Kritik: Vikings – Staffel 5 (Teil 1 & 2)

Folge 20: Kein apokalyptisches Finale
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 54 Mins.
  • Aufsicht eine Schlachtszene bei denen Darsteller der Serie Vikings ihre Gegner abschlachten
    © 2018 History Channel
  • Blut, Schweiß und schnittige Undercuts – die hochstilisierte Wikinger-Serie kehrt mit einem frischen Cast zurück! Jede Woche erscheint eine neue Folge, die von mir in einer Episodenkritik besprochen wird. Somit verändert sich auch jede Woche das Gesamtrating der Staffel. Alles geklärt? Dann viel Spaß mit der Kritik zu 'Vikings' Staffel 5 Teil 1 und Teil 2! Direkt zur neuesten Episodenkritik Kritik: Folge 1 'Der Fischerkönig' Original-Titel: The Departed, Part 1 Erscheinungsdatum: 29.11.2017 Ivar (Alex Høgh Andersen) hat seinen eigenen Bruder Sigurd getötet. Dennoch kann Ubbe (Jordan Patrick Smith) nicht auf seinen fiesen, kleinen Bruder verzichten, da er sich als raffinierter Kriegstaktiker…
    Kritik: Vikings – Staffel 5 (Teil 1 & 2) tba
    1

    81%

    Stark

    Folge 1 'Der Fischerkönig'
    84%
    Folge 2 'Die Verstorbenen'
    85%
    Folge 3 'Heimatland'
    86%
    Folge 4 'Der Plan'
    85%
    Folge 5 'Der Gefangene'
    84%
    Folge 6 'Die Botschaft'
    78%
    Folge 7 'Vollmond'
    81%
    Folge 8 'Der Witz'
    89%
    Folge 9 'Eine einfache Geschichte'
    72%
    Folge 10 'Momente und Visionen'
    90%
    Folge 11 'Land der Steine'
    83%
    Folge 12: 'Mord am Altar'
    64%
    Folge 13: 'Das Schwert Gottes'
    75%
    Folge 14: 'Alles ist dunkel'
    76%
    Folge 15: 'Verbrannte Erde'
    90%
    Folge 16: 'Der Buddha'
    83%
    Folge 17: 'Das Schlimmste'
    78%
    Folge 18: 'Baldur'
    84%
    Folge 19: 'Die Höhle'
    84%
    Folge 20: 'Ragnarok'
    78%

    'Vikings' – Staffel 5 Teil 1 fängt sehr gut an, verliert sich im Mittelteil und erstarkt schließlich mit einem atemberaubenden Finale, das visuell und erzählerisch Neuland für die Serie ist.

    User Rating: 4.65 ( 2 votes)
  • Staffelstart: 29.11.2017
    Episoden: 69 Folgen in 5+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2017 HBO

Gesamtbewertung:

Stark
81%

Blut, Schweiß und schnittige Undercuts – die hochstilisierte Wikinger-Serie kehrt mit einem frischen Cast zurück! Jede Woche erscheint eine neue Folge, die von mir in einer Episodenkritik besprochen wird. Somit verändert sich auch jede Woche das Gesamtrating der Staffel. Alles geklärt? Dann viel Spaß mit der Kritik zu 'Vikings' Staffel 5 Teil 1 und Teil 2!

Kritik: Folge 1 'Der Fischerkönig'

Original-Titel: The Departed, Part 1
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Jonathan Rhys Meyers als Bischof Heahmund mit einem Schwert in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1

Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) scheint ein wichtiger, neuer Charakter der Serie zu sein. Kann er überzeugen?

Ivar (Alex Høgh Andersen) hat seinen eigenen Bruder Sigurd getötet. Dennoch kann Ubbe (Jordan Patrick Smith) nicht auf seinen fiesen, kleinen Bruder verzichten, da er sich als raffinierter Kriegstaktiker erweist. Während die Söhne Ragnars versuchen, mit dieser Situation umzugehen, reist König Harald zurück nach Kattegat, um Königin Lagertha (Katheryn Winnick) vom Thron zu stoßen. Floki (Gustaf Skarsgård) hat hingegen keine Lust mehr auf Krieg und Verrat, weshalb er sich auf eine einsame Seereise ohne Ziel begibt.

Nach der klimatischen zweiten Hälfte der vierten Staffel, konnte man sich ruhig fragen, ob Vikings nun seinen Zenit erreicht hat. Die zwei interessantesten Charaktere der Serie, Ragnar und König Ecbert (Linus Roache), sind beide tot. Dafür haben nun die vier Söhne Ragnars das Führungszepter übernommen. Bereits in der ersten Folge wird klar: Sie sind fantastische, neue Hauptcharaktere und geben Vikings eine ganz neue Dynamik und Komplexität.

Andersens ultrafiese und dennoch vielschichtige Performance als Ivar ist in der Debütfolge der neuen Staffel erneut mehr als beeindruckend. Während man Ivar aus ganzem Herzen hassen kann, tut er einem nur wenige Szenen später wieder leid – wobei, Entschuldigung, Ivar möchte ja kein Mitleid.

Zwischen den Brüdern brodelt ein unterschwelliger Konflikt. Ubbe, die bisherige Stimme der Vernunft, ist zwar bei weitem nicht so charismatisch wie sein alter Herr, doch sein Darsteller Jordan Patrick Smith überzeugt dafür mit dem subtilsten Schauspiel des neuen Vikings-Casts. Man darf gespannt sein, ob die leise Zwietracht zwischen ihm und Ivar in den kommenden Folgen implodiert. Hier hat Vikings ordentlichen Sprengstoff in den Fässern für eine explosive fünfte Staffel.

Zum Glück hat Vikings seine Ecken und Kanten nicht verloren. Wem Game of Thrones mit der siebten Staffel zu weich wurde, wird hier seine Dosis an Blut und Schweiß bekommen. Das Massaker in der Kirche von York gehört zu den brutalsten Szenen der Serie (O.K., abgesehen vom Blutadler, nichts ist brutaler als der Blutadler) und Ivars krankes Lachen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Serie schert sich nicht darum, die Wikinger aus ihrer Rolle der klaren Aggressoren zu heben. Sie sind Mörder und Vergewaltiger – ob wir uns als Zuschauer mit ihnen identifizieren können, bleibt weiterhin uns selbst überlassen. Umso erstaunlicher ist, das König Aethelwolf (Moe Dunford) immer mehr zu einem Sympathieträger mutiert.

Der "Neue", Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers), muss erstmal zurück in die Beobachtung. Bis jetzt überzeugt der fesche Geistliche mit obligatorischem Undercut noch nicht so recht. Undercuts den Wikingern! Doch es liegt nicht nur an der Frisur – es bleibt abzuwarten, ob Heahmund der Geschichte eine interessante neue Dimension verleihen kann.

Fazit: Folge 1 "Der Fischerkönig"

Vikings kann auch ohne Travis Fimmel. Die erste Folge der fünften Staffel konnte (fast) alle Zweifel in den Wind schlagen. Das Schachbrett wurde neu aufgestellt und mein Gefühl sagt mir, dass dies die interessanteste Partie der Serie werden könnte.

Episodenrating: 84%


Kritik: Folge 2 'Die Verstorbenen'

Original-Titel: The Departed, Part 2
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Gustaf Skarsgård als Floki steht vor einem Wasserfall in Island in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1

Hat Floki (Gustaf Skarsgård) wirklich Asgard gefunden?

Lagertha hält Harald als Gefangenen in Kattegat fest, um Haralds wahre Motive seiner Rückkehr herauszufinden. Währenddessen kommt es in York zu unterschwelligen Machtkämpfen zwischen Ivar, Ubbe und Hvertsik. Floki entdeckt nach einer erschöpfenden Seereise Island, das er allerdings für das Götterreich Asgard hält.

Nach einem etwas schwachen Cliffhanger, geht es gleich weiter mit dem zweiten Teil der Doppelfolge. "Die Verstorbenen" bietet im Gegensatz zu "Der Fischerkönig" zwar keine große Action, überzeugt dafür aber mit dem souveränen Umgang der unterschiedlichen Erzählstränge, die sich immer weiter aufdröseln. Das mehrgleisige Storytelling erinnert spätestens jetzt an Game of Thrones.

Am schwächsten fällt der neue Handlungsstrang in Kattegat aus. Die urplötzliche "Vergewaltigung" von Harald durch Lagertha (Ja, was war es denn sonst?) war ziemlich out-of-character. Allgemein scheint Lagertha etwas an ihrem messerscharfen Verstand eingebüßt zu haben, um Haralds wahre Motive nicht erahnen zu können. Es war dennoch herrlich mit anzusehen, wie "König" Harald erneut einen Korb kassieren musste, dieses Mal von Astrid (Josefin Asplund). Hier könnte sich ein interessanter Story-Kniff ergeben. Wird Astrid Lagertha verraten? Bis jetzt ist es ziemlich offensichtlich, dass die Story wohl darauf hinauslaufen wird.

Am interessantesten ist mit Abstand die einsame Odyssee des Floki, der als erster Wikinger Island entdeckt – welches er aber für das Götterreich Asgard hält. Hier zeigt sich erneut die größte Stärke der Serie: Die Verschmelzung von Realität und Mystik. Beeindruckende Panoramabilder des trostlosen isländischen Strandes, der ganz nebenbei stark an Drachenstein aus Game of Thrones erinnert, laden dazu ein, Floki seine göttliche Illusion zu lassen. So prächtig sah die Serie noch nie zuvor aus.

Ebenso surreal fällt die Vision von Prinz Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) aus, der sich in bester Frodo-Manier in Sumpfwasser schmeißt. Hier muss auch das Schauspiel von Jennie Jaques als Judith gelobt werden, das sich an Intensität kaum überbieten lässt.

Der Hauptstrang um die Söhne Ragnars wird in "Die Verstorbenen" kaum weitergeführt. Allerdings ist die letzte Szene, das Aufbäumen Ivars, ein kleiner Gänsehaut-Moment. Ivar scheint mit jeder Folge mächtiger zu werden. Auch wenn ich mich mit Sicherheit nicht dem #TeamIvar verschreiben werde, bin ich gespannt, in welchem Chaos Ivar die Geschichte zurücklassen wird.

Fazit: Folge 2 "Die Verstorbenen" 

Die zweite Folge der fünften Staffel ist ein Ruhepol, der mit vielschichtigem Storytelling, grandiosen Bildern und einer dichten Atmosphäre überzeugt. So kann es gerne weitergehen!

Episodenrating: 85%


Kritik: Folge 3 'Heimatland'

Original-Titel: Homeland
Erscheinungsdatum: 07.12.2017

Ivar sitzt vor einer Schlachtkutsche mit blutverschmiertem Gesicht bei Regen auf einem Schlachtfeld in einem Szenenbild für Vikings Staffel 5 Folge 3 Heimatland

Ja, Ivar, wir wissen wie verrückt du bist.

Floki ist immer noch davon überzeugt, dass er im Götterreich Asgard angekommen ist. Währenddessen stellt König Harald der entführten Astrid sein Königreich vor. In England findet eine brutale Schlacht in York statt. Ubbe und Hvitserk merken, wie Ivar die Macht über die Streitkraft an sich reißt...

Mit der dritten Folge schaltet Vikings einen Gang hoch. Jede Exposition, die auf die kommenden Konflikte vorbereiten musste, wurde in den letzten beiden Folgen abgehakt. Heimatland zeigt uns bereits nach wenigen Minuten das erste große Action-Setpiece der neuen Staffel: Die in Regen und Blut getränkte Schlacht von York. Hierbei handelt es sich zwar nicht um die bildgewaltigste Vikings-Schlacht, doch merkt man, dass das Spektakel im Detail einfach wertiger wirkt. Unterkühlte Bilder, dichte Nebelschwaden und durchnässte Rüstungen – das gehört eigentlich auf die Kinoleinwand.

Die derbe Schlacht hinterlässt jedoch einen etwas faden Beigeschmack, der ausgerechnet Ivar geschuldet ist. Alex Høgh Andersen minutenlanges Schlachtgeschrei ist dann doch etwas überambitioniert und kommt dem "Over-Acting" gefährlich nahe. Dabei überzeugt Andersen in jeder anderen Szene der Folge, die allgemein sehr Ivar-lastig ausgefallen ist. Je mächtiger Ivar wird, desto eher verwandelt er sich von einem "hassbaren" in einen beängstigenden Charakter. Ist ein #TeamIvar überhaupt noch ansatzweise moralisch zu vertreten? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist er ein bestialischer Gewinn für die Serie. 

Der zuvor prophezeite Bruderstreit trat nun doch schneller ein als gedacht. Ubbes Demütigung als (anscheinend) schwächerer Bruder ist schmerzhaft mit anzusehen und heizt die Charaktermotivationen und -konflikte dieser Staffel weiter an. Weiterhin interessant bleibt, welche Rolle Hvitserk in der neuen Parteikonstellation einnehmen wird. Wird er sich Ivar demütig unterordnen oder seine eigenen Interessen entwickeln?

Während ich mich letzte Woche noch kritisch über Bischof Heahmund geäußert habe, muss ich nach Heimatland sagen, dass der schwertschwingende Geistliche immerhin einen "Prädikat Badass" verdient hat. Ein Zweikampf zwischen ihm und Ivar wurde nun schon beinahe offiziell für diese Staffel angekündigt – dieser Todesblick-Austausch auf dem Schlachtfeld kann nicht tatenlos stehengelassen werden!

Fazit: Folge 3 "Heimatland"

Nach drei Folgen hat es Vikings Staffel 5 bereits geschafft, das volle Interesse der Zuschauer einzufordern und neue visuelle Standards zu etablieren. Die Investition in Charaktere und Konflikte war noch nie so effektiv und das Set-Design noch nie so atmosphärisch. Auch wenn die Dämonisierung von Ivar schon beinahe ins Lächerliche übergeht, ist er dennoch das neue Aushängeschild der Serie. Hatte sich Ragnar nicht genau das für seinen Lieblingssohn gewünscht? Trotzdem bleibt es vorerst bei #TeamUbbe.

