Kritik: Game of Thrones – Staffel 7

Eine verdammt starke Staffel – aber nicht die Beste

FSK 16

Achtung Spoiler!

Wenig Zeit? Am Ende jeder Episodenkritik gibt es ein Fazit.


Kritik: Folge 1 'Drachenstein'

Daenerys Targaryen vor dem Thron auf Drachenstein in Game of Thrones Staffel 7 Folge 1
Endlich in Westeros: Epische Momente schon in der ersten Folge.

Erscheinungsdatum: 18. Juli 2017 (DE)
Regie: Jeremy Podeswa

In der Auftaktfolge der siebten Staffel lässt Jon Snow (Kit Harrington) die Vergangenheit ruhen um den Norden zusammenzuhalten. Sein höchstes Ziel: Die Verteidigung gegen die Weißen Wanderer. Es kommt jedoch zu Unstimmigkeiten mit Sansa Stark (Sophie Turner). Jons Halbschwester will die abtrünnigen Häuser des Nordens nicht begnadigen. Was sich gegen Ende der sechsten Staffel bereits abzeichnete, verfestigt sich: Sansa ist kein Spielball mehr, sondern will beim Spiel der Throne ein echter Player sein.

Arya (Maisie Williams) ist bereits in the game und vollführt einen weiteren Zug ihres Racheplans. Dabei bedient sich die Folge einer Bildsprache, die an die „ rote Bluthochzeit“ in Staffel 3 erinnert. Der Spieß wird langsam umgedreht. Es scheint, als würden die Starks an Oberwasser gewinnen. Auch Jaime Lennister befürchtet das und rät Königin Cersei (Lena Headey) nach Verbündeten Ausschau zu halten. Deren Wahl fällt auf Euron Graufreud, der Cersei ein Geschenk zu machen verspricht. Mutmaßlich handelt es sich dabei um Tyrions Kopf (Peter Dinklage), der bei Daenerys Flotte weilt. Können wir eine Seeschlacht zwischen Daenerys und Euron erwarten? Denkbar wäre das. Und auch ziemlich episch.

Aber episch wird es sogar schon in dieser Folge: Daenerys Targaryen erreicht Westeros. Genauer gesagt: "Drachenstein", die Insel ihrer Vorväter. Das langjährige Warten hat ein Ende. Nun wird es spannend: Was werden ihre nächsten Schritte sein? Ein Indiz, dass Jon und Daenerys aufeinandertreffen werden, liefert Sam Tarly: Eine Karte verrät ihm, dass unter Drachenstein ein Berg aus Drachenglas liegt. Und genau dieses braucht Jon. Denn nur Drachenglas und valyrischer Stahl können die Untoten bezwingen.

Fazit: Folge 1 'Drachenstein'
Die erste Folge bietet eine gelungene Exposition, die bereits mit einem Gänsehaut-Moment aufwarten kann und weitere spannende Elemente einführt. Auch wenn Cersei aus der letzten Staffel als Siegerin hervorging, zeigt Drachenstein ein schwächelndes Haus Lennister, was dem Fortgang der Staffel Dynamik verleihen wird.

Stand der Gesamtbewertung: 81%


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Kritik: Folge 2 'Sturmtochter'

Daenerys Targaryen und ihre Verbündeten lauschen Tyrions Plänen in Game of Thrones Staffel 7 Folge 3
Pläne schmieden war noch nie so einfach.

Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017 (DE)
Regie: Mark Mylod

Schon die erste Folge war mehr als nur der gewohnt-gemütliche Auftakt einer Staffel. Mit Folge 2 legt Game of Thrones – Staffel 7 jedoch eine Beschleunigung an den Tag, die wir von der Serie so nicht gewohnt sind. Die komplexen Intrigen und das stete Vor und Zurück der vorangegangenen Staffeln hat, so scheint es, ein Ende.

Stattdessen packen die Showrunner alles auf eine Karte und gehen in Sturmangriff über. Auf den ersten Blick ist es gut, wenn eine Story gerafft wird und auf den Punkt kommt. Doch mutet es auch ein wenig komisch an, wenn Tyrion Daenerys Schlachtplan in einem einzigen Atemzug erklärt und anschließend die Verbündeten fleißig nicken. Geht das nicht ein wenig zu einfach, zu aalglatt? Game of Thrones steht schließlich auch für komplexes Ränkeschmieden. Es lässt sich nur hoffen, dass diese Staffel uns nicht Scheuklappen anlegt und zu viel „Politik“ ausblendet. Noch hält Staffel 7 jedoch das hohe Niveau der letzten meisterhaften Staffel.

