Review: Die Unfassbaren 2

Diese Magier führen dich zwei Stunden lang in die Irre

Wallpaper von die Unfassbaren 2

Die (apokalyptischen) Reiter sind zurück. So nennt sich die Clique von Showmagiern, die bereits im Vorgänger Die Unfassbaren - Now You See Me die ganze Welt zum Staunen gebracht haben. Warum die beiden Filme unbedingt den eingedeutschten Titel „Die Unfassbaren“ tragen müssen, ist mir dabei nicht ganz klar. „Die vier Reiter“ wäre immerhin die weniger körnige Variante gewesen, die keine Assoziationen zu Pixars Die Unglaublichen hervorruft.  Dazu fällt der Filmtitel kein einziges Mal im Film. Denn genauso wie sein Vorgänger, erinnert Die Unfassbaren 2 mehr an die Ocean’s Eleven-Filme, als an eine Superhelden-Geschichte. Wenn sich für dich die Kreuzung Heist-Film + Showmagie absolut abgefahren anhört, dann wirst du an diesem Film vermutlich viel Spaß haben. In unserer Filmkritik erfährst du mehr.

Ein kleines Recap: Was bisher geschah (Spoiler für den ersten Film)

Vier Zauberkünstler erhalten mysteriöse Spielkarten, auf welchen Ort und Zeit für ein gemeinsames Treffen angegeben sind. Mit dabei von der Partie sind:

Die vier Magier erhalten an dem Treffpunkt einen mysteriösen Plan für ultimative Zaubertricks, die anscheinend von der Geheimorganisation „Das Auge“ stammen. Dieser uralte, verborgene Bund von Zauberern offenbart seinen Mitgliedern die „wahre Magie“. Doch damit die vier Zauberer aufgenommen werden, müssen sie eine Prüfung absolvieren: Sie müssen sich mit Zaubertricks beweisen.

Daraufhin ziehen „die vier Reiter“ unglaubliche Shows ab: In Las Vegas rauben sie per Teleportation eine Bank in Paris aus und lassen das gestohlene Geld auf die Zuschauer herabregnen. Oder sie plündern das Konto des Versicherungsmagnaten Arthur Tressler und geben es den betrogenen Versicherungskunden zurück. Während „die Reiter“ Robin Hood spielen, ist ihnen der FBI-Ermittler Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) dicht auf den Fersen.

Doch nichts ist so wie es scheint: In einem radikalen Twist stellt sich heraus, dass FBI-Mann Dylan Rhodes selbst „Die Reiter“ gesteuert hat, indem er sie im verborgenen zusammengeführt hat. Als Doppelagent sorgte er beim FBI dafür, dass sie nicht so schnell gefasst werden und ihre Mission für „Das Auge“ beenden konnten.

Spoiler Ende.

Die Unfassbaren mit Dave Franco, Woody Harrelson, Jesse Eisenberg und Lizzy Caplan
J. Daniel (Jesse Eisenberg), Merritt (Woody Harrelson), Jack (Dave Franco) und Lula (Lizzy Caplan) haben bereits einen neuen Coup geplant.

Gibt es überhaupt Platz für einen zweiten Teil?

Das Ende von Die Unfassbaren warf mehr Fragen auf, als es beantworten konnte. Statt die Handlung konsequent zu Ende zu führen, machte das Konstrukt aus Twists, Enthüllungen und Mindfucks eine Bruchlandung. Schade, denn der Film war ansonsten extrem unterhaltsam.

Eine Fortsetzung ist also ausnahmsweise wirklich gerechtfertigt: Wer ist „das Auge“? Was hat es mit dem Strippenzieher Dylan Rhodes auf sich?

Schon zu Beginn des Films hält der inhaftierte Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) eine Ansprache, dass er die vier Reiter vernichten wolle. Durch ungeschickte Spielzüge landete der „Zaubertrick-Entlarver“ nämlich im Gefängnis – eingekerkert von Dylan Rhodes persönlich.

Doch nicht nur Thaddeus will sich an den Reitern rächen, auch der ausgenommene Versicherungsmagnat Tressler (Michael Caine) hat Gründe genug, sauer zu sein. Tatsächlich läuft das Comeback der Reiter auch nicht so, wie geplant: Ein Unbekannter sabotiert den Trick und die Magier landen, wie durch Zauberhand, urplötzlich in Macau, China – die größte Casino-Stadt der Welt.

Wie sind sie dort hingekommen? Hat der sadistische Geschäftsmann Walter Mabry (Daniel Radcliffe) etwas damit zu tun? Dieser zwingt die Reiter dazu, für ihn einen weiteren Diebstahl durchzuführen. Nur so würden sie in ihr altes Leben zurückkehren können. Gleichzeitig starten Thaddeus und Tressler ihre ganz eigenen Vergeltungspläne…

Daniel Radcliffe in Die Unfassbaren 2
Wer ist dieser Walter Mabry (Daniel Radcliffe) und was will er?

