Review: Game of Thrones – Staffel 2

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Mächtigste im Königsland?

Wallpaper  von Game of Thrones - Staffel 2

In Game of Thrones - Staffel 2 kocht es. Vom listigen Süden bis in den harten Norden, nördlich der gigantischen Eismauer, sowie jenseits der Meerenge, von der weiten Steppe der Dothraki im fernen Osten bis zu den kargen Eiseninseln im Westen: es herrscht Krieg. Die mächtigsten Familien von Westeros spielen das „Spiel um den Eisernen Thron“ der Sieben Königslande. Spielerisch lässt sich der aber nicht gewinnen. Was für versteckte Botschaften hinter der zweiten Staffel stecken, jetzt in unserer Review.

Macht-Kämpfe

König Robert Baratheon ist tot. Der pubertäre Goldschopf Joffrey, Cersei Lennisters Sohn, sitzt auf dem Eisernen Thron und regiert mit blutiger Hand. In den sieben Königslanden, hat der Tod Roberts eine Vielzahl von Konflikten angestoßen. Möchtegern-Könige sprießen aus dem Boden, wie Pilze nach einem Regenguss.

Im Zentrum der Staffel steht die Frage, worauf wahre Macht beruht? Wer hat den besten Anspruch? Und noch viel wichtiger: Wer ist die beste Wahl für Reich und Volk der sieben Königslande? Welches Prinzip wird gewinnen? 

Etwa das der Rechtschaffenheit (Robb Stark) oder das des Schreckens (Joffrey Baratheon). Überwiegt der dynastische Anspruch (Stannis Baratheon) oder das Charisma (Renly Baratheon)? Ist Schönheit (Daenerys Targaryen) so mächtig wie die Freiheit (Manke Rayder).

Oder beruht wahre Macht letzten Endes auf Reichtum (Tywin Lennister) oder sogar auf Wissen (Lord Varys)? Der listige Lord Varys hat die weiseste Antwort auf diese Frage: „Macht, liegt dort, wo die Menschen glauben, dass sie liegt.“

Dem Volk ist das alles mehr oder weniger egal. Ihm ist sein (Über-)Leben am heiligsten. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Tyrion Lennister erkennt das und schwört die Soldaten Königsmunds darauf ein weder für König und Reich zu kämpfen, noch für Ruhm oder Glorie. Stattdessen sollten sie für sich selbst, für ihre Stadt, für ihre bedrohten Frauen und Kinder kämpfen.

Eiseninseln in Game of Thrones - Staffel 2
Die Eiseninseln - Wikinger ahoi!

Von Wasser- und Feuergöttern

Doch Macht liegt auch im Glauben. George R. R. Martin, Autor der Buchvorlage der Serie, kritisiert, dass im Herrn der Ringe, Religion kein Rolle spiele. In seinem Werk Das Lied von Eis und Feuer ist das anders. Typisch für George Martin, wird es in der Welt von Westeros wieder einmal kompliziert. Der Norden des Reiches betet zu den Alten Göttern, der Süden zu den Neuen. Die Eisenmänner - ein Seefahrer-Volk - betet zum Ertrunkenen Gott. Thronanwärter Stannis Baratheon betet zum Feuer. Er ist dem Zauber der Roten Priesterin Melisandre (Carice van Houten) verfallen. Die rote Schönheit versucht eine monotheistische Religion aus Essos nach Westeros zu bringen. Der Herr des Licht -  ein Feuergott - so flüstert sie Stannis ein, werde ihm, dem Auserwählten, zum Eisernen Thron verhelfen.

Alle hassen Joffrey

In dem Wirrwarr wird eins ziemlich schnell klar. Nämlich wer keine Macht haben sollte: Joffrey Baratheon, der eigentlich ein Lennister ist. Was für ein Widerling. König Joffrey ist die Art von Typ, die auf dem Schulhof Mitschüler quält und Pausenbrote abzieht. Seine Exzellenz sind in dem Alter stehen geblieben in dem Kinder Käfern die Beine ausreißen. Keine guten Voraussetzungen für einen Alleinherrscher. Neben Joffrey Baratheon ist Draco Malfoy aus Harry Potter eine Zuckerschnecke. Blonde Haare haben außerdem beide.

