Review: Game of Thrones – Staffel 6

Vier Gründe, weshalb Staffel 6 ein Meilenstein ist

Cover von Game of Thrones - Staffel 6

Mit Game of Thrones – Staffel 6 übertreffen sich die Serienmacher von HBO selbst und erschaffen ein Meisterwerk. Fans und Kritiker sind begeistert. Warum die dramatische Staffel 6 Geschichte schreibt, haben wir in vier Punkten zusammengefasst. Außerdem erfährst du, was Game of Thrones mit der Fußball-EM gemeinsam hat.

Im Norden der Sieben Königslande ringt Sansa Stark (Sophie Turner) mit Ramsay Bolton (Iwan Rheon) um die Macht. Bei dem ungleichen Kampf erhält Sansa zu ihrem Glück unerwarteten Beistand. Auch Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die noch immer einen Weg nach Westeros sucht, findet in Tyrion Lennister (Peter Dinklage) Unterstützung. Arya Stark (Maisie Williams) kommt hingegen ganz gut alleine klar. Im Haus von Schwarz und Weiß in Braavos geht sie der Frage nach, ob sie „Niemand“ oder „Arya Stark“ sein will.

Derweil ringen Jamie (Nikolaj Coster-Waldau) und Cersei (Lena Headey) mit dem radikalen Hohen Spatz (Jonathan Pryce) um das Ohr König Tommens (Dean-Charles Chapman). Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright), dessen Handlungsstrang komplett aus Staffel 5 gestrichen wurde, erlernt nördlich der Mauer Fähigkeiten, die ihm ermöglichen zu „sehen“ was war, was ist und was sein wird. Auch die grimmigen Krieger der Eiseninseln erscheinen wieder am Horizont der Staffel: Yara Graufreud (Gemma Whelan) und Theon Graufreud (Alfie Allen) werden durch das Erscheinen ihres Onkels Euron Graufreud (Pilou Asbæk) zu einem neuen Kurs gezwungen.

Grund 1: Erbe fortgeführt

Eddard Stark in Game of Thrones Staffel 6
Bran Stark (Isaac Hempstead-Wright) erfährt mehr über die Vergangenheit seines Vaters Eddard Stark (Bildmitte)

Nun also zum ersten Grund, warum Game of Thrones – Staffel 6 ein Meilenstein ist. Mit der sechsten Staffel überholt die Serie größtenteils die Romanvorlage des Autors George R.R. Martin. Bemerkenswert ist die Art, mit der Showrunner D.B. Weiss und David Benioff das Steuer übernehmen. Sie navigieren die Serie gekonnt durch die stürmischen Gewässer von Westeros und Essos. Dabei steuern sie die Handlung weder ins Flachwasser, noch segeln sie auf und davon. Game of Thrones – Staffel 6 trägt, was Fans beruhigen dürfte, nach wie vor die Handschrift ihres Schöpfers George R.R. Martin, dennoch fühlt sich der Fantasyepos befreit an und steuert zielstrebiger als bisher einem vermeintlichen Ende entgegen. Das erste Mal ist Land in Sicht. Gemeint ist, dass sich eine mutmaßliches Ende der Serie erahnen lässt.

Denn die sechste Staffel ist deutlich fokussierter als seine Vorgänger. Die Intrigen der ersten vier Staffeln, die in ihrer Gänze nur schwer vollständig zu durchdringen waren, weichen einem abgespeckten aber geradlinigeren Plot. Eine Entwicklung, die sich bereits in Staffel 5 abzeichnete. Dennoch finden politische Schachzüge wieder zurück in die Serie. Besonders Cersei beweist, wer die Spielregeln des Spiels der Throne am besten beherrscht.

Während die fünfte Staffel mehrere Handlungsstränge nach Essos, den östlichen Kontinent jenseits des Meeres, verlagerte, scheint dieses Auslandssemester spätestens mit dem Finale der sechsten Staffel beendet zu sein. So spannend Essos sein mag, Game of Thrones gehört eben nach Westeros. Die Entscheidung, den Fokus der Serie wieder nach Westeros zu lenken ist zweifelsohne die richtige.