In der Kritik zu Episode 1 hatten wir uns noch gefragt, ob es bald zu einer Seeschlacht kommen würde. Und – tadaaaa – da ist sie schon: Euron Graufreuds vs. Asha Graufreud. Mit Fernsehen hat die aufwendig gefilmte Sequenz nur noch wenig zu tun: episch, mächtig, visuell beeindruckend erinnert das action-reiche Gemetzel mehr an Kinofilme wie Fluch der Karibik. Wieder einmal schafft es HBO uns zu überraschen und die Grenzen des im TV möglichen zu verschieben.

Fazit: Folge 2 'Sturmtochter'
Die Handlung nimmt erheblich an Fahrt auf und hält große Bilder und packende Action bereit. Was bleibt, sind große Erwartungen. Denn bei einer Staffel, die schon in der zweiten Folge mächtig vorlegt, hoffen wir auf ein noch viel epischeres Staffelfinale. Für Folge 3 erwarten wir gespannt das Treffen zwischen Jon und Daenerys, auf das Fans schon so lange warten.

Stand der Gesamtbewertung: 82%


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Kritik: Folge 3 'Die Gerechtigkeit der Königin'

Daenerys Targaryen und Jon Schnee treffen in Drachenstein aufeinandern in Game of Thrones Staffel 7 Folge 3
Das Treffen zwischen Eis und Feuer bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Erscheinungsdatum: 31. Juli 2017 (DE)
Regie: Mark Mylod

Das hohe Tempo der ersten beiden Folgen hält auch Folge 3 Die Gerechtigkeit der Königin bei. Ein Highlight folgt dem nächsten. Doch was passiert, wenn man Höhepunkt an Höhepunkt reiht? Genau, man bekommt eine Ebene. Zugegeben eine Hochebene. Aber eben eine ohne Steigung. Es besteht die Gefahr, dass sich das Publikum an der grandiosen Staffel sattsieht. Erste Anzeichen sind schon da:

Denn das schon im Titel der Buchreihe (Das Lied von Eis und Feuer) angekündigte Treffen zwischen Jon Schnee und Daenerys Targaryen wird zur Nebensächlichkeit. Das Treffen erinnert dabei an das Face-Off zweier Kindergartengruppen: Deine Eltern sind voll doof! Auch mit Jon muss sich die Serie langsam was Neues einfallen lassen. Seine griesgrämige Nörgelmiene beginnt ermüdend zu werden. Interessant ist jedoch die letzte Szene der Beiden: Daenerys schaut Jon hinterher. Sehnsüchtig? Läuft da was?

Kritisch zu betrachten ist auch Euron Graufreud. Verglichen mit anderen Charakteren ist er ein ziemlicher Neuling über den wir wenig wissen. Während sich Game of Thrones stets durch komplexe Lösungen auszeichnete, die meist eher neue Probleme gebaren, gelingt ihm alles mit links. Er scheint übermächtig. Der grazilen Mächtekonstellation in Westeros tut das auf Dauer nicht gut. Aber wir wissen ja: Hochmut kommt vor dem Fall.

Zugegeben: Das war Kritik auf hohem Niveau. Natürlich ist Game of Thrones – Staffel 7 in vielerlei Hinsicht die ungebrochene Speerspitze der Serienwelt. Das zeigt sich auch am atemberaubenden Verschwendertum: Da wird schon mal ein rein hypothetischer Sturmangriff, den Tyrion aus dem Off schildert, aufwendig inszeniert und führt uns an der Nase herum. Schön gemacht! Was jedoch von Folge 3 bleibt, ist der Sieg der Lennisters über Haus Tyrell. Auch wenn Lady Olennas Ableben ein herber Schlag ist für die Serie, geht sie mit der gewohnten Schlagkraft, die höchstens Tyrion toppen kann.

Fazit: Folge 3 'Die Gerechtigkeit der Königin'
Die 3. Folge von Staffel 7 zieht mit großen Momenten in Bann. Nicht darunter ist jedoch das langerwartete Treffen zwischen Jon und Daenerys, was der Staffel einen Dämpfer verleiht.

