Review: Jason Bourne (2016)

Der Bourne-Out

Titelbild zur Filmkritik an Jason Bourne 2016

Nach neunjähriger Funkstille findet mit Jason Bourne ein neuer Bourne-Film mit Matt Damon zurück auf die Leinwand. Im fünften Teil der Reihe sucht Jason Bourne noch immer nach seiner wahren Identität. Ob die Actionfilm-Reihe nach dem enttäuschenden Sequel mit Jeremy Renner zu ihrer wahren Identität zurückfinden kann und was das mit dem griechischen Präsidenten Tsipras zu tun hat, verrät dir unsere Filmkritik.

Der einstige Geheimagent Jason Bourne (Matt Damon), der sich im Untergrund vor seinem Ex-Arbeitgeber der CIA zu verstecken versucht, gerät wieder ins Visier der Fahnder. Heather Lee (Alicia Vikander), eine junge aber ehrgeizige Analystin, wird damit betraut den Abtrünnigen dingfest zu machen.

Über die Vorgehensweise im Fall Bourne bekommt sie sich jedoch mit CIA-Direktor Robert Dewey (Tommy Lee Jones) in die Haare, der ohne Umschweife für die sofortige Tötung Bournes plädiert. Unterstützt wird er dabei vom rücksichtslosen Auftragskiller Asset (Vincent Cassel), der eine persönliche Rechnung mit Bourne offen hat. Lee glaubt jedoch, dass Bourne, der noch immer ein „Patriot“ sei, mit der richtigen Herangehensweise wieder für die CIA als Mitarbeiter gewonnen werden könne.

Eine Zusammenfassung der ersten vier Filme findest du hier.

Ein schweres Erbe

Matt Damon in Jason Bourne 2016 – Filmkritik von 4001Reviews
Matt Damon ist nach neunjähriger Unterbrechung endlich wieder in der Rolle des Jason Bourne zu sehen.

Regisseur Paul Greengrass, der bereits bei zweien der insgesamt vier vorangegangenen Bourne-Filme im Regiestuhl saß, tritt ein schweres Erbe an. Denn in der Welt des Actionfilms ist die Bourne-Reihe, die auf Romanen von Robert Ludlum basiert, ein kleines Juwel (Das Bourne Vermächtnis ausgenommen!). Neben der obligatorischen Action zeichnen sich besonders die ersten drei Filme durch eine verwinkelte und mehr oder weniger intelligente Handlung aus. Besonders Matt Damon, der gerade im ersten Film mehr nach Schuljunge als nach Auftragskiller aussieht, macht die Reihe besonders, denn die Figur Jason Bourne zeichnet sich – anders als bei den meisten Actionfilmhelden – durch eine spannende Mischung aus: Verzweiflung, Verletzlichkeit und antrainierter kalter Killerinstinkt paaren sich mit einer ordentlichen Portion Grips.

Oberflächliche Figuren

Blöderweise brechen die Macher der Reihe mit dem neuen Film diese Tradition, was schon zu Beginn der Filmes klar wird: Jason Bourne, der seit geraumer Zeit im Untergrund lebt, hält sich mit blutigen Faustkämpfen, bei denen die Zuschauer Wetten abschließen, über Wasser. Mit nacktem Oberkörper, dicken Oberarmen und Kämpferblick stürzt er sich in den Kampf. Muskeln statt Hirnmasse; brutal und unbarmherzig.

Genauso fühlt sich der gesamte Film an. Sehr geradlinig, brachial und ohne notwendige Raffinesse.

Nur an äußerst wenig Stellen bekommt Matt Damon die Chance die verletzliche Seite von Bourne zu zeigen. Okay, ich verstehe schon, dass wir hier über einen Actionfilm reden und nicht über eine Romanze. Aber gerade aus einer verletzlichen Figur, die mit Selbstzweifeln, mit einer schweren Vergangenheit oder Ähnlichem zu kämpfen hat, werden die besten Filmfiguren, denn für sie steht etwas auf dem Spiel oder sie haben etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Ein gutes Beispiel ist die Rolle Liam Neesons in 96 Hours, der alles daran setzt, seine Tochter aus der Zwangsprostitution zu retten.

Maue Handlung

Tommy Lee Jones und Alicia Vikander in Jason Bourne 2016 – Filmkritik von 4001Reviews
Robert Dewey (Tommy Lee Jones) lässt Heather (Alicia Vikander) die Arbeit machen

Für Bourne steht nur wenig auf dem Spiel. Er trifft es selbst ganz gut, wenn er zu Beginn des Films sagt, dass es für ihn nur ums Überleben gehe. Marie Kreutz (Franka Potente), einst seine Geliebte, starb bereits im zweiten Teil der Reihe. Auch mit der ebenfalls untergetauchten CIA-Agentin Nicky Parsons (Julia Stiles) entwickelt sich keine Beziehung, für die es sich zu kämpfen lohnt. Seine Rolle als Beschützer der Vereinigten Staaten hat er sowieso längst begraben. Fazit: Bourne fehlt es an Lebensinhalten und dem Film damit an Handlung. 

