Kritik: Vikings – Staffel 5 (Teil 1+2)

Folge 12: Das schmeckt nach Seifenoper
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 28 Mins.
  • Aufsicht eine Schlachtszene bei denen Darsteller der Serie Vikings ihre Gegner abschlachten
    © 2018 History Channel
  • Blut, Schweiß und schnittige Undercuts – die hochstilisierte Wikinger-Serie kehrt mit einem frischen Cast zurück! Jede Woche erscheint eine neue Folge, die von mir in einer Episodenkritik besprochen wird. Somit verändert sich auch jede Woche das Gesamtrating der Staffel. Alles geklärt? Dann viel Spaß mit der Kritik zu 'Vikings' Staffel 5 Teil 1! Direkt zur neuesten Episodenkritik Kritik: Folge 1 'Der Fischerkönig' Original-Titel: The Departed, Part 1 Erscheinungsdatum: 29.11.2017 Ivar (Alex Høgh Andersen) hat seinen eigenen Bruder Sigurd getötet. Dennoch kann Ubbe (Jordan Patrick Smith) nicht auf seinen fiesen, kleinen Bruder verzichten, da er sich als raffinierter Kriegstaktiker erweist. Während die…
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    1

    82%

    Stark

    Folge 1 'Der Fischerkönig'
    84%
    Folge 2 'Die Verstorbenen'
    85%
    Folge 3 'Heimatland'
    86%
    Folge 4 'Der Plan'
    85%
    Folge 5 'Der Gefangene'
    84%
    Folge 6 'Die Botschaft'
    78%
    Folge 7 'Vollmond'
    81%
    Folge 8 'Der Witz'
    89%
    Folge 9 'Eine einfache Geschichte'
    72%
    Folge 10 'Momente und Visionen'
    90%
    Folge 11 'Land der Steine'
    83%
    Folge 12: 'Mord am Altar'
    64%

    'Vikings' – Staffel 5 Teil 1 fängt sehr gut an, verliert sich im Mittelteil und erstarkt schließlich mit einem atemberaubenden Finale, das visuell und erzählerisch Neuland für die Serie ist.

    User Rating: 4.65 ( 2 votes)
  • Staffelstart: 29.11.2017
    Episoden: 69 Folgen in 5+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2017 HBO

Gesamtbewertung:

Stark
82%

Blut, Schweiß und schnittige Undercuts – die hochstilisierte Wikinger-Serie kehrt mit einem frischen Cast zurück! Jede Woche erscheint eine neue Folge, die von mir in einer Episodenkritik besprochen wird. Somit verändert sich auch jede Woche das Gesamtrating der Staffel. Alles geklärt? Dann viel Spaß mit der Kritik zu 'Vikings' Staffel 5 Teil 1!

Kritik: Folge 1 'Der Fischerkönig'

Original-Titel: The Departed, Part 1
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Jonathan Rhys Meyers als Bischof Heahmund mit einem Schwert in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1

Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) scheint ein wichtiger, neuer Charakter der Serie zu sein. Kann er überzeugen?

Ivar (Alex Høgh Andersen) hat seinen eigenen Bruder Sigurd getötet. Dennoch kann Ubbe (Jordan Patrick Smith) nicht auf seinen fiesen, kleinen Bruder verzichten, da er sich als raffinierter Kriegstaktiker erweist. Während die Söhne Ragnars versuchen, mit dieser Situation umzugehen, reist König Harald zurück nach Kattegat, um Königin Lagertha (Katheryn Winnick) vom Thron zu stoßen. Floki (Gustaf Skarsgård) hat hingegen keine Lust mehr auf Krieg und Verrat, weshalb er sich auf eine einsame Seereise ohne Ziel begibt.

Nach der klimatischen zweiten Hälfte der vierten Staffel, konnte man sich ruhig fragen, ob Vikings nun seinen Zenit erreicht hat. Die zwei interessantesten Charaktere der Serie, Ragnar und König Ecbert (Linus Roache), sind beide tot. Dafür haben nun die vier Söhne Ragnars das Führungszepter übernommen. Bereits in der ersten Folge wird klar: Sie sind fantastische, neue Hauptcharaktere und geben Vikings eine ganz neue Dynamik und Komplexität.