Stand der Gesamtbewertung: 83%


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Kritik: Folge 4 'Kriegsbeute'

Titelbild für Kritik Game of Thrones Staffel 7 Episode Kriegsbeute mit Daenerys und Drogon auf dem Schlachtfeld
Joa. Kann man als TV-Serie mal machen.

Erscheinungsdatum: 7. August 2017 (DE)
Regie: Matt Shakman

Spoils of War (auf Deutsch: Kriegsbeute) fängt an wie eine gewöhnliche GoT-Episode. Wir ahnen nichts. Die Stark-Kinder sind wieder auf Winterfell vereint, Daenerys schmiedet Schlachtpläne und Jon Snow buddelt nach Drachenglas. Doch schon hier liefert Spoils of War ruhige Höhepunkte, die jedem Fan das Herz erwärmen. Staffel 7 ist vor allem eine große Wiedervereinigung getrennter Charaktere und Handlungsstränge. Alles fließt zusammen. Alle Wege führen zu einem letzten Konflikt.

Game of Thrones findet endlich seinen brennenden Fokus. So faszinierend die ausschweifenden Expositionen, Nebenhandlungen und Zusatzinfos der vorherigen Staffeln auch waren, kulminiert das Serien-Epos immer mehr zu einer epischen Fantasy-Erzählung, die einem Der Herr der Ringe in nichts nachsteht. Als Jon und Daenerys gemeinsam die mysteriösen Höhlenmalereien der Kinder des Waldes begutachten, zeigt sich die Mystik des Universums von George R.R. Martin aus einem ganz anderen Licht: Sex und Gewalt sind schon lange nicht mehr der Selling Point der HBO-Serie, sondern das fantastische Universe-Building und die faszinierende Charaktere.

Außerdem faszinierend ist die Entwicklung von Bran (Isaac Hempstead Wright) zu einem herzlosen, kalten Hellseher. Seine Entfremdung zu alles und jedem macht aus dem bisher langweiligen Charakter eine mysteriöse, ungelöste Variable in der komplexen Gleichung der Rahmenhandlung: Welches Ziel verfolgt Bran, welche Konsequenzen haben seine Fähigkeiten für die kommende Geschichte? 

Kriegsbeute verstrickt Fan-Service mit Charakter-Materie und gelingt damit ein Kunststück, an dem andere Serien (z.B. Sherlock) zu scheitern drohen. Das kleine Schwertduell zwischen Arya und Brienne gehört zu diesen Momenten, welche GoT-Fans genau das geben was sie sehen wollen, ohne dabei oberflächlich zu werden.

Wir schauen auf die Laufzeit und müssen trübselig feststellen, dass die kürzeste Episode der Serien-Geschichte schon wieder bald zu Ende ist. Doch halt. Sobald wir das Trampeln der Dothraki-Herde vernehmen, steigt wahre Game of Thrones-Euphorie in uns auf. Regisseur Matt Shakman serviert uns in den letzten zehn Minuten die gigantischste Schlacht der Seriengeschichte – und sie kommt aus dem Nichts.

Wir Zuschauer sind genauso unvorbereitet wie die Lennister-Armee, doch umso größer ist unsere innere Anspannung. Uns bleibt überhaupt keine Zeit, eine Seite zu wählen. Im Gegensatz zum "Battle of the Bastards" aus Staffel 6 ist dieses Mal das Anfeuern  nicht so einfach. Bronn, Jaime, Daenerys, Drogon... am liebsten sollen alle überleben. Dieses Dilemma macht aus der Schlacht ein hochspannendes, intensives, und doch unglaublich befriedigendes Erlebnis, das jeden Fan zum zittern bringt.

Der Preis an den coolsten Badass der Schlacht geht dennoch nicht an Daenerys oder Drogon, sondern an Bronn (Jerome Flynn). In bester John McClane-Manier kämpft sich Bronn durch brutale Tracking-Shots, liefert sich blutige Duelle und schießt letztendlich noch einen Drachen vom Himmel. Die Bildgewalt dieser Szene lässt Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere wie ein Kinderroman erscheinen (Ha!). 