Jack Gleeson als Joffrey Baratheon in Game of Thrones - Staffel 2
Joffrey Baratheon - am falschen Platz

Das Problem mit König Joffrey liegt auf der Hand: Er ist der König. Dem Befehl eines Königs darf niemand widersprechen. Aus diesem Grundsatz macht Game of Thrones - Staffel 2 einen spannenden Konflikt. Cersei Lennister - immerhin Joffreys Mutter - entgleitet die Kontrolle über ihren Sohn. Gar nicht gut!

Joffrey Lennister wird von Jack Gleeson faszinierend abstoßend gespielt. Man muss ihn einfach hassen. George Martin, Autor der Buchreihe und Schöpfer von Westeros, schrieb Jack Gleeson einen Brief in dem er ihm zu seiner Schauspielerischen Leistung gratulierte. Auf seine ganz spezielle Art natürlich:

„Glückwunsch zu deiner fabelhaften Darstellung, alle hassen dich.“

George R. R. Martin, Autor von Das Lied von Eis und Feuer, zu Jack Gleeson 

Kleine Randnotiz: Was unsere moderne Gesellschaft aus Tyrannen wie Joffrey gelernt hat, steht in Artikel 20 des Grundgesetzes: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Ein Paragraf, den Jamie Lennister - der Königsmörder - sicher las, bevor er den letzten verrückten König ermordete.

Tyrion, der übersehene Held

Tyrion, der kleinwüchsige Lennister-Spross, ist der Einzige, der gegen Joffrey sowohl die Stimme als auch die Hand zu erheben wagt. Als Zuschauer, würde man ihn gerne tatkräftig dabei unterstützen und dem Rotzbängel Joffrey eine Lektion erteilen.

Auch sonst steht der Zuschauer auf Tyrions Seite. Das ist faszinierend, wenn man bedenkt, dass Game of Thrones eigentlich das Haus Stark zum Mittelpunkt der Erzählung macht. Die Sympathie des Publikums liegt bei den Nordmännern. Doch die Serie denkt nicht in Schwarz und Weiß. Hier ist alles dunkelgrau. Tyrion, der zu den Lennisters, dem Feind der Starks gehört, ist ein solcher dunkelgrauer Charakter.

In Game of Thrones - Staffel 2 bekommt Peter Dinklage in der Rolle des gerissenen und unterschätzen Tyrion mehr Screentime und kann sein volles Potential entfalten. Dinklage bietet die volle Palette an Emotionen und Gefühlen, die man sich von einer schauspielerischen Leistung nur erhoffen kann. Ein famoser Gänsehaut-Moment in der neunten Folge inbegriffen.

Theons Verwandlung

Alfie Allen als Theon Graufreud in Game of Thrones - Staffel 2
Theon Graufreud - auf falschem Kurs

Das schöne an Game of Thrones ist auch, dass Nebenrollen unverhofft zu Hauptrollen aufsteigen können. So auch Theon Graufreud. Theon ist eine politische Geisel und wuchs in Winterfell. Zum Haus seines Vaters Baelor Graufreud hat er kaum Bezug.  Er ist mehr Stark als Graufreud. Die Stark-Kinder sind seine Brüder und Schwestern. Rob Stark ist sein bester Freund. Zu seiner wahren Familie, den Herrschern über die wikinger-ähnlichen Eisenmänner, hat er keinen Bezug.