Episodenrating: 86%


Kritik: Folge 4 'Der Plan'

Original-Titel: The Plan
Erscheinungsdatum: 13.12.2017

Lagertha und Ubbe sitzen gemeinsam im Thronsaal und reden miteinander.

Neue Allianz: Können wir demnächst eventuell auch eine Lovestory zwischen erwarten? Schließlich ist Ubbe seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten.

Björn und seine Crew erreichen den Eingang zum Mittelmeer und statten den Sizilianern einen Besuch ab. Aethelwulf und Bischof Heahmund wollen York von sämtlichen Versorgungsrouten abschneiden, um die Wikinger in ihrer eigenen Belagerung verhungern zu lassen. Ubbe kehrt nach Kattegat zurück und trifft mit Lagertha eine Vereinbarung. King Harald heiratet Astrid und Floki hat große Pläne für die Besiedlung seines neu entdeckten Landes.

Let's calm down! Die vierte Folge nimmt etwas Tempo aus der Geschichte. Das liegt vor allem an den fünf parallelen Handlungssträngen, die allesamt um einen Schritt nach vorne bewegt werden. Glücklicherweise verliert man zu keiner Zeit den Überblick, denn die Drehbuchautoren balancieren die verschiedenen Geschichten vorbildlich – etwas, das man von der neuen The Walking Dead-Staffel nicht behaupten kann. Dennoch erreicht Vikings nun eine Komplexität, die eine längere Episodenlaufzeit wünschenswert machen würde. Gebt uns 55 statt 45 Minuten! Dafür würde ich auch ein paar Episoden weniger in Kauf nehmen.

Am interessantesten bleibt weiterhin der Handlungsstrang in England. Zwischen Ivar und "Schoßhündchen" Hvitserk brodelt es nun auch gewaltig. Ivars hämisches "Wuff, wuff!" ist ein herrlich fieser Ivar-Moment, der dieses Mal auch ganz ohne Overacting und wahnsinniges Rumgeschreie auskommt. Es scheint so, als hätte Ivar genau das erkannt, was uns Zuschauern auch schon lange Zeit aufgefallen ist: Hvitserk ist der langweiligste Sohn Ragnars. Doch das könnte sich schnell ändern. Sein reuevoller Monolog, Ubbe verraten zu haben, macht die Konstellation zwischen den Brüdern noch interessanter. Die Freundschaft zwischen Ubbe und Hvitserk wird mit Sicherheit in einer tragischen Auseinandersetzung enden.

Auch zwischen Aethelwulf und Bischof Heahmund gibt es nun böses Blut, das allerdings recht plötzlich aufwallt. So langsam ist zwischen dem geistlichen Berserker und mir auch das Eis gebrochen. Den Model-Look habe ich nun weitgehend akzeptiert und auch seine bedeutungsschwangeren Visionen trägt er mit solch einer Überzeugung vor, dass man ihn kaum des Schwulstes beschuldigen kann.

Mit Sizilien bekommen wir erneut ein mediterranes Setting geboten, dass einen schönen Kontrast zu den kühlen Aufnahmen des Nordens bildet. Das plötzliche Auftauchen von Sinric (Frankie McCafferty) kann selbst Ubbe nicht ganz ernst nehmen ("How fortunate I was to run into you, Sinric!") ist aber für ahnungslose Wikinger in fremden Gewässern unerlässlich. Sinric ist ein rein funktionaler Charakter, der im Verlauf der Staffel hoffentlich noch mehr Rollen bekommt, als die des Reiseführers und Dolmetschers. Doch der mediterrane Handlungsstrang verspricht einiges: Schließlich begeben sich Björn und Co. als nächstes nach Kairo, zusammen mit der mysteriösen Nonnen-Schönheit Kassia (Karima McAdams).

Die beeindruckendsten Aufnahmen gibt's wieder in Asgard, äh, Island zu sehen. Floki stapft durch den Meerschaum des Strands aus schwarzer Lava und die Kamera ergötzt sich an schwungvollen Helikopter-Aufnahmen, die zum Teil sogar schon besser aussehen als die opulenten Landschaftsbilder aus Game of Thrones. Schade, dass Floki nun wieder zurücksegeln will. Hoffentlich spielt Island in der Staffel noch eine größere Rolle.

Fazit: Folge 4 'Der Plan'

Die vierte Folge ist kein Game-Changer und bietet keine einzige Action-Sequenz. Der Plan konzentriert sich auf das Vorantreiben der unterschiedlichen Handlungsstränge und behält dabei einen vorbildlichen Überblick. Als alleinstehende Folge ist Der Plan etwas unbefriedigend, doch mit Sicherheit wird sich nächste Woche die hier vollbrachte Sortierung der Story wieder mehr auszahlen.

Episodenrating: 85%


Kritik: Folge 5 'Der Gefangene'

Original-Titel: The Prisoner
Erscheinungsdatum: 20.12.2017

Björn mit Turban in der Sahara in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Folge 5 Der Gefangene

Ja. Das ist tatsächlich immer noch 'Vikings'.

Ivar überfällt die Engländer während ihres Siegesrauschs in York und nimmt einen bedeutenden Gefangenen. Björn reist mit Kassia, Euphemius und Gefolgschaft nach Arabien und trifft auf den mächtigen Ziyadat Allah (Kal Naga). Währenddessen kehrt Floki nach Kattegat zurück, um eine Gruppe von glaubensstarken Anhängern zu versammeln, die mit ihm das "Land der Götter" bewirtschaften wollen. Lagertha ist nicht begeistert...

Und schon wieder eine Schlacht in York. Dieses Mal ohne strömenden Regen und Ivar in Streitwagen, fällt das Gemetzel eher konventionell aus. Ivars Masterplan, der in der letzten Folge Der Plan mit einem verwegenen Cliffhanger unausgesprochen blieb, ist erstaunlich... blöd. Um das noch einmal aufzudröseln: Die Engländer werden in eine befestigte Stadt eingeladen, ziehen mit voller Streitmacht durch die Straßen Yorks, nur um sie später aus mittelalterlichen Gullideckeln überfallen zu können? Gut für Ivar, dass die Engländer nicht einfach Wikinger pro Wikinger, die sich nacheinander aus den Erdlöchern hieven, abgestochen haben – stattdessen rennt man lieber panisch durch die Gassen. Was dachte sich Ivar? "I have the low ground!"? Obi Wan wäre enttäuscht.

Natürlich gewinnen die Wikinger erneut. Das Glück der aggressiven Nordmänner wird schon beinahe unsympathisch. Da feuert man doch lieber Bischof Heahmund an, der langsam aber sicher zum lässigsten Typen in ganz Wessex heranreift. Seine Gefangennahme ist ein interessanter Wendepunkt der Geschichte. Wie geht es jetzt weiter? Schwer zu sagen. Schließlich wird Ivar nicht den einzigen Mann töten, der genauso gerissen und kaltblütig ist wie er selbst. Doch das subtile Verständnis zwischen Ivar und Heahmund lässt auf eine neue Bromance à la Ragnar/Ecbert hoffen (für ein neues Ragnar/Aethelstan stimmt hingegen das Kräfteverhältnis nicht). Die Doppelmoral des Glaubens an die eine Religion ist hervorragendes Diskussionsmaterial für die beiden Hitzköpfe. Mein Tipp: Heahmund wird konvertieren.

Der abrupte Szenenwechsel in die Sahara erinnert schon beinahe an eine Werbepause. Ist das noch Vikings? Es scheint so, als hätte man beim Color Grading den Regler für die Bildtemperatur von -100 auf +100 geschoben. Doch der Kontrast ist erfrischend. Das Highlight: Björn und Halfdan rauchen Shisha. Hätte mir irgendjemand auf dem Stand von Staffel 1 erzählt, dass man in Vikings Shisha rauchende Wikinger zu sehen bekommt, wäre ich vermutlich lachend auf dem Boden gelegen.

Leider hält die Begeisterung für das neue Vikings-Setting nicht allzu lange an. Euphemius' Flucht und seine Verarbeitung zu Abendessen hinterlässt nicht nur bei Sinric einen bitteren Beigeschmack. Das erinnerte ja schon beinahe an das Ekel-Festmahl aus Indiana Jones und der Tempel des Todes. Es bleibt zu hoffen, dass die Araber nicht zum makaberen Comic-Relief der Serie werden. Den einen Scherz kann ich Ziyadat Allah aber noch verzeihen. Kassia ist ohnehin die eindrucksvollere Gegenspielerin.

Der Star der Folge ist allerdings Floki. Es scheint so, als bilde sich seine Geschichte endgültig zum interessantesten Subplot der neuen Staffel. Wir wissen zwar nicht, wie Floki ohne Kompass den Weg zurück gefunden hat – aber dafür bekommen wir endlich wieder das verschmitzte Grinsen und die kindlichen Lacher! Floki hat sich als Sympathieträger endgültig rehabilitiert. Seine Vision vom besiedelten Götterreich ist absolut ansteckend. Durch Flokis geheimes Bündnis wird auch die Kattegat-Geschichte um einiges spannender. Haralds Invasion kann ruhig noch warten.

Fazit: Folge 5 'Der Gefangene'

Hier gibt es viel Licht und viel Schatten. Einiges in Der Gefangene wirkt undurchdacht oder albern, wie Ivars Hinterhalt oder die deplatzierte Kannibalismus-Einlage. Doch die Konflikte werden immer interessanter. Das Machtspiel zwischen Ivar und Heahmund macht Lust auf mehr und Flokis Geheimniskrämerei erinnert an das klassische Vikings der ersten Staffeln. Wir haben nun die Halbzeit der Halbzeit erreicht. Der Zwischenstand: Mehr Torschüsse für die Engländer, mehr Tore für die Wikinger. Team Ivar hat die besseren Player, Team Aethelwulf das bessere Team. Vikings ist in Topform, doch es geht noch mehr!

Episodenrating: 84%


Kritik: Folge 6 'Die Botschaft'

Original-Titel: The Message
Erscheinungsdatum: 27.12.2017

Floki und Lagertha verabschieden sich vor einer Gruppe von Menschen in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge Die Botschaft

Die zwei sympathischsten Charaktere der Serie. Stimmt mir jeder zu, oder?

Floki und seinen Anhängern wird gestattet, nach Island auszuwandern. Ivar stattet König Harald einen Besuch ab und macht seinem Gefangenen Bischof Heahmund ein attraktives Angebot. Astrid hat vor, Harald an Lagertha zu verraten. 

Nach dem groben Cliffhanger setzt Folge 6 Die Botschaft direkt dort ein, wo wir stehengeblieben sind. Dass Björn und Co. entkommen, wird wohl niemand von uns überrascht haben. Die größte Enttäuschung der neuen Staffel ist somit gefunden: Der antiklimatische Arabien-Subplot scheint vorerst zu pausieren, da sich die Wikinger innhalb einer halben Stunde zurück nach Kattegat gebeamt haben. Gab es tatsächlich Leute, die sich über das Zeit/Distanz-Verhältnis in der neuen Game of Thrones-Staffel beschwert haben? Sorry, Daenerys, aber Flokis Boote sind schneller als deine Drachen. 

Weiterhin interessant bleibt aber die Island-Story. Wie wird Floki mit der Enttäuschung seiner Gefolgsleute umgehen? Island ist ein totes Land, dem nur durch Flokis Halluzinationen Leben eingehaucht wurde. Wie sich das scheinbare Götterreich auf eine ganze Gruppe von Fanatikern auswirken wird, bleibt abzuwarten. 

Ivar zeigt sich in dieser Folge von einer erstaunlich besonnenen Seite. Das tut seiner Charakterzeichnung gut. Die Idee, zwischen Ivar und Heahmund eine Bromance aufzubauen, ist genial. Heahmund, der von Folge zu Folge charismatischer wird, behält seine wahren Motive noch für sich. Hoffen wir, dass er nicht frühzeitig abgeschrieben wird, zum Beispiel durch einen missglückten Anschlag auf Ivar. Der Knochenlose ist nämlich immer noch zu overpowered. Vielleicht wird ja Heahmund seine große Schwäche? Süß. 

Insgesamt werden die Intrigen in Vikings immer mehr von George R.R. Martin inspiriert. Astrid riskiert alles, indem sie ihrem kürzlich geheirateten Harald einen Dolchstoß verpasst. Die Unberechenbarkeit der Serie ist erfrischend – doch war die platte Vergewaltigungs-Szene wirklich notwendig? 

Fazit: Folge 6 'Die Botschaft'

Die letzten Folgen hatten starken Mittelteil-Charakter. Die Action wurde zurückgeschraubt und die Story in die Breite ausgewalzt. Leider machen sich hier das erste Mal einige Drehbuchschwächen bemerkbar: Die Schnellreise der Charaktere ist noch störender als in Game of Thrones und der Handlungsstrang in Arabien ist (bis jetzt) punktlos und verschwendet. Hat Vikings doch den Mund zu voll genommen? Wir müssen abwarten. Hoffentlich ziehen die nächsten vier Folgen wieder an! 

Episodenrating: 78%


Kritik: Folge 7 'Vollmond'

Original-Titel: Full Moon
Erscheinungsdatum: 04.01.2018

Alexander Ludwig als Björn und Dagny Backer Johnsen als Snaefrid reden miteinander in einem Szenebild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 7 Vollmond

Neue, mächtige Verbündete: Björn (Alexander Ludwig) verguckt sich sofort in Snaefrid (Dagny Backer Johnsen) und lässt Torvi fallen.

Björn ist zurück und bespricht mit Lagertha und Ubbe die Verteidigungsstrategie für Ivars bevorstehenden Überfall auf Kattegat. Margrethe versucht Ubbe zu beeinflussen, stattdessen an der Seite von Ivar zu kämpfen, um nach Lagerthas Sturz König von Kattegat zu werden. Währenddessen wächst in Island eine Feindschaft gegen Floki.