Fazit: Folge 4 'Kriegsbeute'

Ähnlich wie Hartheim aus Staffel 5, liefert Kriegsbeute ein vollkommen unerwartetes Action-Payoff, das in Sachen Intensität, Spannung, Bildgewalt seinesgleichen sucht. Das macht Kriegsbeute noch nicht zur besten Episode der Serie (Schlacht der Bastarde und Die Winde des Winters wollen noch getoppt werden), dennoch ist das Finale der Folge die monumentalste Schlacht der GoT-Geschichte und reiht sich auch außerhalb des Franchise in die Hall-of-Fame der besten Fantasy-Schlachten aller Zeiten ein. Das hat nun wirklich nichts mehr mit Fernsehen zu tun.

Stand der Gesamtbewertung: 90%


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Kritik: Folge 5 'Ostwacht'

Bild für Kritik Game of Thrones Staffel 7 Ostwacht mit Drogon und Jon Snow
Jon und Drogon verstehen sich verdächtig gut.

Erscheinungsdatum: 14. August 2017 (DE)
Regie: Matt Shakman

Die Episode danach: Nach dem Action-Fest aus Kriegsbeute erwarten wir nun eine satte Story-Episode, die die letzten Vorbereitungen für die beiden finalen Episoden mit Überlänge erledigt. Und tatsächlich zeigt uns Matt Shakman, der erneut Regie führt, einen hübschen Gegenentwurf zur vorherigen Episode. Wenig Action, wenig Blut, aber dafür massig Story und ein schwindelerregendes Erzähltempo. Einen bitteren Nachgeschmack gibt es dennoch. 

Die Game of Thrones-Charaktere besitzen endlich bessere Teleportation-Techniken als die Kollegen aus Star Trek. Die Hindernisse der mittelalterlichen Distanzüberbrückung per Fuß und Pferd spielen keine Rolle mehr. Drachenstein - Königsmund in nur fünf Minuten! Inklusive Rückfahrt!

An dieser Stelle muss man sich erneut fragen, ob das schwindelerregende Tempo der neuen Staffel ein Segen oder ein Fluch ist. Während sich die letzte Episode noch auf ein gemächlicheres Tempo zurückbesann (bis auf die letzten zehn Minuten natürlich), überholt Ostwacht das Erzähl-Tempo aller vorherigen Episoden. Das ist zwar mächtig unterhaltend und auf eine gewisse Weise auch aufregend – sobald aber wichtige Dialoge nur ein Viertel der Länge besitzen, die sie eigentlich haben sollten, dann bedauert man doch die drei gekürzten Folgen dieser Staffel. Hier wird ersichtlich, dass die Kürzung keine künstlerische Entscheidung war, sondern eine kommerzielle. Nur 30 Sekunden Dialog, nachdem Cercei erfährt, dass Olenna für Joffreys Tod verantwortlich ist? Das ist zu wenig. Selbst der lang verschollene Gendry will wortwörtlich nicht lange rumreden, sondern sofort mit Ser Davos von Königsmund aufbrechen.

Allgemein ist das "Writing" der neuen Staffel sehr unbeständig. Zwar bleibt Game of Thrones auch in den schwächeren Momenten inhaltlich hochwertig und scheint weiter als unerreichter Stern am TV-Himmel, doch besonders in diesen schnellen Episoden vermisst man die ausgefeilten Dialoge eines George R.R. Martin. Der Story kann man allerdings keine Vorwürfe machen. Ungeachtet davon, wie viel Einfluss Martin noch auf die Geschichte der Serie hat, wird das Universum kongenial ausgebaut und zusammengeführt.

So sehr der Serie auch die Zeit entrinnt, umso erfreulicher ist, dass der unnötige pornografische Ansatz beinahe komplett über Bord geworfen wurde. Staffel 7 verabschiedet sich von Sex-Szenen und setzt stattdessen mehr auf klassische Fantasy-Elemente. Jon's Konfrontation mit Drogon ist pures Gold. So lieb kann Game of Thrones sein. Das wird nicht jedem gefallen – zahnlos ist die Serie aber noch lange nicht geworden.

Kleinfingers Intrigen erinnern stark an die spannenden Mystery-Elemente der ersten Staffel. Anstatt dem Zuschauer die Informationen unübersehbar vor die Nase zu halten (ja, Gillys offensichtlicher Hinweis über Rhaegars und Lyannas Hochzeit ist gemeint), punktet hier erneut das subtile Storytelling, das den Zuschauer fordert. Was ist Kleinfingers Plan? Warum will er die Stark-Schwestern entzweien?