Grund 2: Gänsehaut garantiert

Hodor in Game of Thrones Staffel 6
Hodor (Kristian Nairn) sorgt für einen genialen Plot Twist

Aber Game of Thrones – Staffel 6 macht nicht nur vieles richtig sondern nahezu alles meisterhaft. Speerspitze in puncto einfallsreiche Handlung ist eine Szene mit Hodor (Kristian Nairn), dem riesenhaften Knecht, der Bran Stark begleitet. Der vermeintlich geistig beschränkte Hodor, dessen Wortschatz sich lediglich auf die zwei Silben „Ho-Dor“ beschränkt, bekommt mit der fünften Folge Die Tür eine Vergangenheit angedichtet, die einen sprachlos zurücklässt. Die Erklärung, weshalb Hodor nur „Hodor“ sagen kann, ist so genial, so dramatisch und gleichzeitig so einleuchtend, dass mir alleine beim Gedanken daran wieder die Gänsehaut den Rücken hochkriecht.

Auch über Jon Schnees Herkunft erfahren wir mehr (keine Angst, es kommen keine Spoiler). Zwar handelt es sich dabei nur um eine Andeutung, doch hat diese Sprengkraft genug um Staffel 7 als Steilvorlage für eine abwechslungsreiche Handlung zu dienen.

Für echte Gänsehaut-Momente sorgen aber vor allem Folge 9 Die Schlacht der Bastarde und Folge 10 Die Winde des Winters. Geniale erzählerische Einfälle, wundervoll melancholische Filmmusik (siehe Box unten), die unter die Haut geht, eine für die Serie typische Empathielosigkeit gegenüber seinen Hauptcharakteren und gewaltige Bilder sorgen für ein Staffelfinale, das mit einem bombastischen Kawooomm endet. Wer dachte, dass gar nicht mehr genug Charaktere übrig wären, die Opfer eines brutalen Todes werden könnten, der irrt sich.

Staffel 6 ist sowas wie die kommenden Viertelfinals der Fußball-EM in Frankreich: die meisten kleinen Anwärter auf den Eisernen Thron sind raus. Wer bleibt, sind vor allem die Favoriten, die schon am Anfang feststanden. Die Chancen für Außenseiter Haus Graufreud stehen jedoch auch nicht schlecht. Genauso wie für Fußball-Außenseiter Island bei der Euro 2016. Es bleibt spannend.

Grund 3: Bildgewaltig 

Die Schlacht der Bastarde in Game of Thrones Staffel 6
Die Schlacht der Bastarde ist gnadenlos, intensiv und einfach ein Meisterwerk

Abgerundet wird die Spannung und Handlung des Serienepos durch ihr bildgewaltiges Auftreten. Waren weitläufige Massenszenen und kostspielige Panorama-Aufnahmen in den vorherigen Staffeln nur vereinzelt zu sehen, werden diese kostspieligen Moneyshoots in Staffel 6 zum Regelfall. Das bewirkt, dass sich die Serie kaum oder gar nicht mehr von aufwendig produzierten Kino-Blockbustern unterscheidet.

Folge 9 und 10 setzen der Staffel die Krone auf. Bei der Schlacht der Bastarde, der neunten Folge, ist Name gleich Programm. Jon Schnee gegen Ramsay Schnee (mittlerweile ein Bolton). Von schlechten Eltern ist dieses Bastard-Face-off jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie ist für die Serienwelt ein gewaltiger Schritt nach vorne. Zwar erinnert sie dabei an Schlachtszenen der Netflix-Serie The Last Kingdom, doch ist Die Schlacht der Bastarde deren Superlativ. 

Das erklärt sich folgendermaßen. Serien haben in der Regel weniger Budget und weniger Drehzeit als ihre großen Brüder des Kinofilms. Das gilt auch für Game of Thrones – Staffel 6. Zwar liegt das Budget von Folge 9 weit über dem Serien-Durchschnitt, dennoch ist das, was die Die Schlacht der Bastarde aus ihrem Budget hervorzaubert ein kleines Wunder.

Eine ausgetüftelte Kameraarbeit setzt eine der besten und intensivsten Stunt-Choreographien der letzten Jahre in Szene. Visual Effects erschaffen neue Welten, wie sie in Serien noch nicht zu sehen waren. In der Summe erinnert das Chaos, das Grauen und die Gnadenlosigkeit, mit der Regisseur Miguel Sapochnik Die Schlacht der Bastarde inszeniert, an das Zweite-Weltkrieg-Drama Der Soldat James Ryan.

