Review: Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Die Wiedergeburt des klassischen Popcorn-Kinos

Ein Wallpaper von Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht

Star Wars ist der Inbegriff des Mainstreams. Ein kulturelles, ja schon fast religiöses Phänomen, das aber in erster Linie einfach nur Berge an Kohle einfahren soll. Wo sonst bekommt man schon bei einem Kinobesuch eine mit Kostümierten, Lasern, Feuerstrahlen und Rauch geschmückte Eingangshalle zu sehen? Dazu donnert John Williams Score aus allen Boxen, während wir über eine halbe Stunde für unsere Nachos anstanden. Star Wars prägt den Dezember… Weihnachten scheint nur noch eine Randerscheinung zu sein. Aber jetzt die wichtige Frage: Wird der Film Episode VII - Das Erwachen der Macht seinem Hype auch nur annähernd gerecht?

Da das hier eine spoilerfreie Review ist, können wir die Inhaltsangabe eigentlich getrost überspringen. Die neuen Charaktere sind die „Schrottsammlerin“ Rey (Daisy Ridley), ein Sturmtruppen-Deserteur namens Finn (John Boyega), sowie Kampfpilot Poe (Oscar Isaac), die das Schicksal in ein neues Star Wars Märchen verknüpft. Wer die Trailer gesehen hat, weiß auch, dass der alte Stab mit Han Solo (Harrisson Ford), Chewbacca und Prinzessin, oh Entschuldigung, „General“ Leia (Carrie Fisher) wieder dabei ist. Wir haben also ausgeglichen viele neue und alte Gesichter, die über eine Spielzeit von 136 Minuten ein gemeinsames Abenteuer erleben.

Ein Film der alten Schule

Schon ab der ersten Szene merkt man: Das hier wird sowas von anders als die Prequels. Alles wirkt plastisch, alles wirkt echt. Wir sehen echte Sets, echte Kostüme, und last but not least… echte Charaktere. Die Computerspiel Optik aus Episode I-III wurde ganz weit verbannt, noch weiter als eine weit, weit entfernte Galaxie.

Regisseur JJ Abrams hat sich eine weitere Regel zu Herzen genommen: Weniger ist mehr. Anstatt riesiger Schlachten zwischen 500 Droiden und noch mehr Klonkriegern, ist in das Erwachen der Macht alles fünfmal kleiner. Dafür aber zehnmal effektiver. Wenn Sturmtruppen hier ihre Laser abfeuern, TREFFEN sie ihre Ziele, die dann schmerzschreiend (vielleicht sogar blutend) zu Boden fallen. Man kauft dem Film die Actionszenen zu 100% ab. Die rasanten Schnitte wirken dabei niemals störend, alles bleibt übersichtlich und angenehm zum Folgen.

Wenn die Fan-Tränen anfangen zu kullern…

Hier handelt es sich ganz klar um ein Film für die Fans. Man könnte es fast schon ein Geschenk nennen, mit Herzchenaufkleber und bunter Schleife drumrum. Dafür hat JJ Abrams alles, was irgendwie mit der Prequel-Trilogie verbunden werden könnte, komplett ignoriert, und dafür kräftig an den Originalfilmen abgeschaut.

Jar Jar
Vor dem Kino: Boba Fett hat sich das Kopfgeld auf Jar Jar Binks verdient.

Hier gibt es keine Senatssitzungen, keine Handelsföderationen, keine Kriegsstrategien, keine gezwungene Liebesbeziehung, und nein, auch kein Jar Jar. Hier gibt’s den Widerstand und das Imperium. Wahrscheinlich liegt es nun wirklich an diesen Punkten, dass der Film ab der ersten Minute wirklich ungeheuren Spaß macht. Man spürt sofort eine „Magie“, die es in den oft sehr kühlen Blockbustern dieser Zeit nicht mehr gab. Das hier ist kein weiterer Marvel-Film. Denn das Erwachen der Macht wirkt als „Mainstream-Film“ außerordentlich frisch, obwohl er im Kern uraltes Blockbuster-Kino ist.

