Review: Der Hobbit: Smaugs Einöde – Extended Version

Der gigantischste Film-Drache aller Zeiten

Ein Poster von Der Hobbit: Smaugs Einöde

Zwei sind nicht genug. Nachdem Der Herr der Ringe-Schöpfer Peter Jackson sein Hobbit-Projekt um einen Film erweitern durfte, warf das einige Fragen auf. Kann die Kinderbuch-Vorlage einer epischen Trilogie überhaupt im Entferntesten ebenbürtig sein? Da man während dieser Entscheidung schon mitten in den Dreharbeiten steckte, wurden Drehbücher umgeschrieben und Szenen erweitert, um Platz für einen Mittel-Film zu schaffen. Man taufte ihn „Smaugs Einöde“.

Bilbo Beutlin (aka „Rätsellöser“ und „Fassreiter“) steckt mit seinen haarigen Hobbit-Füßen tiefer im Abenteuer als je zuvor. Nachdem die Unternehmung, einschließlich Gandalf und  13 Zwergen, haarscharf dem bösen Super-Ork „Azog“ entkommen ist, suchen sie den schnellsten Weg zum Einsamen Berg, um die Herrschaft des Drachen Smaug zu beenden und ihre Heimat (inkl. Schatz) zurückzuerobern. Doch die Zeit drängt: Sollten sie das geheime Tor in den Berg nicht rechtzeitig zum „Durinstag“ finden, wird eine wichtige Prophezeiung nicht erfüllt, und der Eintritt in den Berg für immer verwehrt. Lästige Hindernisse wie Waldelben, Riesenspinnen, und zu guter Letzt eine jagende Orkmeute erschweren der Gruppe ihre wichtige Mission…

Das Herz einer Trilogie

Die zwei Türme The Dark Knight, The Empire Strikes Back, Der Pate 2… der mittlere Film einer Trilogie ist oft der wichtigste. Besonders die letzten drei Beispiele haben einen festen Platz in den besten Sequels der Filmgeschichte. Der zweite Film einer Trilogie ist in vielen Fällen das Herz und die Seele, ein Franchise beginnt zu atmen. Hat der erste Teil noch alle Segel gesetzt, geht es spätestens jetzt aufs große Meer. Wie sieht’s bei Der Hobbit aus? Schließlich störte sich der ein oder andere an dem Fakt, dass in eine unerwartete Reise einfach zu viel gelaufen wurde und zu wenig passiert. In Smaugs Einöde wandern unsere Zwerge und Hobbits zwar immer noch glücklich vor sich hin, aber es geht in die richtige Richtung. Nämlich in Richtung Smaug.

Tatsächlich profitiert von allen Hobbit-Filmen dieser hier am meisten von der Dreiteilung, denn Smaugs Einöde kriegt das größte Stück Handlung ab. Auch die Extended Version lohnt sich: Ein komplett neuer Handlungsstrang (Dain und sein Zauberring) wird eingefügt, und ergänzt das Filmerlebnis zugunsten einer vielschichtigeren Story. Obwohl von den altbekannten Herr der Ringe Settings (Auenland, Bruchtal) keins zu sehen ist, versprüht Smaugs Einöde eine Atmosphäre, die Mittelerde absolut gerecht wird. Hier geht es ganz klar düsterer zu, als auf der relativ unbeschwerten und „unerwarteten Reise“ zuvor.

„Wildwasser-Rafting“ - Die neue Attraktion in Mittelerde!

Wer hier sehnsüchtig auf eine rohanmäßige Schlacht mit Gänsehautfaktor wartet, wird keine bekommen. Stattdessen gibt es, wie schon in Eine unerwartete Reise, total abgefreakte Action Setpieces. Paradebeispiel wäre ein Fluchtversuch der Zwerge, die sich in Holzfässern einen Wildwasserfluss hinunterstürzen… und dabei gleichzeitig von Elben und Orks gejagt werden. Es ist die Art von Action, die einem zum lachen bringt, einfach weil das Gesehene so rasant und einfallsreich ist.