Andersens ultrafiese und dennoch vielschichtige Performance als Ivar ist in der Debütfolge der neuen Staffel erneut mehr als beeindruckend. Während man Ivar aus ganzem Herzen hassen kann, tut er einem nur wenige Szenen später wieder leid – wobei, Entschuldigung, Ivar möchte ja kein Mitleid.

Zwischen den Brüdern brodelt ein unterschwelliger Konflikt. Ubbe, die bisherige Stimme der Vernunft, ist zwar bei weitem nicht so charismatisch wie sein alter Herr, doch sein Darsteller Jordan Patrick Smith überzeugt dafür mit dem subtilsten Schauspiel des neuen Vikings-Casts. Man darf gespannt sein, ob die leise Zwietracht zwischen ihm und Ivar in den kommenden Folgen implodiert. Hier hat Vikings ordentlichen Sprengstoff in den Fässern für eine explosive fünfte Staffel.

Zum Glück hat Vikings seine Ecken und Kanten nicht verloren. Wem Game of Thrones mit der siebten Staffel zu weich wurde, wird hier seine Dosis an Blut und Schweiß bekommen. Das Massaker in der Kirche von York gehört zu den brutalsten Szenen der Serie (O.K., abgesehen vom Blutadler, nichts ist brutaler als der Blutadler) und Ivars krankes Lachen lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Die Serie schert sich nicht darum, die Wikinger aus ihrer Rolle der klaren Aggressoren zu heben. Sie sind Mörder und Vergewaltiger – ob wir uns als Zuschauer mit ihnen identifizieren können, bleibt weiterhin uns selbst überlassen. Umso erstaunlicher ist, das König Aethelwolf (Moe Dunford) immer mehr zu einem Sympathieträger mutiert.

Der "Neue", Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers), muss erstmal zurück in die Beobachtung. Bis jetzt überzeugt der fesche Geistliche mit obligatorischem Undercut noch nicht so recht. Undercuts den Wikingern! Doch es liegt nicht nur an der Frisur – es bleibt abzuwarten, ob Heahmund der Geschichte eine interessante neue Dimension verleihen kann.

Fazit: Folge 1 "Der Fischerkönig"

Vikings kann auch ohne Travis Fimmel. Die erste Folge der fünften Staffel konnte (fast) alle Zweifel in den Wind schlagen. Das Schachbrett wurde neu aufgestellt und mein Gefühl sagt mir, dass dies die interessanteste Partie der Serie werden könnte.

Episodenrating: 84%


Kritik: Folge 2 'Die Verstorbenen'

Original-Titel: The Departed, Part 2
Erscheinungsdatum: 29.11.2017

Gustaf Skarsgård als Floki steht vor einem Wasserfall in Island in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1

Hat Floki (Gustaf Skarsgård) wirklich Asgard gefunden?

Lagertha hält Harald als Gefangenen in Kattegat fest, um Haralds wahre Motive seiner Rückkehr herauszufinden. Währenddessen kommt es in York zu unterschwelligen Machtkämpfen zwischen Ivar, Ubbe und Hvertsik. Floki entdeckt nach einer erschöpfenden Seereise Island, das er allerdings für das Götterreich Asgard hält.

Nach einem etwas schwachen Cliffhanger, geht es gleich weiter mit dem zweiten Teil der Doppelfolge. "Die Verstorbenen" bietet im Gegensatz zu "Der Fischerkönig" zwar keine große Action, überzeugt dafür aber mit dem souveränen Umgang der unterschiedlichen Erzählstränge, die sich immer weiter aufdröseln. Das mehrgleisige Storytelling erinnert spätestens jetzt an Game of Thrones.

Am schwächsten fällt der neue Handlungsstrang in Kattegat aus. Die urplötzliche "Vergewaltigung" von Harald durch Lagertha (Ja, was war es denn sonst?) war ziemlich out-of-character. Allgemein scheint Lagertha etwas an ihrem messerscharfen Verstand eingebüßt zu haben, um Haralds wahre Motive nicht erahnen zu können. Es war dennoch herrlich mit anzusehen, wie "König" Harald erneut einen Korb kassieren musste, dieses Mal von Astrid (Josefin Asplund). Hier könnte sich ein interessanter Story-Kniff ergeben. Wird Astrid Lagertha verraten? Bis jetzt ist es ziemlich offensichtlich, dass die Story wohl darauf hinauslaufen wird.