Auch Vergleiche mit Der Herr der Ringe drängen sich auf. Anders als die Kino-Trilogie von Peter Jackson, die damals die Grenzen des bis dahin Gesehenen überschritt, wählen die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss einen anderen Weg. Statt Pathos und Heldentum gibt es schonungsloses, schockierendes und wenig heroisches Gemetzel. Keine Kavallerieangriffe in übertriebenen Zeitlupen, keine tiefstehende Sonne, keine heroischen Reden. Stattdessen ist die Schlacht eiskalt wie der Norden. Erbarmungslos wie Ramsay Bolton. Und vor allem eins: brutal dreckig.

Unter die Haut geht die neunte Folge aber auch gerade deshalb, weil sie so rigoros mit ihrem Protagonisten Jon Schnee umgeht. Der Stark-Bastard, dessen Rückkehr von den Toten zwar vorerst wie ein armseliger Notgriff der Serienmacher wirkt, trägt im Endeffekt die Staffel. Was die extrem aufwendigen Dreharbeiten Kit Harrington, Kristofer Hivju, dem Darsteller von Tormund Riesentod und allen anderen Beteiligten abverlangten, ist immens. Für das Ergebnis hat es sich aber alle mal gelohnt.

Grund 4: Frauenrollen bestimmen die Handlung

Sansa Stark in Game of Thrones Staffel 6
Sansa Stark (Sophie Turner) weiß, was sie will und endlich auch, wie sie das erreichen kann

Zwar spielen noch immer männliche Charaktere einen großen Part, doch bestimmen Daenerys, Cersei, Arya, Sansa, Margaery, Olenna, die Rote Frau Melisandre und Yara in Game of Thrones - Staffel 6 zunehmend die Handlung. Warum das erwähnenswert ist? Um eine Frauenquote oder derartige Debatten soll es hier nicht gehen. Doch für das Fantasy-Genre, bei dem vor allem maskuline Charaktere die Richtung angeben, ist die Natürlichkeit, mit der weibliche Rollen in Game of Thrones - Staffel 6 die Handlung bestimmen, ein Novum und ein Schritt in die richtige Richtung. Man denke zum Beispiel nur ein mal an die Fantasy-Trilogie Der Hobbit: Bei 13 Zwergen, einem Zauberer und einem Hobbit wirkt die Waldelbin Tauriel in ihrem hautengen grünen Lederdress vor allem wie eine Alibi-Besetzung. Ganz anders Game of Thrones.

Wenn Yara Graufreud und Daenerys Targaryen Pläne schmieden, dann wirkt das einfach authentisch. Selbst Sansa Stark, die von Männern soviel Unrecht erleiden musste, behauptet in der sechsten Staffel endlich ihren Platz und trifft, rational denkend, die richtigen Entscheidungen. Auch Daenerys, die in Staffel 5 noch von den Dothraki, der Gangrape-Crew Nummer 1, entführt wurde, zeigt wieder einmal, welche Qualitäten in ihr stecken. Zu guter Letzt ist die Selbstverständlichkeit mit der Yara sich an weiblichen Prostituierten bedient und von ihrem Bruder Theon Graufreud dafür keines einzigen verwunderten Blickes beachtet wird, Indiz dafür, dass die fantasy-historische Serie Game of Thrones nicht nur in puncto Bildgewalt eine der modernsten Produktionen der ganzen Film- und TV-Branche ist.

Fazit: Game of Thrones – Staffel 6 ist nicht zu toppen!

Mit der sechsten Staffel streckt die Fantasyserie der Welt der Hollywood-Blockbuster die Zunge heraus und zeigt, was alles, trotz deutlich kleinerem Budget, möglich ist. Die Bildgewalt dieser Staffel setzt neue Maßstäbe, die so schnell wohl kaum eine Fernsehproduktion, außer vielleicht Game of Thrones selbst, erreichen kann. Neben dem fesselt die Staffel durch eine langsam anziehende Spannung, die in einem brachialen und faszinierenden Finale gipfelt. Dabei setzt die HBO-Serie nicht nur auf atemberaubende Bilder, sondern auch auf eine meisterhaft durchdachte und vielschichtige Handlung, die beim Zuschauer ein ganzes Set von Emotionen hervorruft. Gänsehaut garantiert. Kurzum: Game of Thrones – Staffel 6 schreibt Seriengeschichte. Und das nicht nur in einer Disziplin, sondern auf ganzer Breite.

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