Kritik: Mr. Robot – Staffel 2

Update 1 der Serie kämpft mit einem Runtime-Error

FSK 16

Titelbild zu Mr. Robot - Staffel 2

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Die Rückkehr der Hacker

(Spoiler-Warnung für die erste Staffel!)

Nicht lange ist es her, seit fsociety erfolgreich das global vertretende Konglomerat E Corp (aka Evil Corp) gehackt und ihm massiven Schaden zugefügt hat - mit weitreichenden Ausmaßen, versteht sich. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer, denn es zeigt sich schnell, dass E Corp noch lang nicht am Ende ist, sodass die Gruppe, mittlerweile geleitet von Elliot's Schwester Darlene (Carly Chaikin), nun selbst unter Druck gesetzt wird. Schnell müssen sie untertauchen und ein neues Versteck suchen, denn nun haben sie nicht nur das Konglomerat, sondern auch das FBI auf dem Hals. Vor allem die junge und ehrgeizige FBI-Agentin Dominique DiPierro (Grace Gummer) kommt der Wahrheit immer näher.  Und auch die Black Army, die chinesische Hackerorganisation und Kooperationspartner der fsociety scheint dubiose Pläne zu haben, die weit über den Hackerangriff hinaus gehen.

Darlene (Carly Chaikin) blickt besorgt drein.
Darlene (Carly Chaikin) muss fsociety vor der Enthüllung schützen.

Doch was macht der berüchtigte Hacker Elliot Alderson (Rami Malek) bei all dem Chaos die ganze Zeit? Dieser hat sich zurückgezogen und sich in ein selbst auferlegtes "Asyl" begeben. Mit einem vollständig geregelten Tagesablauf und ohne Verbindung zur digitalen Außenwelt tut Elliot alles, um Mr. Robot (Christian Slater) in Schach zu halten. Die vergangenen Ereignisse haben bewiesen, dass diese dunkle Seite von Elliot viel zu mächtig und zu unberechenbar ist, um weiter sein Unwesen treiben zu können. Doch trotz Elliots Bemühungen, seine Abgründe zu unterdrücken und sich der Realität zu entziehen, muss er sich dem Schaden stellen, den er und Mr. Robot angerichtet haben. Denn spätestens seit dem mysteriösem Verschwinden des ehemaligen E Corp Managers Tyrell Wellick (Martin Wallström) ist sich Elliot wohl bewusst, dass Mr. Robot Geheimnisse vor ihm hat...

Mein böses ich und ich

Bereits die erste Episode führt die Handlung weiter, die die größte Wendung der letzten Staffel war. Elliot setzt sich mit Mr. Robot auseinander und beide kämpfen um die Vorherrschaft. Hier zeigt sich der Konflikt vor allem in der ersten Hälfte der Staffel am Stärksten: Elliot, der sich in die Isolation flüchtet und Mr. Robot, der Elliot in sein altes Leben als berüchtigter Hacker drängen will. Beide liefern sich einen intensives Psychoduell.

Nach einer Weile ähnelt die Serie weniger einem Hacker-Thriller, als einem eindringlichem Psychothriller, der unter die Haut geht. Gehackt wird zwar trotzdem, vor allem in Form von Elliots Metaphern, doch richtiges Hacken wird vor allem anfangs in den Hintergrund gerückt. Doch dies erscheint auch nebensächlich, in Anbetracht der schauspielerischen Leistung, die sowohl Rami Malek, als auch Christian Slater liefern. Der Konflikt, der sich durch die Handlung windet, gehört klar zur Stärke der zweiten Staffel.

Kleine Hacks, fatale Folgen

Keine Sorge, ein Hackerthriller ist die Serie immer noch. Fsociety ist immer noch aktiv. Nach dem Angriff müssen sie sich jedoch bedeckt halten, denn nicht nur E Corp und das FBI wurden auf sie aufmerksam, sondern auch die Hackerorgansiation Black Army, die ursprünglich mit fsociety kooperiert hat, wird zur Bedrohung für die kleine Gruppe von Hackern. Schnell wird ersichtlich, dass Esmail alle Hebel zieht, denn die Serie bekommt einiges an Brisanz, Gefahr und auch einen Überschuss an Handlungssträngen.

Doch gerade Letzteres hätte eindeutig in kleineren Mengen besser funktioniert. Viel zu schnell und viel zu häufig wechseln sich die losen Handlungsstränge ab, sodass es schwierig wird, sich auf einen zu konzentrieren. Dadurch leidet auch die Spannung. Auch die Handlungsstränge rund um die neue fsociety-Anführerin Darlene und um Angela Moss, die zu tief in die Geheimnisse von E Corp eindringt , wirken nach einer Weile recht in die Länge gezogen. Da will man einfach nur wissen, wie es mit Elliot weitergeht. 

Angela Moss (Portia Doubleday) erfährt unerfreuliches am Telefon.
Angela Moss (Portia Doubleday) infiltriert E Corp von innen.

Fragen über Fragen

Es war von Anfang an klar, dass Showrunner Sam Esmail einen Film präsentieren will. Die Einführung ist abgeschlossen, der eigentliche Hauptteil setzt nun ein. Viele Fragen wurden gestellt und die Zuschauer wollen Antworten. Doch diese bekommen sie nur bedingt. Stattdessen wirft die zweite Staffel mit all den Verschwörungen noch mehr Fragen auf. Ab der zweiten Hälfte wirkt es fast so, als sei die zweite Staffel eine verlängerte Einführung der Handlung. Viele neue Elemente und Parteien wurden eingeführt, doch mangelt es vor allem in der zweiten Hälfte an einem Fokus, sodass es nicht auseinander driftet. An sich ist ist das kein Problem und die Handlung ist gelungen und eingängig, doch hätte ein schnelleres Erzähltempo nicht geschadet – zumal die zweite Staffel keine 12 Episoden gebraucht hätte. Zehn hätten es genauso gut getan.

