Kritik: The Flash – Staffel 2

Der rote Blitz! Jetzt auch in mehrfacher Ausgabe!

FSK 16

Titelbild zur Serien Kritik an  The Flash - Staffel 2

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Es blitzt auf ein Neues

(Spoiler-Warnung für die erste Staffel!)

Sechs Monate sind seit dem Singularitäts-"Vorfall" vergangen und Central City kehrt langsam zur Normalität zurück. Die heroischen Taten des Flash bleiben jedoch nicht vergessen und so wird dem roten Blitz zu Ehren ein Nationalfeiertag gewidmet. Doch Barry Allen (Grant Gustin) haben die Ereignisse sehr stark mitgenommen, sodass er nur noch Solo operiert. Das ändert sich jedoch, als ein neues Metawesen auf der Bildfläche erscheint, um Jagd auf ihn zu machen. Das kuriose: Es handelt sich um den Doppelgänger eines Verstorbenen. Schnell wird das alte Team Flash wieder aktiv, um die Angelegenheit zu regeln.

Doch das war erst der Anfang der Absonderlichkeiten. Kaum haben die Protagonisten Zeit zum Aufatmen, schon werden sie von einem mysteriösen Fremden aufgesucht. Ein gewisser Jay Garrick (Teddy Sears) behauptet, er käme von Erde 2, einer alternativen Erde, die wegen der Singularität zugänglich geworden sei. Und nicht nur das, er ist auch der Flash von Erde 2. Er bringt die erschreckende Warnung mit, dass ein bösartiger Speedster namens Zoom (Stimme: Tony Todd) auf der Jagd nach anderen Speedstern ist, um die Konkurrenten für das schnellste Wesen der Welt loszuwerden.

 

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Die Welt ist nicht genug

Ach Flash, du wusstest schon immer, wie man am Besten die Gesetze der Physik ad Absurdum führt. Und in der zweiten Staffel ist es auch nicht anders, denn neben Zeitreisen steht nun auch noch Quantenphysik an. Eine alternative Welt, mit alternativen Versionen von etablierten Charakteren und natürlich ein alternativer Flash. Eine Welt, wie sie hätte sein können. Damit erschafft die zweite Staffel von The Flash ein sehr interessantes Setting, dass sich in das Sci-fi-Genre von Serien wie Fringe - Grenzfälle des FBI einreiht. Neben glücklichen Fans ist dieses Setting auch ein Glücksfall für die Regisseure, denn nun können sie alte Charaktere als alternative Versionen wieder in die Show mit einbinden. Ohne viel zu spoilern, aber wir dürfen uns schon auf einen neuen Harrison Wells (Tom Cavanagh) freuen. An Ideen mangelt es der zweiten Staffel von The Flash garantiert nicht.

Im Irrgarten der Handlungsstränge

Klar hatte die erste Staffel ihre kleinen Schwächen, darunter die geradlinige Handlung und die verhaltene Spannung. Die Regisseure waren bemüht diese Fehler auszumerzen - und haben dabei neue Schwächen kreiert, die vor allem die Handlung betrifft. Diese ist zu inkonsistent. Es werden zu viele Handlungsstränge angefangen, die nur lose miteinander verbunden sind. Grundsätzlich ist die Handlung einfach zu lang geraten. 23 Episoden sind eine Ewigkeit, um eine einheitliche Geschichte über einen bösen Flash aus einer anderen Welt zu erzählen. Es werden einfach zu viele Handlungsstränge eingeführt, die nirgendwo hinführen, Logiklücken aufweisen, oder keinen großen Bezug zur eigentlichen Handlung haben. Während der Anfang vom Stil her noch klassisch der ersten Staffel nachempfunden ist, verliert der rote Faden etwas an Fokus. Zwar gelangt dieser wieder zurück, doch geht er wieder verloren, wie das zickzackförmige Blitzsymbol auf Flashs' Brust. Die Schreiber wollten so viel wie möglich in die Handlung packen und haben sich klar verlaufen. Trotz allem schafft die zweite Staffel ein gelungenes und vor allem unerwartetes Finale aufzufahren.

Kurz zusammengefasst: Ist die Handlung originell? Auf jedenfall. Ist die Handlung einheitlich umgesetzt? Hätte besser laufen können.

Ein Hoch auf Team Flash

Doch so sehr man sich auch über die Inkonsistenz der Handlung beschweren kann, eine Konstante bleibt gleich: Das Team Flash. Die Hauptcharaktere sind immer noch so symphatisch, wie wir sie in Erinnerung hatten und zudem noch bedeutend gereift. Ersichtlich wird das auch beim bisherigen Comic Relief und Popkultur-Experten Cisco Ramon (Carlos Valdes), der sich mit seinen neu entdeckten Fähigkeiten auseinandersetzen muss und dabei einen unerwarteten Tiefgang und eine weitläufige Bedeutung für die Handlung erlangt.