Staffel 7 weiß genau, was das Fan-Herz zum Rasen bringt. Die Episode endet mit der Formung eines waschechten Suicide Squad aus Westeros. Die Mission: Einen Weißen Wanderer fangen und nach Königsmund bringen. So sehr sich das alles nach Fan-Fiction anhört, es ist einfach verdammt cool. Warum sollte man nach sechs Staffeln auch nicht das volle Unterhaltungs-Potential der groß etablierten Geschichte und Charaktere ausnutzen?

Fazit: Folge 5 'Ostwacht'

Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit! Game of Thrones hat es eilig. Das ultrastraffe Storytelling erstickt die ausschweifenden Dialoge der vorherigen Staffeln im Keim. Dafür wird die Laufzeit mit epischen Fantasy-Elementen und tollen Handlungsbögen ausgestattet, die es unerträglich machen, auf die Fortsetzung zu warten. Selbst "Füller"-Episoden wie Ostwacht werden dadurch zu spannenden und wichtigen Kapiteln der Saga.

Stand der Gesamtbewertung: 90%


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Kritik: Folge 6 'Jenseits der Mauer'

Szenenbild aus Game of Thrones Staffel 7 Kritik Folge Jenseits der Mauer mit Drachen und Weißen Wanderern
Deus Ex Machina vom feinsten.

Erscheinungsdatum: 21. August 2017 (DE)
Regie: Alan Taylor

Da Staffel 7 um ganze drei Folgen kürzer ist als seine Vorgänger, müssen wir das erste Mal auf die „legendäre neunte Folge“ verzichten. Doch alle Hinweise deuteten darauf hin, dass die sechste Folge namens Jenseits der Mauer (Auf Englisch: Beyond the Wall) in die großen Fußstapfen der Baelor, Der Regen von Castamaer, Die Schlacht der Bastarde, und wie sie noch alle heißen, treten wird. Und tatsächlich: Diese Episode liefert – wenn man auch das ein oder andere Mal ein Auge zudrücken muss. 

Das "Suicide Squad" von Westeros und ihr Himmelfahrtskommando, einen Zombie zu fangen und nach Königsmund zu bringen, ist in vollem Gange. Natürlich wirkt alles erst einmal wie ein gemütlicher Neujahrsspaziergang mit der Familie. Sie stapfen durch den Schnee und führen Dialoge, auf die wir schon lange gewartet haben: Die urkomische Unterhaltung über Brienne zwischen Tormund und dem Hund gehört zu den kleinen Highlights der Episode. Aber auch das „ehrenhafte" Gespräch zwischen Jorah und Jon sorgt für eine milde Gänsehaut. 

Wir Zuschauer verfolgen diese Begegnungen mit höchstem Interesse, denn sie zeigen, wie isoliert die Welt von Game of Thrones die meiste Zeit über gewesen ist. Die vielen Vereinigungen der siebten Staffel können zwar als Fan-Service abgestempelt werden – Spaß machen sie trotzdem. 

Diese Episode ist kalt. Südlicher als Winterfell geht’s dieses Mal nicht. Die klaustrophobischen und düsteren Szenen in der Stark-Festung erinnern stark an die Wurzeln der Serie. Gefahr liegt in der Luft. Schafft es Kleinfinger, die Stark-Schwestern zu entzweien? Verschleierte Charaktermotivationen und hinterlistige Pläne drohen jeden Moment zu implodieren. Maisie Williams als Arya liefert eine ihrer besten Performances. 

Zurück, jenseits der Mauer: Natürlich bleibt der Trip nicht gemütlich. Die erste Konfrontation mit einem wortwörtlichen „Eis-Bär“ erinnert an die Derbheit eines The Revenant. Doch je weiter die Action nun in den Vordergrund gerät, desto mehr gerät die Logik außer Sichtweite. 

Der Aspekt der geschrumpften Distanzen in Westeros wurde zwar schon zuvor exzessiv diskutiert, doch diese Folge treibt es endgültig auf die Spitze: Gendry zur Ostwacht, Rabe nach Drachenstein, Daenerys hinter die Mauer – „gefühlt“ an einem Tag. Auch wenn nicht ganz klar ist, wie lange das "Suicide Squad" wirklich auf die Rettung warten musste, fühlt sich das einfach falsch an. 