Wer sitzt am größeren Hebel?

Die eigentlichen faszinierenden Charaktere sind die, die in der letzten Staffel lediglich erwähnt wurden und wir  noch keine Vorstellung von ihrer wahren Größe und Tragweite hatten. Die Rede ist hierbei vom Verschwörungs-Dreamteam: Als erstes wäre da Phillip Price (Michael Cristofer), der CEO von E Corp. Als kalten und gnadenlosen Boss hat ihn der fatale Hackerangriff unbeeindruckt gelassen. Stattdessen sieht er neue Möglichkeiten und behält stets die Kontrolle, während er an einem weitreichenden Plan arbeitet.

Genauso undurchsichtig ist seine Geschäftspartnerin: Whiterose (Bradley Darryl Wong), eine Transfrau, die die Black Army leitet. Bereits während des kurzen Auftrittes der ersten Staffel blieb sie durch ihre Ausdrucksweise und vor allem ihrer Obsession mit Zeit in Erinnerung. Diese Eigenschaften werden in dieser Staffel weitergeführt, sodass Whiterose eine der einprägsamsten und mysteriösesten Charaktere der Serie bleibt. Sie arbeitet für  beide Seiten und ist ein Buch mit sieben Siegeln. Zusammen sind sie ein gefährliches Duo und es bleibt abzuwarten, was für ein Masterplan von ihnen zu erwarten ist.

Visualität am Rande der Realität

Esmail hat sich nie an erzählerische Standards gehalten. Genauso wenig hält er sich an eine gewöhnliche visuelle Umsetzung. Genauso wie Elliots wandelbaren Geisteszustand varriert Esmail auf innovative und einfallsreiche Weise die visuelle Darstellung. Vor allem Elliots Gedanken und Wahnvorstellung werden, von seinem inneren Monolog begleitet, auf bildliche Weise dargestellt (Nicht zuletzt seine Drogentrips). Diese visuellen Spielereien machen seinen inneren Konflikt zum Highlight der Serie. Nichts ist so wie es scheint, und das wird in der zweiten Staffel noch deutlicher.

Elliot Alderson (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) spielen gegeneinander Schach.
Elliot Alderson (Rami Malek) und Mr. Robot (Christian Slater) liefern sich ein Spiel des Intellekts.

Doch nicht nur Elliots Verstand ist ein hervorragendes Beispiel für überragende visuelle Umsetzung. Allein die Kameraführung ist ausschlaggebend für den individuellen Stil der Serie. Ein hervorragendes Beispiel dafür sind die Actionszenen: Diese sind rar gesät und dadurch umso intensiver. Statt mit brachialem Szenenwechsel und mit Shaky-Cam zu punkten, bleibt die Kamera vom Punkt eines beteiligten Beobachters platziert, sodass der Zuschauer direkt miterleben kann, was in dieser mörderischen Szene geschieht. Die visuelle Umsetzung, die sowohl subtil, als auch weniger subtil zwischen Realität und Fiktion hin und her springt, ist ein klares Markenzeichen der Serie.

Genrewechsel?

Fassen wir nochmal zusammen: nach dem Hackerangriff auf das weltweit größte Konglomerat, hat sich die Lage immens verändert. Die Kriminalität hat sich aus der virtuellen Welt in die reale Welt transferiert. Neue erzählerische Elemente, wie Kriminalthriller, Spionage, Politik und globale Verschwörungen kommen hinzu, während etablierte Elemente wie Psychothriller weiter und intensiver zunehmen. Stärker den je entsteht das Gefühl einer Gefahr, die in jedem Moment eskalieren könnte. Eine gute Vorlage für eine bombastische Auflösung.

Bei all den Themen, die die Serie aufgreift, darunter auch die folgenschweren Taten der Protagonisten, bleibt allerdings eine Frage offen: Was wurde aus dem Hacken, dem Markenzeichen der Serie? Bei all dem thematischen Überschuss wurden die Hacking-Elemente in den Hintergrund gerückt. Selbstverständlich ist das Hacken immernoch die mächstigste Waffe der Protagonisten, doch erhalten wir längst keinen so guten Einblick in die Arbeit der Hacker. Manchmal wirkt es wie "*schnipp* und gehackt". Es wirkt nicht mehr so authentisch wie in der ersten Staffel.

Mr. Robot - Staffel 2  bereitet etwas Gigantisches vor

Mit Mr. Robot - Staffel 2 wird erstmals der ganze Umfang ersichtlich, mit dem die Serie uns konfrontiert. Alles arbeitet auf etwas Großes hin, dass hoffentlich mit der dritten Staffel kommt. Denn trotz einer gelungenen Handlung wirkt die zweite Staffel immer noch so, als sei sie in der Einführungsphase: Die losen Handlungsstränge brauchen trotz einer guten Handlung einfach zu lange, um eine konstante Spannung aufrecht zu erhalten. Nichtsdestotrotz wird der Zuschauer mit einer intensiven Handlung aus Betrug, Manipulation, Täuschung und Realitätsverlust konfrontiert, mit faszinierenden Charakteren die das alles noch abrunden. Es ist fast unmöglich vorauszusehen, wie Esmail die Serie beenden will, sodass wir gespannt eine dritte Staffel erwarten. Auch wenn wir uns wieder etwas mehr Hackeraction wünschen...

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