Über die komplette Laufzeit gibt es im Minutentakt Fanservice auf höchstem Niveau geboten. Das hätte unter Umständen sehr langweilig und billig ausfallen können. Aber Das Erwachen der Macht besitzt (trotz einer simplen Handlung) ein extrem intelligentes Skript. Alte Charaktere, alte Zitate und Cameos werden mit großer Liebe zum Detail in der Handlung platziert, so dass man einige Male einfach applaudieren will.

Wenn die Lach-Tränen anfangen zu kullern…

Star Wars und Humor liefen ja schon immer Hand in Hand. Aber noch nie so sehr wie hier. Wir reden hier jedoch nicht von Slapstick und kindlichen Albernheiten, wie es zum Beispiel Die dunkle Bedrohung kläglich versucht hat, sondern von durchgehend meisterhaft platzierten One Linern, die sitzen. Das Erwachen der Macht brachte das Kino mehr zum Lachen als 80% der reinrassigen Komödien. Insgesamt lässt sich die Art des Humors mit dem aus den Avengers-Filmen vergleichen, vielleicht aber noch eine Spur unterhaltsamer. Die Gags tragen vor allem die Buddys Han Solo und Chewbacca, aber auch Neuzugang Finn. Nerven tut dabei keiner, sodass man nicht aus der Story herausgerissen wird. Ein dickes Plus.

Nobodys werden zu Stars

Rey und Finn, unten der geniale BB-8
Rey und Finn, unten der geniale BB-8

Kommen wir zu den Schauspielern. Anstatt die neuen Hauptrollen mit Hollywood Stars der ersten Liga zu besetzen, bekommen wir hier total unbekannte Gesichter zu sehen. Daisy Ridley ist dabei das Herz des Films. Im Gegensatz zu Natalie Portman als Padme, haucht sie dem Charakter Rey echtes Leben ein. Man identifiziert sich ab der ersten Sekunde mit ihr, sie ist ultrasympathisch, und ganz schön taff. Ohne Zweifel ist sie die bisher stärkste weibliche Rolle in den Star Wars-Filmen, und gibt als Hauptcharakter sogar mehr Charisma her, als damals Mark Hamill als Luke Skywalker.

Auch John Boyega in der Rolle des Finn darf stolz auf sich sein. Dem Kerl ist wirklich seine Euphorie am Set anzumerken. Jede Szene spielt er mit vollem Einsatz, und besonders in Verbindung mit Rey macht es mächtig Spaß ihm zuzuschauen. Genauso wie die Charaktere, sind die Schauspieler echte Frischlinge in der Star Wars-Welt, und deren positive Energie überträgt sich sofort auf den Zuschauer. Es war ein wahrhaft meisterhafter Schachzug, die Rolle nicht mit bekannten Namen zu besetzen.

Oscar Isaac als Poe Dameron ist zwar nicht ganz so unbekannt (zuletzt bei Ex-Machina zu sehen), aber ist in seiner ersten Szene der coolste Typ der ganzen Galaxie. Doch dann verschwindet er für den Großteil des Films, was ihn eher zu einer Randfigur macht. Sehr schade, denn er hätte auch das Potential zum Fanliebling gehabt.

Auch die restliche Besetzung, über die man schon monatelang spekuliert hat, bekommt man eher spärlich zu sehen. Captain Phasma (Gwendoline Christie), General Hux (Domhnall Gleeson), Anführer Snoke (Andy Serkis) und Maz Kanata (Lupita Nyong’o) haben alle ihre Momente, doch sind sie allesamt Nebencharaktere. Hier lässt sich allerdings dem Film wenig Vorwurf machen, denn mit seiner Laufzeit ist er auch so schon randvoll mit Charakteren. Schuld trägt eher der vorgelaufene Hype.

Darth Vader 2.0?

Kylo Ren
Das Imperium ist zurück.

