Kritik: Better Call Saul – Staffel 3

Mit Schrittgeschwindigkeit gen 'Breaking Bad'!

FSK 16

leichte Spoiler!

Auf dem Wallpaper von better Call Saul Staffel 3 steht Jimmy McGill vor einer schwarzen Mauer die er mit drei weißen Streifen bemalt hat. Die Streifen setzen sich auf ihm fort.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Ein kleiner Rückblick:

Kritik: 'Better Call Saul'-Staffel 1
Kritik: 'Better Call Saul'-Staffel 2
Zusammenfassung: 'Better Call Saul'


Folge 1: 'Mabel' 

Während Mike (Jonathan Banks) seinen mysteriösen Beobachter verfolgt, muss sich Jimmy McGill (Bob Odenkirk) schwierigen Klienten herumschlagen. Sein Bruder Chuck McGill (Michael McKean) feilt an einem Plan um Jimmy für seine Dokumentenmanipulation bezahlen zu lassen, aufgrund welcher Chuck den mächtigen Klienten Mesa Verde Band & Trust an Kim (Rhea Seehorn) verloren hat.

Diese Serie bringt absolut nichts aus der Ruhe. Wer sich erhofft hat, dass Better Call Saul mit der dritten Staffel endlich an Fahrt aufnimmt, der wird mit Mabel erneut vor den Kopf gestoßen.

Vorsichtig und mit brennendem Fokus, schiebt Showrunner Vince Gilligan, der in dieser Folge ebenfalls Regie führt, die Geschichte um Zentimeter nach vorne. Mabel ist Storytelling auf ganz hohem Niveau, das dabei auf die Geduld und Aufmerksamkeit seiner Zuschauer zählen kann. Denn für Mikes Nebengeschichte, die in dieser Episode den größten Raum einnimmt, benötigt die Folge kaum Dialogzeilen. Das Spionage-Spiel mit seinen mysteriösen Verfolgern wird alleine durch Jonathan Banks Mimik und Gilligans innovative Kameraeinstellungen erklärt.

Dennoch liefert sich Jimmy auch in dieser Folge unterhaltsame Dialogschlachten, unter anderem mit einem beleidigten Kampfpiloten, der Opfer einer von Jimmy's Lügengeschichten wurde. Allerdings wird schnell klar, dass Jimmy in Wirklichkeit zu Chuck spricht, der ihn ebenfalls ständig für sein Handeln verurteilt und somit Jimmy in einen Käfig sperrt – ähnlich wie die gescheiterte Karriere des begabten Walter White.

Die Parallelen zwischen Breaking Bad und Better Call Saul zeigen sich nun also immer deutlicher. Beide Serien erzählen den inneren Konflikt eines eingezäunten Genies, der droht auszubrechen. Kleine Charaktermomente wie das Schwarz-Weiß-Intro aus der Nach-Breaking Bad-Zeit zeigen das deutlich. Einen Saul Goodman kann man nicht einsperren! 

'Mabel' ist eine sehr langsame aber spannende Einführung in die neue Staffel und gleichzeitig die stärkste erste Folge, die eine 'Better Call Saul'-Staffel bisher bieten konnte! Dieser Auftakt ist vielversprechend. Staffel 3 könnte die vorherigen Staffeln toppen. 

Stand der Gesamtbewertung: 82%


Folge 2: 'Witness'

Mike verfolgt seine Verfolger. Seine Spionage führt ihn letztendlich zu der nur allzu bekannten Fastfood-Kette Los Pollos Hermanos. Da Mike weiterhin im Hintergrund agieren will, schickt er Jimmy in die Filiale, um nach verdächtigen Aktivitäten Ausschau zu halten. Doch Jimmy hat noch viel größere Probleme, als er von der Tatsache erfährt, dass Chuck heimlich sein Schuldgeständnis aufgenommen hat...

Vince Gilligan tritt aufs Gaspedal. Diese Episode macht deutlich, dass von nun ab nichts mehr zurückgehalten wird. Der dramatische Bogen in Witness fühlt sich schon beinahe an wie ein Staffelfinale. Stattdessen fungiert diese Episode als "game changer" der Serie: Saul Goodman hat soeben die Tür eingetreten. 

