Kritik: Suzume no Tojimari
LIEBE IN ZEITEN DER ERDBEBEN
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Die 17-jährige Suzume (Nanuko Hara) lebt in der Kyūshū-Region im Südwesten Japans. Auf dem Weg zur Schule begegnet sie einem Mann (Hokuto Matsumura), der sie nach Ruinen in der Nähe fragt. Als sie kurze Zeit später ein leichtes Erdbeben spürt und sieht, wie aus den Ruinen eine riesige rote Gestalt zu kommen scheint, die nur sie sehen kann, begibt sie sich mit dem Fremden auf eine Reise durch Japan, um das Geheimnis zu lüften und ihre Heimat zu retten.
Suzume war in Japan bereits ein riesiger Erfolg, genau wie die beiden Vorgänger von Regisseur Makoto Shinkai, Your Name und Weathering with you. Das kommt auch in Deutschland an: Seit Chihiros Reise ins Zauberland lief kein japanischer Anime mehr im Hauptprogramm der Berlinale – das sind große Fußstapfen. Shinkai und sein Team scheinen nach Studio Ghibli aber tatsächlich die nächsten Anime-Macher zu sein, die auch hierzulande im Mainstream großen Anschluss finden.
Shinkai setzt dabei in seinen letzten drei Filmen auf eine ähnlich Mischung: Ein ungleiches Paar, dass sich im Laufe einer gemeinsamen Aufgabe ineinander verliebt. Die Rätsel, die sie lösen müssen sind oft magisch und spirituell und verbinden sich mit den Coming-of-Age-Geschichten der Protagonisten. Der Roadtrip wird so auch zu einer Reise in die eigene Vergangenheit und in das Innerste der Protagonistin.
Suzume folgt diesem Muster. Das ungleiche Paar im Mittelpunkt: Suzume, eine mutige Schülerin, die ihre Mutter früh verloren hat und seitdem bei ihrer Tante aufwächst. Der Film streut Hinweise ein, dass es sich bei der Katastrophe um den Tsunami 2011 handelt, der in Deutschland wegen der nuklearen Reaktorkatastrophe in Fuskushima bekannt ist. Die meisten Todesopfer forderten jedoch die Erdbeben und der anschließende Tsunami. Um mit ihrem Verlust aus der Vergangenheit Frieden zu schließen, muss Suzume weitere Erdbeben verhindern.
Dafür reist sie mit Souta durch das Land. Er ist ein Schließer – das heißt, er muss in ganz Japan Türen zu einem Zwischenraum schließen, aus dem böse Kräfte strömen, die Erdbeben auslösen. Blöd nur, dass Souta von einer sprechenden Katze in einen dreibeinigen Stuhl verwandelt wurde. Er humpelt mit Suzume von Tür zu Tür und sorgt so für den ein oder anderen Comic Relief.
Die Dynamik des Duos macht Spaß und die Liebesgeschichte berührt wie immer bei Shinkai. Nur wiederholt der Film ein bisschen zu oft die drohenden Erdbeben und offene Türen unterscheiden sich kaum voneinander. Insbesondere wenn man die früheren Werke kennt, überrascht der Film kaum. Die Geschichte fällt leider etwas ab, die wunderschöne Animation (das Essen!) und die Chemie von Suzume und Souta als dreibeiniger Stuhl trösten darüber hinweg.
Das letzte Drittel wird dann nochmal deutlich besser, wenn auch nicht klischeefrei. Das ganze Drama endet nämlich in einem Marvel-artigen Kampf in der Luft zwischen Gut und Böse, riesige Energien und Naturgötter prügeln sich visuell ansprechend. Im Zentrum stehen aber die emotionalen Momente von Suzumes persönlicher Reise, die zum Abschluss ihres Coming-of-Age Roadtrip wieder genau das liefern, wofür Shinkai bekannt ist.
Suzume hat den Herz am rechten Fleck und versucht sich an einer Aufarbeitung eines nationalen Traumas. In Japan wurde der Film dafür gefeiert, aber auch hier kann er zur ein oder anderen Träne rühren. Dazu gibt es eine sich etwas wiederholende Handlung, den Shnkai-typischen Kitsch und einen bombastischen finalen Kampf á la Marvel. Insgesamt also ein wenig zu formelhaft um zu überraschen, aber nicht nur für Anime-Fans eine spannende Genre-Mischung, die einfach auch wahnsinnig gut aussieht.
Artikel vom 29. März 2023
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