Als Theon nach all den Jahren der Geiselschaft letzten Endes doch seinen Vater wieder sieht, wird er angefeindet. Er sei kein Eisenmann, er sei viel mehr ein Stark. Der Loyalitätskonflikt, dem sich Theon unterzogen sieht, ist einer der spannendsten der ganzen Serie. Die Rolle des Theon gibt Schauspieler Alfie Allen meisterlich. Theon Graufreud ist einer der  abwechslungsreichsten Charaktere von Game of Thrones - Staffel 2. Man versteht seine Enttäuschung und seine Motive, doch stoßen einen seine Praktiken ab. Die Rolle regt zum Nachdenken an. Wie würde ich mich entscheiden an Theons Stelle? Und vor allem: Wie weit würde ich gehen?

Zu viel Könige

Ein weitere Besonderheit, die Game of Thrones auszeichnet, ist sein schirr unerschöpflicher Fundus an Charakteren, Adelshäusern und wechselnden Bündnissen. In Game of Thrones - Staffel 2 nimmt diese Komplexität erheblich zu. Es gibt sieben Könige, oder Möchtegern-Könige, unterschiedliche Adelshäuser und ein Wirrwarr an Nebencharakteren mit eigenen Ambitionen. 

Hat man die Romane gelesen, kann man der Handlung der Serie gerade noch folgen, doch absolute Neulinge in der Welt von Westeros werden ab und an ein Nachschlagewerk zu Rate ziehen müssen. Ansonsten fällt es wirklich schwer, den wechselnden Bündnissen, Allianzen und Verträgen der Politik Westeros‘ zu folgen.

Starke Frauen

Arya Stark Catelyn Stark Cersei Lennister Daenerys
Starkes Stück - Arya, Cersei. Catelyn, Daenerys (v.l.n.r.)

Bemerkenswert an Game of Thrones - Staffel 2 ist auch der Reichtum an spannenden weiblichen Hauptrollen. Angeführt werden diese von Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die sich von ihrem Dasein als blondes Lustobjekt lösen kann und sich Schritt für Schritt zu einem starken und vielschichtigen Charakter entwickelt.

Eine weitere starke Frauenrolle übernimmt Maisie Williams. Arya Stark, die freche Tochter Eddard Starks, die lieber Ritter als Lady wäre, wird von der Jungdarstellerin großartig gespielt. Aryas Schwester Sansa (Sophie Turner) hingegen heult vor allem und ist tiefbetrübt. Ihre Naivität und ihre Passivität nerven. Neben all den facettenreichen Charakteren der Serie wirkt sie eindimensional und langweilig.

Eine bewundernswerte Figur ist hingegen Catelyn Stark. Die Ehefrau Ned Starks ist  gefangen zwischen ihren Pflichten als Mutter und den diplomatischen Aufgaben, die ihr als Lady Stark auferlegt sind. Verbittert kämpft sie darum ihre Familie zusammen und ihre Kinder am Leben zu halten. Michelle Fairley verleiht der Rolle die notwendige Kraft und Präsenz. Versteht es aber auch die tief emotionale und schrecklich besorgte Seite Catelyn Starks zu zeigen.

Auch Cersei Lennister sorgt sich um ihre Kinder. Lena Headey spielt die Rolle der Mutter des Monsters Joffrey mit der Eleganz einer Giftschlange. Grazil, stilsicher und scheinbar überlegen windet sie sich durch die Intrigen der Hauptstadt. Wägt sie ihre Kinder in Gefahr, sprüht sie Gift und beißt zu. Faszinierend an der vordergründig eiskalten Rolle sind Momente, in denen Lena Headey einen Blick auf die Seele der Figur Cersei erlaubt. Unter dem Panzer steckt eine liebende und sensible Frau. Man muss jedoch schon ganz genau hinschauen, um bei der Natter Cersei dergleichen zu entdecken.

