Review: Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Dieses Jugend-Franchise hebt sich von der Mittelmäßigkeit ab

Poster von Tribute von Panem The Hunger Games

Nach dem Ende der ultrabeliebten Harry Potter-Filme, machte sich ganz Hollywood auf die verzweifelte Suche nach einem ebenbürtigen Ersatz. Die Grundvoraussetzungen: Ein Buchfranchise für junge Jugendliche, mit mehreren Teilen. Nach halbherzigen Versuchen, wie z.B. Percy Jackson (Twilight lassen wir mal ganz bewusst vorne weg), schien sich ein potentieller Kandidat herauskristallisiert zu haben… The Hunger Games, von Autorin Suzanne Collins.

Die Grundidee ist einfach: In einer nahen Zukunft wurde die Gesellschaft von heftigen Klassenkämpfen erschüttert, worauf ein Teil der Bevölkerung regelrecht „versklavt“ wurde, der Rest aber ein buntes und dekadentes Leben in Reichtum genießt. Jedes Jahr fordert die Oberschicht von der Unterschicht einen grausamen Tribut: Ausgewählte Champions aus jedem Armen-Distrikt müssen in einer Arena gegeneinander bis zum Tod kämpfen; wortwörtlich bis zum „Last Man Standing“. Dieses Event nennt man "Die Hungerspiele", und sind für die Massen so etwas wie Weihnachten.  Noch verstörender ist der Fakt, dass nur Kinder und Jugendliche in dieser Schlacht antreten. Dazu wird alles in bester „Dschungelcamp“-Manier live an das gesamte Land übertragen. Man kann sich jetzt schon denken: Dieser Film ist mit Sicherheit gesellschaftskritisch.

Als bei der Championswahl die mutige Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) für ihre jüngere Schwester einspringt, läuft ihr Leben langsam aber sicher dem ziemlich sicheren Tod entgegen. Zusammen mit dem männlichen Champion aus ihrem Distrikt, Peeta Mellark (Josh Hutcherson), werden die Beiden ins „Kapitol“ chauffiert, wo sie sich einer harten Vorbereitung unterziehen müssen. Denn neben den kämpferischen Fähigkeiten, spielt auch die Popularität eines Champions beim Volk eine entscheidende Rolle. Nur einer von 24 kann das Szenario überleben. Es bilden sich also auch Spannungen zwischen Katniss und Peeta, obwohl es doch gerade vorsichtig angefangen hat zu funken…

(K)Ein neues Harry Potter?

Ein Vergleich zu Harry Potter funktioniert nicht. Hier gibt es keine Magie, keine Unschuld, und schon gar nicht würde irgendjemand in seiner Vorstellung gerne Teil des gezeigten Universums sein. Schon von der ersten Minute an drückt Regisseur Gary Ross die Atmosphäre seines Films auf eine Beklemmung und Tristheit, die in dem Genre „Jugendbuch-Verfilmung“ schon fast einzigartig ist. Man kann das Elend in den Distrikten schon förmlich riechen, und ein großartig melancholischer Score von James Newton Howard setzt nochmal eins drauf.

Vom Leben am Limit, und dem Werteverfall in der Gesellschaft

Im krassen Gegensatz zu den Lebensverhältnissen der Unterschicht, steht der exzessive, am Barock orientierte Lifestyle der reichen Leute. Sobald der Film sein Setting wechselt, fühlt er sich auch direkt völlig anders an. Die vollkommen künstlichen und abstrusen Outfits der Wohlhabenden unterstreichen perfekt die herrschende Oberflächlichkeit in der Gesellschaft. Die beiden Hauptdarsteller Katniss und Peeta fühlen sich fehl am Platz, doch ihre „Mentoren“ Effie (Elizabeth Banks) und Haymitch (Woody Harrelson) zeigen ihnen, wie man die Vorzüge des opulenten Lebens im Vollen genießt… wenn auch nur für wenige Tage.

Die eben genannten Nebencharaktere sind ohne Zweifel ein Highlight in Die Tribute von Panem. Woody Harrelson stehen die langen, blonden Haare zwar nicht. Doch seine Darstellung des besoffenen, aber gütigen Trainers, ist für den ein oder anderen Lacher gut. Die affige Effie ist mit ihrer „tussigen“, komplett naiven Art zwar eher eine Karikatur, aber trotzdem von enormen Unterhaltungswert.

Jennifer Lawrence: Eine starke Frauenfigur?

Der restliche Cast ist nicht weniger stark besetzt: Donald Sutherland als der böse Präsident Snow lässt die Atmosphäre bis zum Gefrierpunkt herunter kühlen. Stanley Tucci’s Darstellung des aufgedrehten Show-Masters ist so makaber, dass man nicht weiß, ob man wirklich über seine Witze lachen darf. Doch mag die Nebenbesetzung noch so hochkarätig sein, was liefert Jennifer Lawrence hier ab? Eine starke weiblich Hauptrolle, die vielleicht manchmal etwas zuuu trotzig ist, aber allgemein mit ihrer rebellischen, und gleichzeitig sensiblen Art für viel Sympathie sorgt. Dagegen ist Josh Hutcherson als Peeta eher blass.

Still a better love story than Twilight

Um ein Twilight-mäßiges Love-Triangle zu erschaffen, wirft die Geschichte noch den heißen Gale (Liam Hemsworth) ins Geschehen. Allerdings tut er im Film nichts anderes, als im Distrikt vor dem Fernseher Katniss bei den Hungerspielen zuzuschauen. Dabei wäre seine Rolle immer noch interessanter, als die von Milchbubi Peeta.

Was Die Tribute von Panem allerdings im Gegensatz zu Twilight gelingt, ist das Schaffen eines Universums, das im Kern wirklich relevant und authentisch wirkt. Die Spannung und die Bedrohung sind im Film stetig zu spüren, und die sozialkritischen Seitenhiebe fallen intelligenter aus als erwartet.

Kameramann mit ADHS

Kommen wir zu den Hungerspielen an sich: Die zweite Hälfte des Films besteht aus dem Survival-Trip in der riesigen Wald-Arena. Natürlich wird das Blutbad nicht von seiner brutalsten Seite eingefangen. Damit würde nämlich die riesige Zielgruppe der 14-18 Jährigen verloren gehen. Stattdessen versucht die Kamera mit nervigen Wackeleinlagen das Geschehen zu verschleiern. Doch nicht nur bei den Actionszenen, auch bei einigen ruhigen Dialogen scheint sich der Kameramann mit Absicht kräftig zu schütteln… warum auch immer. Damit wird zwar die Unruhe des Geschehens unterstrichen, darüber hinaus wirkt es aber etwas billig und unnötig.

Viel besser gelingt es Regisseur Gary Ross, emotionale Momente zu schaffen (mit Hilfe des Soundtracks natürlich). An einigen Stellen krabbelt einem langsam die Gänsehaut den Rücken hoch.

Wie beendet man den ersten Teil eines Franchises? Natürlich mit einem Cliffhanger. Dieser wirkt allerdings halbherzig und etwas antiklimatisch. Trotzdem hinterlässt der Film einen positiven Eindruck, und macht Lust auf mehr.

Fazit

Nach etlichen angefangen Jugend-/Sci-fi/Romanzen/Action- Reihen wie Twilight, Die Bestimmung, Maze Runner, hat Die Tribute von Panem mit Abstand das meiste Potential. Auch wenn die Idee von tödlichen Spielen zur Belustigung der Massen nicht neu ist (Battle Royale) steckt in diesem Film eine Menge Inhalt und Aussagekraft. Doch es ist weder ein neues Harry Potter, noch ist es ein neues Twilight.

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