Unsere Lieblingsfilme 2017

Es gibt mindestens zwei Überraschungen
Spoilerfrei!
Lesedauer: 8 Mins.
Collage der Plakate der als Lieblingsfilme 2017 der 4001Reviews Redaktion mit Manchester by the Sea, Lion, The Wailing, Der Stern von Indien und Dunkirk

Auf einen besten Film des Jahres konnten wir uns nicht einigen. Stattdessen gibt jetzt jeder Autor zu Protokoll, welcher Film ihn 2017 am Meisten vom Kinosessel gehauen hat. Die Redaktion von 4001Reviews präsentiert: Unsere Lieblingsfilme 2017.

Dunkirk

Lieblingsfilm von Keyvan Azh – Chefredakteur

Für mich war kein Kinobesuch dieses Jahr so intensiv und aufregend wie Dunkirk. Christopher Nolans Meisterwerk ist ein Film, der selbst im besten Heimkino nicht mehr funktionieren wird. Dunkirk braucht die große Leinwand und einen glasklaren, wummernden Dolby-Surround-Sound, um in seiner vollen Wucht zu wirken. Derart „edge of my seat“ war ich zuvor nur in Gravity.

Dunkirk revolutioniert das Kriegsfilm-Genre, indem er beinahe gänzlich auf Blut und Gore verzichtet. Stattdessen wird die gnadenlose und unmenschliche Kriegsmaschinerie durch elementare Angst und psychischen Terror fühlbar gemacht. Dunkirk ist eine Ganzkörper-Erfahrung. Von dröhnenden Stukka-Sirenen bis zum klaustrophobischen Untergang eines Kriegsschiffs – es ist ein einziger Höllenritt.

Mehr dazu in unserer Filmkritik zu Dunkirk

Auch Nolans typisches Spiel mit der Zeit darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Zudem intensiviert das innovative Storytelling die straffe Dramaturgie des Films zusätzlich. Heraus kommt ein in sich schlüssiger Film, der zu den stärksten Werken des Kult-Regisseurs gehört. Mein Kino-Highlight 2017!

Fazit: Dunkirk ist packendes Kino voll kluger Einfälle.

Blade Runner 2049

Lieblingsfilm von Nono Weinzierl – Chefredakteur

Mit Blade Runner 2049 setzt Regie-Talent Dennis Villeneuve den Sci-Fi-Klassiker Blade Runner von Ridley Scott fort. Das Ergebnis ist ein Sequel, das sich gewaschen hat. Denn unter Villeneuves Aufsicht erstrahlt die Welt des Klassikers in neuem Glanz. Zumindest bildlich gesprochen, denn eigentlich ist Los Angeles im Jahr 2049 ganz schön staubig. Was ich meine ist, dass es der Fortsetzung hervorragend gelingt, die Stärken des Klassikers nahtlos in eine neue Vision zu überführen.

Lies meine ganze Meinung in der Filmkritik zu Blade Runner 2049

Das faszinierendste an Blade Runner 2049 ist jedoch die Präsenz, die der Film erschafft. Die fesselnde Mischung aus Bildgewalt, Atmosphäre und philosophischem Kern hat mich bei meinem Kinobesuch fast in die Leinwand hinein gesogen. Alles um mich herum war vergessen. Das liegt auch am langsam-hypnotischen Erzähltempo, das für mich ein weiterer mutiger Geniestreich des Films ist. Nachdenklich gemacht haben mich außerdem die angedeuteten düsteren Zukunftsszenarien, die wahrscheinlicher sind, als wir es glauben mögen. Kurzum: Die Stimmung, die der Sci-Fi-Film auf fast magische Weise heraufbeschwört, klang dann noch Tage später in mir nach.

Fazit: Für Filme wie Blade Runner 2049 wurde das Kino erfunden.