Es ist zwar durchaus möglich, sich diese Logiklücken zurecht zu reden. Doch man merkt erneut, dass diese Staffel drei zusätzliche Folgen bitter, bitter nötig gehabt hätte. Aber es ist wie es ist. Dafür liefern uns die Serienmacher erneut ein unglaubliches Action-Fest, das im Fernsehen überhaupt nicht Seinesgleichen suchen muss, sondern vielmehr auf der Kino-Leinwand. 

Wir bekommen gleich zwei epische Deus-Ex-Machina-Momente, die selbst von den Adlern aus Der Herr der Ringe nicht getoppt werden können. So sehr „Hollywood" das sein mag, Daenerys' und Benjens Opfer sind astreine Gänsehaut-Momente. Die größte Gänsehaut hat nun aber wohl der Nachtkönig. Endlich fliegen. 

Fazit: Folge 6 – 'Jenseits der Mauer'

Jenseits der Mauer ist zwar nicht die stärkste „vorletzte“ Episode der Serien-Geschichte, liefert aber ein unglaublich unterhaltsames und spannendes High-Fantasy-Fest. Hier scheiden sich die Geister – zurecht. Mit den rauen Konflikten und komplexen Intrigen der ersten Staffeln hat das nur noch wenig zu tun. Doch Staffel 7 steht ganz im Zeichen der Pay-Offs: Kinomagie im Fernsehen. Dafür kann man auch die paar Logiklücken verschmerzen. 

Stand der Bewertung: 90%


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Kritik: Folge 7 'Der Drache und der Wolf'

Erscheinungsdatum: 28. August 2017 (DE)
Regie: Jeremy Podeswa

Szenenbild aus Game of Thrones Staffe 7 Kritik Folge Der Drache und der Wolf im Dragon Pit
Das größte Charakter-Zusammentreffen aller Zeiten.

Das Einzige, was eine Game of Thrones-Episode noch von einem Spielfilm unterscheidet, ist die Laufzeit. Das Staffelfinale Der Drache und der Wolf sprengt nun auch diese Grenze: Epische 80 Minuten läuft diese Episode! Die extra 20 Minuten sind eine unglaubliche Wohltat.

Im Gegensatz zum Action-Spektakel Jenseits der Mauer, besinnt sich diese Episode auf Dialog statt Kampf. In Der Drache und der Wolf passiert nicht unbedingt mehr als im durchschnittlichen Staffelfinale des Serien-Epos – stattdessen investieren die Serienmacher ihre Extra-Minuten in ausgiebige Wortgefechte und aufatmende Handlungsbögen – Staffel 7 wirkt ausgerechnet in der letzten Folge nicht mehr gehetzt, sondern ruhig und selbstbewusst.

Das erste Drittel kommt einem Gerichtssaal-Thriller gleich: Es wird diskutiert und verhandelt, manipuliert und hintergangen. Die Verhandlungen im "Dragon-Pit" geben den Fans der ersten Stunde genau das, was sie an den ersten Staffeln so liebten – und über die letzten Folgen womöglich schon aufgegeben hatten. Der Name der Serie wird hier ehrend gerechtfertigt: Das Spiel um den Thron war noch nie so hitzig.

Viele Fans der Bücher kritisierten die Dialoge der neuen Staffel. Der typische "Martin-Touch" sei nicht mehr da. Es ist schon beinahe ironisch, dass nach der hoch-kontroversen Episode Jenseits der Mauer nun ein saftiges Thrones-Skript in Reinkultur serviert wird. So treffsicher waren die Dialoge selten (allen voran: Tyrion/Jamie vs. Cercei). Der Drache und der Wolf gehört unbestreitbar zu den best geschriebenen Episoden der Serien-Geschichte.

Das bittersüße Ende von Kleinfinger (Aidan Gillen) ist ein unerwartetes Highlight. Eine mitreißende Szene, die ohne den typischen "Game of Thrones-Schocker" auskommt.  Allgemein bietet die letzte Folge keine der beinahe schon obligatorischen Trauma-Szenen. Die Geschichte verlässt sich lieber auf die subtileren Emotionen. Dennoch vermisst man etwas einen verschlagenen Plot-Move, wie z.B. die Sprengung der Septe von Baelor aus Die Winde des Winters.