Vikings hat seinen Fokus wieder gefunden. Nachdem die letzte Folge an den vielen Handlungssträngen zu scheitern drohte, ist Vollmond eine straffe Aufbau-Episode – eine Vorspeise, die mächtig Lust auf die große Schlacht um Kattegat macht. Da immer noch nicht klar ist, wie Ivars Plan aussieht und wer letztendlich auf welcher Seite kämpfen wird, braucht die Folge auch gar keinen künstlichen Cliffhanger wie die letzten Folgen. Die "Inter-Episoden-Spannung" ist wieder da.

Nicht nur in Kattegat wird es bald krachen. Auch in Island macht sich Floki bei seinen Gefolgsleuten immer unbeliebter. Keiner scheint seine göttlichen Halluzinationen zu teilen. Stattdessen hat Floki zwei Dutzend arme Schlucker in eine kalte Ödnis entführt, die mehr verflucht als verwunschen aussieht. Sein Monolog über eine starke Gemeinschaft hört sich an wie das erste Konzept des Kommunismus, das von den konservativen Wikinger-Kameraden natürlich abgelehnt werden wird. Dieser Handlungsstrang braucht mehr Laufzeit, er wird verdammt interessant!

Es ist erfrischend, einen ruhigen und konzentrierten Ivar zu sehen, der Schachpartien gegen Heahmund verliert. Sein Charakter ist also doch nicht allzu overpowered. Offensichtlich wird die ultimative Invasions-Strategie für Kattegat nicht von Ivar, sondern von Heahmund gestellt werden. Dass Ivar das verdammt sexy findet, zeigt sich im leicht homoerotischen Dialog bei Mondschein. Ein schwuler Ivar würde tatsächlich Sinn ergeben. Es wird sich zeigen, ob die Serienmacher mutig genug dafür sind. Schließlich gab es für einen ähnlichen Move in Black Sails viel Hass von einem Teil Fangemeinde.

Fazit: Folge 7 'Vollmond'

Die Erwartungen an Staffel 5 sind wieder gestiegen. Vollmond ist eine starke Vorbereitung auf ein (hoffentlich) großes Finale. Dabei gibt es noch ganze drei Episoden, bevor die fünfte Staffel in die Halbzeitpause geht. Zum Glück ist das wilde Jonglieren mit mehreren Handlungssträngen vorbei, da die heruntergefallenen Bälle (z.B. der Arabien-Plot) erstmal liegen gelassen werden. Enttäuscht uns jetzt bloß nicht mit einer langweiligen Schlacht um Kattegat!

Episodenrating: 81%


Kritik: Folge 8 'Der Witz'

Original-Titel: The Joke
Erscheinungsdatum: 11.01.2018

Marco Ilsø und Jordan Patrick Smith als Hvitserk und Ubbe in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 8 Der Witz

Ernstes Gespräch zwischen Brüdern: Warum will Hvitserk (Marco Ilsø) nicht an der Seite seines großen Bruders Ubbe (Jordan Patrick Smith) kämpfen?

In Flokis Gruppe von Siedlern wachsen die ersten Feindschaften. In Kattegat treffen Lagerthas und Haralds Armeen aufeinander. Doch bevor gekämpft wird, soll die Möglichkeit einer friedlichen Verhandlung wahrgenommen werden… 

Der Witz ist eigentlich ein unwürdiger Name für diese kraftstrotzende Folge, die Staffel 5 endlich auf den Gipfel treibt. Vikings nimmt sich genug Zeit, die persönlichen Konflikte der Charaktere auszuspielen, denn die Ausgangssituation ist gold wert: Gleich zwei Geschwister-Gruppen wurden durch eine ungünstige Reihe von Ereignissen in verschiedenen Teams aufgestellt – außerdem nicht zu vergessen ist Astrid, die Lagertha kaum noch in die Augen schauen kann. 

Eventuell wiederholt Der Witz den Satz „Ich will dich nicht töten“ ein paar mal zu oft, doch die Dilemmas der Charaktere sind spürbar, da sie über die letzten Folgen wunderbar vorbereitet wurden. Dabei wirkt die Inszenierung des Aufeinandertreffen ähnlich wie im Finale der letzten Game of Thrones-Staffel.

Die anschließende Schlacht erinnert stattdessen an die große Endschlacht der ersten Staffel The Last Kingdom. Sie erreicht zwar nicht die Größe einer Schlacht um Paris aus der dritten Staffel, gehört aber zu den „klassischsten“ Schlachten der Serie: Großes Build-Up, klare Seitenverteilung und eine anschließende Wall of Death in bester Braveheart-Manier. Schonmal aufgefallen, dass wir soetwas in Vikings noch gar nicht so oft gesehen haben? 

Die Spannung ist so hoch wie selten zuvor. Der Witz schafft es, in beinahe jeder Szene ein Momentum zu erschaffen – die Zeit für Exposition ist endgültig vorbei. Allerdings wirken die kurzen Szenen in Island und England, die immer wieder dazwischen gestreut werden, etwas Fehl am Platz. Besonders der Island-Konflikt ist weiterhin spannend, doch hätte man die kurzen Szenen auch für die nächste Folge aufheben können, um diese Folge komplett auf Kattegat zu fokussieren. 

Köstlich ist der Austausch von "Geiseln", der Hvitserk und Halfdan auf die eigentlich richtige Seite zurückholt. Doch die Beiden erweisen sich als stur und kämpfen lieber für die Ehre als für die Familie. Die Charaktermotivationen sind dabei absolut nachvollziehbar: Während Halfdan es satt hat, nur der Zweitbeste zu sein, ist Schoßhündchen Hvitserk zu sehr von seinem kleinen Bruder Ivar eingeschüchtert, als jetzt nochmal die Seiten zu wechseln.

Neben diesen tollen Momenten gibt es dennoch etwas zu meckern. Was wurde jetzt aus Ivars teuflischen "Plan", der in der letzten Folge angekündigt wurde? Schwer zu glauben, dass der große Plan letztendlich nur ein schnelles Absprechen zwischen Ivar und Harald kurz vor der Schlacht war. Andererseits ist es verdammt wohltuend, Ivar, den ständigen Aggressor, endlich verlieren zu sehen. Das war bitter nötig und ist beinahe schon kathartisch. Eventuell kann man seinem Charakter nun wieder mehr Sympathie schenken. Dennoch ist es ziemlich offensichtlich, dass die Serienmacher die Fan-Loyalität eher in Richtung Team Lagertha lenken wollen. 

Fazit: Folge 8 'Der Witz'

Folge 8 ist die bisher Beste der fünften Staffel. Hier kommt alles zusammen: Die Dilemmas der Charaktere sind nachvollziehbar, die Einsätze hoch und die persönlichen Opfer groß. Vielleicht hätte es doch mehr tatsächliche Opfer geben sollen. Dennoch ist Der Witz eine spannende Folge, die Momentum erschafft und sich wie ein kleines Finale anfühlt. 

Episodenrating: 89%


Kritik: Folge 9 'Eine einfache Geschichte'

Original-Titel: A Simple Story
Erscheinungsdatum: 18.01.2018

Peter Franzén als König Harald in Szenenbild für Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 9 Eine einfache Geschichte

König Harald (Peter Franzén), Ivar und Hvitserk zählen auf die Unterstützung der Franzosen durch Onkel Rollo.

Lagertha und Heahmund entwickeln eine beidseitige Faszination füreinander, während Harald und Ivar ihre Kräfte regenerieren. Hvitserk segelt nach Frankreich, um Rollo und seine französischen Truppen für den Kampf zu mobilisieren. In Island eskaliert der Konflikt zwischen den Siedlern. England braucht einen neuen König...

Nach der dramatischen Folge letzte Woche, ruht sich Vikings erstmal aus. Eine einfache Geschichte fühlt sich nicht an wie das vorletzte Kapitel einer Staffel (bzw. eines ersten Teils einer Doppelstaffel). Doch das ist kein Vorwurf. Es gibt andere Gründe, warum die Folge eher frustriert als gefällt.

Die Teleportationskräfte der Wikinger werden grenzenlos. Hvitserk segelt innerhalb von wortwörtlichen Sekunden nach Frankreich und zurück. Natürlich darf man als historische Serie auch mal grobe Zeitsprünge in Kauf nehmen. Doch ist Vikings wirklich eine historische Serie? Die Stärke des Storytellings lag doch gerade in den langsamen und beinahe hypnotisierenden Erzählflüssen. Wenn das Format seine Größe um das Dreifache aufpusten möchte, sollte man wenigstens solche schlampigen Story-Kniffe vermeiden oder eleganter umschiffen.

Noch ernüchternder ist die Wiedereinführung des lange verschollenen Rollo, die aber zum reinen Plot-Werkzeug verpufft. Rollo hatte keine Lust zu kommen. Vielleicht schaue er ja später bei der Siegeszeremonie vorbei. Glückwunsch an die Drehbuchautoren, so zerstört man einen potentiellen Überraschungsauftritt im Voraus. Hoffentlich gibt es noch einen anderen Weg, wie Rollo seine glorreiche Rückkehr feiern könnte – falls er denn überhaupt noch zurückkehrt.

Schon beinahe lächerlich ist das ultra-spontane Ableben von König Aethelwulf. Er wird von einer Biene gestochen, reagiert allergisch und stirbt. Das kann man schon machen, nicht jeder Charakter braucht einen bedeutungsvollen Tod – doch die Ausführung war so generisch und antiklimatisch, dass es dafür keine Entschuldigung gibt. Minuten vor seinem tödlichen Bienenstich hält Aethelwulf natürlich noch eine charismatische Rede, die vollkommen Fehl am Platz wirkt und nicht mehr sagt als "Ich bin bald tot, das ist mein letzter Auftritt!". Ganz zu schweigen davon, dass Aethelwulf als Charakter noch lange nicht ausgeschöpft war. Vielleicht kann man seinen Tod noch irgendwie rechtfertigen, indem man seine Todesumstände mit einem Twist auflöst: Könnte es sein, dass der König von Judith vergiftet wurde, um ihren Sohn Alfred so schnell wie möglich herrschen zu lassen? Ich glaube nicht, dass es so kommen wird, aber es würde Aethelwulfs Tod mehr Gewicht geben.

Doch nicht alles war mies. Gerade die Debatte um die Nachfolge des Königs ist stark inszeniert und bewegt die Geschichte in England weiter nach vorne, die in den letzten Folgen schon beinahe pausiert wurde. Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) als Herrscher über Wessex wird sich seinen späteren Titel "Alfred der Große" mit Sicherheit verdienen.

Auch die Unruhen auf Island sind weiterhin spannend. Der breite und Floki-loyale Kjetill (Adam Copeland) rückt immer mehr in den Vordergrund. Seine Fehde mit dem schleimigen Eywind (Kris Holden-Ried) schaukelt sich immer weiter hoch und mündet schließlich in einem Brand des Tempels von Thor. Die abschließende Szenen-Collage inklusive Alfreds Krönung und Flokis Kontrollverlust macht einen Teil der Ernüchterung wieder wett. Atmosphärische Musik und hypnotische Bilder von blutgetränkten Ritualen lassen wenigstens in den letzten fünf Minuten alte Vikings-Qualitäten auflodern.

Fazit: Folge 9 'Eine Einfache Geschichte'

Leider ist die vorletzte Folge der ersten Staffelhälfte eine kleine Enttäuschung. Nach der stärksten Folge der Staffel Der Witz, folgt nun leider die Schwächste. Zwar sind die üblichen Vikings-Qualitäten immer noch erhalten, doch das Drehbuch erlaubt sich zu viele Schwächen. Das Storytelling fühlt sich so an, als führe man über Schlaglöcher – irgendwann rumpelt es einfach so sehr, dass man es der Straße nicht mehr verzeihen kann. Hoffen wir also, dass Vikings nach der insgesamt starken Staffel nicht plötzlich im Schlamm stecken bleibt.

Episodenrating: 72%


Kritik: Folge 10 'Momente und Visionen'

Original-Titel: Moments of Vision
Erscheinungsdatum: 25.01.2018

Astrid (Josefin Asplund) und Harald (Peter Franzén) reden miteinander in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 10 Momente und Visionen.

Vor und nach der Schlacht: Diese Folge mischt Dialog und Action in einem nicht-linearen Storytelling zusammen. Wird es das letzte Gespräch zwischen Harald und Astrid sein?

Die letzte Folge hat meine Erwartungen auf das Minimum zurückgesetzt. Ich hoffte auf ein passables Midseason-Finale, das meinen positiven Zugang zur Serie nicht zerbröseln ließe. Ein weitere Talfahrt à la The Walking Dead hätte ich nicht verkraftet. Die erfreuliche Nachricht: Momente und Visionen ist nicht schlecht. Noch erfreulicher: Momente und Vision ist, vollkommen unerwartet, die wahrscheinlich beste Folge der Serie. Uff.

Schon in den ersten Sekunden lässt Regisseur Daniel Grou einen wissen, dass er aus diesem Finale etwas Besonderes machen möchte. Wir starten nämlich nicht mit „Uhh, gimme more, gimme moore…!“, sondern mit einem gespenstischem Gesangs-Duett von Harald und Halfdan. Erste blitzartige Eindrücke der bevorstehenden Schlacht mischen sich der unglaublich kühlen Atmosphäre bei, die innerhalb von zwei Minuten mühelos heraufbeschworen wurde. „In medias res“ (auf Deutsch: „Mitten in das Geschehen“) heißt dieses Stilmittel des Storytellings, das einen ohne Exposition mitten ins Geschehen wirft. Bevor es losgehen kann, ist es schon längst losgegangen.

Meine größte Befürchtung für das Finale war, dass die Schlacht aus Folge 8 einfach wiederholt werden würde – vielleicht etwas größer und mit einem anderen Sieger. Zum Glück hatten die Drehbuchautoren offensichtlich dieselbe Sorge. Zwar bekommen wir ein Rückspiel, doch die Inszenierung lenkt den Fokus auf eine ganz andere Sichtweise. Die Charaktere stehen im Mittelpunkt.