Paul Greengrass versucht aus diesem Dilemma auszubrechen und seiner Hauptfigur Tiefe zu verleihen, indem er in Bournes Vergangenheit kramt. Die Details, die wir über Jason Bourne – der eigentlich David Webb heißt – erfahren, sind zwar interessant – was der Film daraus macht, wirkt aber konstruiert. Dass ein Mann, dessen komplette Erinnerung an sein früheres Ich ausgelöscht ist, sein Leben und das anderer aufs Spiel setzt um seinen Vater, den er ja nicht mal kennt, zu rächen, wirkt flach. Denkbar ist das zwar, doch eine flüchtige Flashback-Szene reicht einfach nicht aus, um eine emotional-tragende Vater-Sohn-Beziehung zu etablieren.

Alicia Vikander leider überflüssig

Alicia Vikander in Jason Bourne (2016)
Alicia Vikander bekommt nicht die Chance ihr Können auszuspielen

Der Actionfilm Jason Bourne folgt einem ähnlichen Muster wie die anderen Filme der Reihe. Wie schon mit Nicky Parsons und Pamela Landy  dauert es nicht lange, bis Bourne direkten Kontakt zu einem CIA-Mitarbeiter hat. Doch Alicia Vikander als Heather Lee ist nur ein schwacher Ersatz für die eiskalte Pamela Landy (Joan Allen) die Bourne auf Augenhöhe begegnete. Vikander bleibt blass und wird von allen Beteiligten an der Nase herum geführt. Schade drum. Wirklich ärgerlich ist jedoch, dass der Film versäumt zu erklären, weshalb Heather Lee Bourne helfen möchte. Es ist absolut unlogisch, dass die ehrgeizige junge Frau mit dem Feind sympathisiert und ihre Karriere aufs Spiel setzt.

Mit einem spannenden Plot Twist wäre der Film hier deutlich besser gefahren. Lee hätte zum Beispiel Bournes Schwester sein können oder gar seine Komplizin, die Bourne bereits vor geraumer Zeit in die CIA einschleuste. Wie auch immer: Schade um Vikander, der nach ihrem großartigen Auftritt in Ex Machina eine deutlich spannendere Rolle zugestanden hätte.

Rückkehr des Bourne-Feelings

Vincent Cassel in Jason Bourne 2016 – Filmkritik von 4001Reviews
Vincent Cassel verfolgt in der Rolle Asset Jason Bourne.

Trotz fehlender Twists und eindimensionaler Charaktere schafft es der neue Film das Feeling der ersten Bourne-Filme aufzugreifen und das enttäuschende und absolut überflüssige Sequel Das Bourne Vermächtnis vergessen zu machen.

Das liegt vor allem an der grandiosen Kameraarbeit von Barry Ackroyd (zuletzt: The Big Short), mit dem Paul Greengrass bereits den Kriegsfilm Green Zone (ebenfalls mit Matt Damon) gedreht hat. In Jason Bourne  tänzelt die unruhige Kamera von Ackroyd mal um die Protagonisten herum, mal pirscht sie sich sachte heran, nur um anschließend wieder wegzuschwenken. Dabei schaffen es Ackroyd und der begnadete Cutter jedes Mal den Bildern individuelle Bedeutung, Stimmung und dem Film zusätzlichen Drive zu verleihen.

Auch wenn das Ende von Jason Bourne schwach ist, ein Pluspunkt ist der starke Anfang des Films. Eine Verfolgungsjagd durch die Gassen Athens, die durch äußerst gewalttätige Ausschreitungen von demonstrierenden Regierungsgegnern heimgesucht werden, entpuppt sich als stimmungsvolle und spannende Action-Sequenz über deren Drive und Feuer (im wahrsten Sinne des Wortes) man sich nur freuen kann.

'Jason Bourne' hat Schwächen

Jason Bourne ist ein solider Actionstreifen, der in Anbetracht der mit den starken Filmen der Reihe jedoch nicht ganz mithalten kann. Der Handlung fehlt es an der entscheidenden Raffinesse und dem überraschenden Twist am Ende, der für einen Spionage-Thriller einfach ein dickes Muss ist. Auch Jason Bourne selbst ist nicht der Alte und hat leider genau das abgelegt, was die Figur so spannend machte: eine ordentliche Portion Hirn und eine verletzte Seele. Übrig geblieben ist leider nur ziemlich viel Action, die zwar gut inszeniert aber teilweise nervig lang ist. Was Jason Bourne wirklich sehenswert macht, ist jedoch ein starker Anfang und die großartige und intensive Kameraarbeit von Barry Ackroyd.

Für harte Bourne-Fans, dürfte der neue Film eine leichte Enttäuschung sein. Wenig erfreut dürfte jedoch der griechische Präsident Tsipras darüber sein, dass seine Hauptstadt Athen in bürgerkriegsähnlichem Zustand gezeigt wird. Aber wer weiß, vielleicht ist Tsipras ja auch Bourne-Fan.

Dir gefällt dieser Beitrag? Jetzt teilen:

Kommentar verfassen