Review: The Hateful Eight

Kammerspiel statt Actionspektakel

The Hateful Eight Poster

Tarantino is back. Wieder mit Western. Wieder mit Samuel L. Jackson. Wieder mit sehr viel Blut. Trotzdem fühlt sich The Hateful Eight ganz anders an als Django Unchained. Hoch gehyped und groß beworben startet nun also der achte Film des Kultregisseurs in den deutschen Kinos. Doch was kann man von diesem Streifen erwarten?

In erster Linie schonmal einen starken Cast. Denn The Hateful Eight besitzt, wie der Name schon vermuten lässt, acht Hauptcharaktere, die in einem nahezu drei Stunden langem Kammerspiel zusammengeworfen werden. Sie alle besitzen einprägsame Pseudonyme: Samuel L. Jackson ist „Der Kopfgeldjäger“, Kurt Russel der „Henker“, Jennifer Jason Leigh seine „Gefangene“, und so weiter und so fort. Die Story lässt sich dabei recht einfach erklären: Der Henker will seine kostbare Gefangene in die nächstgelegene Siedlung bringen, um ein beträchtliches Kopfgeld einzukassieren. Doch auf seinem Weg durch die eisige Wildnis (nicht zu verwechseln mit The Revenant) trifft er auf weitere zwielichtige Gestalten, die an dem Kopfgeld ebenfalls interessiert sind. Sie suchen Unterschlupf vor einem bevorstehenden Blizzard, und stecken nun alle zusammen in einer kleinen Hütte fest. Dort gedeiht ein heimliches Spiel um Lug und Trug: Man will sich offenbar gegenseitig ausspielen, um am Ende mit dem großen Hauptgewinn, das Kopfgeld, die Hütte zu verlassen.

The Hateful Eight Charaktere
Die hasserfüllten Acht im Überblick

Ein Theaterstück

Wer die Trailer bereits gesehen hat, der wird natürlich sofort Assoziationen zu Django Unchained im Kopf haben. Doch weit gefehlt. Hierbei handelt es sich nicht um eine durch Rachsucht getriebene Abenteuerreise durch den wilden Westen. Vielmehr ist es ein Kammerspiel, dass mit minimalen Schauplätzen schon dem Theater sehr nahe kommt.

Denn tatsächlich spielen sich zwei Drittel des Streifens einzig und allein in einer kleinen Holzhütte ab. Und das ist sehr lange. Ein sehr wichtiger Hintergrundgedanke, den man vor einem Kinobesuch haben sollte, um die Erwartungshaltung anzupassen. Hier gibt es kaum Action, keine großen Bilder… hier gibt es nur Dialoge. Allerdings eingefangen von nicht digitalen Kameras und untermalt mit einem tollen Retro-Score von Altmeister Ennio Morricone.

Sehr lang, sehr talky

Quentin Tarantino zeichnet sich schon seit eh und je durch meisterhaft geschriebene Dialoge aus. Egal über was und wie lange gesprochen wird, es ist unterhaltsam. Ein halbstündiger Dialog zwischen Hausfrauen, die sich über die besten Geschirrspüler austauschen wäre interessant, wenn er aus der Feder von Tarantino stammen würde. Und so langweilt auch The Hateful Eight über seine unglaublich lange Laufzeit nicht wirklich… obwohl zum Großteil überhaupt nichts passiert.

Vielleicht hat sich der Star Regisseur mit seinem achten Film auch etwas zu viel in den Mund genommen. Die Unterhaltungen sind elegant und intelligent, aber in der Substanz leer und belanglos. Während man mit Django und Inglorious Basterds eine packende Handlung geboten bekam, die über große Dialogbarrikaden erzählt wurde, bekommt man in The Hateful Eight nur eine Story zugunsten der Dialoge. Das alles erinnert dabei etwas an das Spiel Cluedo (Wer ist der Verräter?), baut für kurze Zeit auch ein Spannungsgefühl auf, das jedoch viel zu spät eintritt, und nicht sehr lange hält. Selten gab es so einen expositionslastigen Film zu sehen.

Schauspielkino

Der Film wird dabei von seinem Cast über Wasser gehalten. Durch die Bank Top. Neben Samuel L. Jackson, der hier eine seiner stärksten Performances zeigt,  überzeugt vor allem Walton Goggins als schleimiger Sheriff. Es gibt im Laufe des Films auch einen Überraschungsauftritt, der aus den Trailern nicht ersichtlich wurde. Der wird hier für Unwissende natürlich nicht verraten.

Samuel l Jackson The Hateful Eight
Samuel L. Jackson, wie man ihn liebt.

Wo bleibt das Blutbad?

Dialoge schön und gut. Bei Tarantino muss irgendwann auch rot gesehen werden. Und tatsächlich, das Gemetzel kommt. Wenn auch sehr spät, es fließen literweise Blut. Das wirkt in The Hateful Eight jedoch erzwungen und unnatürlich (Okay, ist das für Tarantino Filme nicht Standard?). Doch in diesem Fall wirkt es deplatziert, als ob es einfach dem Selbstzweck dient. The Hateful Eight hätte auch gut darauf verzichten können, schon gar nicht wertet es den Film auf irgend eine Weise auf. Der  rote Tarantino Stempel musste eben noch auf das Gesamtpaket draufgeklatscht werden. 

Fazit: Gut genug, aber kein Meisterwerk

Letztendlich fühlt man sich während des Abspanns platt und ausgelaugt. Dieser Film fühlt sich extrem lang an. Langweilen wird man sich höchstwahrscheinlich nicht, vor allem die Tarantino Fangemeinde wird sicherlich seinen Spaß haben. Die auf 70mm gedrehten Filmbilder geben The Hateful Eight einen nostalgisch warmen Look, auch wenn sie nicht besonders „viel“ einfangen können. Kurz gesagt: Dieser Streifen wird seinen hohen Erwartungen einfach nicht gerecht. 

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