Kritik: Lucifer – Staffel 2

Noch nie waren sich Himmel und Hölle so nah

FSK 16

Lucifer steht vor einem roten Hintergrund. Schwarze Farbe an der Wand stellt seine Flügel dar.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Teuflische Geschäfte in der Stadt der Engel

(Spoiler-Warnung für die erste Staffel!)

Gott schickte Lucifer (Tom Ellis) zur Erde zurück und ermöglichte so die Rettung von Detektiv Chloe Decker (Lauren German), allerdings nur unter einer Bedingung: Lucifer muss seine Mutter finden, die aus der Hölle entkommen ist. Das stellt sich als aufwendiges Unterfangen heraus, da sie in einen zufälligen Körper eines kürzlich Verstorbenen schlüpft. Doch viel schwieriger erweist sich die Situation, als Lucifers Mutter im Körper der Anwältin Charlotte Richards (Tricia Helfer) zu ihm kommt. Schon ist sich Lucifer nicht mehr sicher, wem er trauen soll, denn einen Groll hält er sowohl gegen Vater, als auch gegen Mutter. Der Konflikt spitzt sich zu, denn Gott könnte jederzeit seinen Teil der Vereinbarung einfordern.

Und dabei wollte Lucifer bloß weiter mit Chloe Mordfälle lösen...

Lucifer (Tom Ellis) schaut Chloe Decker (Lauren German) hinterher.
Für Lucifer (Tom Ellis) wird es immer schwerer, seine Familie vor Chloe Decker (Lauren German) zu verbergen.

Lucifer is back!

Es geht einfach nicht anders, man kann ihn einfach nur anhimmeln: Lucifer. Tom Ellis' Darstellung des Leibhaftigen passt wie die Faust aufs Auge und bleibt nach wie vor das beste Element der Serie. Und ja, das galt bereits für die erste Staffel, doch gerade in der zweiten Staffel, wird dies endgültig ersichtlich. Mit ungebrochenem Charme, clever durchdachten und sauwitzigen Dialogen und einem überraschenden Tiefgang übertrifft sich Lucifer selbst. 

Glücklicherweise hat sich nicht nur Lucifer weiterentwickelt. Seien es nun die Dämonin Mazikeen (Lesley-Ann Brandt), die mach mehr Unabhängigkeit strebt, oder Lucifers Therapeutin Dr. Linda Martin (Rachael Harris), die mehr als zuvor mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Serie 'Lucifer' lebt vor allem durch ihre natürlichen und übernatürlichen Charaktere. 

Himmlischer Familienkonflikt

Bestimmt hat niemand mit dem Ende der ersten Staffel gerechnet: Der Teufel hat eine Mutter. Doch genau das kann man Showrunner Tom Kapinos zutrauen, der bereits mit der grundsätzlichen Prämisse theologische Thematiken ad Absurdum treibt. Lucifer, der ohnehin schon ein sehr schwieriges Verhältnis zu seiner Familie prägt, muss sich nun auch mit seiner Mutter auseinandersetzen und steht nun inmitten der Familienfehde. Hinzu kommt noch Lucifers älterer Bruder Amenadiel (D.B. Woodside), der offenbar seine Engelskräfte verliert und mittlerweile selbst anfängt an dem Willen seines Vaters zu zweifeln. Für wen werden sich die Engelsgeschwister entscheiden?

Ms. Gott 

"Gott ist eine Frau". Diese Behauptung stimmt zwar nicht (zumindest im Lucifer-Universum), allerdings war sie stets in unmittelbarer Nähe. Und so sehr Gott mit ihr Probleme hatte bevor er sie endgültig verbannte, so ist sie auch das Zentrum der Konflikte. Die Göttin ist verschlagen und ein Buch mit sieben Siegeln, zeigt aber auch eine Naivität und Unverständnis gegenüber der menschlichen Natur, die sie schon immer verabscheut hat. Bis zum Ende der Serie bleiben ihre wahren Ziele und Absichten unbegründet. Ist sie Verbündete, Schurkin, oder was dazwischen?

Vom Teufel geritten

Hervorzuheben ist vor allem, wie gut dieser Konflikt als Ausgangspunkt und als roter Faden für die Handlung dient. Dies ist etwas, dass in der ersten Staffel noch deutlich gefehlt hat. Komplotte werden geschmiedet, Geheimnisse werden enthüllt und die Charaktere nehmen interessante Züge an. In die zweite Staffel passt einfach viel mehr Handlung rein, was bei der verlängerten Episodenanzahl von 18 Episoden das Mindeste ist. 

Lucifer sitzt bedenklich vor dem Klavier.
Lucifer sitzt inmitten der Intrigen seiner Familie.

Und hier ergibt sich ein Problem: Trotz der dichteren Handlung sind 18 Episoden dafür immer noch zu viel. Viele der Episoden verfolgen immer noch einen relativ formelhaften Handlungsablauf, die die Handlung in die Länge ziehen. Dadurch, sowie durch die "lässige" LA-Stimmung, hat Lucifer gelegentlich Schwierigkeiten, den Spannungsbogen straff zu halten.  

CSI war gestern

Der Crime-Aspekt der Serie war von Anfang an nicht die Stärke der Serie. Dafür hatten sie einen zu geringen Zusammenhang mit der zentralen Handlungen und waren schnell wieder vergessen. Zudem wollten Zuschauer mehr über Himmel und Hölle sehen, als den Teufel bei der Polizei. Glücklicherweise gibt es hierbei einen Fortschritt. Die Krimi-Elemente sind immer noch vorhanden, allerdings sind sie nun viel direkter in die Handlung eingebunden und wirken nicht mehr so lose. Eine deutliche Verbesserung!

Supernatural is in

Was die übernatürlichen Elemente angeht, so war Lucifer in der ersten Staffel bereits der Höhepunkt des "Superanaturalismus". Nicht so in der zweiten Staffel. Bereits das Erscheinen von Gottes Frau bringt den Fantasy-Anteil auf eine höhere Stufe. Denn mit dem eintretenden Familienkonflikt, wird das mystische Universum weiter ausgebaut. Seien es nun weitere Geschwister Lucifers, göttliche Artefakte, oder auch eine Reise in die Hölle, die Übersinnlichkeit gewinnt klar an Bedeutung. Endlich wird die Präsenz des Leibhaftigen richtig spürbar, ohne ins Überspitzte oder Pathetische abzudriften.

'Lucifer' hat unsere Gebete erhört

Während die erste Staffel noch Einführungsschwierigkeiten hatte, so macht die zweite Staffel fast alles besser. Neben der Charakterentwicklung fällt vor allem die dichtere Handlung und die Gewichtung auch das Übernatürliche auf. Problematisch ist da eher schon die große Episodenanzahl. Ein paar Episoden weniger hätten es auch getan. Und wie es aussieht, wird sich das auch mit der dritten Staffel nicht ändern. Da bleibt nur zu hoffen, dass auch die positiven Aspekte beibehalten und ausgebaut werden.

Es sieht ganz so aus, als hätte Gott unsere Gebete erhört. Oder war das doch der Teufel?

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