Die Rückkehr von Empfangsdame Francesca (Tina Parker) ist unerwartet aber willkommen. Während der verdorbene Saul Goodman aus Breaking Bad Francesca auch gerne mal als "Zuckertitte" bezeichnet, behandelt Jimmy McGill seine neue Angestellte mit Samthandschuhen. Wie lange noch? 

Während der Streit zwischen den McGill-Brüdern in einem dramatischen Wortgefecht eskaliert, begibt sich der Handlungsstrang von Mike endlich auf Breaking Bad-Territorium. Mit der Wiedereinführung von Los Pollos Hermanos und Superschurke Gus Fring (Giancarlo Esposito) wird Better Call Saul düsterer und ernster als zuvor. Jimmys "auffällig unauffällige" Spionage im Fast Food-Restaurant ist mit Vince Gilligans ruhiger und sorgfältiger Bildsprache grandios in Szene gesetzt worden – Better Call Saul erzeugt wieder unterschwellige Spannung mit gnadenlosem Minimalismus. 

'Witness' gehört zu den bisher stärksten Episoden der Serie. 'Breaking Bad'-Fans bekommen endlich ihre Bescherung. Mit der Rückkehr von 'Los Pollos' und mehreren bekannten Gesichtern ähnelt 'Better Call Saul' immer mehr seinem großen Bruder, ohne aber den eigenen visuellen und erzählerischen Stil zu verlieren!

Stand der Gesamtbewertung: 86%


Folge 3: 'Sunk Costs'

Jimmy muss den Konsequenzen ins Auge sehen und sich vor Gericht stellen. Chuck will Anklage gegen seinen Bruder erheben, während Jimmy sich selbst als Anwalt vertreten will. Mike nimmt es erneut mit dem Salamanca-Kartell auf – dieses Mal im Auftrag von Gus... 

Viel zu lachen gibt es nicht. Staffel 3 wird mit jeder Episode ernster und erwachsener. Daran Schuld ist vor allem Mikes Geschichte, die auch in Sunk Costs wieder den Hauptplot überschattet. Die dialoglosen Szenen des mürrischen Vollprofis funktionieren wie immer prächtig. Sobald Mike auf Ganoven-Jagd ist, verfolgen wir sein Handeln mit euphorischem Interesse. Die ruhige und sorgfältige Inszenierung von Mikes heimlichen Jobs sorgt dafür, dass sich auch bei uns Zuschauern ein angenehmes Bauchkribbeln bemerkbar macht – kennen wir das nicht alle noch vom Versteckspielen als Kind? 

Die Episode verwendet eine Breaking Bad-typische "Vorblende", die uns eine Szene zeigt, die vollkommen aus dem Kontext gerissen wirkt, später aber erklärt wird. Das "Miträtseln" macht also umso mehr Spaß. Dieser involvierende Erzählstil sorgt dafür, dass wir für Better Call Saul viel mehr auf Details achten, als für andere Serien. 

Aufmerksame Breaking Bad-Fans erkennen die Rückkehr einer weiteren bekannten Figur: Der mexikanische Kartell-Arzt von Gus Fring. 

Mit Jimmys Verhaftung bekommt die Geschichte einen schwungvollen Drive, der im Laufe der Episode aber wieder etwas ausgebremst wird. Dadurch wirkt Sunk Costs etwas antiklimatisch. Nun wurde doch nicht ein so großer Fortschritt in der Entwicklung zu Saul Goodman gemacht, wie zuvor eventuell erwartet. 

'Sunk Costs' reiht sich stilistisch und erzählerisch perfekt in die bisherige Staffel ein. Damit haben wir nun einen Hattrick von drei starken 'Saul'-Episoden, die erstaunlich erwachsen und beinahe trübselig ausgefallen sind. 

Stand der Gesamtbewertung: 86%


Folge 4: 'Sabrosito'

Ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt alte Bekannte aus dem Mexiko-Kartell. Mikes Sabotage des Drogentransports zeigt seine Auswirkungen. Während sich Hector und Gus an die Gurgel gehen, feilen Jimmy und Kim an einem Plan, Chucks Rachefeldzug zu umgehen. 

