Kritik: Better Call Saul – Staffel 4

Folge 2: Nichts mehr zu tun für Jimmy?
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 6 Mins.
  • Jimmy Mc Gill verbirgt sein trauriges Gesicht hinter einer lächelnden Pappmaske seines früheren Ichs auf dem Plakat zu Better Call Saul Staffel 4
    © 2018 Netflix
  • Better Call Saul meldet sich mit Staffel 4 zurück und nähert sich der Mutterserie 'Breaking Bad' weiter an. Wird der Spagat gelingen? Unsere Episodenkritik zu 'Better Call Saul – Staffel 4' bespricht und bewertet jeden Mittwoch, was die neue Folge zu bieten hat. Kritik: Folge 1 'Rauch' Original-Titel:  Smoke Erscheinungsdatum: 07. August 2018 (DE) Bis dato widmete sich Better Call Saul der „Sunny Side of Life“: Der unermüdliche Optimismus von Jimmy McGill (Bob Odenkirk), der noch jeden Rückschlag mit raffinierten Einfällen wettzumachen wusste, ist eines der maßgeblichen Elemente der Serie – und wird von Fans  gefeiert. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich…

    78%

    Gut

    Folge 1: 'Rauch'
    79%
    Folge 2: 'Atmen'
    77%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 07.08.2018
    Episoden: 40 in 4+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , ,
    Showrunner: ,
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2018 Netflix

Gesamtbewertung:

Gut
78%

Better Call Saul meldet sich mit Staffel 4 zurück und nähert sich der Mutterserie 'Breaking Bad' weiter an. Wird der Spagat gelingen? Unsere Episodenkritik zu 'Better Call Saul – Staffel 4' bespricht und bewertet jeden Mittwoch, was die neue Folge zu bieten hat.

Kritik: Folge 1 'Rauch'

Original-Titel:  Smoke
Erscheinungsdatum: 07. August 2018 (DE)

Kim Wexler und Jimmy McGill auf dem Weg zu Chucks Beerdigung in Better Call Saul Staffel 4 Folge 1

Kim wundert sich, wie sehr Chucks Tod Jimmy kalt lässt.

Bis dato widmete sich Better Call Saul der „Sunny Side of Life“: Der unermüdliche Optimismus von Jimmy McGill (Bob Odenkirk), der noch jeden Rückschlag mit raffinierten Einfällen wettzumachen wusste, ist eines der maßgeblichen Elemente der Serie – und wird von Fans  gefeiert. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Rauch, Folge 1 der vierten Staffel, verzieht sich auf einen Schattenplatz. Schlägt Better Call Saul eine neue Richtung ein? Unsere Episodenkritik weiß eine Antwort. In unserem Podcast, gehen wir zudem noch tiefer auf die Episode ein:

Für einen düsteren, dramatischeren Weg der Serie liefert Rauch eine Handvoll Indizien. Angeführt wird diese Reihe von Hinweisen natürlich mit Chuck McGills (Michael McKean) selbstgewähltem Tod (Staffel 3, Folge 10), den sein Bruder Jimmy in dieser Folge erst einmal verarbeiten muss.

Auch wenn sich die zwei Brüder im Laufe von Staffel 3 endgültig entfremdeten, überrascht es mich, dass der ansonsten überaus empathische Jimmy äußerst wenig Trauer zu empfinden scheint. Zwar schlägt Chucks Tod auch Jimmy aufs Gemüt, der sich ungewohnt deprimiert gibt, doch kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Jimmy mehr mit seiner eigenen Rolle in Chucks letztem Kapitel beschäftigt ist. Anders gesagt: Jimmy macht sich Vorwürfe. Und das zu Recht: Denn, wie Howard Hamlin (Patrick Fabian) gegenüber Jimmy und Kim (Rhea Seehorn) darlegt, war es Chucks Streit mit seiner Anwaltsversicherung, die ihn in den Tod trieb. Drahtzieher dieser Auseinandersetzung war Jimmy, der in einem niederträchtigen Rachezug die Versicherer seines Bruders über dessen Zustand informierte.

