Vorschau: Assassin’s Creed (Film)

Kinofilm distanziert sich deutlich von Videospielen

FSK 16

Aguilar de Nerha springt mit ausgebreiteten Armen von einer Kirche

Um was geht’s überhaupt bei Assassin’s Creed? Hier eine Schnellzusammenfassung für alle Unwissenden:

Die Rahmenhandlung spielt zu unserer Zeit. Eine geheime Organisation namens Abstergo wird vom Templer-Orden geführt und ist im Besitz einer futuristischen Maschine namens Animus. Diese kann die genetischen Erinnerungen eines Menschen in einer hyperrealistischen Virtual Reality simulieren. Dadurch wollen die Templer Geheimnisse aus der Vergangenheit aufdecken, um zum Beispiel mystische Artefakte zu finden. Besonders geeignet für Animus-Zeitreise sind Nachfahren der Assassinen, die in ihren genetisch vererbten Erinnerungen wertvolle Informationen mittragen. Die Handlung von Assassin’s Creed wird also immer auf zwei Ebenen erzählt: In der Vergangenheit und in der Gegenwart.

Neue Geschichte

Fans der Videospiele sind vermutlich enttäuscht: Der Film basiert auf keinem der Spiele. Stattdessen wird eine komplett neue Geschichte erzählt, die aber ebenfalls im Assassin’s Creed-Universum angesiedelt ist. Regisseur Justin Kurzel erklärte in einem Interview mit Gamespot, das nur die Kernelemente der Game-Reihe im Film eine Rolle spielen:

„Wir entschieden uns für einen Rückschritt, der komplett neu ist. Wir beschäftigen uns nicht wirklich mit Parallelen zu den Spielen, mit Callum und Aguilar führen wir neue Charaktere ein. Wir wollen den Kern-Ideen gerecht bleiben: dem Animus, den DNA-Erinnerungen der Charaktere, den Artefakten.“ 

Regisseur Justin Kurzel

Neues Setting

Bild aus dem Film Assassin's Creed
Religion und Krieg: Die zwei Kernthemen der Assassin's Creed-Reihe

Neue Geschichte, neues Setting. Die Orte der Videospiele (Arabien im Mittelalter, Italien während der Renaissance, Amerika während der Amerikanischen Revolution, Paris während der Französischen Revolution, England während der Industrialisierung)  sind alle nicht Schauplatz des Films. Stattdessen wird der Teil der Handlung, der in der Vergangenheit spielt,  in Spanien während der Inquisition angesiedelt sein. Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert wurden im Auftrag des Vatikans Andersdenkende verfolgt und hingerichtet. 

Kein Desmond Miles

Desmond Miles, der eigentliche Hauptcharakter vieler Assassin’s Creed-Spiele, wird nicht der Protagonist der Gegenwart-Story sein. Stattdessen verkörpert Michael Fassbender den Profi-Kriminellen Callum Lynch. Ihn erwartet eine Todesstrafe, doch wird er von Abstergo „gerettet“, und für den Animus rekrutiert.

Michael Fassbender als Callum Lynch in Film Assassin's Creed
Das war knapp: Callum Lynch (Michael Fassbender) entgeht knapp der tödlichen Injektion.

Aguilar de Nerha: Der neue Assassine

Viele Fans wünschten sich Fan-Liebling Ezio Auditore als Assassinen im neuen Film. Stattdessen ist Callum Lynchs alter Vorfahre eine Spanier: Der Assassine heißt Aguilar de Nerha und ist Callum Lynch wie aus dem Gesicht geschnitten. Deshalb wird er ebenfalls von Michael Fassbender gespielt. Der Film bleibt also seiner Spielvorlage treu, indem sich die beiden Protagonisten der verschiedenen Handlungsebenen ähneln.

Michael Fassbender in Assassins Creed
Neuer Assassine, doch ganz im Stil der Videospiel-Vorbilder: Aguilar de Nerha.

Abstergo in neuem Glanz

In den Spielen sieht der Animus aus wie eine Sonnenbank. Nicht so im Film: Der Animus ist nun ein weitaus spektakulärer aussehender Greifarm, der die Person wild durch den Raum schleudert, um die Bewegungen des Vorfahren zu imitieren. Regisseur Justin Kurzel erklärt diese Veränderungen mit dem Wechsel des Formates von Videospiel zu Spielfilm. Nicht alles, was als Spiel funktioniert, sieht auch im Kino toll aus:

„Ich habe mich der Sache als ein Film genähert. Ich respektiere das Spiel und habe viel Zeit mit dem Spiel verbracht, aber ab einem bestimmten Punkt musst du einfach das Ganze als ein Film betrachten und wie dieser eigenständig funktionieren kann.“

Regisseur Justin Kurzel

Ein weiterer Grund für den neuen Entwurf des Animus war, dass Parallelen zum Science-Fiction-Dreiteiler Matrix vermieden werden sollten.

Der Fokus liegt auf der Gegenwart

Die Spiele nutzten die Geschichte in der Gegenwart nur als Randnotizen. Anders im Film: Der Großteil der Handlung soll in Abstergo stattfinden. Dabei sollen die Simulationen der Vergangenheit nur ungefähr 40% der Laufzeit einnehmen.

Michael Fassbender als Callum Lynch bei Abstergo
Historienfilm? Falsch. Assassin's Creed ist hauptsächlich ein Science-Fiction-Film, im Stil von Matrix.

Gibt es den Leap of Faith?

Für viele das coolste Element der Spiele: Der Assassinen-Sprung von einem hohen Turm in einen Strohhaufen. Für den Film wurde der sogenannte „Leap of Faith“ sogar in der Tat umgesetzt: Ein Stuntman sprang dafür spektakuläre 38 Meter in die Tiefe und landete sicher in einem riesigen Auffang-Kissen – ohne Sicherung. Es war der höchste Sprung eines Stuntman seit über 35 Jahren.

Wer spielt sonst noch mit?

Der Cast kann sich sehen lassen. Neben Michael Fassbender in den beiden Hauptrollen, spielt Jeremy Irons einen CEO von Abstergo und den vermutlichen Widersacher namens Alan Rikkin. Kommt der Name jemandem bekannt vor? Mr. Rikkin sah man zuletzt im ersten Assassin’s Creed-Spiel.

Marion Cotillard (Inception, The Dark Knight Rises) spielt die Tochter von Alan Rikkin namens Sophia. Sie ist die führende Wissenschaftlerin des Animus-Projektes.

Marion Cotillard und Jeremy Irons als Alan und Sophia RIkkin in Film Assassin's Creed
Brendan Gleeson (Mad-Eye Moody aus Harry Potter) spielt Callum Lynchs Father.

Prognose: Was dürfen wir von 'Assassin’s Creed' erwarten?

Bei Videospiel-Verfilmungen müssen wir aus Routine schon zittern. Meiner Meinung gab es bis zum heutigen Tag noch keinen einzigen, umwerfenden Spielfilm, der auf einem Computerspiel basierte (zuletzt das maue Warcraft). Einerseits bin ich zuversichtlich, dass der Film auf „Popcorn-Ebene“ gut funktionieren wird und spaßige Parkour-Action bietet. Andererseits bin ich etwas besorgt, dass das enorme Potential der Videospiel-Reihe nicht ausreichend ausgeschöpft wird. Die Trailer wirken (noch) etwas platt und die Tiefe der Story aus den Videospielen wurde noch nicht ersichtlich. Mir wäre eine Verfilmung der Ezio-Reihe lieber gewesen, doch ich lasse mich gerne positiv überraschen.

'Assassin's Creed' startet am 27. Dezember in Deutschland.

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