War das überhaupt noch Better Call Saul? Die vierte Folge fühlt sich an wie eine Muster-Episode aus der vierten Staffel Breaking Bad. Kartell-Meetings? Check. Los Pollos-Szenen? Check. Unterschwellige Spannung, die jederzeit zu explodieren droht? Check. Sabrosito ist lupenreiner Fan-Service und gleichzeitig eine der stärksten Episoden der Serie. Endlich kann Giancarlo Esposito wieder die zwei Gesichter des Gus Fring mit seiner wahnsinnig authentischen Performance zur Schau stellen! 

Mikes und Jimmys Handlungsstrang überschneiden sich erneut, was die übergeordnete Geschichte nochmal ordentlich zusammenzurrt. Das erste Aufeinandertreffen der Charaktere Chuck und Mike gibt der Staffel den Humor zurück, der in den ersten drei Episoden noch etwas kurz kam. 

Viel erklärt wird in Sabrosito nicht. Stattdessen lassen uns die letzten zehn Minuten mit Fragen über Fragen zurück. Zum Beispiel, wie sich der Streit zwischen Jimmy und seinem Bruder weiterentwickeln wird. Es wird Zeit für Fan-Theorien! 

'Sabrosito' ist die bisher beste Episode der dritten Staffel und darüber hinaus eine der stärksten der ganzen Serie. 'Better Call Saul' kann nun endgültig mit 'Breaking Bad' verglichen werden – stilistisch und qualitativ. 

Stand der Gesamtbewertung: 88%


Folge 5: 'Chicanery'

Das Gerichtsverfahren beginnt. Jimmy muss sich vor Chucks Anschuldigungen verteidigen, aufgrund seiner Straftat kein Recht auf eine Anwaltslizenz zu haben. Mit der Unterstützung von Kim und einem alten Bekannten aus Breaking Bad-Zeiten, schmiedet Jimmy einen Meisterplan, seinen Bruder vor Gericht bloßzustellen.

Diese Flaschenepisode ist randvoll mit Drama. Der Jimmy/Chuck-Konflikt erreicht nun endlich sein großes Pay-Off. Die angestauten Emotionen, die über zwei Staffeln nach einem Ventil suchten, haben nun endlich einen Fluchtweg gefunden. Jimmy oder Chuck – wurde nun endlich ein Gewinner gefunden? 

"Fokus" ist das Stichwort. Selbst Mikes Handlungsstrang muss eine Runde aussetzen, um dem 40 Minuten langen Gerichtsverfahren nicht in den Weg zu kommen. Doch die Schwerpunktverlagerung der beiden Handlungsstränge ist zur Mitte der Staffel genau der richtige Weg. Saul Goodman steht endlich vor der Tür. 

Dennoch ist Michael McKean, Darsteller von Chuck, der wahre Star der Folge. Ein beinahe herzzerbrechendes Finale zeigt, was für eine vielschichtige Figur mit Chuck McGill geschaffen wurde. Nun hat sich jede "langatmige" Szene ausgezahlt, die mit Feingefühl an seinem Charakter feilte. Auch die kurze Rückblende am Anfang der Episode zeigt, wie relevant die Vergangenheit für die zukünftigen Ereignisse der Serie ist. Nichts ist willkürlich. 

'Chicanery' ist nach der starken Vorgängerfolge wie ein Sahnehäubchen – eine Ausnahmeepisode, welche endgültig die subtile und unterschwellig-spannende Energie der Serie beweist. 

Stand der Gesamtbewertung: 90%


Folge 6: 'Off Brand'

Nach dem dramatischen Gerichtsverfahren stoßen Jimmy und Kim auf den Sieg an: Nur zwölf Monate muss Jimmy seine Anwaltslizenz abgeben. Doch Howard und Chuck glauben daran, dass der Chaot durch seine Bewährung fällt. Um diesen Umstand zu umgehen, packt Jimmy seinen neuen Alias aus... 

Während sich die letzte Folge wie ein spannungsgeladenes Midseason-Finale angefühlt hat, atmet die Story nun wieder aus. Off Brand ist die Ruhe nach dem Sturm. Eventuell erfährt die dritte Staffel nun einen Stilbruch. 

Während Jimmys Handlungsstrang nun wieder deutlich mehr lustige statt dramatische Szenen zu bieten hat, gibt es gleichzeitig wieder mehr aus Albuquerques Untergrundwelt zu sehen. Nacho übernimmt Mikes Privileg des zweiten Protagonisten der Show – eine willkommene Wahl, da Nachos Charakter in Staffel 3 bisher viel zu wenig Screentime bekam. 