Am interessantesten ist mit Abstand die einsame Odyssee des Floki, der als erster Wikinger Island entdeckt – welches er aber für das Götterreich Asgard hält. Hier zeigt sich erneut die größte Stärke der Serie: Die Verschmelzung von Realität und Mystik. Beeindruckende Panoramabilder des trostlosen isländischen Strandes, der ganz nebenbei stark an Drachenstein aus Game of Thrones erinnert, laden dazu ein, Floki seine göttliche Illusion zu lassen. So prächtig sah die Serie noch nie zuvor aus.

Ebenso surreal fällt die Vision von Prinz Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) aus, der sich in bester Frodo-Manier in Sumpfwasser schmeißt. Hier muss auch das Schauspiel von Jennie Jaques als Judith gelobt werden, das sich an Intensität kaum überbieten lässt.

Der Hauptstrang um die Söhne Ragnars wird in "Die Verstorbenen" kaum weitergeführt. Allerdings ist die letzte Szene, das Aufbäumen Ivars, ein kleiner Gänsehaut-Moment. Ivar scheint mit jeder Folge mächtiger zu werden. Auch wenn ich mich mit Sicherheit nicht dem #TeamIvar verschreiben werde, bin ich gespannt, in welchem Chaos Ivar die Geschichte zurücklassen wird.

Fazit: Folge 2 "Die Verstorbenen" 

Die zweite Folge der fünften Staffel ist ein Ruhepol, der mit vielschichtigem Storytelling, grandiosen Bildern und einer dichten Atmosphäre überzeugt. So kann es gerne weitergehen!

Episodenrating: 85%


Kritik: Folge 3 'Heimatland'

Ivar sitzt vor einer Schlachtkutsche mit blutverschmiertem Gesicht bei Regen auf einem Schlachtfeld in einem Szenenbild für Vikings Staffel 5 Folge 3 Heimatland

Ja, Ivar, wir wissen wie verrückt du bist.

Original-Titel: Homeland
Erscheinungsdatum: 07.12.2017

Floki ist immer noch davon überzeugt, dass er im Götterreich Asgard angekommen ist. Währenddessen stellt König Harald der entführten Astrid sein Königreich vor. In England findet eine brutale Schlacht in York statt. Ubbe und Hvitserk merken, wie Ivar die Macht über die Streitkraft an sich reißt...

Mit der dritten Folge schaltet Vikings einen Gang hoch. Jede Exposition, die auf die kommenden Konflikte vorbereiten musste, wurde in den letzten beiden Folgen abgehakt. Heimatland zeigt uns bereits nach wenigen Minuten das erste große Action-Setpiece der neuen Staffel: Die in Regen und Blut getränkte Schlacht von York. Hierbei handelt es sich zwar nicht um die bildgewaltigste Vikings-Schlacht, doch merkt man, dass das Spektakel im Detail einfach wertiger wirkt. Unterkühlte Bilder, dichte Nebelschwaden und durchnässte Rüstungen – das gehört eigentlich auf die Kinoleinwand.

Die derbe Schlacht hinterlässt jedoch einen etwas faden Beigeschmack, der ausgerechnet Ivar geschuldet ist. Alex Høgh Andersen minutenlanges Schlachtgeschrei ist dann doch etwas überambitioniert und kommt dem "Over-Acting" gefährlich nahe. Dabei überzeugt Andersen in jeder anderen Szene der Folge, die allgemein sehr Ivar-lastig ausgefallen ist. Je mächtiger Ivar wird, desto eher verwandelt er sich von einem "hassbaren" in einen beängstigenden Charakter. Ist ein #TeamIvar überhaupt noch ansatzweise moralisch zu vertreten? Wahrscheinlich nicht. Dennoch ist er ein bestialischer Gewinn für die Serie. 