Die Folge verweigert Linearität. Das Geschehen springt selbstbewusst zwischen vor und nach der Schlacht und verbindet somit den physischen und psychischen Kampf der einzelnen Hauptcharaktere. Das kann ordentlich in die Hose gehen und „verkünstelt“ wirken. Tatsächlich wirkt Momente und Visionen auch verkünstelt, doch im positiven Sinn. Denn die nicht-lineare Erzählung ist nicht nur erfrischend anders, sie wirkt auch unglaublich kompakt und effektiv.

Die 45 Minuten lange Folge ist ein einziges Momentum, ein konstant dramatisches Crescendo, das niemals an Fahrt verliert. Lineares Storytelling kann diese Intensität nicht tragen – denn eine lineare Geschichte braucht eine Einführung, einen Mittelteil und ein Ende. Wie man diese Dreiakt-Struktur umgeht und ein durchgehend fesselndes Geschehen erschafft, hat letztens erst Christopher Nolan mit Dunkirk bewiesen.

Alle Drehbuchschwächen der letzten Folgen sind vergessen. Die Folge liefert grandiose Momente im Minutentakt. Hvitserks Treffen mit Ubbe inmitten der Schlacht wirkt umso tragischer, da Sekunden zuvor ein sauber geschriebener Dialog mit Ivar seine Reue aufdeckt, die Seiten gewechselt zu haben. Ubbe verschont seinen kleinen Bruder und stößt dabei einen Schmerzensschrei aus. Ein absoluter Gänsehaut-Moment!

Weniger wohlwollend endet das Aufeinandertreffen von Harald und Halfdan. Während Halfdan sich beinahe wehrlos seinem Tod hingibt, sehen wir surreale Rückblenden aus der Wüste Sahara. Halfdan rinnt der Sand aus den Fingern – eine vielschichtige Metapher, die gleichzeitig Halfdans Wunsch nach Leben und Abenteuer, und gleichzeitig sein unentrinnbares Schicksal symbolisiert. So viel Tiefe hätte ich Vikings ehrlich gesagt gar nicht zugetraut.

Das Entsetzen der Schlacht (so derbe Bilder sind selbst für Vikings heftig) wird mit Stille und surrealen Visionen vermischt. Wir bekommen nicht nur grandiose Actionszenen, die sogar dem legendären Battle of the Bastards aus Game of Thrones das Wasser reichen können, sondern auch hypnotisierende und pulsierende Sequenzen, die einen in Hypnose versetzen. Lagerthas Mord an Astrid, der das komplette Geschehen der Schlacht ausblendet, oder Ivars Halluzination von kämpfenden Skellet-Kriegern, die sich um Lagertha tummeln, sind schon beinahe impressionistisch. Wir lernen die subjektiven Eindrücke der einzelnen Charaktere kennen, die mit unglaublicher Hingabe inszeniert wurden. Hier stimmt jede Aufnahme, jede Kamerafahrt und jeder Computereffekt.

Die grandiosen Momente beschränken sich nicht nur auf die Schlacht, die (natürlich) von Ivar und Co. gewonnen wird. Margrethes wachsender Wahnsinn stellt einem die Nackenhaare auf. Auch Flokis weiser Monolog zu Eywind über die Sinnlosigkeit von Rache (hervorragend zusammengeschnitten mit Ivars Blutrausch auf dem Schlachtfeld), der sich letztendlich als nutzlos erweist, ist ein weiteres Highlight. Die geisterhafte Aufnahme von Kjetills ermordeten Sohn in der Quelle gehört zu den kleinen Momenten, die diese Folge so wahnsinnig gut machen.

Kommen wir zum Schluss. Letzte Woche habe ich mich darüber aufgeregt, dass Rollos Rückkehr so spannungsarm „verschoben“ wurde. Dazu stehe ich immer noch. So genial die letzte Aufnahme vom stolzen Rollo auch ist, sie wäre besser und überraschender gewesen, wenn man seine Rückkehr nicht auf so lahme Weise angekündigt hätte. Sei’s drum. Für die Folge allein war es das Sahnehäubchen.

Fazit: Folge 10 'Momente und Visionen'

Dieses Midseason-Finale ist nicht das, was man erwartet hätte. Einigen wird der experimentelle Zugang überhaupt nicht gefallen. Doch alle anderen können Momente und Visionen als ein kleines Kunstwerk feiern, das Vikings nicht nur vor der Stagnation bewahrt, sondern auf ein vollkommen neues Level hievt. Die Drehbuchschwächen der letzten Episoden wurden mit einem kongenialen, dynamischen und nicht-linearen Skript wieder wett gemacht, dass vor Emotionen nur so strotzt. Wir haben eine große Schlacht erwartet. Die bekamen wir, und dazu noch viel mehr. Für mich ist dieses Finale die beste Folge der Serien-Geschichte, dicht gefolgt von Die Schlangengrube. Beinahe sprachlos. Die Lust auf die kommenden zehn Folgen ist verdammt noch mal wieder da! 

Episodenrating: 90%


Kritik: Folge 11 'Land der Steine'

Original-Titel: The Revelation
Erscheinungsdatum: 29.11.2018

Rollo in eleganter Robe auf einem Pferd in Vikings Staffel 5 Folge 11 Insel der Steine

Mit Rollos Rückkehr gewinnt die zweite Staffelhälfte einen besonders vielversprechenden Charakter.

Rollo fordert von Ivar einen hohen Preis für seine militärische Hilfe in der Schlacht um Kattegat. Floki lässt die Siedler über sein Schicksal abstimmen. Björn, Lagertha und Ubbe verlassen ihre Heimat und segeln erneut nach England.

Der Auftakt der zweiten Staffelhälfte stellt die Balance wieder her. Während sich die letzten Folgen in immer mehr Subplots und exotischen Settings ausbreiteten, fühlt sich Land der Steine wie eine Rückbesinnung an. Die Loyalitäten sind klar, die Story überschaubar und Rollo ist zurück. Und Rollo regelt.

Lange haben wir uns gefragt, wer dem größenwahnsinnigen Ivar wohl die Stirn bieten könne. Rollo, mit seinem westfränkischen Heer im Rücken, scheint dafür der richtige Mann zu sein. Im ersten Dialog mit Ivar stellt der alte Vikings-Hase gleich klar, wer hier am längeren Hebel sitzt. Das macht die Präsenz von Ivar schon um einiges erträglicher und die Story dynamischer. Genau so eine Figur hat der aktuellen Spielaufstellung gefehlt.

Umso bemitleidenswerter schlägt sich Rollo im direkten Gespräch mit Lagertha. Das macht Rollo im Handumdrehen zum interessantesten und konfliktreichsten Charakter der fünften Staffel. Hat er Lagerthas Standort wirklich an Ivar verraten oder war die Aktion abgesprochen, um Ivar zu demütigen? Gut gemacht, liebe Drehbuchautoren, so führt man stilvoll einen lang verschollenen Charakter wieder ein.

Der große „Reveal“ ist hingegen von gar nicht so großer Story-Bedeutung. Ob Rollo nun wirklich Björns Vater ist oder nicht, werden wir ohne einen Vaterschaftstest nie erfahren – und solange uns die Wikinger keine ausgereifte Medizintechnik verschwiegen haben, werden wir Björns leiblichen Vater nicht bestimmen können. Umso besser passt Björns Reaktion auf die Enthüllung seines Vielleicht-Vaters: Es spiele keine Rolle, da Björn sowieso ähnlicher zu Ragnar sei als zu Rollo. Dadurch gewinnt der grob geschnitzte Björn mindestens eine Ebene an Charaktertiefe. 

In Land der Steine sehen wir mehr denn je, wie Björn die Körpersprache und Rhetorik von Ragnar imitiert. Hier frage ich mich, ob seine Anbiederung an Travis Fimmels Performance in die Story verankert ist, oder ob sich die Serienmacher einfach einen Ragnar-Ersatz wünschen. Es würde ja Sinn machen, dass Björn (gerade jetzt) Parallelen zu Ragnar entwickelt, doch der Spleen von Darsteller Alexander Ludwig driftet beinahe ab ins Overacting und passt nicht zu seiner hünenhaften Erscheinung. Auch wenn sich der Charakter in einer Existenzkrise befindet, sollte der Schauspieler Ludwig in Zukunft genau wissen, in welche Rolle er schlüpfen will. 

Umso unauffälliger präsentiert sich dieses Mal Floki, der die Siedler über sein Schicksal entscheiden lässt. Diese selbstlose Entscheidung passt zu seinem gottesfürchtigen Charakter und  bringt die Islandgeschichte weiter auf Eskalationskurs. Ob Floki weiser oder tatsächlich verrückter wird, erkunden wir hoffentlich in den nächsten Episoden.

Wer ebenfalls etwas am Rad drehen könnte, ist der verrückte Ivar selbst. Wirkt seine wunderschöne Liebe-auf-den-ersten-Blick namens Freydis nicht wie eine imaginäre Freundin? Ihre geisterhafte und unwirkliche Erscheinung könnte auch Ivars Fantasie entstammen – eine personifizierte Manifestation seiner Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. Inwieweit wir mit dieser spannenden Theorie richtig liegen (wir würden es hoffen!), können wir bis jetzt aber noch nicht sagen.

Fazit: Folge 11 'Land der Steine'

Vikings nimmt den Mund nicht zu voll und konzentriert sich wieder auf die wesentlichen Konflikte der Serie. Unnötige Nebenstränge werden abgesägt. Stattdessen bekommt Rückkehrer Rollo seine verdiente Screentime. Noch lässt sich Rollo keiner Partei zuordnen und genau das macht seine Figur so spannend. Zwischen all der harten Fronten könnte er ein fluktuierendes Bindeglied werden, das der Handlung noch mehr Dynamik verleiht. Tja, so viel kann die Wiedereinführung eines Charakters bewegen – hoffentlich bleibt uns Rollo noch lange erhalten!

Episodenrating: 83%

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Kritik: Folge 12 'Mord am Altar'

Original-Titel: Murder Most Foul
Erscheinungsdatum: 06.12.2018

Ferdia Walsh-Peelo als Alfred mit Róisín Murphy als Aelswith in Vikings Staffel 5 Folge 12 Mord am Altar

Prinzessin Aelswith scheint an Alfred kein besonderes Interesse zu haben – umgekehrt aber auch nicht.

Vikings gehört zwar zu den epischsten Namen der aktuellen Serienlandschaft, doch leidet sie immer noch an vollkommen willkürlichen Qualitätsschwankungen. Showrunner Michael Hirst hat sich mit Mord am Altar wieder einen kleinen Ausrutscher erlaubt. Weshalb diese Folge mit einer Handvoll neuer Probleme kämpft, erkläre ich in meiner Episodenkritik.

Fangen wir mit der besten Szene der Folge an: Floki zeigt in Mord am Altar einen Moment der Einsicht und Selbstreflexion. Das erste Mal seit fünf Staffeln zweifelt der Fanatiker an seiner Gabe, mit den Göttern sprechen zu können. Nicht nur haben wir Mitleid mit Floki – die bittere Realisation reißt ein Loch in seinen Charakter, das nicht so schnell wieder gestopft werden kann. Wenn Floki sowohl bei den Siedlern als auch bei den Göttern in Missgunst fällt und sich noch nichtmal aus Selbstmitleid opfern darf, welcher Weg bleibt dann für ihn übrig? Ich bin gespannt.

Außerdem ein Highlight: Ferdia Walsh-Peelo als König Alfred findet sich in seiner Rolle als unsicherer aber verantwortungsvoller Herrscher immer besser zurecht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schauspielern braucht Walsh-Peelo seine Kollegen nicht mit Overacting an die Wand zu spielen. Seine fokussierte und dennoch dezente Performance verleiht ihm, trotz Babyface, eine beachtliche Präsenz. Besonders ersichtlich wird das in den Verhandlungen mit den Muskelbergen von Wikingern am Hofe von Winchester.

Was in Winchester passiert, ist bestes Soap-Material. Natürlich ist es wieder der Macker Björn, der mit nichts weiter als ultra-intensiven Blicken die angehende Königin ins Bett lockt. Selten habe ich so eine miese Charaktereinführung erlebt: Prinzessin Aelswith bekommt keinerlei Backstory, Motivation oder persönliches Ziel, stattdessen ist sie einfach „geil“ auf Björn – und zwar sofort. Ach, und Jungfrau ist sie natürlich auch noch.

Als ob das nicht Cringe-Fest genug wäre, übertrifft sich Jonathan Rhys Meyers mit seinem Overacting mal wieder selbst. Der „Gotteskrieger auf Erden“ presst jedes einzelne Wort mit derart viel Pathos und Aggression durch seine Lippen, dass man meinen könnte, er wolle sich für die nächste Besetzung als Batman bewerben. Doch selbst mit einem dezenten Schauspiel wären Heahmunds platte Drehbuchzeilen kaum ernst zu nehmen.

Der titelgebende „Mord im Altar“ gehört in einen Mittelalter-Trash-Film, doch nicht in eine Historien-Serie mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden. Normalerweise finden Charaktere Hintertürchen oder intelligente Schachzüge, um ihre Ziele zu erreichen. Doch Heahmund geht einfach zu Bischof Cuthred und sticht ihn ab. Wenn er nach seinem Mord an einem Geistlichen noch ein "Amen" ausspricht, dann ist das bestes Material für einen Männerabend mit viel Bier. Im Kontext der Serie ist diese Szene allerdings unglaublich naiv und unrealistisch. Heahmund ist mittlerweile eine Karikatur seiner selbst.

Zum Glück ist es gerade Ivar, der mit dieser Folge um einiges erträglicher geworden ist. Endlich hat Ivar eine Schwäche (nein, seine Beine zählen schon lange nicht mehr) und wir dürfen endlich so etwas wie Empathie mit ihm empfinden. Seine blinde Liebe zu Freydis wird ihm zum Verhängnis.

