Review: Better Call Saul – Staffel 1

Wie schlägt sich das Breaking Bad-Spin-off?

Better Call Saul Staffel 1 Wallpaper

Nun, wer hätte es gedacht: Nach dem gigantischen Erfolg von Breaking Bad, welches sowohl im Volksmund, als auch in der Kritikerszene als eines der bestes Fernsehdramen gehypt wird, folgt nun knapp zwei Jahre später das Spin-Off. Es wäre beinahe idiotisch gewesen, diesen Hype nach dem genialen Serienfinale Ende 2013 einfach ausklingen zu lassen. Das Sequel-Gesetz bezieht sich eben nicht nur auf das Kino- sondern auch auf das Fernsehformat. Doch kann man AMC und dem Team von Creator Vince Gilligan wirklich eine Kommerzgeilheit vorwerfen? Immerhin fand, im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Serien, Breaking Bad mit „nur“ fünf Staffeln recht schnell sein würdiges Ende. Man durfte also hoffen: Vielleicht kann „Better Call Saul“ wirklich in die monströsen Fußstapfen seines großen Bruders treten, und vielleicht ist es wirklich eine sinnvolle Ergänzung des Breaking Bad-Universums. Immerhin war Saul Goodman die coolste Sau der ganzen Serie. Nach der ersten Staffel lässt sich nun recht gut ein Fazit darüber ziehen. Ist Better Call Saul nun das neue Breaking Bad? Nein, denn…

Wir befinden uns am Anfang der 2000er (ungefähr 4-5 Jahre vor Heisenbergs Aufstieg) im gewohnten Setting Albuquerque. Möchtegernanwalt James McGill (Bob Odenkirk, Überraschung: noch nicht bekannt als Saul Goodman) hat mit seinem Leben schwer zu schaffen. Keine Klienten, kein Geld, keine eigene Wohnung, etc.. Wäre das nicht schon genug, so muss er sich ebenfalls um seinen älteren Bruder Chuck (Michael McKean) kümmern, welcher unter einer mysteriösen Krankheit leidet. James McGill sieht Zeit für Veränderung: Um seine Anwaltskarriere anzukurbeln, sind ihm alle Mittel recht, selbst wenn sich diese am Rande der Legalität bewegen. Dabei gerät er unter anderem in Kontakt mit zwielichtigen (vielleicht schon bekannten…?) Schurken, und tritt Ereignisse ins Rollen, welche er so nicht kommen sah. Auch Your-Favourite-Breaking-Bad-Character Mike (Jonathan Banks) kreuzt hier zum ersten mal seinen Weg mit dem späteren Saul, doch hier in der Rolle als muffeliger Parkplatzwärter. Die Grundpfeiler für ein Breaking Bad-Spin-Off sind also gesetzt…

Was hat Breaking Bad so besonders gemacht? Allen voran natürlich Walter White, eine tragische Figur, welche nach und nach auf die schiefe Bahn gerät. Egal wie grausam er wurde, wir konnten uns erstaunlich leicht mit ihm identifizieren. Bryan Cranston schaffte es, ein riesiges emotionales Gerüst um seinen Charakter und seine Taten aufzubauen.

Nun haben wir plötzlich den Sidekick-Anwalt aus diesem monumentalen Drama als Hauptcharakter einer eigenen Serie. Doch die Überraschung ist groß: Better Call Saul schafft es, seinem Hauptcharakter eine nicht erwartete Tiefe zu verleihen. Natürlich haut auch James McGill, wie später als Saul Goodman, einen Oneliner nach dem anderen raus, doch wird er hier darüber hinweg als „Person“ mit Gefühlen, Problemen und Macken dargestellt. Es ziehen sich immer wieder Parallelen zu Walter White, doch könnten die Charaktere an sich nicht unterschiedlicher sein. „Jimmy“ McGill ist (zumindest in Staffel 1) einer der sympathischsten TV-Protagonisten überhaupt.

Ebenso ist Better Call Saul an sich ähnlich und doch ganz anders als das Original. Und um nochmal auf das Statement am Anfang einzugehen: Nein, es ist wirklich kein neues Breaking Bad. Es ist in der Tat etwas eigenes. Obwohl das Setting und einige Charaktere gleich sind, die Atmosphäre ist viel lockerer und entspannter als das Heisenberg-Epos. So nimmt sich die Staffel über zehn Episoden auch erstaunlich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Denn wirklich viel ist bis zum Ende hin nicht passiert. Trotzdem wird es nie langweilig.

Im Vordergrund stehen immer die Charaktere und hervorragend geschriebene Dialoge. Im Gegensatz zum derzeitigen Serientrend, immer größer und brutaler zu werden (Game of Thrones, Hannibal, usw.), ist Better Call Saul erstaunlich minimalistisch. Doch das ist egal: Jeder Moment, und sei er noch so klein, sitzt einfach und hat sogar teilweise Kultpotential. Das sorgfältige Storytelling (welches nicht nur linear ist, sondern teilweise auch in der Zeit hin und her springt) ist die größte Stärke des Breaking Bad-Spin-Offs.

Alle Charaktere sind durch die Bank solide besetzt und gespielt, selbst Jonathan Banks zeigt für seinen mürrischen Mike in einer Szene etwas komplett Unerwartetes. Von den neuen Charakteren bleibt vor allem Jimmys Bruder Chuck im Gedächtnis…

Das hört sich ja alles soweit sehr gut an. Allerdings ist die Pilotstaffel von Better Call Saul dennoch nicht ganz so ein TV-Meilenstein geworden, wie es einige Breaking Bad -Staffeln sind. Das Ende wirkt etwas antiklimatisch, und man wartet auf eine Art Finale… stattdessen überlässt Staffel Eins dies der Fortsetzung, welche Anfang nächstes Jahr veröffentlicht wird. Insgesamt wirkt es also mehr wie eine Vorbereitung für Größeres. Ebenso wie die erste Staffel von Breaking Bad.

Fazit: Better Call Saul – Staffel 1 ist ein eigenständiges und überzeugendes Spin-Off

Es gibt nicht viel zu meckern. Kommerz lässt sich schon gar nicht vorwerfen, denn Better Call Saul ist nicht das geworden, was der gemeine Breaking Bad-Fan vielleicht erwartet hat. Stattdessen haben wir hier eine „kleinere“ und ruhigere Serie, welche allerdings extrem unterhaltsam ist, und einen meisterhaften Hauptcharakter vorzuzeigen hat. Der Grundstein ist gelegt. Die nächste Staffel wird mit Sicherheit gut darauf aufbauen.

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