Jedes Franchise braucht ein Liebes-Dreieck

Einige neue Figuren stellen sich im Laufe des Films vor. Die Waldelbin Tauriel (Evangeline Lilly aus Lost) sorgt für das nötige weibliche Gegengewicht (bis jetzt waren die Charaktere in der Hobbit relativ bartlastig). Ihre Figur wurde von den Drehbuchautoren frei erfunden, und soll Dreh- und Angelpunkt einer neuen Liebesgeschichte sein. Der Lover: Niemand anderes als Legolas (Orlando Bloom). Der Herausforderer: Hottie-Zwerg Kili (Aidan Turner). Das Love Triangle hat in der Handlung zwar durchaus eine Berechtigung, denn so ganz ohne Schmachtereien sollte eigentlich kein episches Franchise ins Ziel laufen. Trotzdem wirkt dieses Element etwas gewollt und oberflächlich. Es stört zwar nicht, gibt der Handlung aber kaum echte Emotionen.

Neuzugang Luke Evans als „Bard“ ist hingegen sehr willkommen. Der Kahnführer schmuggelt die Zwerge näher an ihr Ziel, und verdient sich im Laufe des Films einige Sympathiepunkte.

Der Zwerg - Smaugs Einöde

Wir haben einen neuen Hauptcharakter. Martin Freeman als Bilbo ist zwar immer noch großartig und perfekt besetzt, aber tatsächlich weicht er in Smaugs Einöde zugunsten Thorin Eichenschild (Richard Armitage). Ihm gehört deutlich mehr Screentime und Dialog, auch für die Handlung scheint er um einiges wichtiger zu sein als der Hobbit. Lediglich im Finale kann Bilbo nochmal zeigen, was er kann.

Am Ende vom Film duellieren sich Sherlock und Dr. Watson

Schließlich kommt der Moment, auf den alle gewartet haben. Der Drache Smaug zeigt sich in seiner vollen Gestalt. Sein Aussehen wurde reichlich spekuliert, und bis zum Schluss geheim gehalten. Man wird auch nicht enttäuscht: Smaug, gesprochen vom grandiosen Benedict Cumberbatch (in der Originalversion), ist wahrlich gewaltig und furchteinflößend. Leider kommt die deutsche Synchro von Smaug nicht an das Level von Cumberbatch. Das CGI fällt zu keiner Sekunde negativ auf, und es ist ein Genuss ihn anzusehen. Nicht zuletzt die intelligente Kameraführung fängt Smaug immer von seiner besten (und grimmigsten) Seite ein.

Dabei ist das Aufeinandertreffen von Bilbo und dem Drachen auch zum Glück nicht zu kurz ausgefallen (aber wer hätte das schon erwartet). Hier sei ein kleiner Funfact erwähnt: Die beiden Schauspieler sind Sherlock (Cumberbatch) und Dr. Watson (Freeman) aus der BBC Serie „Sherlock“. Für Fans der Serie ist das aufeinandertreffen von Smaug und Bilbo also besonders unterhaltsam. Leider bietet der Extended Cut hier keine neuen Szenen.

Gemeiner Cliffhanger

Nach dem Finale, dass in seiner Länge fast ein komplettes Drittel der Gesamtlaufzeit ausmacht, endet der Film extrem schnell, und lässt die Zuschauer mit 200km/h gegen die Wand fahren. Ein sehr böser Cliffhanger, der aber Gott sei Dank funktioniert. Nach den 186 Minuten fühlt man sich ausgelaugt und müde, denn Smaugs Einöde ist anstrengend. Die Action, Effekte, und letztendlich die Länge machen den Film „episch“, aber wenn die Credits Rollen, gleicht das Gefühl dem eines beendeten Marathons.

Trotzdem: Smaugs Einöde besitzt im Gegensatz zu Eine unerwartete Reise gerade genug Handlung, um nicht negativ aufzufallen. Somit findet man während der Laufzeit auch deutlich weniger Durststrecken. Alles in allem ist es also ein grundsolider und starker Fantasy-Streifen.

15 Minuten neue Szenen

Besonders die erste Stunde macht vom Extended Cut ziemlich Spaß. Wir sehen mehr vom „Wer-Bär“ Beorn, sowie eine lange, surreale Sequenz in den Tiefen des Düsterwalds. Ganz klar ein Highlight des Films und eine Bereicherung gegenüber der Kinofassung.

Fazit

Smaugs Einöde ist von vorne bis hinten ein Fantasyfilm ohne echte Schwächen. Natürlich wird die Tiefe von Der Herr der Ringe immer noch nicht erreicht, aber er greift in diesem Aspekt deutlich höher als sein Vorgänger. Die Extended Version lohnt sich überraschenderweise, und Fans können sich auf einige neue Film-Highlights freuen.

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