Der zuvor prophezeite Bruderstreit trat nun doch schneller ein als gedacht. Ubbes Demütigung als (anscheinend) schwächerer Bruder ist schmerzhaft mit anzusehen und heizt die Charaktermotivationen und -konflikte dieser Staffel weiter an. Weiterhin interessant bleibt, welche Rolle Hvitserk in der neuen Parteikonstellation einnehmen wird. Wird er sich Ivar demütig unterordnen oder seine eigenen Interessen entwickeln?

Während ich mich letzte Woche noch kritisch über Bischof Heahmund geäußert habe, muss ich nach Heimatland sagen, dass der schwertschwingende Geistliche immerhin einen "Prädikat Badass" verdient hat. Ein Zweikampf zwischen ihm und Ivar wurde nun schon beinahe offiziell für diese Staffel angekündigt – dieser Todesblick-Austausch auf dem Schlachtfeld kann nicht tatenlos stehengelassen werden!

Fazit: Folge 3 "Heimatland"

Nach drei Folgen hat es Vikings Staffel 5 bereits geschafft, das volle Interesse der Zuschauer einzufordern und neue visuelle Standards zu etablieren. Die Investition in Charaktere und Konflikte war noch nie so effektiv und das Set-Design noch nie so atmosphärisch. Auch wenn die Dämonisierung von Ivar schon beinahe ins Lächerliche übergeht, ist er dennoch das neue Aushängeschild der Serie. Hatte sich Ragnar nicht genau das für seinen Lieblingssohn gewünscht? Trotzdem bleibt es vorerst bei #TeamUbbe.

Episodenrating: 86%


Kritik: Folge 4 'Der Plan'

Original-Titel: The Plan
Erscheinungsdatum: 13.12.2017

Lagertha und Ubbe sitzen gemeinsam im Thronsaal und reden miteinander.

Neue Allianz: Können wir demnächst eventuell auch eine Lovestory zwischen erwarten? Schließlich ist Ubbe seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten.

Björn und seine Crew erreichen den Eingang zum Mittelmeer und statten den Sizilianern einen Besuch ab. Aethelwulf und Bischof Heahmund wollen York von sämtlichen Versorgungsrouten abschneiden, um die Wikinger in ihrer eigenen Belagerung verhungern zu lassen. Ubbe kehrt nach Kattegat zurück und trifft mit Lagertha eine Vereinbarung. King Harald heiratet Astrid und Floki hat große Pläne für die Besiedlung seines neu entdeckten Landes.

Let's calm down! Die vierte Folge nimmt etwas Tempo aus der Geschichte. Das liegt vor allem an den fünf parallelen Handlungssträngen, die allesamt um einen Schritt nach vorne bewegt werden. Glücklicherweise verliert man zu keiner Zeit den Überblick, denn die Drehbuchautoren balancieren die verschiedenen Geschichten vorbildlich – etwas, das man von der neuen The Walking Dead-Staffel nicht behaupten kann. Dennoch erreicht Vikings nun eine Komplexität, die eine längere Episodenlaufzeit wünschenswert machen würde. Gebt uns 55 statt 45 Minuten! Dafür würde ich auch ein paar Episoden weniger in Kauf nehmen.

Am interessantesten bleibt weiterhin der Handlungsstrang in England. Zwischen Ivar und "Schoßhündchen" Hvitserk brodelt es nun auch gewaltig. Ivars hämisches "Wuff, wuff!" ist ein herrlich fieser Ivar-Moment, der dieses Mal auch ganz ohne Overacting und wahnsinniges Rumgeschreie auskommt. Es scheint so, als hätte Ivar genau das erkannt, was uns Zuschauern auch schon lange Zeit aufgefallen ist: Hvitserk ist der langweiligste Sohn Ragnars. Doch das könnte sich schnell ändern. Sein reuevoller Monolog, Ubbe verraten zu haben, macht die Konstellation zwischen den Brüdern noch interessanter. Die Freundschaft zwischen Ubbe und Hvitserk wird mit Sicherheit in einer tragischen Auseinandersetzung enden.

