO Batman Movie bleibt kein Stein auf dem anderen.

Das charmante an The LEGO Batman Movie ist, dass die Kreativität und Fülle an Satire und Selbstironie den Charme eines fanmade YouTube-Videos versprühen. Liebevoll und mit einem frechen Schmunzeln im Gesicht demontiert der Animationsfilm Stück für Stück – pardon –, Stein für Stein das Image des Superhelden Batmans. Ganz egal, ob nun über den 60er-Jahre Adam-West-Batman hergezogen wird, oder über den Ursprung von Robins (hosenfreien) Kostüm, es wird einfach die gesamte Batman-Welt durch den Kakao gezogen. Das funktioniert vor allem auch, da nicht nur Comic-Kenner sondern auch der Durchschnittskino-Besucher darüber lachen kann.

Wunderschönes Lego-Spektakel

Ganz große Klasse sind in The LEGO Batman Movie die Animationen. Hier zeigt sich, was für ein Potenzial animierte Legofiguren tatsächlich haben. Die liebevoll-gestalteten und detailreichen Lego-Sets lassen das Hartplastik-Spielzeug zum Leben erwachen, wie es früher nur die Fantasie eines Kindes geschafft hat. 

Bruce Wayne und Butler Alfred unterhalten sich in einem Saal mit brennendem Kamin in The Lego Batman Movie
Wundervolles Setdesign: Kindheitsträume werden wahr.

Ähnlich imposant fallen die Actionszenen aus – und die haben es in sich. Sie sind aufwendig und ausgefallen. Bereits die erste Szene zeigt, zu was für einem Gekloppe simple Lego-Figuren in der Lage sind. Das Problem ist allerdings die Hektik. Zwischen den Dialogen und den Actionszenen bleibt kaum Zeit zum Luft holen. Gerade gegen Ende erreignen sich die Kampfszenen so schnell, dass es gelegentlich schwer fällt, den Überblick zu behalten. Nichtsdestotrotz bekommt der Zuschauer zahlreiches Lego-Stein-Schlachten zu sehen. 

Der Lego-Klotz am Bein

So witzig die Batman-Parodie auch umgesetzt ist, wie so oft wurde der Humor und die Animation über die Qualität der Handlung gestellt. Zu Zwecken der Satire bleibt die Handlung gewöhnlich und stark vorhersehbar. Vor allem im Direktvergleich mit The LEGO Movie fällt das am stärksten auf. Unerwartete Abläufe und einen cleveren Twist sucht man vergebens. Dafür ist die Handlung viel zu absehbar und verfolgt eine formelhafte Struktur, die zu hektisch abläuft. Auch Emotionen und eine Moral fallen kürzer aus, als im Vorgängerfilm. Natürlich steht die Handlung in diesem Fall nicht an erster Stelle und ist eher eine überzogene Parodie auf den Batman-Mythos, dennoch hätte ich mich gerne mehr überraschen lassen.

'The LEGO Batman Movie' ist der beste DC Film seit 'The Dark Knight Rises'!

The LEGO Batman Movie, die skurille Batman-Parodie im Lego-Gewand,  funktioniert  trotz vorhersehbarer Handlung überraschend gut. Mit Witz und Einfallsreichtum, statt mit künstlicher Düsternis und unfreiwillig komischer Melodramatik schafft es der Film, die Batman-Geschichte in einer albernen, aber nicht minder amüsanten Weise zu erzählen. Zum Einen ist es eine Liebeserklärung an Batman-Fans, zum Anderen ist der Animationsfilm auch für den Durchschnitts-Kinobesucher leicht zugänglich. Zwar kommt das Spin-Off nicht an The LEGO Movie heran, macht jedoch eine deutlich bessere Figur, als die Realfilme des restlichen DC Extended Universe. The LEGO Batman Movie wird nicht der Letzte Hartplastik-Film sein. Wir plädieren für ein neues Genre: Der Klötzchen-Film^^. 

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