Doch noch viel stärker fällt diese charakteristische Entwicklung bei Barry Allen selbst auf. Der rote Blitz ist durch all die Ereignisse so sehr gereift, wie man es ihm nicht zugetraut hätte. Er muss deutlich mehr folgenschwere Entscheidungen treffen, an denen er zerbricht, aber auch weiter wächst. So eine charakteristische Entwicklung sieht man nicht oft. Zwar treffen sie nicht immer die richtigen, oder die klügsten Entscheidung, doch das gehört auch zum Mensch sein dazu. Die Charaktere sind klar die Stärke der zweiten Staffel.

 

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Superschurken im Sonderangebot

Dass das Flash-Universum der Treffpunkt eines bunten Haufens an Superschurken ist, ist kein Geheimnis. Und die zweite Staffel ist da nicht anders. Nun kommen auch Metawesen aus Erde 2 hinzu - und sie sind so entbehrlich wie nie zuvor. Und das ist auch beabsichtigt, denn sie werden bewusst einer nach dem anderen dazu verwendet, um den Flash zu töten. Schade ist jedoch, dass einige der interessanteren Schurken nur durch eine, oder zwei Debütepisoden glänzen können. Zwar gibt es erstaunliche Auftritte von Superschurken – das Stichwort liegt hierbei vor allem beim King Shark. Doch solche "King Shark"-Momente sind rar und viele der Schurken verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Vor allem in der zweiten Hälfte der Staffel fällt auf, dass sie immer mehr Mittel zum Zweck sind und im schlimmsten Fall sogar lediglich als Lückenfüller dienen. Eine bunte Mischung an vielfältigen Superbösewichten bekommt man aber dennoch serviert. Die Vernachlässigung macht in der Tat Sinn, um den Fokus gezielt auf den Hauptantagonisten zu legen:

Herangezoomt: Der Schurke

Wir präsentieren: Zoom, der böse Flash. Es gab viele Diskussionen um diesen umstrittenen Speedster, unter anderem ob er mit dem raffinierten Mastermind, aka Reverse-Flash aus der ersten Staffel mithalten kann. Und die Wahrheit ist: Ja, er kann. Einfach deshalb, weil er ein vollkommen andere Art von Superschurke ist. Diesmal bekommen wir einen gnadenlosen und bestialischen, aber auch erschreckend intelligenten Psychopathen serviert, der einem im wahrsten Sinne des Wortes Angst einjagt. Zum allerersten Mal entsteht das Gefühl einer wahren Gefahr für den Flash, was ordentlich der Spannung zugute kommt. Allein seine Anwesenheit macht jede Szene bedeutend düsterer. Schnell erweckt Zoom das Gefühl, er sei zu allem fähig.

Was Zoom noch zusätzlich ausmacht, ist das Mysterium um ihn herum. Man weis nichts über die maskierte Gestalt. Hier hat Zoom einen klaren Vorteil gegenüber dem Reverse-Flash, dessen Foreshadowings einiges an Unerwartetem genommen haben.  Kurz zusammengefasst: Zoom hat das, was einen gefürchteten Superschurken auszeichnet, auch wenn sein Handlungsstrang doch etwas langatmig ausfällt.

 

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Jetzt noch "flashiger"?

Was wäre Flash nur ohne die vielfältigen Spezialeffekte? Auf jeden Fall nicht umsetzbar. Deshalb strotzt die zweite Staffel nur so von aufwendig zusammengestelltem CGI. Flash rennt immer noch von Blitzen begleitet in Höchstform durch die aufwendig gestalteten Kulissen. Alles schön und gut, so wie man es gewohnt ist, ebenso wie die Actionszenen, die erneut den aufwendigen Spezialeffekten weichen müssen. Doch allzu viele Verbesserungen gegenüber der ersten Staffel gibt es nicht. Zwar gibt es hin und wieder Verbesserungen, doch es fehlt einfach der "WOW"-Effekt der ersten Staffel.

Wo die zweite Staffel in Sachen visuelle Umsetzung punktet ist die Erde 2. Allein schon durch die Lichteffekte, wirkt diese Erde wie eine komplett andere Welt. Die futuristische Architektur trägt entscheidend dazu bei. Der Zuschauer will einfach mehr von dieser Erde sehen, sei es durch die Flashbacks, oder auch durch den Aufenthalt der Protagonisten. Umso bedauerlicher ist es, dass wir nur wenig von dieser Welt tatsächlich zu Gesicht bekommen. Die Protagonisten bekommen es zwar konstant mit den alternativen Charakteren zu tun, doch von der alternativen Erde bekommt der Zuschauer nicht so viel zu sehen und muss sich mit der herkömmlichen Erde vergnügen.

