Special: Dark – Das Ende erklärt

Was passiert am Ende?

Spoiler!

Eine Skizze eines Wurmlochs mit den Jahren 1953, 1986 und 2019 aus der Netflix-Serie Dark

Unsere Kritik zu 'Dark' – Staffel 1 findet ihr hier

'Dark' Ende erklärt: Der Kreis schließt sich in Folge 10

In den letzten Folgen des Netflix Originals erschließt sich uns nach langem Rätselraten endlich, was es mit den entführten und tot aufgefundenen Kindern auf sich hat. Der zwielichtige Noah (Mark Waschke) testet gemeinsam mit dem labilen Helge Doppler (Peter Schneider, spielt den Charakter im Jahr 1986) eine Zeitmaschine, die allerdings nicht so recht funktioniert. Die Probanden landen zwar in einem anderen Jahr – sterben bei der Zeitreise jedoch und werden bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Erik Obendorf und Yasin Friese tauchen im Jahr 1953 auf; Mads Nielsen im Jahr 2019. So weit, so gut.

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir es mit einem so genannten selbstkonsistenten Universum zu tun haben. Das heißt, egal wer wie in der Vergangenheit rumpfuscht – die Gegenwart wird sich dadurch nicht verändern. Im Gegenteil: erst dadurch wird die Gegenwart zur Gegenwart. Als Ulrich (Oliver Masucci) versucht, den jungen Helge zu ermorden, um seine Gegenwart zu verändern, bewirkt er aber dadurch genau das, was er nicht will. Helge überlebt, ist schwer traumatisiert und lässt sich auf das Spiel von Noah erst ein. Das selbe mit dem Jonas aus der Zukunft: beim Versuch, das schwarze Loch im Jahr 2019 zu schließen, erschafft er dieses erst. Egal, was die Protagonisten machen – es bleibt alles beim Alten.

"Der Anfang ist das Ende und das Ende ist der Anfang."

Wer reist wie durch die Zeit?

Die spannende Erkenntnis aus den 10 Folgen: es scheint gleich drei Möglichkeiten zu geben, durch die Zeit zu reisen. Einmal haben wir das mysteriöse Portal in der Höhle Windens, das den Zeitreisenden genau 33 oder 66 Jahre in die Vergangenheit schickt. In diesem Fall in das Jahr 1953 und 1986. Dieses Portal wird vom Jonas der Zukunft erst 2019 erschaffen – ist durch die Raumkrümmung aber in den anderen Dekaden bereits existent.

Die Zeitmaschine, welche die alte Claudia Tiedemann 1953 beim Uhrenmacher in Auftrag gibt, ist die zweite Möglichkeit durch die Zeit zu reisen (oder zumindest kann sie Wurmlöcher kreieren). Woher sie die Pläne hat und welche Geschichte die ehemalige AKW-Chefin erlebte/erleben wird, bleibt offen. Neben ihren Plänen dient auch die später fertig gestellte Maschine, die Jonas mitbringt, als Vorbild (einige Details scheinen nämlich erst mit der Zeit hinzu zu kommen). Ein Paradoxon – eine Maschine, die anhand ihrer eigenen Existenz überhaupt erst gebaut werden kann.

Die dritte Möglichkeit der Zeitreise ist die bereits oben genannte Konstruktion von Noah, der sich offensichtlich nicht mit einem örtlichen Portal zufrieden geben möchte, sondern die Kontrolle über Raum und Zeit gewinnen will. Er und Helge experimentieren im Jahr 1986 bereits mit dieser Konstruktion – in eben jenem Bunker im Wald, in dem schon der kleine Helge 1953 von Ulrich versteckt wurde. Alles, was von diesem "freundlicheren" Interieur später übrig bleibt, ist ein kleines Stück Tapete, das von Charlotte Doppler gefunden wird.


  • Filme mit selbstkonsistentem Universum:
    - Predestination
    - Harry Potter und der Gefangene von Askaban
    - Interstellar
  • Filme mit veränderbarer Gegenwart:
    - Butterfly Effect
    - Zurück in die Zukunft
    - Looper
    - Minority Report

Wer ist gut, wer ist böse?

Stück für Stück kristallisiert sich heraus, wer welche Rolle in der riesigen Geschichte in Winden einnimmt. Dabei ist es schwer, gut von böse zu unterscheiden. Das Motiv, welches Ulrich überhaupt erst zum versuchten Mörder hat werden lassen, ist nachvollziehbar – obgleich sehr brutal. Und sollten wir Noah tatsächlich Glauben schenken, wenn er sich selbst als Verfechter des Lichts sieht? Immerhin hat er – ganz anders als Jonas – scheinbar einen Überblick über alle Zeitstränge und ist darauf bedacht, dass alle Handlungen so stattfinden, wie sie vorherbestimmt sind. Deshalb verhindert er auch, dass Jonas Mikkel von 1986 zurück ins Jahr 2019 bringt und damit die Geschichte umschreibt.