The stage is yours… again

Die Struktur des Vorgängers Die Unfassbaren ist aufgebaut wie eine Zaubershow: Viel Show, viel Effekte, viele Spielereien und viel Tempo. Alles mündet in einem Finalakt, der den Zuschauern den Atem verschlagen soll. Auch wenn das Ende etwas missglückt ist, ist die Rezeptur von Die Unfassbaren frisch und unterhaltsam.

Wie macht es Die Unfassbaren 2? Das Sequel verlässt sich, überraschenderweise, nicht zu 100 Prozent auf die Struktur des ersten Teils. Während wir dort noch sehr viele Showeinlagen zu sehen bekamen und die „Zauberei“ definitiv im Fokus des Films stand, sind jetzt die Thriller-Elemente in den Vordergrund gerückt. Echte Shows sieht man in diesem Film kaum noch. Stattdessen benutzen die Magier ihre Fertigkeiten, um Verbrechen zu begehen. Die Showmanship rückt in den Hintergrund. Dabei erinnern die genial ausgefeilten Pläne einmal mehr an die Coups aus Ocean’s Eleven.

Aber hat nicht gerade der Rampenlicht-Glamour den ersten Film ausgemacht? Zum Glück schafft es Regisseur Jon M. Chu, den „Wow-Faktor“ der Zaubereinlagen mit der Handlung zu verschmelzen. Die Kunststücke der Reiter werden endgültig zum Diebeshandwerk. Das sorgt hin und wieder aber auch für lächerlich unglaubwürdige Lösungen von Konflikten, über deren Logik man nicht zu viel nachdenken sollte. Es sind eben Zauberer. Sie sind zehnmal intelligenter als jeder andere und können so etwas.

Zauberei und Entertainment – Damit Sie sich bloß nicht langweilen!

Natürlich gehört in so einen Film auch eine ordentliche Brise Humor. Die Gag-Dichte in Die Unfassbaren 2 ist zwar überschaubar, doch einige Szenen brachten mich wirklich zum Lachen. Wie Zauberei, muss Humor eben perfekt getimed sein. Das ist dem Film zum Glück gelungen.

Die größte Stärke des Films ist jedoch die fantastische visuelle Umsetzung. Mit genialen Kamerafahrten, optischen Täuschungen und aufgemotzten Bildkompositionen, ist Die Unfassbaren 2 ein Fest für die Augen. Das Hauptsetting des Films, Macau, gibt einiges an Atmosphäre her und passt sogar noch besser in das Thema als Las Vegas aus dem ersten Film.

Im Kino kann dir überhaupt nicht langweilig werden. Dafür passiert einfach viel zu viel. Zur Halbzeit erwartet dich eine unglaublich coole, dumme, außergewöhnliche Szene (man kann sie bezeichnen wie man will) inklusive einer Spielkarte und einem unterm Radar stattfindenden Raubüberfall. Suspense à la Mission Impossible und eine Kameraführung der Meisterklasse machen diese kleine Szene zum absoluten Filmhighlight!

Eine Best-Of-Hollywood-Besetzung – Oder nur ein Bluff?

Die Cast ist im Vergleich zum Vorgänger nahezu unverändert. Die „Reiterin“ des ursprünglichen Teams, Henley Reeves, wurde durch die wilde Zauberkünstlerin Lula (Lizzy Caplan) ersetzt. Im Gegensatz zu ihrer rothaarigen Vorgängerin, hat die Brünette den nötigen Biss, um sich im überwiegend männlichen Cast zu beweisen. Ihre trockene Art macht sie zum sympathischsten der Reiter.

Die Besetzungsliste war bereits im ersten Teil spektakulär: Morgan Freeman, Michael Cane, Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo und Co. sorgen auch diesmal für echtes Hollywood Feeling. Natürlich bietet das Drehbuch aber keine ausholenden Passagen an, in welchen sie ihr wirkliches Talent unter Beweis stellen könnten. Die Charaktere des Films sind stattdessen wie die Figuren einer komplexen Schachpartie: Sie werden von den Drehbuchautoren dort hingeschoben, wo sie am besten stehen.

Woody Harrelson (diesmal sogar in einer recht unterhaltsamen Doppelrolle) und Jesse Eisenberg brauchen allerdings auch keine Charaktertiefe, um einen unterhaltsamen Film zu tragen. Ihre Präsenz und ihre One-Liner reichen gerade noch aus, damit wir uns mit ihnen identifizieren können. Wir wären doch alle gerne charmante Zauberkünstler, oder nicht?

Leider bekommt James Francos kleiner Bruder Dave Franco nicht so viel vom Coolness-Kuchen ab. Dabei blitzt auch bei ihm hin und wieder das Charisma auf, besonders im letzten Drittel des Films. Daher fällt seine Rolle auch nicht weiter negativ auf.