Auch zwischen Aethelwulf und Bischof Heahmund gibt es nun böses Blut, das allerdings recht plötzlich aufwallt. So langsam ist zwischen dem geistlichen Berserker und mir auch das Eis gebrochen. Den Model-Look habe ich nun weitgehend akzeptiert und auch seine bedeutungsschwangeren Visionen trägt er mit solch einer Überzeugung vor, dass man ihn kaum des Schwulstes beschuldigen kann.

Mit Sizilien bekommen wir erneut ein mediterranes Setting geboten, dass einen schönen Kontrast zu den kühlen Aufnahmen des Nordens bildet. Das plötzliche Auftauchen von Sinric (Frankie McCafferty) kann selbst Ubbe nicht ganz ernst nehmen ("How fortunate I was to run into you, Sinric!") ist aber für ahnungslose Wikinger in fremden Gewässern unerlässlich. Sinric ist ein rein funktionaler Charakter, der im Verlauf der Staffel hoffentlich noch mehr Rollen bekommt, als die des Reiseführers und Dolmetschers. Doch der mediterrane Handlungsstrang verspricht einiges: Schließlich begeben sich Björn und Co. als nächstes nach Kairo, zusammen mit der mysteriösen Nonnen-Schönheit Kassia (Karima McAdams).

Die beeindruckendsten Aufnahmen gibt's wieder in Asgard, äh, Island zu sehen. Floki stapft durch den Meerschaum des Strands aus schwarzer Lava und die Kamera ergötzt sich an schwungvollen Helikopter-Aufnahmen, die zum Teil sogar schon besser aussehen als die opulenten Landschaftsbilder aus Game of Thrones. Schade, dass Floki nun wieder zurücksegeln will. Hoffentlich spielt Island in der Staffel noch eine größere Rolle.

Fazit: Folge 4 'Der Plan'

Die vierte Folge ist kein Game-Changer und bietet keine einzige Action-Sequenz. Der Plan konzentriert sich auf das Vorantreiben der unterschiedlichen Handlungsstränge und behält dabei einen vorbildlichen Überblick. Als alleinstehende Folge ist Der Plan etwas unbefriedigend, doch mit Sicherheit wird sich nächste Woche die hier vollbrachte Sortierung der Story wieder mehr auszahlen.

Episodenrating: 85%


Kritik: Folge 5 'Der Gefangene'

Original-Titel: The Prisoner
Erscheinungsdatum: 20.12.2017

Björn mit Turban in der Sahara in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Folge 5 Der Gefangene

Ja. Das ist tatsächlich immer noch 'Vikings'.

Ivar überfällt die Engländer während ihres Siegesrauschs in York und nimmt einen bedeutenden Gefangenen. Björn reist mit Kassia, Euphemius und Gefolgschaft nach Arabien und trifft auf den mächtigen Ziyadat Allah (Kal Naga). Währenddessen kehrt Floki nach Kattegat zurück, um eine Gruppe von glaubensstarken Anhängern zu versammeln, die mit ihm das "Land der Götter" bewirtschaften wollen. Lagertha ist nicht begeistert...

Und schon wieder eine Schlacht in York. Dieses Mal ohne strömenden Regen und Ivar in Streitwagen, fällt das Gemetzel eher konventionell aus. Ivars Masterplan, der in der letzten Folge Der Plan mit einem verwegenen Cliffhanger unausgesprochen blieb, ist erstaunlich... blöd. Um das noch einmal aufzudröseln: Die Engländer werden in eine befestigte Stadt eingeladen, ziehen mit voller Streitmacht durch die Straßen Yorks, nur um sie später aus mittelalterlichen Gullideckeln überfallen zu können? Gut für Ivar, dass die Engländer nicht einfach Wikinger pro Wikinger, die sich nacheinander aus den Erdlöchern hieven, abgestochen haben – stattdessen rennt man lieber panisch durch die Gassen. Was dachte sich Ivar? "I have the low ground!"? Obi Wan wäre enttäuscht.