Unsere Theorie, dass Freydis eine bloße Einbildung von Ivar sei, wurde im Nu zerschlagen. Dafür wissen wir jetzt umso besser, was die stille Schönheit im Schilde führt. Wäre es nicht interessanter gewesen, nicht zu sehen, wie Freydis Ivar betrügt? Schließlich war der schmale Grad zwischen mythischem Aberglauben und harter Realität immer eine Stärke von Vikings. Wir hätten auch Eins und Eins zusammenzählen können, um zu vermuten, dass Freydis keine magischen Kräfte besitzt, sondern stattdessen mit zeugungsfähigen Männern in die Kiste steigt. Schließlich war der schmale Grat zwischen mythischem Aberglauben und harter Realität immer eine Stärke von Vikings.

Der brutale Mord an Margrete wirft genau eine Frage auf: War es Hvitserk, der den Mordbefehl an Ivar gegeben hat? Darüber hinaus ist ihr plötzliches und dennoch sehr lange hinfälliges Ableben fragwürdig. Margrete wird bloß für einen schockierenden Kill aus der Geschichte geschrieben - man hätte ihr wenigstens noch einen Moment geben können, in dem sie die Story aktiv beeinflusst. Schließlich wurde ihr gefährlicher Wahnsinn schon seit mehreren Folgen angeteasert.

Fazit: Folge 12 'Mord am Altar'

Nach einem starken Auftakt der zweiten Staffelhälfte ist die Fortsetzung Mord im Altar eine mittelschwere Enttäuschung. Die Drehbuchschreiber verzichten auf jede Form der Subtilität und schicken ihre Charaktere in fragwürdige Situationen. Das peinliche Petting zwischen Björn und Prinzessin Aelswith kommt aus dem Nichts. Heahmund handelt jenseits aller Vernunft. Immerhin können Floki und König Alfred ihre starken Momente beisteuern, um die Folge vor der Schlangengrube zu retten. Es tut weh, doch Mord im Altar gehört zu den schwächsten und naivsten Folgen der Serie.

Episodenrating: 64%

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Kritik: Folge 13 'Das Schwert Gottes'

Original-Titel: A New God
Erscheinungsdatum: 13.12.2018

Ferdia Walsh-Peelo als Alfred und Darren Cahill als Aethelred in Vikings Staffel 5 Episode 13 Das Schwert Gottes

Die Höhepunkte der Staffel verlagern sich immer mehr zu Gunsten von Alfred, gespielt von Ferdia Walsh-Peelo.

Nach der enttäuschenden Folge letzte Woche, muss Vikings einiges wieder gut machen. Zum Glück erlaubt sich Das Schwert Gottes tatsächlich weniger Fehltritte als Mord am Altar  - dennoch hat die Serie immer noch nicht zu alter Stärke gefunden. Wo Potential schlummert und wo sich die Probleme verstecken, erfahrt ihr in den Episodenkritik.

Die Island-Odyssee tritt auf der Stelle. Langsam muss mal etwas passieren. Es wird schon seit drei Folgen angeteasert, dass der Streit zwischen Eyvwind und Kietill zu eskalieren droht. Zwar ist der scheinbar schlichtende Friedens-Toast das Ende der Fehde, doch viel mehr scheint er die Ruhe vor dem Sturm gewesen zu sein.

Obwohl der Konflikt auf Island stagniert, ist das Setting immer noch das authentischste und am wenigsten überzeichnete der Staffel. Ganz anders sieht es um Ivar aus - dieser verwandelt sich immer mehr in eine Karikatur seiner selbst. Zwar steht der Größenwahn völlig in Linie mit seinem Charakter, doch ein cholerischer Ivar im Black-Metal-Makeup könnte den Charakter endgültig ins Lächerliche treiben.

Natürlich wäre es verschwendetes Potential, wenn die Serienmacher den Mystizismus um die historische Figur “Ivar, den Knochenlosen” nicht für fiktive Spielereien ausnutzen, doch liegt es jetzt vor allem an Darsteller Alex Høgh Andersen, seinen Charakter auf dem Boden der Glaubwürdigkeit zu halten.

Apropos Glaubwürdigkeit: Zum Glück schaltet Heahmund seine Raserei wieder drei Gänge runter. Nach seiner Terminator-Action aus der letzten Folge, bekommt der Bischof nun Dinge zu tun, die ein Bischof eben machen muss - Wikinger taufen, den König verheiraten… so Zeug eben. Natürlich bringt das betitelte "Schwert Gottes" dennoch seine persönliche Intensität in die Zeremonien mitein.

Auch wenn Heahmunds Mord an Bischof Cuthred freigesprochen wurde (im Ernst?), bleibt seine Affäre mit Lagertha ein Verbrechen. Die Bettgeschichte ist derart erzwungen, unnötig und unerotisch, dass sich die Serienmacher eine Scheibe von zeitgenössischen Seifenopern abschneiden könnten.

Die wirklich interessanten Momente finden wir bei Björn und Ubbe. Während sich Björn immer noch in einer Existenzkrise befindet und sich mit dem ebenfalls “Vielleicht-Ragnars-Sohn” Magnus verbündet, verraten Ubbe und Torvi die heidnischen Götter für einen Deal mit König Alfred. Wer erkennt die Ironie? Björn glaubt, er sei Ragnar ähnlicher als Ubbe, weil Ubbe seinem Glauben nicht treu bleibt. Doch Ubbe wendet sich nur deshalb von den Göttern ab, weil Ragnar es anscheinend auch getan habe. Wer ist nun mehr Ragnars-Sohn?

Wenn es nach Jarl Olavoson geht, sind wir sowieso alle Söhne Ragnars. Der neue Wikinger-Anführer wirkt weniger überdreht und launisch als die Ragnarssons, weswegen er der perfekte Bro für Harald sein könnte. Sowieso ist Harald mit seinen großen und weltlichen Ambitionen der charmantere Spieler im Kampf um Kattegat.

Die Folge endet mit einem frechen Cliffhanger in bester The Walking Dead-Manier: Wer ist Ivars Opfer? Mit Sicherheit ist es nicht Hvitserk, sonst würde er keine Kapuze tragen. Vielleicht ist es der Seher? Auch wenn es sich bei der Verschleierung um billige Zuschauer-Bindung handelt, will ich wissen wie es weitergeht.

Fazit: Folge 13 'Das Schwert Gottes'

Nach der enttäuschenden 12. Folge ist Das Schwert Gottes wieder eine kleine Kurskorrektur. Alles, was in der letzten Folge genervt hat (Björn/Elsewith, Heahminator) wurde von der Bühne gezerrt. Stattdessen stellt sich Ivar wieder ins Rampenlicht. Ob sich “der neue Gott” beweisen kann oder die Serie in eine unfreiwillige Parodie verwandelt, bleibt abzuwarten. Doch eigentlich warte ich ja auf die Rückkehr von Rollo.

Episodenrating: 75%

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Kritik: Folge 14 'Alles ist dunkel'

Original-Titel: The Lost Moment
Erscheinungsdatum: 20.12.2018

Lagertha und Ubbe auf einem Bild von Vikings Staffel 5 Folge 14 Alles ist dunkel

Björn und Lagertha werden immer weiter aufs Abstellgleis geschoben.

Nach dem frechen Cliffhanger der letzten Folge, wollen wir nun endlich wissen, wer das Gottesopfer von Ivar ist. Außerdem gibt es auf Island einen Mordfall zu lösen und Aethelred plottet gegen seinen Bruder Alfred. Ob diese Folge helle oder dunkle Zeiten für die Serie verspricht, erfahrt ihr in der Kritik.

Es dauert nicht lange, bis die Identität des Opfers unter der Kapuze aufgelöst wird. Doch der Reveal ist enttäuschend. Ivar will eine falsche Lagertha opfern? Dass selbst die Dorfbewohner das nicht ernst nehmen können, wird uns nicht vorenthalten. Viel störender ist die Tatsache, dass die Auflösung des Cliffhangers absolut billig ist und keine Konsequenz für die Handlung hat. Das ist kein Opfer für die Götter, sondern ein Opfer für die Einschaltquoten.

Tatsächlich hat es Darsteller Alex Høgh Andersen geschafft, seinen Charakter Ivar mit noch mehr Intensität zu spielen. Und jetzt ist die Linie überschritten. Sein Rumgebrülle und seine irren Blicke haben nichts mehr mit starkem Schauspiel zu tun. Vielleicht ist Andersen als Schauspieler ebenso größenwahnsinnig geworden wie Ivar. Er strengt sich dermaßen an, möglichst böse und furchteinflößend zu wirken, dass ihm beinahe alle Adern im Gesicht platzen.

Und schon wieder gibt es ein Saufgelage im Palast von Kattegat und schon wieder legt sich ein betrunkener Hvitserk mit Ivar an, der sich daraufhin die Seele aus dem Leib schreit - vier Folgen, vier mal gesehen. Warum gibt man Ivar nicht mehr subtilere Szenen, wie zum Beispiel sein Todesurteil über die verhafteten Rebellen? In dieser Szene zeigt er sich leise, reserviert und deutlich gemeiner als sonst.

Während die Geschichte um Kattegat immer billiger wird, steigt die Spannung auf Island endlich wieder an. Thorunn wurde ermordet und bis auf eine mystische Vision von Floki, die stark an The Sixth Sense erinnert, gibt es keinen Hinweis darauf wer es war. Die Szenen sind trostlos, einsam und gruselig - und dennoch stark genug, um vom lauten Zirkus in Kattegat abzulenken.

Besonders stark ist Gustaf Skarsgård als katatonischer Floki, der wie ein Geist durch die Szenen wandelt, ohne wirklich da zu sein. Frei von jeder Empathie verbannt er Eyvinds Familie endgültig von der Siedlergruppe. Doch dieses Mal tut Eyvind mir leid. Ich glaube nicht, dass er etwas mit Thorunns Mord zu tun hatte. War es vielleicht sogar Floki selbst? Er wusste, wo Thorunns Grab liegt. Entweder haben wir einen neuen Seher, oder einen schizophrenen Mörder.

Dabei ist es gar nicht so abwegig, dass Floki die Gabe des “Sehers” geschenkt bekommen hat. Schließlich wird dieser am Ende der Folge von Ivar umgebracht. In früheren Staffeln schien der Seher nie wirklich in das Setting hinein zu passen. Seine Figur gehört in eine High-Fantasy-Welt und nicht in eine historisch angelehnte Serie. Doch jetzt, mit “Gott Ivar” im Spiel, wirkt sein deformiertes Aussehen und seine göttliche Gabe gar nicht mehr so over-the-top.

In einer letzten Vision sieht der Seher “die Dunkelheit”, die alle ummanteln wird. Verursacht Ivar die Apokalypse? Das Staffelfinale heißt immerhin “Ragnarok”. Damit ist die Theorie gar nicht mal so weit hergeholt.

Weniger apokalyptisch geht es in Winchester zu: Alfred lässt sich die Haare schneiden und sieht jetzt aus wie ein Rotzbengel. Doch seine Entscheidung scheint einen Grund zu haben. Alfred freundet sich nämlich immer mehr mit den Wikingern an, allen voran mit Ubbe. Eine Bromance zwischen den beiden verspricht viel Potential, ähnlich wie die Hass-Freundschaft zwischen Uhtred und König Alfred aus The Last Kingdom

Fazit: Folge 14 'Alles ist dunkel'

Ist Staffel 5 momentan stark oder schwach? Das kommt darauf an, welchen Handlungsstrang man betrachtet. Die größten Momente liefert Floki, während alles rund um Ivar an pubertäre Stimmungsschwankungen erinnert. Alles ist dunkel ist unterm Strich eine solide Folge mit viel Licht und Schatten. Je weiter Staffel 5 voranschreitet, desto deutlicher wird mir, was ich in Vikings sehen möchte und was nicht. Hoffentlich verabschieden sich die Serienmacher rechtzeitig von schlechten Ideen, wie “Gott Ivar” und “Lagertha + Heahmund” und konzentrieren sich stattdessen auf die wirklich starken Sub-Plots der Serie.

Episodenrating: 76%

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Kritik: Folge 15 'Verbrannte Erde'

Original-Titel: Hell
Erscheinungsdatum: 27.12.2018

Peter Franzén als Wikinger Harald führt seine Krieger in die Schlacht in Vikings Staffel 5 Folge 15 Verbrannte Erde

In Folge 15 geht König Harald (Peter Franzén ) der List Alfreds (Ferdia Walsh-Peelo) auf den Leim.

Was für ein feuriges Comeback: Verbrannte Erde erhebt sich wie ein Phönix aus der Asche einer mittelmäßigen Staffelhälfte. Jetzt lassen wir den 40 minütigen Höllenritt Revue passieren. Weshalb diese Episode eine der stärksten der ganzen Serie ist, erfahrt ihr in der Kritik.

Ivars Gottkomplex erreicht neue Dimensionen während auf der anderen Seite der Nordsee eine entscheidende Schlacht um Wessex ansteht. Doch Harald und seine Anhänger geraten in einen Hinterhalt der Engländer…

Nehmen wir uns den Nachtisch vorweg und fangen gleich mit der Besprechung dieser atemberaubenden Schlacht an. König Harald und seine Männer (und Frauen) werden von Ubbe in einen Hinterhalt gelockt. Dieser Twist wurde während der Folge elegant aufgebaut - lange war mir unklar, welche Rolle Ubbe in der Schlacht einnehmen wird. Haralds “Oh, wait… shit”-Moment wird dadurch umso köstlicher.

Ähnlich wie im Finale der ersten Staffelhälfte Momente und Visionen haben sich die Serienmacher nicht für eine lineare Erzählung der Schlacht entschieden, sondern für ein kunstvolles Verschachteln der Momente, um das grobe Gemetzel mit mehr Feingefühl einzufangen. Alfreds Worte gehen unter die Haut, obwohl wir den genauen Kontext seiner Rede noch nicht kennen - vielleicht auch gerade deswegen.