Noahs Aussagen lassen uns dadurch natürlich an Jonas' Motiv zweifeln. Hat der nicht verstanden, dass er die Zeitlinien nicht verändern kann? Ist er etwa nur eine weitere Spielfigur auf dem Schachbrett der Zeit? Das einzige Indiz, dass er zu etwas größerem bestimmt ist, ist lediglich die Aussage:

"Deine Rolle in dem all hier ist viel größer, als du denkst!"

Das einzige Problem daran: es ist Jonas aus der Zukunft, der sich diese Rolle selbst zuspricht. Ob diese Aussage Bestand hat, lässt sich noch nicht sagen. Klar ist, dass durch Jonas' Handlungen der Riss in der Zeit überhaupt erst entsteht. Alles deutet darauf hin, dass auch er nur das tut, wozu ihn das Schicksal drängt.

Oliver Masucci als Ullrich vor einer Höhle im Wald in einem Szenenbild der Netflix Serie Dark
Ulrich (Oliver Masucci) hat es nicht verstanden: Er will den jungen Helge töten, um die vielen Entführungen zu verhindern – doch er kann die Zeit nicht manipulieren. Alles ist prädestiniert.

Welche Fragen bleiben unbeantwortet?

Obwohl die zunächst in den Fokus gerückte Frage nach dem Verschwinden der Kinder recht schnell geklärt ist, schießen uns eine ganze Reihe von Fragen in den Kopf. Klar, die Story entpuppt sich als viel umfangreicher, als nur die Ermittlungen im Tatort-Stil.

Was ist mit Ulrich geschehen? Nach dem momentanen Stand der Dinge sitzt er in einer Zelle in 1953. Da er später keinen Auftritt mehr hat (oder hat er das?), ist unsere Theorie, dass sich Polizist Egon Tiedemann "persönlich" um den Verbrecher gekümmert hat und Ulrich in der Vergangenheit stirbt.

Was treiben eigentlich Tronte Nielsen und Peter Doppler? Diese zwei Figuren halten sich durch die gesamte Serie hinweg verdeckt. Offensichtlich wissen sie, wann der geheimnisvolle Noah welche Kinder durch die Zeit schickt. So ist es gerade Peters Aufgabe, dass Mads' Leiche im Jahr 2019 gefunden wird. Doch spielen die beiden noch einen größeren Part in Noahs Spiel?

Welche Rolle nimmt Bartosz ein? Der Playstation zockende und von Freund und Freundin enttäuschte Revoluzzer scheint sich auf Noah eingelassen zu haben. Welche Rolle er jedoch spielt, ist nicht geklärt. Wer weiß – vielleicht sind Bartosz und Noah ja die selbe Person?

Was geschah mit dem AKW in Winden? In Folge 10 landet Jonas Theorien zufolge im Jahr 2052 – also genau 33 Jahre in der Zukunft. Doch seine Heimat gleicht nun einem Apokalypsefilm: das Kernkraftwerk ist zerstört, der Ascheregen und die Warnschilder deuten auf eine Nuklearkatastrophe hin. Auch hier ist es unklar, ob die geheimen Machenschaften von Bernd Doppler und der jungen Claudia Tiedemann (die mittlerweile eine Freiheitskämpferin zu sein scheint) zu dieser Katastrophe geführt haben. Fest steht: die Zukunft sieht nicht rosig aus!


Mystery-Fan? Das könnte dich auch interessieren: 

Das könnte Staffel 2 bringen

Sollte Dark in die zweite Runde gehen (wir drücken die Daumen!), haben die Macher noch genügend Fragen zu beantworten. Einerseits wäre es spannend zu sehen, was im Jahr 2019 noch alles geschieht. Immerhin sind nicht nur Mikkel, sondern auch Ulrich und zuletzt Jonas verschwunden. Wird die Stadt noch die selbe sein? Kommt Ermittlerin Charlotte Doppler der Sache auf die Spur? Immerhin hat sie in den Archiven ihren Kollegen Ulrich in den 50er Jahren entdeckt...

Doch auch die Zukunftsvision zu verfolgen wäre eine spannende Angelegenheit: wie kam es zum Nuklearunfall? Zerfällt die Gesellschaft in anarchistische Gruppierungen? Und welche Rolle spielt der (noch) junge Jonas in der Zukunft? Alles was wir wissen ist, dass er unmenschliche Dinge sehen wird. Die Narbe am Hals des älteren Jonas deutet bereits darauf hin, dass er nur knapp dem Galgenstrick entkommen wird.