Logan – The Wolverine

Lieblingsfilm von Illia Zavelskyi – Redakteur

Logan – The Wolverine spielt in der nahen Zukunft. Die Ära der Mutanten scheint vorbei zu sein. Einer der letzten seiner Art ist der sichtlich angeschlagene Logan, aka. Wolverine (Hugh Jackman), der nur noch in Ruhe sterben will. Als jedoch das Mutantenmädchen Laura (Dafne Keen) auf der Bildfläche erscheint, beginnt eine erbitterte Verfolgungsjagd, die über die Zukunft der Mutanten entscheiden wird.

Der aktuelle Trend unter Superheldenverfilmungen ist geprägt von knallbunten Spezialeffekten und altersgruppenfreundlichem Actionspektakel. Umso erfreulicher ist es, dass sich der neuste Film der X-Men-Reihe traut, seine ikonischen Charaktere in ein düsteres und „erwachseneres“ Setting zu verfrachten. Und genau das gefällt mir an Logan so gut: Ein trüber und melancholischer Roadtrip im Western-Stil, der weder an blutrünstiger Gewalt, noch an ergreifenden Emotionen spart.

Mehr dazu in meiner Filmkritik zu Logan

Für mich ist Logan ein Zeichen dafür, dass das Superhelden-Genre jenseits des Mainstream-Einheitsbreis eben doch tiefgründige und stimmungsvolle Geschichten erzählen kann. Und eben das, macht Logan in meinen Augen so bemerkenswert.

Fazit: Logan – The Wolverine ist ein Hoffnungsschimmer des Superheldenfilms.

Lion – Der lange Weg nach Hause

Lieblingsfilm von Sandro Trotta – Chefredakteur

Lion – Der lange Weg nach Hause erzählt die herzergreifende Geschichte des indischen Jungen Saroo, der versehentlich in einem Zugabteil einschläft. Als er aufwacht, ist er bereits hunderte Kilometer von seiner Familie entfernt. Jahre später macht der erwachsene Saroo schließlich einen aussichtslosen Versuch sein Heimatdorf wiederzufinden.

Die Story von Lion ist so unwahrscheinlich, dass man sie kaum glauben mag. Tatsächlich beruht das Tatsächlich beruht das Filmdrama jedoch auf der Lebensgeschichte Saroo Brierleys, der seine Geschichte im Roman Der lange Weg nach Hauseniederschrieb.

Mehr erfährst du in unserer ausführlichen Filmkritik zu Lion

Bei der Verfilmung mussten die Macher nicht viel hinzudichten. Trotz, oder gerade wegen seiner Authentizität ist Lion der bewegendste Film, den ich 2017 gesehen habe. Besonders der junge Saroo, gespielt von Sunny Pawar, ist an Authentizität und emotionaler Wucht kaum zu überbieten. Sein erwachsenes Alter Ego wird außerdem vom attraktiven Dev Patel (Slumdog Millionaire) gespielt. Was nach dem Film bleibt, ist ein wohlig-warmes Gefühl, das nur ein Film der Meisterklasse hinterlassen kann.

Fazit: Bei Lion bleibt kein Auge trocken. Taschentücher raus!

Der Stern von Indien

Lieblingsfilm von Lena Palmbach – Redakteurin

In Delhi regiert Lord Mountbatten (Hugh Bonneville) 1947 als letzter Vizekönig Indiens und soll die britische Kolonie in die Unabhängigkeit entlassen. Der Konflikt zwischen Hindus und Muslimen spaltet das Land. Ein Bürgerkrieg bahnt sich an, den Mountbatten um jeden Preis vermeiden möchte. Inmitten dessen verlieben sich zwei Bedienstete der Königsfamilie: Der junge Hindu Jeet (Manish Dayal) und die schöne Muslima Aalia (Huma Qureshi), die sich schon aus Kindertagen kennen.

Der Stern von Indien ist ein Historienfilm über die wahren Begebenheiten, die zur Teilung Britisch-Indiens in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan führten. Ein actiongeladener Blockbuster ist der Streifen nicht, hat mich dafür aber umso mehr berührt. Besonders beeindruckend finde ich, wie es dem Film gelingt historische Fakten mit einer emotionalen Story zu verweben. Und mit Hugh Bonneville und Gillian Anderson ist Der Stern von Indien zudem auch noch hochkarätig besetzt. Ein Muss also für Fans britischer Serien wie The Crown, Downton Abbey und The Fall – Tod in Belfast. Achja, hier und da gibt es natürlich auch noch eine gute Prise britischen Humor!

