Kritik: Lucifer – Staffel 1

Ein gewagter Deal mit dem Höllenfürst

FSK 16

Titelbild zur Film Kritik an Lucifer - Staffel 1

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Wenn es in der Hölle zu heiß wird

Lucifer Morningstar (Tom Ellis) hat genug - und das endgültig. Also verlässt er die Hölle, um in Los Angeles unter den Menschen ein neues Leben anzufangen. Mit der Unterstützung der Dämonin Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) eröffnet er einen Nachtclub, wobei er aber auch gerne mal "teuflische" Gefallen anbietet. Als jedoch eine Prominente, der er einst zu Ruhm verhalf, ermordet wird, sehnt sich Lucifer nach Bestrafung der Schuldigen. Dabei gerät er an die LAPD-Detektivin Chloe Decker (Lauren German), deren kühle und zurückweisende Art sein Interesse geweckt hat. Mit dem Wunsch, Schuldige und Sünder zu bestrafen will Lucifer dem LAPD unter die Arme greifen. Nicht zuletzt durch seine Fähigkeit, jedem Menschen seine dunkelsten Sehnsüchte zu entlocken. Doch allzu viel Zeit, seine Freiheiten ungestört auszuleben, hat er nicht. Denn sein Engelsbruder Amenadiel (D.B. Woodside) will ihn mit allen Mitteln davon überzeugen, wieder in die Hölle zurückzukehren.

In dieser Serie steckt der Teufel

Und das heißt in diesem Fall ausnahmsweise mal was Gutes, denn ohne weitere Vorreden kommen wir zum dunklen Kernstück dieser Serie: Lucifer. Tom Ellis setzt die Figur des Teufels hervorragend um. Alles passt: Die Ausstrahlung, der Charme, die Sprüche, das nötige Charisma und die Überzeugungskraft. Man kauft ihm den dunklen Verführer sofort ab. Trotz seiner charismatischen Seite ist er sowohl einschüchternd als auch furchteinflößend, vor allem gegenüber Schuldigen. Lucifer ist klar das Zentrum der Serie und dominiert nahezu jede Szene, in der er zu sehen ist, sei es durch gelungenen Wortwitz oder dramatische Momente. Kaum einer schafft es menschliche Konventionen, die auf Lügen, Heuchelei und Aberglauben aufgebaut sind, so schön durch den Dreck zu ziehen, wie der Teufel selbst. Hinzu kommt, dass er noch nicht mal versucht seine Existenz als Teufel zu verheimlichen. Lucifer glaubt natürlich trotzdem niemand. Ellis schafft es, dieser Inkarnation des Teufels eine originelle Interpretation zu geben, die eine überraschend menschliche Seite entwickelt. Lucifer ist klar das Highlight seiner eigenen Serie.

Lucifer (Tom Ellis) mit teuflisch überzeugender Mimik.
Lucifer (Tom Ellis) überzeugt mit teuflischer Verführung.

Ein Krimi? Ernsthaft?

Die Sereinmacher haben die Chance eine Geschichte vom Leibhaftigen zu erzählen, der zur Erde reist: Und was macht man daraus? Einen Krimi. Damit reiht sich die Serie in das Fantasy-Krimi-Genre wie beispielsweise Grimm ein, allerdings mit deutlich weniger Fantasyelementen, da Lucifer bereits das unnatürlichste Wesen von allen ist. Und obwohl man sich Mühe gegeben hat: Als Krimi weiß die Serie nicht zu begeistern. Die nötige Polizeiarbeit überzeugt nicht und die Fälle sind des Öfteren abgeschlossene Monster-der-Woche-Plots (oder auch Fall-der-Woche), die man schnell wieder vergisst. Meist hängen sie nur lose mit Lucifer und seinem Gemütszustand zusammen, tragen ansonsten jedoch nur wenig zur allgemeinen Entwicklung bei. Das hat verheerende Auswirkung auf die Handlung, der es vor allem in der ersten Hälfte deutlich an einem roten Faden fehlt. Der Zuschauer will endlich wissen will, wie es mit Lucifer weitergeht. Es passiert über große Strecken einfach zu wenig. So interessant sich die Geschichte von Lucifer auch erzählen ließe, die Krimielemente tragen dazu nicht bei, da sie zu sehr die eigentliche Handlung abbremsen. 

Mit dem Teufel im Bunde

Krimihandlungen mit einem komplett unterschiedlichen Buddy-Team sind schon lange etabliert (z.B. Nice Guys). Und so sehr man sich auch über die abgeschlossenen Krimifälle beschweren kann, die Chemie zwischen Lucifer und Detective Chloe Decker stimmt. Als einzige Frau, die gegen seine verführerische Art immun ist, eignet sie sich als perfektes Gegenstück zu Lucifers charmanten und aufdringlichen Art. Ihr Widerspruch wird auch dadurch ersichtlich, dass Decker bemüht ist, Gerechtigkeit walten zu lasen, während Lucifer vor allem die Schuldigen bestrafen will. Ihr Zusammenspiel miteinander ist gelungen, sofern sie sich nicht auf zusammenhangslose Kriminalfälle beschränken.

Das ungleiche Team: Lucifer (Tom Ellis) und Detective Chloe Decker (Lauren German) diskutieren.
Das ungleiche Team: Lucifer und Detective Chloe Decker (Lauren German) sind sich selten einig.

Der Haupt-Cast rund um Lucifer ist überschaubar, aber dafür nicht minder faszinierend. Sowohl Dämonin Mazikeen, als auch der Engel Amenadiel sind interessante Persönlichkeiten, die die nötige Portion an Fantasy mit hineinbringen, auch wenn deutlich mehr erwünscht wäre. Die einzelnen Verbrecher und Opfer vergisst man allerdings wieder so schnell, wie die Kriminalfälle, in welchen sie debütierten.