Natürlich gewinnen die Wikinger erneut. Das Glück der aggressiven Nordmänner wird schon beinahe unsympathisch. Da feuert man doch lieber Bischof Heahmund an, der langsam aber sicher zum lässigsten Typen in ganz Wessex heranreift. Seine Gefangennahme ist ein interessanter Wendepunkt der Geschichte. Wie geht es jetzt weiter? Schwer zu sagen. Schließlich wird Ivar nicht den einzigen Mann töten, der genauso gerissen und kaltblütig ist wie er selbst. Doch das subtile Verständnis zwischen Ivar und Heahmund lässt auf eine neue Bromance à la Ragnar/Ecbert hoffen (für ein neues Ragnar/Aethelstan stimmt hingegen das Kräfteverhältnis nicht). Die Doppelmoral des Glaubens an die eine Religion ist hervorragendes Diskussionsmaterial für die beiden Hitzköpfe. Mein Tipp: Heahmund wird konvertieren.

Der abrupte Szenenwechsel in die Sahara erinnert schon beinahe an eine Werbepause. Ist das noch Vikings? Es scheint so, als hätte man beim Color Grading den Regler für die Bildtemperatur von -100 auf +100 geschoben. Doch der Kontrast ist erfrischend. Das Highlight: Björn und Halfdan rauchen Shisha. Hätte mir irgendjemand auf dem Stand von Staffel 1 erzählt, dass man in Vikings Shisha rauchende Wikinger zu sehen bekommt, wäre ich vermutlich lachend auf dem Boden gelegen.

Leider hält die Begeisterung für das neue Vikings-Setting nicht allzu lange an. Euphemius' Flucht und seine Verarbeitung zu Abendessen hinterlässt nicht nur bei Sinric einen bitteren Beigeschmack. Das erinnerte ja schon beinahe an das Ekel-Festmahl aus Indiana Jones und der Tempel des Todes. Es bleibt zu hoffen, dass die Araber nicht zum makaberen Comic-Relief der Serie werden. Den einen Scherz kann ich Ziyadat Allah aber noch verzeihen. Kassia ist ohnehin die eindrucksvollere Gegenspielerin.

Der Star der Folge ist allerdings Floki. Es scheint so, als bilde sich seine Geschichte endgültig zum interessantesten Subplot der neuen Staffel. Wir wissen zwar nicht, wie Floki ohne Kompass den Weg zurück gefunden hat – aber dafür bekommen wir endlich wieder das verschmitzte Grinsen und die kindlichen Lacher! Floki hat sich als Sympathieträger endgültig rehabilitiert. Seine Vision vom besiedelten Götterreich ist absolut ansteckend. Durch Flokis geheimes Bündnis wird auch die Kattegat-Geschichte um einiges spannender. Haralds Invasion kann ruhig noch warten.

Fazit: Folge 5 'Der Gefangene'

Hier gibt es viel Licht und viel Schatten. Einiges in Der Gefangene wirkt undurchdacht oder albern, wie Ivars Hinterhalt oder die deplatzierte Kannibalismus-Einlage. Doch die Konflikte werden immer interessanter. Das Machtspiel zwischen Ivar und Heahmund macht Lust auf mehr und Flokis Geheimniskrämerei erinnert an das klassische Vikings der ersten Staffeln. Wir haben nun die Halbzeit der Halbzeit erreicht. Der Zwischenstand: Mehr Torschüsse für die Engländer, mehr Tore für die Wikinger. Team Ivar hat die besseren Player, Team Aethelwulf das bessere Team. Vikings ist in Topform, doch es geht noch mehr!

Episodenrating: 84%


Kritik: Folge 6 'Die Botschaft'

Original-Titel: The Message
Erscheinungsdatum: 27.12.2017

Floki und Lagertha verabschieden sich vor einer Gruppe von Menschen in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge Die Botschaft

Die zwei sympathischsten Charaktere der Serie. Stimmt mir jeder zu, oder?

Floki und seinen Anhängern wird gestattet, nach Island auszuwandern. Ivar stattet König Harald einen Besuch ab und macht seinem Gefangenen Bischof Heahmund ein attraktives Angebot. Astrid hat vor, Harald an Lagertha zu verraten. 