Tja Howard, ich schätze damit musst du jetzt leben.

Jimmy McGill zu Howard Hamlin

Obendrauf nutzt Jimmy sogar die Trauer Howards aus, um diesen durch sein provozierend gelassenes Verhalten zu verletzen. Ein weiterer Wesenszug, den wir in dieser Intensität bei Jimmy bis dato nicht zu sehen bekamen.

In der Summe macht die Folge Rauch klar, dass Chucks Tod ein einschneidendes Ereignis für die ganze Serie ist. Im wahrsten Sinne des Wortes ist Jimmy altes Leben zu Rauch verpufft. Seine Karriere hängt (vorübergehend) am Nagel, seine Familie ist verschieden, seine finanzielle Sicherheit hinüber. Alles in allem also eine gute Basis für eine dramatische vierte Staffel und einen reiferen Tonfall der ganzen Serie, der uns immer weiter Richtung "Saul Goodman" aus Breaking Bad befördern wird.

Das tatsächliche Highlight der Folge ist jedoch das Schicksal von Gene, wie sich Jimmy McGill nach den Ereignissen von Breaking Bad nennt. Stilsicher und mit einer ordentlichen Portion paranoider Spannung inszeniert, zeichnet sich hier am deutlichsten ab, dass Staffel 4 düsterer wird. Dass wir diese Staffel mehr von Gene sehen werden, wie Bob Odenkirk bestätigt, kann ich nur begrüßen.

Während Jimmys und Genes Handlungsstränge einen gelungenen Auftakt darstellen, sind die Storylines von Mike, Nacho und Gus Fring weniger einprägsam und fühlen sich mehr wie der Nachklang der Ereignisse aus Staffel 3 an.

Besonders mit Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks), den die Fans in unserer Better Call Saul Facebook Fangruppe kürzlich zu ihrem Liebling #2 bestimmten, fällt der Serie enttäuschend wenig ein. Seine investigative Tour durch das Madrigal-Lager ist zwar virtuos geschnitten, ließe sich jedoch auch in deutlich weniger Einstellungen abvespern. Dennoch begrüße ich es grundsätzlich, dass sich Better Call Saul – Staffel 4 offenbar mehr mit dem mysteriösen Konzern Madrigal Automotive auseinandersetzen wird. Warten wir ab, was sich daraus noch ergeben wird.

Fazit: Folge 1 'Rauch'

Mit dem sich andeutenden Richtungswechsel beweisen die Showrunner Vince Gilligan und Peter Gould Mut – beschreiten aber auch die richtige Richtung. Denn nach drei Staffeln wird es Zeit, dass sich die bisher sympathisch dahinplätschernde Serie mehr Drama, mehr Spannung und radikalere Charakterentwicklungen zulegt. Mit der sich immer deutlicher abzeichnenden Stoßrichtung „Breaking Bad“ wird dies sowieso nötig. Dennoch wird es spannend zu sehen sein, ob es der Serie gelingt, den einzigartigen Look and Feel beizubehalten, der Better Call Saul so einzigartig macht.


Kritik: Folge 2 'Atmen'

Original-Titel:  Breathe
Erscheinungsdatum: 14. August 2018 (DE)

Jimmy McGill gespielt von Bob Odenkirk auf einem Weg zu einem Bewerbungsgespräch in Better Call Saul Staffel 4 Episode 2 Atmen

© 2018 Netflix

Nach einem düsteren Staffelauftakt gönnt sich Folge 2 Atmen im wahrsten Sinne des Wortes eine Verschnaufpause – zumindest, wenn man Jimmys Storyline betrachtet. Denn viel passiert hier nicht. Es sieht so aus, als fiele den Produzenten Vince Gilligan und Peter Gould mit unserem Titelhelden zunehmend weniger ein.

Die besten Dialogzeilen hat zwar noch immer Jimmy (Bob Odenkirk), der sich mit seinem brillanten Verkaufstalent zu vermarkten weiß, doch im Vergleich zur restlichen Episode fällt seine Jobsuche enttäuschend spannungsarm und nichtssagend aus.