Die Stadt der Engel

Und jetzt erst recht. Kaum eine andere Stadt wäre besser geeignet als Residenz des gefallen Engels. Denn die schimmernde Großstadt Los Angeles eignet sich perfekt als Sündenpfuhl die den Teufel mit offenen Armen empfängt. Die Atmosphäre ist geprägt von der städtischen Nachtszene, eingetaucht im künstlichen Licht. Vor allem Lucifers persönlicher Nachtclub verkörpert den Hedonismus und die Ausschweifungen auf höchstem Niveau und ist ein klarer Kontrast gegenüber dem tristen Polizeileben seiner "Partnerin" Decker. Das Umfeld seines Zuhauses wirkt zwar einladend, hat aber dennoch etwas eindeutig Unheimliches an sich.

Dennoch hätte man sich gewünscht, dass das Setting häufiger variiert, denn auf Dauer kann dieses Umfeld recht eintönig werden. Das zeigt sich vor allem dann, wenn die Serie Spannung aufbauen will. Denn die doch eher einladende Atmosphäre seines Nachtclubs, in Kombination mit Lucifers lockerer Natur, lässt nicht immer die nötige Portion Spannung zu.

Ist Lucifer eigentlich noch Lucifer?

Die Idee, Lucifer nicht als ultimatives Böse, sondern als missverstandene Entität darzustellen, ist heutzutage weit verbreitet, weshalb Produzent Tom Kapinos daran anknöpft. Deshalb ist er auch bemüht mit Lucifer einen teuflischen Antihelden darzustellen, mit dem der Zuschauer sympatisieren kann. Doch vor allem Fans der Comicvorlage sind sich einig, dass dies in diesem Serienformat ein wenig zu weit geht: Dieser Lucifer wirkt zuteil zu sehr menschlich und wird gelegentlich zu sehr als Opfer dargestellt. Zum einen sind da seine "Vaterkomplexe", von dem er sich ungerecht behandelt wird, da dieser ihn in die Hölle verbannt hat. Und zum anderen ist er es Leid der Sündenbock zu sein für jene, die ihm die Schuld für alles Schlechte geben. Das geht sogar so weit, dass er anfängt, regelmäßig Rat bei der Therapeutin Dr. Linda Martin (Rachael Harris) aufzusuchen. Der Teufel beim Psychologen, das muss man sich erstmal geben.

Der Engel Amenadiel (D.B. Woodside) will Lucifer (Tom Ellis) wieder zur Rückkehr in die Hölle überzeugen.
Geplagt vom Familienkonflikt: Der Engel Amenadiel (D.B. Woodside) will seinen Bruder wieder auf dem Höllenthron sehen.

Theoretisch hätten die Serienmacher mit Lucifer - Staffel 1 fast dieselbe Geschichte erzählen können, wenn der Leibhaftige ein Exzentriker wäre, der zwar ein lockeres Leben vorgibt, sich allerdings nie von seinem Vater akzeptiert fühlte, der stattdessen seinen Bruder bevorzugte. Grundsätzlich wären mehr Fantasyelemente sehr wünschenswert gewesen. Natürlich macht das alles Lucifer zweifellos zu einem tiefgründigen Charakter, doch was genau als "Teufel" zu definieren ist, muss ein jeder selbst entscheiden. 

Lucifer Staffel 1 - Der Teufel hat sich den falschen Job ausgesucht

Den Teufel als Protagonisten zu setzen ist zweifellos eine hervorragende Vorlage für ein Setting. Daraus jedoch einen Krimi zu machen eher weniger. Zwar passt es zu Lucifers Prämisse der Bestrafung von Menschen, die sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, doch leidet dadurch vor allem der rote Faden, da die Fälle wenig zur eigentlichen Handlung beitragen. Diese entwickelt sich anfangs nur mäßig und es kommt die Frage auf, wann es richtig zur Sache gehen wird. Damit bemüht, ein möglich realistischen Flair zu erzeugen, verzichtet Produzent Kapino auf ausschweifende Fantasyelemente, wobei diese mit dem Leibhaftigen als Protagonisten doch zu kurz kommen. Wie man ohne aufwendige Spezialeffekte übernatürliche Elemente erzeugt, haben bereits Serien wie Preacher überzeugender gezeigt.

Doch wie der namengebende Serienprotagonist, zeichnet sich auch die Serie selbst durch einen unheimlichen Charme aus. Man will einfach wissen, wie es mit Lucifer weitergeht und lässt sich dabei nicht vom mäßigen Krimisetting abschrecken. Dafür ist Lucifer einfach eine viel zu faszinierende Serienpersönlichkeit. Zusammengefasst hat Lucifer - Staffel 1 genug Potenzial für eine zweite Staffel, sofern deutlich weniger auf simple Krimifälle gesetzt wird und dafür auf einen einheitlichen Erzählstrang. Zusätzliche übernatürliche Element wären auch höchst erwünscht. Grundsätzlich ist die Serie für jeden empfehlenswert, der auf faszinierende Charaktere steht, ebenso wie auf ein vielversprechendes Fantasysetting, dass es mit dem Fantasy nicht übertreibt. Krimifans sollten sich allerdings wo anders umsehen.

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5 thoughts on “Kritik: Lucifer – Staffel 1

  1. Vielen Dank für dein Feedback. Wie bereits beschrieben gehören die Krimielemente nicht gerade zu dem Besten, was sich die Drehbuchautoren da einfallen ließen, doch die Figur Lucifer selbst macht einen passablen Eindruck. Oder fandest du diese Version von Lucifer nicht überzeugend? Ich freue mich immer über weitere Feedbacks. LG

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