Review: The Walking Dead – Staffel 6

Mehr Beißer. Mehr Tote. Mehr Skandale. Mehr guter Inhalt? Eine Staffel die die Fangemeinde spaltet

The Walking Dead Staffel 6 Poster

The Walking Dead ist nach der sechsten Runde wieder ins Ziel geschlurft. Vorerst. Ein Ende des Zombie-Marathons ist nämlich noch lange nicht in Sicht. Da Zombies - pardon, „Beißer“ - auch nicht gerade die schnellsten Renner mit der besten Ausdauer sind, scheinen sie jede Runde noch langsamer zu werden. Besonders während Runde vier und fünf sind die Untoten ziemlich planlos durch die Pampa gehumpelt. Gab es jetzt aber nun endlich ein fetziges Comeback? Dafür lassen wir Staffel 6 noch einmal Revue passieren.

Die Gruppe um Rick Grimes hat ihr neues Zuhause namens „Alexandria“ gefunden, doch Gefahren von außerhalb stören immer wieder den friedlichen Alltag. Der Ex-Polizist Rick Grimes (Andrew Lincoln) ist der neue Anführer der Stadt, und koordiniert deren Verteidigung. Denn in Staffel 6 gibt es gleich drei feindlich gesinnte Parteien:

  1. Die „Wölfe“
  2. Die Negan-Truppe
  3. Die Beißer

Die Wände von Alexandria fangen an zu bröckeln und die Nahrungsvorräte werden knapp. Es gibt also weiterhin Vorwände, die Gruppe bei Spaziergängen auf, von Mischwald umgebenen Straßen und Gleisen, zu verfolgen.

Eine Fastfood-Serie

The Walking Dead ist wie ein fetter, saftiger Cheeseburger. Manchmal hat man einfach Bock drauf. Doch im Übermaß strengt Fastfood an und man sehnt sich nach etwas mehr Abwechslung. Die Serie bietet viel Fleisch, leider aber auch viel Käse. 

Wenn die verwesten Zombie-Beißer nach fünf Staffeln immer noch die Lebenden auf die makabersten Weisen auffressen, dann ist das auch immer noch ganz unterhaltsam. Der gewollte Trash-Faktor sorgt für die einzigen Szenen, die man in der sonst bitterernsten Serie auch mit etwas Humor sehen kann.

Über diese Szene sprach die ganze The Walking Dead-Fangemeinde
Über diese Szene spricht die ganze The Walking Dead-Fangemeinde

Gebt uns endlich wieder einen echten Plot!

Positives vorweg: Staffel 6 ist nicht mehr ganz so verloren und planlos wie Staffel 5. Hier zeigt sich, besonders zu Beginn, deutliches Potential. Es gibt ein Grundsetting namens Alexandria, eine näher kommende Gefahr und dadurch auch anziehende Spannung. In dieser Hinsicht funktioniert die komplette erste Hälfte der Staffel ziemlich gut.

Doch dann beginnt das Chaos. Anstatt konsequent eine Handlung zu verfolgen, werden etliche Subplots und Nebencharaktere zu einem grob püriertem Eintopf verarbeitet. Tatsächlich werden so viele neue Figuren eingeführt, dass das serien-übliche „Aussortieren durch Tod“ mehr wie eine Verzweiflungstat wirkt, um wieder die Kontrolle über das Geschehen zu bekommen. Dabei trifft es natürlich nur die Charaktere, die sowieso keinen gerechtfertigten Platz in der Handlung haben.

The Walking Dead - Staffel 6 fehlt es an Kontinuität. Noch nie war der Umgang mit Subplots und Charakteren so stümperhaft wie in dieser Staffel. Handlungen werden angerissen und sofort wieder fallen gelassen. Figuren werden gezeigt und dann wieder vergessen. Nur zu oft stellt man nach vier bis fünf Folgen fest, dass ein etabliertes Mitglied der Gruppe überhaupt noch am Leben ist. Durch diese Unentschlossenheit will einfach keine durchgehende Spannung aufkommen. Stattdessen verlässt sich die Serie auf sehr billige Tricks, die die Zuschauer bei der Stange halten sollen:

Konstruierte Cliffhanger & Scheintode

Ganze dreimal wird der Tod eines Hauptcharakters angedeutet und nicht aufgeklärt. DREI. MAL. Das Einfallsreichtum von Drehbuchautor Robert Kirkman und Co. ist unterirdisch. Doch der Höhepunkt der Frechheit sind die letzten fünf Minuten der Staffel. Ich habe selten eine derart erzwungene und konstruierte Handlung gesehen. Immerhin merkt die Show, dass sie den fehlenden Inhalt nur durch Manipulation der Fangemeinde ersetzen kann.

Fanlieblinge Daryl Dixon und Rick Grimes aus The Walking Dead in Staffel 6 wieder Seite an Seite
Fanlieblinge Daryl Dixon und Rick Grimes aus The Walking Dead

Fan-Lieblinge halten die Show über Wasser

Wie schon gesagt: Ein kompletter Reinfall ist auch diese Staffel nicht. Es wird auch nicht wirklich langweilig. Daran sind einerseits die schon genannten Manipulationstricks schuld, andererseits die handvoll Charaktere mit Charme. Die Rede ist natürlich von Norman Reedus in der Rolle des mürrischen Daryl Dixon. Aber auch Andrew Lincoln, der Rick Grimes, den grimmigen Anführer der Gruppe spielt trägt die Story. Steven Yeun als Glenn, ist nach wie vor das Herz der Serie. Leider müssen die drei "Fan-Lieblinge" viel zu oft Screentime an uninteressante Nebendarsteller abtreten.

 Fazit: The Walking Dead steht vor dem kreativen Aus

The Walking Dead hat eine feste Fangemeinde, die mit Sicherheit auch an dieser Staffel ihren Spaß haben wird. Doch die Show gehört schon lange nicht mehr zu den Sternchen des Serien-Formats. Robert Kirkman und die anderen Drehbuchautoren haben damit zu kämpfen neue Ideen zu finden, und basteln sich lieber mit „copy and paste“ eine wirr zusammengewürfelte Handlung aus bereits bekannten Elementen zusammen. Es scheint so, als wolle man kein Thema vertiefen, da der Zsuchauer jedes Thema sowieso schon kennt. Genug zerrissen. Trotzdem bietet Staffel 6 definitiv genug Action und Splatter, um einigermaßen bei Laune zu halten. Die billigen Manipulationstricks durch Scheintode und Mega-Cliffhanger werden jedoch kaum noch eine weitere Staffel funktionieren.

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