7.6/10

Kritik: Fire Island

STOLZ UND VORURTEIL UND LGBTQIA+

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Genres: Komödie, Romanze, Startdatum: 19.08.2022

Interessante Fakten für…

  • Fire Island ist eine moderne Adaption des Jane Austen Klassikers Stolz und Vorurteil.
  • Bevor die Streamingplattform Quibi den Bach runterging, sollte der Film unter anderem Namen dort erscheinen.

In „Fire Island“ trifft Jane Austen metaphorisch gesehen auf die LGBTQIA+ Community. Aber ob dieser Mix wirklich aufgehen wird?

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Wie jedes Jahr brechen die Freund:innen Noah (Joel Kim Booster), Howie (Bowen Yang), Luke (Matt Rogers), Keegan (Tomás Matos) und Max (Torian Miller) zu ihrer Gay-Mum Erin (Margaret Cho) auf, um für eine Woche paradiesischen Urlaub auf Fire Island, einem Safe Space für die LGBTQIA+ Community, zu machen. 

Neben wilden Partys hat sich Noah fest vorgenommen, seinem besten Freund Howie zu dem ein oder anderen Flirt zu verhelfen. Und es scheint so, als könnten ihm der freundliche Charlie (James Scully), mitsamt seiner Freund:innen Will (Conrad Ricamora) und Cooper (Nick Adams) im Schlepptau, beim Erreichen seines Ziels helfen.

Jane Austen trifft Fire Island

Die Werke der Autorin Jane Austen dienen seit Jahrzehnten als Vorlage zahlreicher, kommerziell und/oder aus Kritiker:innen-Perspektive erfolgreicher Adaptionen. Man denke nur an an den Kult-Klassiker Clueless (1995), Emma (2020) oder den allseits beliebten Stolz und Vorurteil (2005) von Joe Wright.

An letzteren knüpft auch Fire Island an. Drehbuchautor und Hauptdarsteller Joel Kim Booster gelingt es, den Themen und Hauptfiguren des Roman-Klassikers treu zu bleiben, diese zugleich aber zu modernisieren und spannende Parallelen zu diversen Diskursen innerhalb der LGBTQIA+ Community zu ziehen. 

Das Ergebnis ist eine durchaus gelungene Adaption des Klassikers, die sich dank dem LGBTQIA+ Twist von den anderen Adaptionen des Austen Werkes abheben kann und auch noch was zu sagen hat! Fire Island wirkt an der ein oder anderen Ecke mit Blick auf die Dramaturgie zwar etwas kantig und frühstückt ein paar Plots ein wenig zu schnell ab, unterhält aber nichtsdestotrotz mit einer rührenden und seichten Geschichte über die Suche nach Familie, Freundschaft, Liebe und sich selbst.

Auf zu neuen Ufern!

Wie bereits erwähnt, gibt es Jane-Austen-Adaptionen wie Sand am Meer. Warum also ist Fire Island so etwas besonderes? Zum einen liegt es an dem bereits besprochenen Fokus auf die LGBTQIA+ Community. Noch zu selten werden LGBTQIA+ Geschichten im Mainstream erzählt, zu oft geht es um Drama und Tragik, zu wenig um die schönen Seiten des Lebens. Fire Island ist einer von jüngst erschienenen Filmen, die diesem Trend endlich etwas entgegensetzen!

Zum anderen, und das ist wohl ein ähnlich großes Pfund, handelt es sich bei Fire Island um eine romantische Komödie, die nicht nur die Liebe zwischen Männern, sondern die Liebe zwischen People of Color, also nicht-weißen Männern, thematisiert.

Hört sich wenig revolutionär an, aber wenn man mal die Mainstream-RomComs der letzten Jahrzehnte zusammenzählt, die überhaupt LGBTQIA+ Liebe und/oder LGBTQIA+ Liebe zwischen Schwarzen, Ost-Asiatischen oder anderen PoC-Menschen zeigen, kommt man wahrscheinlich auf eine Zahl, die sich mit viel Mühe in den zweistelligen Bereich hieven kann. Umso wichtiger, dass das oft dargestellte Bild von „Frau trifft Mann“ um zahlreiche andere Konstellationen, wie zum Beispiel „Frau trifft Frau“, „Non-Binär trifft Frau“ oder, wie im Fall von Fire Island, „Mann trifft Mann“ erweitert wird!

Ein Cast zum Verlieben

Ein weiterer Grund, warum Fire Island so gut funktioniert, ist der Cast. Zunächst sind sowohl Booster als auch Bowen Yang versierte Comedy-Autoren und -Darsteller. Ihr Können stellen sie als sehr unterschiedliches Duo Noah und Howie unter Beweis und sorgen nicht nur für einige der besten Lacher des Films, sondern auch für starke emotionale Momente. Aber auch der Rest des Casts muss sich nicht verstecken, allen voran Tomás Matos ist ein echtes Highlight des Films. 

Generell stellt man relativ schnell fest: Mit dieser Gruppe Freund:innen möchte man mehr Zeit verbringen! Fire Island hätte es vielleicht an der ein oder anderen Stelle gut getan, noch öfter zu zeigen, warum die Gruppe an sehr unterschiedlichen Charakteren sich so gut versteht und so wichtig füreinander ist, anstatt es nur zu sagen – Stichwort ‚Show don’t tell‘.

Neben der Freund:innen-Gruppe brilliert auch Conrad Ricamora als Mr. Darcy.. entschuldigt, ich meine natürlich als zunächst steifer, distanzierter Will, der sich gar nicht mit der Gruppe rund um Boosters Noah anfreunden kann. Auch James Scullys naiv-freundlicher Charlie oder Nick Adams hochnäsiger Cooper sind echte Highlights: Während ersterer mit seinem Hundeblick und seiner freundlichen Art verzaubert (und frustriert), macht es richtig Spaß, letzteren wegen seiner arroganten Art zu hassen. Keine gute Liebesgeschichte ohne ein bisschen Drama eben!

Fazit

7.6/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Charaktere 7.5/10
Schauspiel 8/10
Humor 7.5/10
Emotionen 7.5/10
Details:
Regisseur: Andrew Ahn,
FSK: 16 Filmlänge: 105 Min.
Besetzung: Bowen Yang, Conrad Ricamora, James Scully, Joel Kim Booster, Margaret Cho, Matt Rogers, Nick Adams, Tomas Matos, Torian Miller, Zane Phillips,

Fire Island reiht sich in die Riege geglückter Jane-Austen-Adaptionen ein und überzeugt trotz einiger dramaturgischer Kanten mit einem starken Cast, tollem Humor und einer schön-schmalzigen Liebesgeschichte. Eine echt gute LGBTQIA+ RomCom, von denen wir in Zukunft gerne mehr sehen wollen!

Artikel vom 29. September 2022

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