Mark Ruffalo muss einfach nur sich selbst spielen, um cool zu sein. Genau das macht er auch in Die Unfassbaren 2. Leider gibt ihm das Drehbuch aber nur einen schwammig geschrieben Charakter, der in seiner Rolle als Doppelagent immer noch etwas unglaubwürdig wirkt. Was genau sind seine Motivationen? Was will er erreichen? Der Film gibt Mark Ruffalo als Dylan Rhodes jedoch keine Luft zum Atmen. Stattdessen wird er in einen Tresor gesperrt. Anspielung verstanden?

Mark Ruffalo in Die Unfassbaren 2
FBI-Agent Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) ist der eigentliche Anführer der vier Reiter.

Daniel Radcliffe: Ein Ass im Ärmel?

Was für eine Ironie, dass der ehemalige Zauberlehrling noch einmal in einem Film mit Zauberern mitspielt – und zwar als nichtzaubernder Bösewicht. Daniel Radcliffe hat sich einen Bart wachsen lassen und muss mittlerweile endgültig nicht mehr mit Harry Potter verglichen werden. Okay, habe ich zwar gerade gemacht, aber der Vergleich hat sich rein oberflächlich einfach angeboten.

Radcliffe als freundlicher Sadist hat erstaunlich viel Screentime. Zwar zaubert er hier keinen Superschurken erster Güte, doch sein Schauspiel ist unterhaltsam genug, um sich über seine Präsenz im Film zu freuen. Seine nächsten Filme Swiss Army Man und Imperium haben ihm aber sicherlich sehr viel mehr schauspielerische Arbeit gekostet als dieser.

Ein Twist im Twist im Twist – Twistception

Seit Bruce Allmächtig bekommt Morgan Freeman sein Image als Gott einfach nicht mehr los. Wenn in Die Unfassbaren 2 also mal etwas Zeit für Tiefe ist, dann haut der Kult-Schauspieler in seiner gewohnten Psychologen-Stimme eben ein paar Weisheiten raus Dabei lächelt er sanft und schaut seinem Gesprächspartner tief in die Augen – obwohl er prinzipiell die Rolle des Gegenspielers inne hat. Selbst wenn sein Charakter Thaddeus eine vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Plot-Twist zu erklären versucht, wirkt dieser durch Morgan Freemans Stimme intelligent und fundiert.

Morgan Freeman in Die Unfassbaren 2
Alt bewährt und immer gut: Morgan Freeman spielt sich selbst in einem Film.

Leider hat die Fortsetzung im Endeffekt dann doch nicht aus den Fehlern des ersten Teils gelernt. Das wird dem Zuschauer in den letzten zehn Minuten klar. Während der Film über die gesamte Laufzeit zwar prächtig unterhält, versucht Die Unfassbaren 2 im Endspurt noch möglichst viel der Handlung auf den Kopf zu stellen. Hier ein Twist, da ein Reveal. Ob’s Sinn macht oder nicht war den Drehbuchautoren wohl egal. Hauptsache unerwartet.

Schon die Wendung im ersten Teil hat nicht funktioniert, da sie den Zuschauer einfach schlichtweg verarscht hat. Wie funktioniert ein guter Twist? Natürlich muss er unerwartet sein. Doch er muss im Endeffekt auch logisch und nachvollziehbar sein. Er muss einen „Aha“-Effekt auslösen. Ich muss mich fragen: „Wie konnte ich das nicht bemerkt haben?“ Stattdessen wirken die Twists am Ende von Die Unfassbaren 2 so, als ob die Drehbuchautoren ihn selbst nicht kommen sehen haben und er dementsprechend inkohärent wirkt. 

Andererseits könnte man natürlich argumentieren, dass die Handlung den Zuschauer mit Absicht an der Nase herumführen will. Wie ein Zaubertrick eben. Der gewünschte Mindfuck-Effekt blieb jedoch trotzdem aus und weicht stattdessen einem eher unangenehmen Nachgeschmack von „überkonstruierte Handlung“ und „Raum für Fortsetzung lassen“. Schade, dass sich der Film nicht mit einer einfacheren Auflösung zufrieden geben konnte.

Fazit: Die Unfassbaren 2 ist super unterhaltsam und super unlogisch

Letztendlich macht der Film alles richtig und alles falsch, was auch schon der Vorgänger richtig und falsch machte. Dennoch gibt Regisseur Jon M. Chu dem Sequel eine etwas andere Fahrtrichtung: Statt viel Bühnenmagie gibt es jetzt mehr Suspense und mehr Coups. Die Logik bleibt zum Großteil auf der Strecke – aber wen interessiert das bei so einem Film denn schon? Mit Die Unfassbaren 2 kannst du dich zwei Stunden in den Kinosessel zurücklehnen und das Spektakel genießen… bis das Ende dir all deine geistigen Reserven abverlangt und letztendlich trotzdem nicht schlüssig ist. Vielleicht werden die Plot Holes ja von einem kommenden dritten Teil aufgelöst. Denn wenn der Film  an der Box Office erfolgreich genug ist, dann ist eine Trilogie sowas von sicher.

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