Die Atmosphäre in Der Drache und der Wolf ist dafür umso dichter. Sobald über Königsmund der erste Schnee fällt und Ramin Djawadis Soundtrack mystisch im Hintergrund summt, jagt einem das schon einen wohligen Schauer über den Rücken.

Natürlich endet die vorletzte Staffel mit einem Knall. Es ist kaum überraschend, dass die Mauer nun endgültig gefallen ist. Wir alle wussten, dass Staffel 7 so enden wird. Dennoch wollten wir Eis-Viserion in Action sehen – und er hat nicht enttäuscht. Der Nachtkönig, wortwörtlich der coolste Typ in ganz Westeros, ist auf dem Vormarsch. Hoffentlich erwartet uns in Staffel 8 mehr als nur ein kühles The Walking Dead!

Fazit: Folge 7 – 'Der Drache und der Wolf'

Besser hätte man diese Staffel kaum beenden können, denn Der Drache und der Wolf ist unerwartet ruhig und langsam. Ein kongeniales Skript und eine packende Atmosphäre katapultieren dieses Staffelfinale an die Spitze der besten Game of Thrones-Episoden aller Zeiten. Diese Folge sollte selbst die kritischsten Fans wieder mit dem "neuen" Game of Thrones versöhnen können. Zwar kann das unerreichte Die Winde des Winters aus Staffel 6 nicht ganz getoppt werden, aber das wäre auch ein ungerechter Maßstab.

Endstand der Gesamtbewertung: 92%


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3 thoughts on “Kritik: Game of Thrones – Staffel 7

  1. Es gibt sehr viele die von dieser Staffel enttäuscht sind aber man merkt, dass alle Charaktere zusammenkommen und das Ende der Serie in Sicht ist. Man könnte die Geschichte in die Ewigkeit ziehen. Ich denke aber, dass GRRM ein ganz bestimmtes Ende für diese Serie vorgesehen hat. Die Liebesgeschichte zwischen Jon und Dany war schon vorauszusehen. Spätestens als Jon Drachenglas gebraucht hat. Diese Serie wird mit einer Hochzeit enden. Davon gehe ich jedenfalls aus. GRRM hat von einem bittersüßen Ende gesprochen. Ich bin mir also nicht sicher ob es eine Hochzeit zwischen Dany und Jon wird oder zwischen 2 anderen wichtigen Charakteren. Es werden hoffentlich in diesem Staffelfinale die Hauptcharakterentode nachgeholt die ich selber vermisst habe.

  2. Hi Oli,
    Echt, findest du die Staffel so vorhersehbar? Ich habe mit einigen Dingen überhaupt nicht gerechnet: z.B. die vielen frühen Niederlagen von Daenerys, das Aufgeben von Casterly Rock und der anschließende Angriff der Lennisters auf die Tyrells, Lady Olennas schnelles Ableben, Eurons Siegeszug, etc. – auch die Schlacht aus Folge 4 kam praktisch aus dem Nichts. Das war für mich die typische GoT-Dynamik der vorherigen Staffeln.
    Allerdings gebe ich dir Recht, dass die Serie immer mehr zu einer „Geschichte“ wird, dass also alles zusammenfließt und Randdetails weniger Beachtung geschenkt wird. Aber das muss langsam auch geschehen, um die Handlung zu einem würdigen Ende zu führen.
    Zwischen Daenerys und Jon wird sich mit Sicherheit was anbahnen… aber ich denke, bzw. hoffe, dass sie es nicht so einfach lösen, wie du es schilderst.

    LG Keyvan

  3. Schade während die vorherigen Staffeln nicht vorhersehbar waren, konnte man sich in Staffel 7
    das Ende denken. Und so kam es dann auch. Wo bleibt die Liebe zum Detail und die Verschlagenheit.
    Der vierte Teil ist nun zu Ende und ich würde mich nicht wundern, wenn nach der Schlacht der Armee von Westeros gegen Deanerys sich Jon Schnee mit Deanerys in Liebe vereint und in einem letzten Gefecht die Armee der Untoten besiegt…….Und sie lebten glücklich bis ans Ende Ihrer Tage.
    Wo bleibt die Verschlagenheit des Buchautor. Staffel 1-6 waren legendär. Warum nicht Staffel 7 ?

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