Von Comicfans für Comicfans

Es ist kein Geheimnis, dass die Serie von eingefleischten Comicfans geschaffen wurde. Nicht zuletzt von Geoff John, einer der aktuell gefragtesten Comicautoren für DC Comics. Aus dem Grund wissen sie genau, was die Fans wollen und versuchen so viel Fanservice wie möglich reinzubringen. Und da die Serienhandlung sehr stark von der Comicvorlage abweicht, geschieht dies eben durch Hinweise und Easter Eggs. Angefangen mit Jay Garrick, dem ersten Flash, der durch die Comicbücher gerast ist, wollen die Regisseure nun mehr Comic-Hints einbringen und dabei auch Details korrigieren, die sie in der ersten Staffel ignoriert haben.

Doch was heißt das für den Normalverbraucher? Den gewöhnlichen Nichtleser von Comicbüchern? Ganz genau: Mehr Folgen. Die Bemühung, deutlich mehr Fanservice zu liefern gehen auf Kosten der Zeit und der Episodenzahl. Vor allem am Staffelanfang wurden ganze Episoden damit gefüllt, ausgelassene Inhalte aus der ersten Staffel zu erklären, was zwar auch für den normalen Zuschauer interessant ist, allerdings doch etwas von der Handlung ablenkt. Dasselbe gilt auch für gewisse nachgespielte Sci-fi Momente aus Comicbüchern, die für unerfahrene Zuschauer doch ziemlich verwirrend sein könnten. Comicfans werden jedoch ihre Freude haben, nicht zuletzt durch das unerwartete Finale.

Die etwas zu vielen Serien-Multiversen

Wie schon lange bekannt ist, ist The Flash nicht die einzige Serie, in die CW ihre Hoffnung legt. Zuvor begann das Serien-Multiversum nämlich mit Arrow, die durch Crossover mit dem Flash aufeinander trafen. Denn beide spielen in ein und demselben DC Universum und haben auf regulärer Basis Kontakt miteinander, was vor allem in der ersten Staffel ersichtlich wurde.

Doch nur zwei DC Serien sind nicht genug und so bringt CW mit Legends of Tomorrow eine weitere Serie, die im selben Universum spielt. Erstmals hat so ein Schritt tiefgreifende Auswirkungen auf die Serie Flash, denn diese muss für die neue Serie Opfer bringen. Interessante Charaktere, wie Firestorm (Franz Drameh und Victor Garber) und der beliebte Schurke Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) mussten weichen, damit sie in Legends of Tomorrow die Hauptrollen besetzen können. Auch die wenigen Flash-Episoden, die ihnen gewidmet sind, dienen lediglich zur Erklärung, wieso sie "verschwinden". Diese Entwicklung ist sehr schade, da dadurch potenziell wichtige Charaktere und Handlungsstränge für parallel laufende Serien geopfert werden.

So bedauernswert diese Verluste sind, es wird dennoch eine Entwicklung ersichtlich, die sehr wohl positiv interpretiert werden darf. Im Gegensatz zur ersten Staffel gibt es deutlich weniger Crossover mit Arrow. Genau genommen gab es nur eine große Crossover-Episode, die gleichzeitig als Einführung für Legends of Tomorrow fungiert und dabei den dortigen Superschurken, den unsterblichen Vandal Savage (Casper Crump) einführt. Abgesehen davon erzählt The Flash seine individuelle Geschichte nun mehr denn je. Es scheint so, als wollen die Regisseure mit der zweiten Staffel nun mehr als zuvor eine unabhängige Geschichte erzählen, ohne die Ablenkung durch die Crossover. Sie haben unnötigen Ballast abgeworfen, damit sie die Legende um den roten Blitz ungestört erzählen können. Sollte dies der Fall sein, kann man diese Entscheidung begrüßen, da man so Flash noch besser genießen kann, ohne irgendwelche anderen Serien kennen zu müssen.

Doch ob das auch weiterhin so bleibt ist fraglich, schließlich gibt es noch die Serie Supergirl, die ebenfalls zu CW gewechselt ist und bereits ein Crossover mit Flash hatte. Und dann gibt es noch weitere Crossover-Ideen in der Zukunft...

The Flash Staffel 2 - Der rote Blitz, so wie wir ihn kennen

Die zweite Staffel macht zusammengefasst nicht viel anders als bereits die erste Staffel, nur eben mit zusätzlichen Charakteren und einem etwas anderes Setting. Dennoch fällt auf, dass sich die Regisseure bei der zweiten Staffel nicht so viel Neues getraut haben. Man wollte sowohl die Comicfans, als auch die normalen Zuschauer beglücken und den Flash in seiner mehr oder weniger gewohnten Umgebung rasen lassen und das schneller den je. Die Serie macht nicht viel falsch, doch fehlt es ihr an dem Überraschungseffekt, wenn der Zuschauer zum ersten Mal mit dem Ausmaß der Superheldenserie konfrontiert wird. Trotz allem werden Zuschauer und vor allem Comicfans ihren berechtigen Spaß haben, während man auf die dritte Staffel wartet, die gänzlich anders werden soll.

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