Fazit: Der Stern von Indien erzählt eine emotionale Geschichte vor historischem Background

Manchester by the Sea

Lieblingsfilm von Micha Kunze – Redakteur

Der depressive Lee Chandler (Casey Affleck) kehrt nach dem Tod seines Bruders in seine Heimatstadt zurück. Dort kommt nach und nach heraus, was der schweigsame Kerl dort in der Vergangenheit erleiden musste.

Manchester by the Sea ist einer der wenigen Filme, die mich 2017 im Kino so richtig begeisterten. Beeindruckend war für mich zunächst die tragische Geschichte um Verlust und Isolation, das akkurate Porträt zerbrochener Figuren und natürlich das kühle Spiel von Casey Affleck.

Nicht verpassen: unsere Filmkritik zu Manchester by the Sea

Besonders fesselnd sind dabei gerade die Szenen, in denen Regisseur Kenneth Lonergan diese unerträglich seltsame Spannung zwischen seinen Charakteren aufbaut und diese dann ums Verrecken nicht auflöst. Hier wird kein noch so belangloser Smalltalk weggeschnitten, keine „awkward silence“ übersprungen und keine gestelzten Dialog-Geschütze aufgefahren. Nein –, es werden unheimlich echte Momente eingefangen, die manchmal auch richtig weh tun. Eine derartig emotionale Geschichte mit dieser Art der Inszenierung von der Leine zu lassen, das braucht im konformistischen Hollywood richtig Mut. Und kann in Zeiten belangloser Action- und RomCom-Kost nicht genug gelobt werden!

Fazit: Manchester by the Sea ist so echt, dass es weh tut.

The Wailing: Die Besessenen

Lieblingsfilm von Florian Schönberger – Redakteur

In einem südkoreanischen Dorf geht es nicht mit rechten Dingen zu. Immer mehr Dorfbewohner scheinen den Verstand zu verlieren und bringen anschließend ihre Familie, Nachbarn oder sich selber um. Polizist Jong-goo (Do-won Kwak) ist mit den brutalen Morden und übernatürlichen Ereignissen überfordert. Als jedoch auch seine kleine Tochter dem Wahnsinn verfällt, wird es für ihn ernst.

Auch hierzulande hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass asiatische Filme nicht selten ein Vehikel für großartiges Kino sind. Doch häufig bleiben sie im Verborgenen – vom Mainstream nicht beachtet. Genauso ein Kandidat ist auch The Wailing: Die Besessenen. Und doch, oder gerade deswegen, ist er mein Lieblingsfilm des Jahres 2017.

Mehr zum Film in unserer Filmkritik zu The Wailing

The Wailing ist ein packender Mystery-Krimi, der seinem Genre alle Ehre macht. Der Film lebt vor allem von seiner grandios inszenierten geheimnisvollen, dichten Atmosphäre. Das verschlafene, verregnete und abgeschottete Dorf-Setting passt dazu wie die Faust aufs Auge. Und auch die „fernöstliche Schauspielkunst“, die sich doch von der „westlichen Art“ unterscheidet, trägt zu der unnatürlichen und unwirklichen Stimmung bei. Doch anders heißt nicht schlecht: Alle Schauspieler liefern gute bis sehr gute Leistungen ab.

The Wailing bietet abseits davon ein paar sehr intensive und packende Einzelszenen, die aus der allgemein starken Bildsprache hervorstechen und auch die Spannung auf Höchstniveau treiben. Inhaltlich wird dem Zuschauer eine verwobene Geschichte geboten, die in einem sehr offenen Ende mündet. Das lädt wiederum zum Interpretieren, Diskutieren und Recherchieren ein. The Wailing: Die Besessenen werde ich nicht so schnell wieder vergessen!

Fazit: The Wailing ist mysteriöses Krimikino der Extraklasse


Was ist dein Lieblingsfilm des Jahres? Schreib uns in die Kommentare.

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