Wir bekommen gleich zwei weitere Breaking Bad-Kameos serviert, die jedoch recht unspektakulär in Szene gesetzt wurden. Dennoch traue ich mich nicht, Mastermind Vince Gilligan vorzuwerfen, dass seine Querverweise zur Mutter-Serie dem reinen Selbstzweck dienen. Warten wir's ab!

Am Ende von Off Brand bekommen Saul-Fans nun endlich den Moment, auf welchen sie schon seit Anbeginn der Serie warten. Doch Gilligan wäre nicht Gilligan, wenn er diesen Moment nicht komplett anders aufziehen würde, als wir es prophezeit hätten. Über die Entscheidung lässt sich streiten: Einerseits ist die Einführung des Jimmy-Alias "Saul Goodman" extrem witzig, andererseits bedeutet dieser Story-Schachzug ein erneutes Ausbremsen des Erzähltempos. Die nächste Episode Expenses wird zeigen, ob das Autorenteam die richtige Wahl getroffen hat!

'Off Brand' schaltet zwei Gänge zurück. Die Episode baut die Spannung der letzten Episoden ab und wandelt sie in lustigere Szenen um. Dennoch ist die sechste Episode ein wichtiger Schritt in Handlung und Charakterentwicklung! 

Stand der Gesamtbewertung: 90%


Folge 7: 'Expenses'

Jimmy muss Sozialstunden leisten. Doch die Kosten des Anwaltsdaseins laufen weiter und Jimmy befindet sich schon bald in einer finanziellen Krise, die ihn zu verschlingen droht. Doch macht er seinem Spitznamen "Charlie Hustle" alle Ehre und versucht, das fehlende Geld mit Last-Minute-Drehs von Werbespots wieder einzufahren. Währenddessen schmiedet Nacho gefährliche Pläne, die ihm Kopf und Kragen kosten könnten. 

Die Metamorphose schreitet voran: Jimmy verändert sich. In einigen Szenen blitzt der Geist von Saul Goodman immer wieder durch Jimmys glühende Augen. Damit gewinnt die dritte Staffel den Witz und die Frechheit, die wir alle noch aus Breaking Bad-Zeiten kennen und seither etwas in Better Call Saul vermisst haben. Das bitterernste und emotionale Drama der ersten Folgen wird nun langsam aber sicher aufgelöst. Chuck rückt in den Hintergrund und Jimmy wirft Ballast ab – genauso wie die Handlung der Serie. 

Die urkomische Einführungsszene mit den Sozialstunden und Jimmys Kundengespräche sorgen für einige Lacher. Dennoch wird die Leichtigkeit von einem tragischen Unterton begleitet, der für viele kleine aber feine Charaktermomente sorgt. Baut sich Jimmy die Fassade des lustigen Kanarienvogels nur deshalb auf, um seinen Gewissenskonflikt zu verstecken? Jimmy und Kim wollen nach Chucks Niederlage in die Zukunft blicken, sind aber nicht ganz frei von Schuldgefühlen. Die letzte Szene zeigt Bob Odenkirk in Höchstform. Selten wird ein Protagonist mit solch einer Vielschichtigkeit dargestellt! 

Die Rückkehr von Super-Nerd Pryce (Mark Proksch) sorgt für noch mehr Komik in der Folge. Dennoch wird Nachos Vorhaben, Hector Salamanca zu vergiften, mit Sicherheit alles andere als lustig enden. 

'Expenses' gehört zwar nicht zu den spannendsten Episoden der Staffel, doch auf charakterliche Ebene ist sie umso interessanter. Humor und subtiles Drama werden gekonnt vermischt. Die Story wird immer besser und es ist eine Tortur, auf die nächste Episode zwei Wochen warten zu müssen! 

Stand der Gesamtbewertung: 91%


Folge 8: 'Slip'

Mike und Nacho haben beide ihre eigenen Pläne, Hector Salamanca zu Fall zu bringen. Jimmy holt währenddessen sein Alter Ego "Slippin Jimmy" vom Dachboden und verwandelt sein Talent in Geld. Chuck meistert seine Krankheit, doch es gibt schlechte Neuigkeiten von Howard... 