Nichtsdestotrotz haut Michael Hirst und allen voran Regisseur Steve Saint Leger in dieser Schlacht mehr auf die Kacke als jemals zuvor. Die wunderbar apokalyptische Endzeitstimmung wird untermalt mit einem Soundtrack, der selbst Hans Zimmer eine Gänsehaut bereiten würde. Dazu sehen wir Bilder des absoluten Verderbens - apokalyptisch, brutal, schweißtreibend.

Obwohl der Hintergrund der Schlacht keineswegs so dramatisch ist wie jener der legendären Schlacht der Bastarde aus Game of Thrones, steht die rein technische Inszenierung diesem Vorbild in nichts nach. Satte Panoramaaufnahmen des Schlachtenmeers und wuchtige, übersichtlich gefilmte Zweikämpfe wechseln sich ab, wodurch das immersive Erlebnis perfekt ist. So packend habe ich das letztens erst in Netflixs Outlaw King gesehen, wenn auch historisch akkurater als die stilisierte Kriegsführung in Vikings.

Natürlich zeichnet sich diese Folge in erster Linie durch seine brachiale Schlachtsequenz aus. Doch spulen wir noch weiter zurück. In Verbrannte Erde ist beinahe alles besser als in den letzten drei Episoden. In meinen Kritiken habe ich viel gemeckert - und auch wenn vergangene Fehler nicht ohne Spuren auskuriert werden können, bin ich bereit für eine kleine Versöhnung.

Die erste freundschaftliche Umarmung bekommt Bischof Heahmund. Er ist zwar eine Karikatur und wird auch als eine in Erinnerung bleiben, doch immerhin weiß Verbrannte Erde, wie man mit dieser Figur richtig spielt - nämlich auf dem Schlachtfeld. Endlich schaltet Heahmund wieder um auf “Beastmode”. Das letzte Mal, bevor sein Charakter einen derart starken Tod geschenkt bekommt, den er eigentlich gar nicht verdient hätte.

Die zweite Umarmung bekommt Andersen als Ivar, der in dieser Episode mit viel mehr Klasse und Reife spielt als in seinen vorherigen Momenten. Wir bekommen kein plakatives Rumgebrülle aufgedrängt, sondern sehen Ivar als menschlichen und dennoch nicht minder respekteinflößenden Anführer, der dazu auch noch in einer verdammt ungünstigen Situation zu stecken scheint. Hvitserk schöpft nämlich Verdacht über Ivars Mord am Seher. Damit hat Ivar als Charakter endlich etwas zu verlieren - nämlich seine Gunst.

Ein umso schlimmerer Verdacht bestätigt sich im Köngishause von Winchester: Alfred erfährt von einer diesmal besonders taffen Judith, hervorragend gespielt von Jennie Jaques, dass sein Bruder Aethelred der Kopf der Verschwörung gegen ihn ist. Die Szene ist leise und kriecht unter die Haut. Alfreds fassungsloses Gesicht ist on point, Aethelreds Zunicken aus dem Hintergrund das Sahnehäubchen.

Man, das wäre eine starker Cliffhänger gewesen. Doch stattdessen endet Verbrannte Erde mit einem gezwungen Gespräch zwischen dem hochmotivierten Magnus und dem von der Schlacht gebrochenen Harald, der mit seinem Schwert wie mit einem Teddybär kuschelt. Es geht um Rache und um den Untergang des Christentums. Wer kann Magnus als Charakter eigentlich wirklich ernst nehmen? Anscheinend nicht mal Harald, wie sein müdes Lächeln am Ende zeigt.

Fazit: Folge 15 'Verbrannte Erde'

Mit Verbrannte Erde findet eine taumelnde Staffel wieder ihren festen Stand. Wir nehmen Abschied von Bischof Heahmund, dessen Ableben die Serie von enorm viel Ballast befreit. Die sträflich schlechte Romanze zwischen Lagertha und Heahmund findet immerhin ein unerwartet grandioses Ende innerhalb einer epischen und innovativ erzählten Schlacht. Diese Folge ist ein visuelles Meisterwerk und in jeder Hinsicht ein Beweis für das enorme Potential, das in der Serie schlummert, wenn man sich nur auf die richtigen Dinge fokussiert. Ich hoffe, das Verbrannte Erde kein alleinstehender Ausreißer nach oben bleibt!

Episodenrating: 90%

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Kritik: Folge 16 'Der Buddha'

Original-Titel: The Buddha
Erscheinungsdatum: 03.01.2019

Björn in einem Szenenbild aus Vikings Staffel 5 Der Buddha mit 4001 Reviews Rating von 83%

Folge 16 ringt Björn eine mit Sicherheit folgenschwere Entscheidung ab.

Nach dem Schlachtengetümmel der letzten Folge begibt sich Der Buddha wieder in gemächliches Fahrwasser. Dennoch hält die Folge gegen Ende einen echten Schock bereit. Alle High- und Lowlights gibt’s in der Kritik!

Was ist passiert? Auf Island mal wieder nicht viel. Floki und Co. begeben sich auf eine Rettungsaktion für Eyvind. Währenddessen schmiedet Ivar in Kattegat neue Pläne für einen Überfall auf Wessex. In Winchester kümmert sich Judith um das Aethelred-Problem …

Obwohl ich in Vergangenheit die Island-Geschichte immer wieder verteidigt habe, muss ich zugeben, dass Floki und Co. routiniertes “Plot-Blocking” betreiben. Jedes Mal, wenn wir denken, die Situation sei nun kurz davor zu eskalieren, passiert schon wieder nichts. Auch in Der Buddha diskutieren unsere Island-Siedler wieder viel aber handeln wenig.

Sollte Eyvind und seine Sippschaft gerettet werden? Das ist definitiv ein interessantes moralisches Dilemma - trotzdem will ich in der nächsten Folge Action sehen. Schließlich starten Floki und Kjetill nun eine wilde Rettungsaktion durch Eis und Wind. Vielleicht läuft Floki sogar in eine Falle? Das wäre zumindest ein echter Spannungs-Kick. “Island” bekommt somit endgültig die letzte Chance für seine Daseinsberechtigung. Jetzt oder nie!

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Geo Epoche 53/2012: Die Wikinger

Letzte Aktualisierung am 20.04.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Eine Daseinsberechtigung bekommt auch Ubbe - nämlich von König Alfred, der ihm tatsächlich ganz East Anglia schenkt. Statt wildem Siegesgeschrei (schließlich hat kein Ragnarsson zuvor so einfach so viel Land erobert) scheint Ubbe immer “leiser” zu werden. Darsteller Jordan Patrick Smith wirkt endlich gereift und erwachsen. Genau diesen Ruhepol hat Vikings gebraucht.

Sogar Björn wirkt in Der Buddha weniger pubertär als zuvor. Zwar chillt der Wikinger während König Alfreds Zeremonie immer noch breitbeinig auf der Treppe, doch diese kleinen “Ragnarismen” setzt Schauspieler Alexander Ludwig nur noch sporadisch und wohl dosiert ein. Mein Highlight: Gunnhilds deftige Ohrfeige und Björns begeisterter Schmerzensschrei. Köstlich.

Gunnhild und Björn sind ein gelungener Match. Das liegt vor allem daran, dass Gunnhild kein naives Weibchen ist und Alpha-Björn auch mal in die Schranken weisen kann. Immerhin wird die ultra-spontane Affäre mit Elsewith nun storytechnisch gerechtfertigt: Elsewith ist schwanger und das Baby womöglich ein Bastard. Trotzdem will ich die beiden nie mehr zusammen in einem Bett sehen. Ughh.

Leider bleibt Harald, der Gunnhild zuvor schon ein “Super-Like” gegeben hat, im Liebesspiel mal wieder außen vor, wie uns sein neidisch-zuckender Blick gen Björn und Gunnhild gezeigt hat. Im Gegensatz zu Björn, braucht Harald als Charakter aber auch keine Romanze - das Image des einsamen Wolfs mit gebrochenem Herzen steht ihm viel besser.

Was Haralds Darsteller Peter Franzén alles reißen kann, zeigt er während seiner feurigen Rede in York. Tatsächlich besitzt Harald  so viel Charisma, dass man klein Magnus im Hintergrund einfach ausblendet, obwohl er als “Sohn Ragnars” eigentlich die Schlüsselfigur der Kriegsrede hätte sein müssen.

Magnus funktioniert deshalb als Charakter nicht, da er von Harald und Björn viel zu ernst genommen wird. Das macht ihn von einer “gewollt” nervigen Figur zu einer “ungewollt” nervigen Figur. Immerhin gibt es Potential für ein Trinkspiel: 1 “I am Viking!” = 1 Shot.

Umso weniger anstrengend ist dieses Mal die Kattegat-Story. Ivar hält sich mit seinem Temperament verhältnismäßig zurück und überlässt Hvitserk die Bühne. Die Serie könnte in Hvitserk einen weiteren Ruhepol finden, der Ivars manische Tobsucht ausgleicht.

Hvitserk macht die namensgebende Begegnung mit einem Buddhisten, der ihm die Lehre des Buddha näher bringt. Hvitserks neu erlernte Weisheiten werden jedoch durch billige Dialog-Passagen wie “Let’s just have sex!” (Tommy Wiseau lässt grüßen) unterbrochen, die dazu auch noch eine merkwürdig moderne Konnotation haben.

Highlight der Folge ist das Dreiergespann Alfred, Aethelred und Judith. Bis zum bitteren Ende bleibt komplett offen, wie sich der Konflikt zwischen den Brüdern entwickeln wird. Showrunner Michael Hirst arbeitet mit undurchsichtigen Szenen, die wir auf mehrere Weisen deuten können: Droht Aethelred seiner Mutter Judith oder ist er einfach nur sauer? Ist Aethelreds Starren an die Schlafzimmerdecke ein “Fuck yeah!”- oder “Hell no!”-Blick? Wir werden wohl nie erfahren, ob Aethelred wirklich eine Gefahr für den Thron geworden wäre. Und das ist gut so.

Die letzte Szene hat echten Game of Thrones-Charakter. In bester Manier einer “Purple Wedding” (Joffrey, Adé!) trifft uns Aethelreds Tod aus dem Nichts. Seine letzten Momente sind beinahe unerträglich, wozu sowohl Judith-Darstellerin Jeannie Jaques mit ihrem hysterischen Schauspiel beiträgt, als auch Darren Cahill als Aethelred, dessen herzzerreißenden letzten Momente unter die Haut gehen. Dennoch komme ich nicht an etwas sadistischer Faszination vorbei: Kann bitte jemand aus Aethelreds Sturz ein GIF machen?

Fazit: Folge 16 ‘Der Buddha’

Die Folge definiert sich vor allem durch ihr schockierendes Ende, das der Serie eine notwendige Komponente der Unberechenbarkeit verleiht. Auch darüber hinaus ist Der Buddha eine starke Folge ohne gravierende Schwächen, die sich deutlich erwachsener präsentiert als einige der Vorgänger-Episoden. Das liegt vor allem am “gereiften” Schauspiel von Smith und Ludwig als Ubbe und Björn. Es muss nicht immer alles over-the-top, brutal und durchgestylt sein. Vikings braucht mehr Episoden wie diese: Plot-driven, ausbalanciert und spannend. 

Episodenrating: 83%

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Kritik: Folge 17 'Das Schlimmste'

Original-Titel: The Most Terrible Thing
Erscheinungsdatum: 10.01.2019

Björn Eisenseite und König Harald unterhalten sich in York in Vikings Staffel 5 Folge 17 Das Schlimmste

Komplizen oder Konkurrenten? Das Verhältnis zwischen Björn und Harald birgt viel Potenzial für zukünftige Folgen.

- Gastkritik von Florian Michelbach

Bereits in der letzten Folge musste Aethelred die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Auch in Das Schlimmste gibt es für verschiedene Charaktere keine Gnade für ausgesprochene Worte und begangenes Unrecht. Ob diese Folge die Handlungsfäden geschickt weiterspinnt oder sich in eine Sackgasse manövriert, erfahrt ihr in dieser Kritik.

Interessantes spielt sich in England ab, als Alfred, von seiner Krankheit genesen, den Thronsaal betritt und mitbekommen muss, welche grausamen Züge „mütterliche Fürsorge“ annehmen kann. Die Vorahnung darüber, wessen Leichnam sich im Sarg zu seinen Füßen befindet, lässt sich bereits von seinem ungläubigen Blick ablesen und wird nur wenig später von seiner Mutter Judith bestätigt. Deren zunächst gequälte Miene während der Beerdigungszeremonie wandelt sich während des nachfolgenden Mutter-Sohn Gesprächs in einen Ausdruck bedauernder Härte, als sie offen zugibt , Aethelred vergiftet zu haben. Ein Mord, als Notwendigkeit, erzwungen durch äußere Umstände. Diesen hochkomplexen Konflikt kann Schauspielerin Jennie Jaques mühelos mit ihrer intensiven Mimik darstellen.

Nach Judiths Geständnis wäre eine wortreichere Reaktion Alfreds auf die Rechtfertigungen seiner Mutter interessant gewesen und hätte dem Charakter mehr Tiefe gegeben. Doch Ferdia Walsh-Pelos bloßer Ausbruch von Aggression reicht nicht aus, hinter diese Szene ein Ausrufezeichen zu setzen. Es wird dennoch interessant zu verfolgen sein, was Judiths Offenbarung im weiteren Verlauf für Alfreds Rolle als König bedeuten wird.

Ob auf Island das Gemetzel von Eyvind samt Sippe durch Kjetill und seinen Sohn ebenfalls eine Notwendigkeit darstellt, ist hingegen höchst fraglich. So findet der Rettungstrupp um Floki einen vollkommen gebrochenen und verzweifelten Eyvind vor, der im nackten Überlebenskampf voller Dankbarkeit die scheinbar angebotene Hilfe annimmt. Wie Judith, sieht jedoch auch Kjetill den beschrittenen, blutigen Weg, als einzig mögliche, logische Konsequenz aus den vergangenen Handlungen Eyvinds und seiner Sippe.  „Each must die someday“, wie Kjetill grollend singt, während er das Beil hebt. Eyvind muss für seine Taten bezahlen.