Der neue Bösewicht Kylo Ren (Adam Driver) wirkte in den Trailern etwas wie ein Darth Vader Abklatsch. Dem ist nicht so. Im Gegensatz zu Vader handelt es sich hier um einen verletzbaren und cholerischen „Menschen“, der mit dem kühl kalkulierenden Vorbild nichts am Hut hat. Ein souveräner Schurke. Seine Rolle birgt noch einige Überraschungen… diese beinhalten auch den Einsatz seines kreuzartigem Lichtschwerts… Auch wenn uns Kylo Ren schauspielerisch noch nicht gänzlich überzeugt hat, birgt die Rolle enormes Potential für die folgenden Filme und garantiert spannende Plot Twists

Besonders die Prequels boten immer wieder virtuose Laserschwert-Choreographien. Zum einen vielleicht etwas zu sehr gekünstelt, zum anderen natürlich aber auch sau cool. Das Erwachen der Macht handhabt seine ikonische Waffe allerdings ganz anders. Die Waffe der Jedis kommt hier eher spärlich zum Kampfeinsatz.

Doch wenn dann doch mal Zeit für ein Duell ist, fallen die Kämpfe äußerst roh und brutal aus (für Star Wars-Verhältnisse). Hier wirkt nichts einstudiert, stattdessen sieht man ein wildes Einhacken auf den Gegner, mit dem einzigen Ziel diesen zu besiegen. Das könnte wohl unter anderem daran liegen, dass Episode VII allgemein sehr „Jedi-arm“ ausfällt. Die Laserschwerter fallen hier meist Amateuren in die Hand. Das schadet dem Film aber nicht sondern macht ihn um ein weiteres Stück authentisch.

Eine neue Hoffnung 2.0...

Wenn sich dem Film eine Sache vorwerfen lässt, dann sind das die unübersehbaren Parallelen zum aller ersten Film der Reihe. Es erinnert etwas an das Hobbit/Herr der Ringe Franchise, in dem Eine unerwartete Reise sein Vorbild Die Gefährten in seinen Storyabschnitten nahezu 1:1 kopierte. Ganz so groß sind die Parallelen hier vielleicht nicht… aber das letzte Drittel wirkt alles andere als innovativ. Ob es einen jedoch stört, ist die andere Frage. Wollten die meisten Star Wars-Fans nicht genau das haben?

... dafür mehr Mut als gedacht

Auf der anderen Seite geht Das Erwachen der Macht Risiken ein, die man von ihm nicht erwartet hätte. Diese zeigen sich ebenfalls im letzten Drittel des Films, und machen damit die Parallelen zu alten Star Wars-Filmen fast wieder wett. Eine dieser mutigen Entscheidungen betrifft die Person Luke Skywalker… auch wenn darauf jetzt nicht weiter eingegangen wird.

Ein perfektes Gänsehaut-Ende

Die allerletzte Einstellung des Films ist auch gleichzeitig die aufregendste. Ein legendärer Star Wars-Moment, der mit Sicherheit Kult werden wird. Wir reden hier nicht von einem monströsen Twist, oder einer gewaltigen Bildkulisse, sondern einzig und allein von der Magie des Star Wars -Universums. Echt schade, dass man in Reviews nicht spoilern darf…

Fazit: Ein 100%iger Star Wars Streifen

Wird Das Erwachen der Macht also seinen monströsen Erwartungen gerecht? Naja, geht man mit diesen Gedanken in einen Film, wird man doch fast immer enttäuscht, egal wie gut das Gesehene ist. Denn letztendlich ist Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht vor allem eines: Nur ein Film. Ein wirklich sehr guter Film. Ohne jetzt durchzudrehen, vielleicht sogar der beste in seinem Franchise. Selten hat man bei einem Blockbuster so viel Herz und Hingabe gespürt. Vollgestopft von Witz, tollen visuellen Eindrücken, und nostalgischen Momenten, ist es ein Muss für jeden Fan. Aber auch die neue Generation wird sicherlich begeistert sein.

Alle Infos zum Film

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