Diese Folge streut die Handlung in viele Richtungen wie ein Rasensprinkler. Ganze vier Erzählstränge werden aufgegriffen, ohne dass diese sich überschneiden. Somit macht die achte Folge Slip wenig Fortschritt im Hauptplot, liefert aber trotzdem eine Unmenge an kleinen Highlights und bewässert die Spielwiese der Fans mit neuen Theorien. 

Endlich sehen wir Slippin' Jimmy in Action! Obwohl der Episodenname auf ein dramatischeres Ereignis hindeutete, ist dieser Moment saukomisch. An dieser Stelle ein ganz großes Lob an den Stuntman von Bob Odenkirk! So hart gerumst hat ein Film-Ausrutscher  selten. 

Der spannendste Moment der Folge (und eventuell der spannendste Moment der kompletten Serie) geht auf Nachos Konto. Der Pillen-Austausch trieb meinen Puls signifikant in die Höhe. Die fokussierte und gnadenlose Inszenierung lässt uns genauso schwitzen, wie es sonst nur eine kaputte Klimaanlage in einem ICE an einem Sommertag vermag. Die Szene erinnerte an die ebenso gnadenlose Suspense-Szene aus Breaking Bad, in welcher Walt und Jesse Tuco Salmanca vergiften wollen – vor den Augen des (dort bereits im Rollstuhl sitzenden) Hector Salamanca. Wird Nachos Pillen-Austausch Hector in eben diesen Rollstuhl bringen?

'Slip' bietet alles, was 'Better Call Saul' ausmacht: Lustige Momente, emotionale Momente, spannende und kleine Momente. Alle Charaktere stehen nun an den richtigen Positionen für die letzten zwei Episoden, die diese Staffel hoffentlich mit einem Knall verabschieden. 

Stand der Gesamtbewertung: 91%


Folge 9: 'Fall'

Jimmy gräbt den alten Sanpiper-Fall aus und tüftelt an einem hinterlistigen Plan, möglichst schnell an seinen Batzen Geld zu kommen. Kim übernimmt sich mit ihrer Arbeit und Chuck wird von Howard aus seiner eigenen Firma gedrängt. Nacho bereitet seinen Vater auf eine Invasion der Salamancas vor. 

Das war sie also: Die vorletzte Episode, die meist den dramatischen Klimax der Geschichte bildet. So war es zumindest in den ersten beiden Staffeln. Wie ist es nun mit Fall? Ob die Staffel mit der neunten Episode wirklich ihren Höhepunkt gefunden hat, lässt sich erst nach der nächsten Folge Lantern sagen. Denn allzu schockierend sind die letzten Ereignisse dann doch nicht. Der unheilverkündende Titel der Episode versprach zumindest in dieser Hinsicht etwas zu viel. Das Drama spielt sich nämlich, wie immer, zwischen den Zeilen ab. 

Dennoch ist das Erzähltempo in Fall so hoch wie noch nie. Viel ist passiert. Der wichtigste Aspekt der Folge ist Jimmys endgültige Verwandlung zu einem unmoralischen Ar***loch, der für den Erfolg in seiner Profession alles tun würde. Chucks Worte bewahrheiten sich nun doch: Jimmy wird zu einem "Affen mit Maschinengewehr". Na endlich! Wir als Zuschauer haben lange darauf gewartet – nun sind wir endlich an dem Zeitpunkt angelangt, an dem wir über Jimmys eigenes "Breaking Bad" verfolgen dürfen.

Irene tut uns trotzdem verdammt leid. Die "Mall-Walking"-Szenen verursachen irgendetwas zwischen Lach- und Mitleidstränen. Auch wenn die Sanpiper-Geschichte recht plötzlich wieder Einzug in die Serie findet, ist sie dennoch ein vollkommen originelles Konzept, Jimmys manipulatives Verhalten zu demonstrieren. 

Fall endet mit einem wortwörtlichen Schock, den wir eigentlich hätten voraussehen sollen. Kims Unfall wäre in einer anderen Serie keine große Sache gewesen. Es ist sowieso ein unübliches erzählerisches Stilmittel, Charaktere bei Autounfällen nicht sterben oder mindestens schwerverletzt zurück zu lassen. Aber hier zeigt sich erneut Better Call Sauls größte Stärke. Für ergreifendes Drama braucht es keine Toten und keine Action. 