Vikings war schon immer eine Show, die seine Charaktere in Extremen handeln lässt. Subtilität sieht anders aus, doch andererseits passt eben diese Grobschlächtigkeit in das Mittelalter-Setting. Der Island-Plot ist so derb und brutal geworden, wie es die Serie schon lange nicht mehr war. Die vom Hass und Rachedurst verzerrte Grimasse Kjetills, manisch gespielt von Adam Copeland, jagt dem Zuschauer eiskalte Schauer über den Rücken. Für mich ein schauspielerisches Highlight der Folge.

Auf der Insel machen sich Nihilismus und Hoffnungslosigkeit breit: An was soll man noch glauben, wenn alles „im Nichts endet“, wie Eyvind sagt. Stellt sich die Frage, wie dieser Handlungsstrang nach der Bluttat fortgeführt werden soll, nachdem es nun deutlich weniger Protagonisten gibt und sich das Konfliktpotenzial bereits entladen hat. Hier wurde viel Pulver, wenn auch in einem Feuerwerk, verschossen.

Der Blick nach Kattegat zeigt einen Ivar, der sich bereits an die Macht gewöhnt hat und auch nicht gewillt ist, diese über demokratische Prinzipien wie Abstimmungen zu teilen. Begründet wird dies mit der typischen Argumentation eines diktatorischen Herrschers: Er wisse eben am Besten was das Volk will und braucht. Die bei der anfänglichen Kamerafahrt in Ivars Thronsaal gezeigten Flaggen, rot mit einer schwarzen zackigen Symbolik auf einem weißen Hintergrund, mögen Assoziationen zu einer dunkleren Zeit in Deutschland wachrufen. Das würde jedenfalls wunderbar zu Ivar passen, dem es wie anderen Diktatoren gelingt, seine Zuhörerschaft durch geschickte Rhetorik vollends auf seine Seite zu ziehen.

Nichtsdestotrotz sieht er seine Macht durch seinen kritischen und zweifelnden Bruder in Frage gestellt. Hier sieht Ivar nun mehrere Wege im Umgang mit Hvitserk: Soll er ihn töten? Er entscheidet sich ein mehr oder minder „gütiger“ Herrscher zu sein und will ihn ins Exil schicken. Erst die nächste Folge wird zeigen, ob Hvitserk auch dahin unterwegs ist. Ich vermute, die Fahrt geht eher in Richtung England. Es wurde höchste Zeit, dass den angedeuteten Spannungen zwischen Ivar und Hvitserk nun Taten Folgen. Der Handlungsstrang trat lange genug auf der Stelle.

Wir wechseln nach York: Der in Haralds Festung aufgetauchte Björn stellt schnell klar, wer die Herzen der Männer und auch jenes der Kriegerin Gunhild auf seiner Seite hat. Das Werben der beiden Männer um Gunhild steht dabei stellvertretend für den bisher nur hintergründig ausgeführten Machtkampfs zwischen Björn und Harald um die Herrschaft über das besetzte Kattegat. Zumindest den Kampf um Gunhild entscheidet erstmal Björn für sich. 1:0.

Herr Feinhaar scheint allgemein etwas neben sich zu stehen. In dieser Folge fehlt mir eine stärkere Reaktion von Harald auf die Provokationen von Björn. Schließlich hatte ersterer seine Männer nach der verlorenen Schlacht durch eine inbrünstige Rede wieder auf seine Seite gebracht.

Fazit: Folge 17 'Das Schlimmste'

Diese Folge widmet sich vor allem den Spannungen zwischen den verschiedenen Charakteren. Während in Island diese Spannungen einen blutigen Ausgang finden, wird bereits schwelendes Konfliktpotenzial zwischen Hvitserk und Ivar oder auch Björn und Harald weiter aufgebaut. Während manche Charaktere sehr offensiv agieren, bleiben andere seltsam zurückhaltend. Hier erwarte ich mehr Bewegung in den nächsten Folgen, gerade was z.B. Harald betrifft. Alles in allem eine solide aber nicht hervorragende Folge mit interessanten Einblicken in die Protagonisten und ihr Inneres, die als Brücke für größere Konflikte und Weiterentwicklungen des Plots in Kattegat und England dienen kann.

Episodenrating: 78%

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Kritik: Folge 18 'Baldur'

Original-Titel: Baldur
Erscheinungsdatum: 17. Januar 2019

Lagertha kauert sich mit Wunden im Gesicht traumatisiert am Boden zusammen in Vikings Staffel 5 Folge 18 Baldur

Folge 18 kostet einige Charaktere den Verstand  – so auch Lagertha, die unerwartet zurückkehrt.

Ivar im Vaterglück: Der kleine Baldur ist geboren und dennoch bekommen wir keine Babyfotos. In der gleichnamigen Episode werden stattdessen ganz viele neue Fragen aufgeschmissen, die nach Antworten ächzen. Die kann und werde ich nicht alle beantworten, aber dafür mit Sicherheit diese Frage: Was taugt Baldur? Mehr dazu in meiner Kritik.

Ivar baut sein Schreckensregime weiter aus, während sein Sohn Baldur geboren wird. In England verbündet sich Ubbe mit drei dänischen Königen. Floki wendet sich der Menschheit ab und geht wieder auf Göttersuche ...

Nun ist es offiziell: Island ist gescheitert. Floki muss einsehen, dass die Exkursion nirgendwo hinführt, ebenso wie Showrunner und Drehbuchautor Michael Hirst. Island blieb lange Zeit einer der interessantesten Handlungsstränge der fünften Staffel, stagnierte in den letzten Folgen aber gnadenlos, bis er in der letzten Folge mit einer Eruption an Gewalt abgerissen wurde.

Was wir jetzt bekommen ist eine kleine Wiedergutmachung. Flokis letzte Szene mit Kjetill ist ein kathartisches “Fuck You” an die ganze Island-Geschichte und die beste Floki-Szene seit langer Zeit. Seine derbe “Was wäre wenn”-Drohung an Kjetill hat mich vor Genugtuung fies grinsen lassen. Skarsgård nagelt die Szene an die Wand und beendet den Handlungsstrang mit einem Mic-Drop. Immerhin lief Island damit nicht derart ins Leere, wie die vollkommen willkürliche Expedition nach Arabien aus der ersten Staffelhälfte.

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Währenddessen wird Kattegat von Ivar immer mehr in ein Drittes Reich umfunktioniert. Die Nazi-Parallelen sind spätestens nach der Hetzjagd auf alle Menschen mit Kennzeichnung im Gesicht offensichtlich. Thoras Hinrichtung trifft mich zwar härter als gedacht, doch die Nazi-Symbolik ist beinahe schon geschmacklos. Faschistische Themen passen einfach nicht in ein frühmittelalterliches Setting und lassen Vikings zu modern wirken – ein Problem, dass die Serie mit Staffel 5 immer wieder aufwirft.

Noch nicht einmal die Geburt seines Sohnes Baldur kann Ivar besänftigen. Im Gegenteil, das Baby, womöglich deformiert durch eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, hält ihm hämisch einen Spiegel vors Gesicht. Ivar schaut seinen Sohn an – und sieht sich selbst. Diese Selbstreflektion hatte der Charakter bitter nötig. Obendrein ist die Aussetzung von Baldur ein tragischer Callback zu Ragnars Entscheidung, Ivar auszusetzen. Die Geschichte wiederholt sich und die Ironie ist perfekt.

Hvitserk geht dem Drama in Kattegat mit naiver Sorgenfreiheit aus dem Weg und besucht das schräge Wikingerdorf von König Olaf (Steven Berkoff), das aufgrund seiner skurrilen Charaktere wirkt wie ein Setting aus der Vikings-Parodie Norsemen. Hvitserk wird von einem Tyrion-Lannister-Verschnitt dazu angehalten, sich frei zu machen, um den nackten und dickbäuchigen Olaf in der Sauna zu treffen, den Hvitserk prompt für Buddha hält und von dem Hvitserk zum “Tod durch Schwitzen” verurteilt wird. Was hat Michael Hirst bloß genommen?

So komisch sich das alles anhört, so frisch und faszinierend ist die neue Story um König Olaf auch. Hochstilisiert schießt das Setting an jeder Glaubwürdigkeit vorbei, doch passt Olafs Siedlung immer noch besser zum Mystizismus der Wikinger als das nun "faschistische" Kattegat. Auch die Beziehung zwischen Hvitserk und Olaf könnte hochinteressant werden: Wenn Hvitserk den König tatsächlich für Buddha hält und Olaf weiterhin seine Stärke und Ausdauer testet, um sich schließlich mit ihm gegen Ivar zu verbünden, dann bietet das exzellente Grundvoraussetzungen für einen neuen Nebenplot.

Ebenso seltsam wie Hvitserks Besuch in der Sauna ist die Wiedereingliederung von Lagertha in den Plot. Gebrochen, wahnsinnig und geplagt von Visionen, ist die Schildmaid nicht wieder zu erkennen. Schwer vorstellbar, dass ausgerechnet Heahmunds Tod Lagertha von der Klippe des Verstands gestoßen haben soll. Dennoch ist ihr Traum von Ragnars Hinrichtung ein kleiner Gänsehautmoment, auch wenn er sich (bis jetzt) nicht wirklich in die aktuellen Ereignisse einordnen lässt. Was hat Lagerthas neues Wesen zu bedeuten? Was wird ihre zukünftige Rolle sein? Was auch immer sie sein wird, Hauptsache nicht mehr Heahmunds Betthäschen.

Allerdings bin ich immer noch der Meinung, dass Lagerthas Zeit in Vikings abgelaufen ist. Man hätte ihr schon vor einigen Folgen einen ehrenhaften Tod schenken sollen – doch den Mut haben Hirst und das Studio wohl nicht aufbringen können. Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist – doch Lagertha ist mit 54 Jahren anscheinend immer noch zu “schön” um zu sterben. Selbst die weißen Haare täuschen nicht darüber hinweg, dass Katheryn Winnick immer noch das Sexsymbol der Serie ist. Aber andererseits war das Travis Fimmel damals auch – und er hat seinen epischen Tod bekommen.

Wer auf keinen Fall sterben darf ist Ubbe. Um mit den dänischen Wikingern zu verhandeln, hat er sich für einen gerichtlichen Zweikampf mit König Frodo verschrieben. Solange das Duell nächste Woche zu seinen Gunsten ausfallen sollte, ist Ubbe definitiv auf dem besten Weg, der neue Ragnar zu werden – wenn auch der etwas weniger charismatische aber dafür gewissenhaftere. Während Alfred in den letzten Folgen etwas verblasst ist, wird Ubbe endlich zu einem nicht nur starken, sondern nun auch unersetzbaren Player der neuen Vikings-Generation.

Fazit: Folge 18 'Baldur'

Diese sonderbare Folge reiht sich im oberen Mittelfeld der fünften Staffel ein. Wir bekommen einige hypnotische Szenen zu sehen, die stark an die Anfangszeiten von Vikings erinnern. Obendrauf tragen Callbacks und Flashbacks weiter dazu bei, dass man etwas in sentimentaler Nostalgie schwelgen kann. Lediglich die erzwungene Nazi-Geschichte in Kattegat wirft einen aus dem heidnischen Setting wieder raus. Es bleiben aber noch zwei weitere Folgen, um den Selbstfindungstrip der Serie zu beenden und sich auf das zu konzentrieren, was Vikings wirklich gut kann: Mystik, Epik und Brutalität.

Episodenrating: 84%

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Kritik: Folge 19 'Die Höhle'

Original-Titel: What happens in the Cave
Erscheinungsdatum: 24. Januar 2019

Lagertha gespielt von Katheryn Winnick und Torvi gespielt von Georgia Hirst in Vikings Staffel 5 Episode 19

Mit dem englischen Episodennamen What Happens in the Cave, der eigentlich mehr wie ein Arbeitstitel klingt, kündigte Michael Hirst die vorletzte Vikings-Folge der fünften Staffel an, die in der Summe vieles richtig und wenig falsch macht. Was das im Detail bedeutet, erfahrt ihr wie immer in der Episodenkritik.

Björn und Harald segeln zurück nach Norwegen, um Kattegat zu erobern. Ubbe trägt blutige Verhandlungen mit den Dänen aus. Währenddessen macht Floki auf Island eine schockierende Entdeckung…

Auch in in dieser Folge bekommen wir einen grandiosen Floki-Moment geschenkt. Unterwegs in der titelgebenden Höhle, auf der Suche nach göttlicher Erleuchtung, findet er ein christliches Kreuz. Damit ist Island enttarnt und Floki entblößt. Über die Ironie, dass die Island-Odyssee letztendlich zu Jesus führt, muss sogar Floki selbst lachen. Die Szene ist böse und herzzerreißend, besonders aufgrund Gustaf Skarsgårds grandiosem Schauspiel.

Das dürfte der Dolchstoß für Flokis Glauben gewesen sein. Aus der Höhle wird mit Sicherheit ein neuer Charakter steigen. Was für ein kongeniales Ende für den schon als gescheitert verurteilten Island-Plot!

Floki ist nicht das einzige Highlight der Folge. Ubbes blutiger Kampf gegen König Frodo strotzt vor Testosteron und lässt uns Zuschauer physisch mitleiden. Das gnadenlose Duell erinnert an die derben Kampfszenen aus The Revenant, die Brutalität ganz ohne stilistische Weichspülung darstellen.

Doch leider fehlt es dem Kampf an einem spannungsgeladenen Vorspiel, und König Frodo ist einfach viel zu unwichtig, als dass wir wirklich Ubbes Leben in Gefahr sehen. Dennoch ist seine Begegnung mit Odin, unterspielt mit nordischem Chorgesang der Band Wardruna, ein echter Gänsehaut-Moment in bester Vikings-Manier.

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Überhaupt nicht Vikings-typisch sind dagegen Szenen auf See. Wir sehen die Flotte von Harald und Björn gegen Wellenberge ankämpfen und es fühlt sich ungewohnt “neu” an. Das ist komisch genug, da die Wikinger allen voran ein großes Seefahrervolk waren. Ist Vikings wasserscheu?