Das liegt zunächst daran, dass der Konflikt zwischen Chuck und Jimmy, der die dritte Staffel mit Leben füllte, schmerzlich fehlt. Jimmys Handlungsstrang fühlt sich leer und antriebslos an, da unserem Protagonisten ein Widersacher fehlt. Dass Kim Jimmy vor Howards verdrehter Großzügigkeit bewahrt, ist zwar nett gemeint, nimmt Jimmys Story aber zusätzlich den Wind aus den Segeln. Aber wer weiß, vielleicht erreicht dieser Sturm Jimmy doch noch.

Viel problematischer ist, dass Jimmys Handlungsstrang und Charakterentwicklung lediglich im Schritttempo vorantuckern. Zulange braucht die Folge, um zu wenig zu erzählen. Das einzige, was die Handlung weiterbringt ist die Erkenntnis, dass Jimmy eine wertvolle Porzellanfigur stehlen will. Honestly, AMC? Auf der einen Seite braut sich ein Drogenkrieg zusammen und auf der anderen Seite soll ich „Ohh“ und „Ahh“ sagen, wenn Jimmy Nippes rauben will? Hoffentlich werden die nächsten Folgen dieses Ungleichgewicht der Handlungsstränge in Angriff nehmen.

Werbung



Während Jimmys Storyline enttäuscht, leben Nacho (Michael Mando) und Gus Fring (Giancarlo Esposito) unter der zusätzlichen Screentime wahrlich auf. Ganz besonders Nacho, dem die Höhepunkte der Folge gehören, entwickelt sich im Eiltempo zum spannendsten und vielversprechendsten Charakter der ganzen Serie.

Denn hin- und hergerissen zwischen Familie und Kartell, Gewalt und Vergebung sowie Kontrolle und Kontrollverlust, macht Nacho wett, was anderen Figuren der Serie fehlt: existenzielle Konflikte. Besonders die berührende Szene mit seinem Vater sowie die Schlussszene mit Gus, bringen eindrucksvoll und atemberaubend auf den Punkt, welche Kräfte an Nacho zerren, was Michael Mando wiederum erstklassig schauspielerisch umzusetzen weiß. Hut ab.

Am meisten im Gedächtnis bleiben wird wohl die letzte Szene der Folge, in der Arturo durch Gus‘ Hand das Zeitliche segnet. Diese unerwartete, rohe Gewalt schockt zutiefst und sorgt für einen erstklassigen Plot Point, der Nachos Handlungsstrang nur umso spannender machen wird. Spätestens jetzt ist klar, dass Staffel 4, wie schon letzte Woche besprochen, einen weitaus düsteren Weg einschlägt, als wir es von Better Caul Saul gewohnt sind. Endlich.

Fazit: Folge 2 'Atmen'

Episode 4 Atmen setzt den düsteren Ton der ersten Folge fort und sorgt im Gus/Nacho-Handlungsstrang für nervenaufreibende Spannung, die in diesem Ausmaß Neuland für Better Call Saul sind. Jimmys Geschichte fällt jedoch weiter ab, da es sowohl an einem Widersacher als auch dramaturgischen Einfällen fehlt.  Better Call Saul – Staffel 4 hat noch immer deutlich Luft nach oben.


Kritik: Folge 3 'Something Beautiful'

Original-Titel:  Something Beautiful
Erscheinungsdatum: 21. August 2018 (DE)

Unsere Episodenkritik erscheint am Mittwochmorgen, nachdem die neue Folge erschienen ist.


Kritik: Folge 4 'Talk'

Original-Titel:  Talk
Erscheinungsdatum: 28. August 2018 (DE)

Unsere Episodenkritik erscheint am Mittwochmorgen, nachdem die neue Folge erschienen ist.


Kritik: Folge 5 'Quite a Ride'

Original-Titel:  Quite a Ride
Erscheinungsdatum: 04. September 2018 (DE)

Unsere Episodenkritik erscheint am Mittwochmorgen, nachdem die neue Folge erschienen ist.

NEUE ARTIKEL
Werbung
❯ Alle Artikel