Review: James Bond – Spectre

Ziemlich viel geschüttelt, aber nichts berührt

Titelbild zur Filmkritik an James Bond – Spectre auf 4001Reviews

In James Bond – Spectre ist 007 in eigener Mission unterwegs. Sein Ziel: Die Mörder seiner Chefin M (Judi Dench), die in Skyfall ermordert wurde, zu finden. Doch für die neue britische Geheimdienstführung ist Bond ein Dinosaurier der analogen Urzeit. Das Doppelnull-Programm sei in Zeiten der Digitalisierung überholt. 007: überflüssig. Doch das sieht Berufsmacho James Bond (Daniel Craig) anders.

All zu viel Grund der selben Meinung zu sein, hat das Publikum aber nicht. Grundsätzlich ist Sam Mendes, der schon bei Skyfall im Regiestuhl saß, auf dem richtigen Weg. Unter seiner Führung haben bspw. Moneypenny (Naomie Harris) und Q (Ben Whishaw), Aushängeschilder der Traditions-Reihe Bond, in die Filme zurück gefunden. Doch wirken deren Auftritte eher protokollarisch und die Reanimation des klassischen Bonds halbherzig. Mendes tut sich schwer die Kerncharakteristika der Reihe herauszuarbeiten: Größenwahn, Charisma, Sexappeal.

Spectre ist kein Spektakel

Goldeneye versus Spectre
Panzer-Rodeo in „Goldeneye“ vs. Rechtsverkehr nach Straßenverkehrsordnung in „Spectre“.

Es ist legitim, dass Mendes versucht Bond mehr Tiefe und Charakter zu geben. Seit Skyfall wissen wir beispielsweise mehr über Bonds Vergangenheit und dessen Schwächen. Doch was unterscheidet einen Bond-Film von den etlichen anderen Action-Filmen, wenn man James Bond seiner Großspurigkeit, seiner Nonchalance und seiner Übermenschlichkeit beraubt? Antwort: ein etwas überdurchschnittlicher Action-Film mit leicht sentimentalem Hauptdarsteller. Wenigstens ist Bond noch immer gut gekleidet.

Doch das kann nicht erklärtes Ziel der Filmemacher sein. Das darf es nicht. Denn das einzigartige Kulturgut Bond muss weiter bestehen. Doch Spectre verliert sich in Anspielungen an vorherige Teile der Reihe und findet keinen eigene Linie. Die Actionszenen wirken meist einfallslos (bis auf die erste Szene - die ist hammer!) und würden, wäre da nicht die einpeitschende Musik, gnadenlos langweilen. In Goldeneye sitzt Bond in einem Panzer und zerstört bei einer Verfolgungsjagd nebenbei halb St. Petersburg. In Spectre jagt Bond durch Rom. Diesmal in einem Sportwagen. Doch man könnte fast meinen, dass 007 gerade seine Fahrschulprüfung absolviert. Driving License statt License to kill. So vorsichtig rast er durch die historische Altstadt.

Bond-Girls

Welche Bond-Girls? Monica Belluccis Auftritt ist so jämmerlich kurz und so schnell wieder vergessen, dass man sie eigentlich aus dem Abspann hätte streichen können. Auch Bond-Girl Dr. Madeleine Swann (Leá Seydoux) tut nicht viel mehr als James hinter her zulaufen. Zugegeben ist das nichts neues für die Bond-Reihe. Doch besagt die Bond-Formel, dass (wenn schon nicht stark) Bond-Girls verführerisch sein müssen. Seydoux ist aber einfach nur blass. Nicht mal Bond scheint wirklich Gefallen an ihr zu finden. Überhaupt: Wo ist Bonds Libido hin? Seine früher unbändige Gier nach dem anderen Geschlecht scheint verflogen. Wird Bond alt? Midlife-Crisis?

Waltz enttäuscht

Bösewicht Oberhauser (Christoph Waltz) - am besten im dunkeln
Christoph Waltz als Bösewicht Oberhauser - beste Leistung wenn im Schatten verborgen.

Auch Bonds Gegenspieler, der Geheimbund Spectre enttäuscht. Der Zusammenschluss mächtiger Bösewichte ist so geheim, so ungreifbar, dass er dem Zuschauer ziemlich egal ist. Die Filmemacher versäumen es die Bösewichte - den Gegenpart zum ehrwürdigen MI6 - ordentlich zu etablieren. Kurzum: Spectre ist ein Hülse leerer Worte, die dem Zuschauer keinen Schauer über den Rücken jagt.

Daran ändert nicht einmal Bond-Bösewicht Franz Oberhauser (Christoph Waltz) etwas. Klar: Waltz legt wieder einmal eine außerordentliche Performance hin, doch gewähren ihm die Filmemacher so wenig Screentime, dass er nicht zu gewohnter Leistung (Inglorious Basterds, Django etc.) auffahren kann. Ob Regisseur Sam Mendes wohl Angst hatte, dass Waltz Bond-Darsteller Daniel Craig an die Wand spielen würde?

Wie auch immer ist es schade um Ausnahmeschauspieler Waltz, von dem man mehr hatte erwarten dürfen. Sein Start in den Film ist phänomenal und eines Bond-Bösewichts absolut würdig. Sein Ende ist bestenfalls ein Witz. Alles andere als seines Kalibers würdig. Zum Ende des 2,5 stündigen Streifens kann man in Waltz Gesicht eine Frage lesen: "Was mach' ich hier eigentlich?" Man möchte ihm helfen.

Fazit: James Bond – Spectre ist gut, aber nicht gut genug

Was bleibt also? James Bond – Spectre ist ein guter Actionfilm. Es gibt gute Szenen. Doch für einen Bond-Film nicht gut genug. Wie ihr in unserem Bond-Preview zu Spectre nachlesen könnt hatten wir uns deutlich mehr erhofft. Besonders von einem Bond-Film, der der teuerste aller Zeiten ist.

In der nordafrikanischen Wüste erklärt Bösewicht Oberhauser seinem Kontrahenten Bond, dass Information im 21. Jahrhundert alles sei. So ganz sicher scheint sich Oberhauser aber nicht zu sein und schiebt ein fragendes oder nach. James Bond – Spectre hätte weniger Informationauf jeden Fall gut getan. Nächstes Mal bitte mehr Gadgets, mehr Action, mehr Bond-Machogehabe und vor allem mehr Wodka Martini. Geschüttelt, nicht gerührt.

Zusammengefasst:

In einem Satz: Das habe ich schon mal besser gesehen.

Anschauen wenn... man Christoph Waltz nicht länger als ein paar Szenen aushält.

Genau richtig mit... einer Dose Energy Drink - damit man die Mitte des Films übersteht .

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