Ja. Das Effekt-Team von Vikings ist nicht wirklich wasseraffin und schafft es nicht, einen glaubhaften Seesturm heraufzubeschwören. Das Ergebnis ist in Ordnung, fällt aber deutlich von den wertig inszenierten Set-Pieces auf dem Festland ab. Was es bedeutet, in einem Unwetter auf See gefangen zu sein, konnte die Serie Black Sails um einiges überzeugender darstellen.

Sobald Björn und Harald wieder festen Boden unter den Füßen haben, spielt Vikings eine seiner Stärken aus: Maskulinen Wettstreit. Der ultra-spontane Zweikampf zwischen den beiden ist nichts anderes als ein Schwanzvergleich und kann nur von der umworbenen Gunnhild selbst gestoppt werden. Der lässige Ellbogencheck am Ende bringt eine Prise modernen Humor in die Serie, der in den Charakteren aber immer noch fundiert genug ist, um nicht störend zu wirken.

Wenn die Zeit eines Charakters eigentlich schon um ist, man ihn aber dennoch nicht opfern will, dann wird er einfach “wiedergeboren”. Die Rede ist natürlich von Lagertha. Zwar beschränkt sich ihre Wiedergeburt bloß auf einen neuen Haarschnitt, doch immerhin eröffnen sich Lagertha nun neue Möglichkeiten. Ihr zufriedener Blick, als sie eine handvoll Erde aus East Anglia aufhebt und zu Ragnar spricht, schließt den Charakterbogen ihres alten Ichs auf charmante und nostalgische Art und Weise.  

Der schwächste Handlungsstrang ist immer noch Kattegat. Es scheint fast so, als würde Ivar darauf warten, nun endlich von allen Seiten angegriffen und gestürzt zu werden - was höchstwahrscheinlich auch in der nächsten Folge passieren wird.

Die Szenen zwischen Ivar und Freydis sind mit genug tragischem Potential geladen, doch letztendlich ist es ein Streit zwischen zwei bösartigen und unausstehlichen Charakteren, bei dem man überhaupt nicht Partei ergreifen will. Ivar entlarvt die Lügen von Freydis und Freydis erfährt die Skrupellosigkeit von Ivar. Schön, dass ihr beide das nun erkannt habt - interessiert mich aber herzlich wenig. Und von Ivars Hitler-Imitation hab ich auch die Schnauze voll. Sie passt nicht in das Setting, wirkt erzwungen und ist auf der Metaebene mehr prätentiös als geistreich.

Fazit: Folge 19 'Die Höhle'

Abgesehen vom kraftlosen Handlungsstrang in Kattegat, ist Die Höhle eine stringente und durchweg stark geschriebene Folge. Die Geschichte um Floki auf Island wird mit einem genialen Plot-Twist zu Ende erzählt und Ubbes Geschichte nimmt jetzt erst so richtig Fahrt auf. Im Kontext der fünften Staffel bietet Die Höhle jedoch zu wenig Momentum - sie fühlt sich nicht an wie die vorletzte Kapitel einer 20 Folgen langen Staffel. Natürlich wird es im Finale noch ordentlich knallen. Doch trotz vieler kleiner starken Momente, kann diese Folge den Hype-Regler nicht bis zum Anschlag aufdrehen.

Episodenrating: 84%

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Kritik: Folge 20 'Ragnarok'

Original-Titel: Ragnarok
Erscheinungsdatum: 31. Januar 2019

Björn umgeben von kämpfenden Soldaten in Vikings Staffel 5 Folge 20 Ragnarok

Im Staffelfinale muss Björn feststellen, dass das Schlachtenglück auch einen Sohn Ragnars verlassen kann.

Wie beendet man nach 20 Folgen eine Staffel? Mit Action, Epik und Emotionen. All das bietet Ragnarok - zumindest in der Theorie. Letztendlich ist das Finale wie ein  großes Feuerwerk ohne Zündschnur. Was das bedeutet und wieso sich meine Vorfreude für Staffel 6 in Grenzen hält, erfahrt ihr in der Kritik.

Die dritte Schlacht um Kattegat steht vor der Tür. Ivar verbarrikadiert sich hinter dicken Wällen, während Björn, Harald und Olaf ihre Streitkräfte mit aller Gewalt zuschlagen lassen. Doch Ivar hat in seinem Kriegsplan eine entscheidende Schwachstelle übersehen…

Ernüchterung: Ich starte die Folge und sehe, dass auch das Staffelfinale nur eine dreiviertel Stunde lang ist. Ist das nicht zu wenig? Wird schon gut gehen. Ich lege das mulmige Gefühl ab und lasse mich überraschen.

Aus dem Nichts zieht Ivar eine riesige Mauer um Kattegat auf. Die Verteidigung wirkt beinahe mühelos. Hätte man schon einige Folgen zuvor mitbekommen, wie Ivar seine Stadt auf einen bevorstehenden Angriff vorbereitet, wäre schonmal ein Teppich von Spannung ausgelegt worden, auf dem sich diese “epische” Schlacht hätte ausbreiten können.

Ein Finale braucht eine Zündschnur. Mit dieser Metapher meine ich natürlich den Spannungsaufbau. Und genau hier zahlt sich das sehr lose Story-Konstrukt der fünften Staffel aus: Diesem Finale fehlt es am dramatischen Unterbau. Die Folge liefert eine ganze Reihe von Pay-Offs, doch es gab nicht genug Set-Ups. Stattdessen hat Staffel 5 seine Zeit zu oft mit Nebengeschichten verschwendet, die entweder komplett separat oder ins nichts gelaufen sind. Island, Arabien, York - allesamt egal geworden. Björn, Harald und Co. wollen nun eben Kattegat wieder zurück.

Denkt zurück an epische Schlachten aus der Film- und Seriengeschichte: Meistens konnte man die Anspannung am Vorabend der Schlacht in der Luft zerschneiden. So wie bei der Schlacht um Helms Klamm aus Die Zwei Türme: Die Frauen verstecken sich in den Tunneln, die Kinder bekommen Schwerter in die Hand gedrückt. Selbst Aragorn spürt die Furcht.

In Vikings gibt es diese Furcht nicht. Die Bewohner von Kattegat schauen dem Kampf aus ihren Hausfenstern zu. Hvitserk und Olaf haben eine Episode vorher noch über die Vorstellung gelacht, bei diesem Kampf zu sterben. Björn ist sowieso unverwundbar und Ivar hat seine Plot-Armor. Jeder ist abgebrüht und unerschrocken. Keiner scheint wirklich in Gefahr zu sein.

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Dazu kann ausgerechnet der “Stratege” Ivar nicht die Gefahr erkennen, dass er von seinem Bruder Hvisterk verraten wird. In einer sehr guten Show sind die Charaktere mit ihren Erkenntnissen den Zuschauern voraus und nicht umgekehrt. Wie konnte Ivar so leichtfertig seinen Bruder alleine zu König Olaf schicken? Weil Ivar “blind vor Wut” war reicht mir nicht als Rechtfertigung.

Nach etwas Vorspiel beginnt die Schlacht schon recht schnell und Björn stößt seinen Rammbock in das Tor von Kattegat. Diese Szene hat es in sich. Der verzweifelte Kampf von Björn, das Tor zu zerstören, erinnert stark an die Schlacht um Paris aus Staffel 3. Diese war zwar größer und spannender, aber dennoch steckt in der Inszenierung noch ordentlich Wumms.

Währenddessen untermalt König Olaf den Schrecken der Schlacht mit apokalyptischer Poesie, die stark am Kitsch vorbei schrammt, aber durch Steven Berkoffs charsmatisches Schauspiel gerettet wird. Doch was hat die Schlacht nun mit “Ragnarok” zu tun? Herzlich wenig. Da hat Olaf in seinem Leben mit Sicherheit schon schlimmere Schlachten gesehen, als dass er bei diesem Geplänkel sofort das Ende der Welt prophezeit.

Erst als Björn mit einem Dutzend Männer in Ivars Falle rennt, beschwört die Schlacht für mich etwas Schrecken herauf. Noch nie hat Björn so verängstigt geschaut. Für kurze Zeit stand Björns Leben wirklich auf dem Spiel und ich hätte mir gewünscht, dass die Schlacht eben dieses Gefühl der Unberechenbarkeit weiter fortgeführt hätte. Doch dafür, dass Vikings vor Testosteron nur so strotzt, zeigt die Serie keine Eier.

Stattdessen bekommen wir all das zu sehen, was wir erwarten. Natürlich stirbt Magnus, denn er ist einer der wenigen “entbehrlichen” Charaktere in der Schlacht. Sein Tod soll dramatisch sein, da er in letzter Sekunde wahrhaftig zu Odin findet. Doch keiner interessiert sich für Magnus. Wenn der gesamte Charakterbogen von Anfang an unstimmig und löchrig ist, dann ändert ein episches Ende absolut nichts daran. Das gleiche Schicksal traf Bischof Heghmund: Schwacher Charakter, starker Tod. Doch wenigstens hatte Heghmund eine tragende Rolle in der Story - warum war Magnus jetzt noch einmal wichtig?

Umso besser ist die Entwicklung von Freydis. Fundiert in der Wut auf Ivars Mord an ihrem Sohn, schwört sie auf Rache. Dass Freydis die Achillesferse von Ivar werden wird, war abzusehen. Dennoch ist dieser Twist gerade aufgrund seiner Nachvollziehbarkeit der einzig Richtige.

Doch ganz so elegant ist diese Wendung dann doch nicht: Freydis petzt an Björn und Co., dass es einen Geheimgang nach Kattegat gibt. Noch billiger hätte man die Schlacht nicht auflösen können. Der Geheimgang hat noch nie eine Rolle gespielt und wurde auch noch nie erwähnt. Das ist ein Deus-Ex-Machina-Moment der reinsten Sorte - eine Rettung aus dem Nichts. Obendrein geht Björn mit dieser Information so blöd wie möglich um. Statt nachts unauffällig in Kattegat einzufallen und Ivar im Schlaf zu ermorden, dümpeln die Wikinger bei Tageslicht voller Krach und Krawall durch die Straßen und stellen gleichzeitig klar, dass sie eigentlich nur für Ivar gekommen sind.

Immerhin ist der zweite “große” Tod der Folge, der daraufhin folgt, ein echtes Highlight. Ivars Mord an Freydis ist schrecklich, emotional und stark inszeniert. Die Strangulierung von Freydis ist ein Callback zu jener Szene, in der Freydis selbst ihren “Zeuger” auf gleiche Weise umbringen lässt. So nervtötend ihr Charakter auch war, diese Szene bildet einen geschlossenen Kreis in ihrer Geschichte. Sie erfährt Rache und Bestrafung zugleich - für uns Zuschauer ein doppelter Moment der Genugtuung.

Das Ende der Schlacht ist ein befreiender Moment der Wiedervereinigung. Leider ist diese Szene bei weitem nicht so emotional, wie intendiert. Viel zu schnell wird die Rückkehr von Lagertha, Torvi und Ubbe abgefrühstückt und viel zu sehr fühlt es sich nach einem konstruierten Ende an, das bloß willens der Sentimentalität eingebaut wurde.

Dieses unbeholfen inszenierte Zusammentreffen wird gerettet durch ein perfekt getimten Flashback von Ragnars Monolog über “Macht” aus Staffel 3 Folge 1. Macht korrumpiert die Guten und die Schlechten und Björn muss erst noch herausfinden, welche Art von König er sein möchte. Ich wünsche mir, dass Björn auch abseits des Schlachtfeldes mehr Stärke zeigen wird. Gerade dieser Flashback hat mir nochmal vor Augen geführt, dass kein Charakter der neuen Generation die Weisheit und das Charisma eines Ragnar Lothbrok besitzt.

So wie Ivar: Der besitzt nach Freydis’ Tod gar nichts mehr. Sein Charakter ist am Ende. Und schon wieder ist Michael Hirst zu feige, den “Fan-Favorit” zu Tode zu verurteilen. Stattdessen entkommt Ivar in einem antiklimatischen Cliffhanger auf einem Mistkarren. Egal was jetzt noch von Ivar erzählt wird, es ist überflüssig und erzwungen.

Tatsächlich ist Ivars Flucht der einzige Konflikt, der nach dem Staffelfinale noch übrig ist. Jeder hat das erreicht, was er wollte: Björn ist König von Kattegat, Ubbe hat seine Siedlung in England, Lagertha ist mit Ubbe vereint. Was soll jetzt noch erzählt werden? Es müssen also neue Fässer aufgemacht werden. Man könnte sich lediglich auf Harald konzentrieren und auf seine “Ambition”, König von Norwegen zu werden.

Geschweige denn, Harald lebt noch. Schließlich hat er ja einen ordentlichen Schwertstoß durch den Bauch erlitten. Aber natürlich wird er nicht sterben - sonst hätten wir das bereits gesehen. Wieder ein netter Versuch von Hirst, vom Fakt ab zu lenken, dass in Ragnarok niemand von Relevanz gestorben ist.  

Fazit: Folge 10 ‘Ragnarok’

Freigestellt vom Kontext der fünften Staffel ist Ragnarok eine ordentliche Episode voller Action und Pay-Offs. Doch letztendlich ist das Staffelfinale bei weitem nicht so mitreißend wie beabsichtigt. Die Serie fürchtet sich, seine großen Charaktere zu opfern und geht stattdessen auf Nummer sicher. Trotz der Berechenbarkeit schleichen sich einige Logiklücken in die Geschichte. Genauso ärgerlich ist das unausgewogene Pacing der Ereignisse, wodurch einige dramatische Momente an Schlagkraft verlieren. Letztendlich ist Ragnarok eine eher seichte Apokalypse, die gerade so die Minimalanforderungen an ein episches Finale erfüllt. Statt eines Ausrufezeichens setzt diese Folge einen Punkt an das Ende einer starken aber durchwachsenen Staffel.

Episodenrating: 78%

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