Eine weiterer genialer Charakter ist die RitterIN Brienne von Tarth. Die stattliche Rüstung der riesenhaften Brienne füllt Schauspielerin Gwendoline Christie zur Genüge aus. Während sich Cersei und Catelyn mit ihrem Dasein als Frauen abgefunden haben und aus ihrer gesellschaftlichen Stellung heraus Stärke und Charakter bzw. Charakterlosigkeit beweisen, versucht Brienne aus ihrer Geschlechterrolle auszubrechen. Sie macht sich zum Gespött der Männerwelt, gewinnt aber das Herz des Publikums. Denn Gwendoline Christie verleiht ihrer Figur unabdingbare Loyalität und Tugendhaftigkeit. Werte, die in Westeros rar sind. 

Production Design

Fraglos ist Game of Thrones eine der aufwendigsten und teuersten Serien überhaupt. Doch wird das Budget gerade in Bezug auf Kostüm und Szenenbild noch immer nicht vollends ausgeschöpft. Nach wie vor störe ich mich an dem Production Design des Khaleesi-Handlungsstranges. Die dort porträtierten Kulturen wirken mit ihrem Sammelsurium aus wild zusammengewürfelten Kostümen und Bauwerken oberflächlich und unglaubwürdig. Es ensteht nicht das Gefühl, dass man altehrwürdigen Kulturen zuschaut. Natürlich kann eine Serie nicht den selben Aufwand in der Schöpfung neuer Kulturen betreiben wie es beispielsweise die immens teure Hobbit-Trilogie tut. Doch ändert das nichts daran, dass Zuschauer von Fantasy- und Historienfilmen sich an einen gewissen Standard gewöhnt haben, den Game of Thrones - Staffel 2 zumindest in Teilen nicht gerecht werden kann. 

Andererseits endet die zweite Staffel der Serie mit einem Paukenschlag. Bisher konnte sich die Serie darum drücken Schlachten zu zeigen und sparte sich durch erzählerische Kniffe eine Menge Produktionskosten.  In Game of Thrones - Staffel 2 hingegen gibt es keine Ausflüchte mehr. Es gibt eine Schlacht, die sich gewaschen hat. Was die HBO-Showrunner David Benioff und D.B. Weiss hier erschaffen haben, hat es im TV so noch nicht gegeben. Hut ab! Dennoch kommen viele Tricks zum Einsatz um den Aufwand und die Kosten gering zu halten. Beispielsweise findet die Schlacht bei Nacht statt, so dass man sowieso nur die ersten Reihen von Kämpfern zu Gesicht bekommt. Spannend kommt trotzdem auf. Und echte Gänsehaut auch! Ein voller Erfolg also.

Fazit: Game of Thrones - Staffel 2

Game of Thrones - Staffel 2 macht fast alles richtig, lernt jedoch nicht vollends aus den Fehlern der ersten Staffel. Teils überzeugt das Production Design noch immer nicht, dennoch ist die Serie mit der zweiten Staffel auf dem richtigen Weg und konzentriert sich auf die richtigen Charaktere. Visuell ist die zweite Staffel verblüffend gut. Man vergisst, dass es sich um eine Serie und nicht um einen (deutlich kostspieligeren) Spielfilm handelt. Allein dafür gebührt den Showrunnern David Benioff und D.B. Weiss der größte Respekt. Ein weiterer Pluspunkt der Staffel ist, dass mit neuen Spielorten - bspw. den Eiseninseln - die Fantasywelt von Westeros mehr Tiefe bekommt und umso glaubwürdiger wird. Auch religiöse Konflikte tun ihr übriges um der Handlung einen tiefgründigen Unterbau zu geben. Im Vordergrund stehen jedoch nach wie vor Spannung, Drama, Gewalt und Sex. Dass die zweite Staffel der Serie von der Buchvorlage abweicht ist ein Pluspunkt. Robb Stark (Richard Madden) hat in den Romanen bspw. gar keinen eigenen Handlungsstrang bereichert aber die Serie ungemein indem er das moralische Erbe seines Vaters Eddard Stark antritt. 

Hier geht's zur dritten Staffel.

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