'Fall' ist (noch) nicht der spektakuläre Pay-Off, den sich viele zum Ende der Staffel hin gewünscht hätten. Stattdessen bekommen wir eine weitere feine Charakter-Episode, die Spannung und Drama in den Details versteckt. 

Stand der Gesamtbewertung: 91%


Folge 10: 'Lantern'

Kim erholt sich von ihrem Unfall, während Jimmy fiese Schuldgefühle plagen. Doch Chuck will nichts von einer Versöhnung wissen – weder von Jimmy, noch von HHM. Hector Salamanca kämpft um den Stolz seiner Familie. 

Dem aufmerksamen Zuschauer dürfte die kurze Eröffnungsszene einen kleinen Schauer über den Rücken jagen. Werden die Fan-Theorien etwa bestätigt? Es kann doch kein Zufall sein, dass wir die jungen McGills in einem Zelt sehen, während Chuck seinem jüngeren Bruder Mabel's Abenteuer vorliest... im Schein einer Laterne... in einer Folge namens "Lantern". Ein böses Omen. 

Tatsächlich gehört diese Episode Chuck. Von der Verabschiedung von HHM bis zum kolossalen Rückfall seiner Krankheit – jede Szene ist mit unterschwelliger Dramatik und beißender Tragik aufgeladen. Michael McKean liefert nun beinahe schon offiziell die stärkste Performance der Serie. Von so einem vielschichtigen Charakter können andere Serie nur träumen. Sein Abgang ist grandios und herzzerbrechend. Hut ab für Michael McKean, und natürlich für die Drehbuchautoren.  

Regie führte niemand anders als Executive Producer Peter Gould. Seine Inszenierung ist effektiv und absolut stilsicher – und dennoch ohne viel Schnickschnack. Der markante Einsatz von Musik ist für die Serie beinahe schon was Neues. Gerade Chucks Paranoia oder Hectors Zusammenbruch erscheinen dadurch besonders intensiv. 

Obwohl Lantern die mit Abstand dunkelste Episode von Better Call Saul  ist (Hah! Diese Ironie), gibt es auch einige befriedigende Momente, die emotionale Konflikte lösen. So opfert Jimmy seine Reputation, um einer alten Lady ihre Freunde zurückzugeben. Eine vollkommen unerwartete Charakterwendung – doch umso willkommener. Muss Jimmy's Breaking Bad doch noch aussetzen? 

Die letzten Sekunden der Folge schaffen es, mit minimalster Inszenierung einen gewaltigen Höhepunkt zu schaffen. So beendet man eine Staffel! Mit einem Wechselbad der Gefühle. 

'Lantern' ist der großartige Abschluss einer großartigen Staffel. Das Finale erschafft ein dramatisches Momentum, so elegant und subtil wie noch nie zuvor. Dennoch beten wir, dass diese Folge nicht auch noch den Titel des Serien-Finales erhält. Wäre es wirklich so, würde die Serie immerhin mit ihrer besten Folge enden. 

Stand der Gesamtbewertung: 93%

'Better Call Saul' - Staffel 3 erklimmt neue Höhen

Man muss diese Serie endgültig nichtmehr an Breaking Bad messen. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Vince Gilligan etwas komplett anderes erschaffen hat. Auch wenn die kleinen Verbeugungen vor der Mutterserie besonders in dieser Staffel sehr häufig gemacht werden, ist alles andere so individuell und stilsicher wie noch nie zuvor: Better Call Saul ist ein subtiles und bis ins Detail kohärentes Meisterwerk, dass aus kleinen Momenten mehr Witz und Dramatik rausholt, als die meisten anderen Serien. Bleibt zu hoffen, dass AMC eine weitere Staffel anhängt. Auch wenn sich das Finale von Staffel 3  auf unerwartete Weise etwas wie ein "Ende" anfühlt, darf es so schnell noch nicht zu Ende gehen! 

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4 thoughts on “Kritik: Better Call Saul – Staffel 3

  1. Mirko, vielen Dank! Ich bin auch begeistert, wird von Staffel zu Staffel besser. Das Ende war auch echt brutal!

    LG Keyvan

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