Die Autorin Jantje Friese könnte natürlich noch Einblick geben, wie Jonas zu seiner Zeitmaschine kommt, warum er sie erneut verwendet und was in der Zukunft geschehen muss, damit er überhaupt wieder in die Vergangenheit reist. Viele offene Fragen, viel möglicher Stoff – und für uns freudige Spannung auf Staffel 2!

Was sind eure Fragen? Haben wir Das Ende von Dark gut erklärt? Habt ihr andere Theorien? Oder Hinweise, die wir übersehen haben? Teilt uns eure Gedanken gerne in den Kommentaren mit!

Dir gefällt dieser Beitrag? Jetzt teilen:

13 thoughts on “Special: Dark – Das Ende erklärt

  1. @Hoerm:
    Danke für die Fragen.

    1) Ich bin mir sicher. Mads landet von 86 in 2019, Erik und Yasin landen auf der AKW Baustelle in 1953 (die Ärzte wundern sich noch über Eriks Einhorn-Tattoo). In welcher Folge zieht Helge denn Erik vom Bunker weg? War das nicht Mads?

    2) Sowohl als auch. Bei Jonas‘ ersten Besuch in 86 wird er vom älteren Jonas an einer Interaktion gehindert. In der 10. Folge entschließt sich Jonas aber, Mikkel zurück zu holen, auch wenn das seine eigene Existenz auslöscht. Als er aber in das Krankenhaus geht, sitzt Noah am Bett des schlafenden Mikkel – Jonas wird darauf hin betäubt und wacht im Bunker wieder auf. Der Lauf der Dinge bleibt also gleich, trotz Jonas‘ Entscheidung, sie zu verändern.

    3) Das konnte ich noch nicht wirklich einordnen. Woran machst du das fest?

    4) Flüchtigkeitsfehler, es ist 2052. Danke für den Hinweis!

  2. Ich hab da mal ein paar Fragen zu dem oben stehenden Text:
    1. Bist Du Dir sicher, dass die Kinder beim experimentieren mit Noahs Zeitmaschine in eine andere Zeit geschickt werden? Wieso liegt Eriks Leiche denn 1986 vor dem Bunker und wird von Erwachsenen-Helge weg gezogen?
    2. Oben im Text steht, dass Noah verhindert, dass Jonas Mikkel ins Jahr 2019 zurück bringt. Aber das ist doch Erwachsenen-Jonas, der den Jugend-Jonas daran hindert, oder nicht?
    3. Tronte Nielsen und Peter Doppler arbeiten doch im Auftrag von Claudia, oder?
    4. Wie kommst Du auf das Jahr 2053 (hast Du irgendwo ein Schild gesehen)? 2019 + 33 = 2052.

  3. @Benny: Diese Frage ist noch nicht aufgeklärt. Fakt ist, dass Helge durch die auftretende Anomalie im Bunker in das Jahr 1986 verfrachtet wird. Der zu diesem Zeitpunkt erwachsene Helge, der dann auch die Kinder entführt, ist somit Teil des Paradoxons, denn wenn der „1953 Helge“ als Kind in das Jahr 1986 kommt, kann es theoretisch keinen erwachsenen Helge in 1986 geben, da dieser ja als Kind ins Jahr 1986 gekommen ist. Ähnlich wie Mikkel dürfte Helge also in seiner Zeitlinie nur als Kind auftauchen, Mikkel existiert dann aber „doppelt“, nämlich als Kind in 1953 und als Erwachsener in 2019 – ist aber die gleiche Person. Helge hingegen existiert in allen 3 Zeitlinien in dem dazugehörigen Alter (Junge, Erwachsener, Senior). Meine Vermutung ist also, dass es abhängig von der Zeitmaschine (es gibt 3 Stück) eine „Kopie“ der Person gibt oder aber die Person „verschoben“ wird. Dass Ulrich wieder zurück in die Zukunft kommen muss ist klar, sonst könnte er ja nicht der Vater von Mikkel/Michael sein. Es fehlt uns also noch das dazugehörige Puzzleteil. Antwort kann da nur die neue Staffel bringen. Da kommt man von 100ste ins 1000ste 🙂 Aber genau das will die Serie ja vermutlich hervorrufen.

  4. „Die Zeitmaschine, welche die alte Claudia Tiedemann 1986 beim Uhrenmacher in Auftrag gibt“
    Das ist falsch, siehe Folge 9 Ende. Sie gibt dem Uhrenmacherei 1953 den Plan.

  5. Eine Sache verstehe ich nuxhtAm Ende der letzten Folge reist der 7 jährige Helge durch die Berührung mit Jonas scheinbar ins Jahr 86, wenn ich das richtig geblickt habe. Wie kann nun aber im selben Jahr auch der 40 jährige Helge leben? Dazu müsste er ja als Kind aus dem Jahr 1986 irgendwie wieder ins Jahr 1953 zurückgereist sein, oder nicht?

Kommentar verfassen