Review: Black Mass

Johnny Depp springt über seinen eigenen Schatten

FSK 16

Das Poster für Black Mass mit Johnny Depp

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Tatsächlich beschäftigt sich Black Mass eher mit seinem Aufstieg als „Anti-Mafiosi“ in den 70er und 80er Jahren. Whitey Bulgar (Johnny Depp) besitzt ein überschaubares Kriminalnetzwerk in der Bostoner Innenstadt. Als sein alter Bekannter John Connolly (Joel Edgerton), mittlerweile ein Mitarbeiter des FBI, ihn aufsucht, bietet er dem Gangster einen attraktiven Deal an. Wenn Bulger und sein Netzwerk Connolly helfen die italienische Mafia aus der Stadt zu treiben, bietet ihm das FBI eine umfassende Immunität und schaut bei seinen Machenschaften wohlwollend weg. Es wächst ein starkes Bündnis zwischen den beiden, doch hat Connolly übersehen, dass durch die Allianz James Bulger immer mehr zu einem regelrechten Monster heranwächst. Ausgerechnet James Bruder Billy (Benedict Cumberbatch) ist dabei als Senator der mächtigste Mann im ganzen Bundestaat. Doch wie weit steckt er in den Machenschaften seines großen bösen Bruders drin?

James Whitey Bulger, ein "echter" Gangster

Filme nach realen Ereignissen haben natürlich immer einen besonderen Bonus. Die Handlung kann sich zu Gunsten der realitätsnahen Abbildung viel mehr erlauben, als bei einem strukturierten Hollywood Skript. Hinzu kommt, dass natürlich jede Szene viel spannender und bedeutungsvoller erscheint. Black Mass ist dabei ein geradezu konservativer „Nach wahren Begebenheiten“-Film.

Was das heißt? Um das Negative vorweg zu nehmen: Oft wirkt der Film alles etwas zusammengeflickt und ohne echte Spannung. Regisseur Scott Cooper gibt sich zwar Mühe, jede Szene mit größtmöglicher Sorgfalt zu inszenieren, es fehlt jedoch etwas an einem starken roten Faden. Stattdessen hangelt sich Black Mass an einer leicht rissigen Schnur, ohne jedoch völlig das Gleichgewicht zu verlieren.

Johnny Depp setzt Segel in die richtige Richtung

Nichts desto Trotz, das Ass im Ärmel ist Johnny Depp. Nach unzähligen langweiligen Selbst-Imitaten, die nur einem traurigen Schatten seines Jack Sparrow Images ähnelten, traut er sich nun wieder in neue Gewässer. Seine Verkörperung des Gangsterbosses James Bulger ist fies und furchteinflößend. Mit einem Touch des cholerischen Michael Corleone und einer Priese von brutalem Christopher Walken, ist es Depp’s beste Performance der letzten Jahre.

Letztendlich schafft er auch ein oder zwei wahre Filmhighlights, in welchen Bulger mit Psychotricks seine Opfer auf subtile Weise in die Ecke treibt. Ob der echte James Bulger wohl genauso furchteinflößend war?

Aber auch Joel Edgerton als FBI Agent Connolly spielt seine Rolle mit einer Undurchsichtigkeit, die kein Schwarz-Weiß/Gut-Böse Denken erlaubt. Dafür gibt es in Black Mass leider auch keine wirklichen Sympathieträger.

Gegen Ende verliert der Film etwas an Tempo, und scheint schließlich einfach zu Ende zu sein (um nochmal auf die „Nach wahren Begebenheiten“-Filmregeln zu deuten *hust*). Den Rest erledigen aufklärende Texteinblendungen, wie man sie aus solchen Filmen kennt. Vielleicht hätte Hollywood da doch noch etwas mehr aus der Vorlage rausholen können… 

Black Mass ist ein solides Gangster-Drama

Black Mass unterhält gerade gut genug als ein etwas „schmaleres“ Der Pate, aber hinterlässt aufgrund der fehlenden Grundspannung nicht einen größeren Eindruck. Ein kleiner Funken Originalität in Drehbuch und Umsetzung hätten gut getan. Nichts desto Trotz zeigt Johnny Depp endlich mal wieder eine starke Performance.

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