Nach dem groben Cliffhanger setzt Folge 6 Die Botschaft direkt dort ein, wo wir stehengeblieben sind. Dass Björn und Co. entkommen, wird wohl niemand von uns überrascht haben. Die größte Enttäuschung der neuen Staffel ist somit gefunden: Der antiklimatische Arabien-Subplot scheint vorerst zu pausieren, da sich die Wikinger innhalb einer halben Stunde zurück nach Kattegat gebeamt haben. Gab es tatsächlich Leute, die sich über das Zeit/Distanz-Verhältnis in der neuen Game of Thrones-Staffel beschwert haben? Sorry, Daenerys, aber Flokis Boote sind schneller als deine Drachen. 

Weiterhin interessant bleibt aber die Island-Story. Wie wird Floki mit der Enttäuschung seiner Gefolgsleute umgehen? Island ist ein totes Land, dem nur durch Flokis Halluzinationen Leben eingehaucht wurde. Wie sich das scheinbare Götterreich auf eine ganze Gruppe von Fanatikern auswirken wird, bleibt abzuwarten. 

Ivar zeigt sich in dieser Folge von einer erstaunlich besonnenen Seite. Das tut seiner Charakterzeichnung gut. Die Idee, zwischen Ivar und Heahmund eine Bromance aufzubauen, ist genial. Heahmund, der von Folge zu Folge charismatischer wird, behält seine wahren Motive noch für sich. Hoffen wir, dass er nicht frühzeitig abgeschrieben wird, zum Beispiel durch einen missglückten Anschlag auf Ivar. Der Knochenlose ist nämlich immer noch zu overpowered. Vielleicht wird ja Heahmund seine große Schwäche? Süß. 

Insgesamt werden die Intrigen in Vikings immer mehr von George R.R. Martin inspiriert. Astrid riskiert alles, indem sie ihrem kürzlich geheirateten Harald einen Dolchstoß verpasst. Die Unberechenbarkeit der Serie ist erfrischend – doch war die platte Vergewaltigungs-Szene wirklich notwendig? 

Fazit: Folge 6 'Die Botschaft'

Die letzten Folgen hatten starken Mittelteil-Charakter. Die Action wurde zurückgeschraubt und die Story in die Breite ausgewalzt. Leider machen sich hier das erste Mal einige Drehbuchschwächen bemerkbar: Die Schnellreise der Charaktere ist noch störender als in Game of Thrones und der Handlungsstrang in Arabien ist (bis jetzt) punktlos und verschwendet. Hat Vikings doch den Mund zu voll genommen? Wir müssen abwarten. Hoffentlich ziehen die nächsten vier Folgen wieder an! 

Episodenrating: 78%


Kritik: Folge 7 'Vollmond'

Original-Titel: Full Moon
Erscheinungsdatum: 04.01.2018

Alexander Ludwig als Björn und Dagny Backer Johnsen als Snaefrid reden miteinander in einem Szenebild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 7 Vollmond

Neue, mächtige Verbündete: Björn (Alexander Ludwig) verguckt sich sofort in Snaefrid (Dagny Backer Johnsen) und lässt Torvi fallen.

Björn ist zurück und bespricht mit Lagertha und Ubbe die Verteidigungsstrategie für Ivars bevorstehenden Überfall auf Kattegat. Margrethe versucht Ubbe zu beeinflussen, stattdessen an der Seite von Ivar zu kämpfen, um nach Lagerthas Sturz König von Kattegat zu werden. Währenddessen wächst in Island eine Feindschaft gegen Floki.

Vikings hat seinen Fokus wieder gefunden. Nachdem die letzte Folge an den vielen Handlungssträngen zu scheitern drohte, ist Vollmond eine straffe Aufbau-Episode – eine Vorspeise, die mächtig Lust auf die große Schlacht um Kattegat macht. Da immer noch nicht klar ist, wie Ivars Plan aussieht und wer letztendlich auf welcher Seite kämpfen wird, braucht die Folge auch gar keinen künstlichen Cliffhanger wie die letzten Folgen. Die "Inter-Episoden-Spannung" ist wieder da.

Nicht nur in Kattegat wird es bald krachen. Auch in Island macht sich Floki bei seinen Gefolgsleuten immer unbeliebter. Keiner scheint seine göttlichen Halluzinationen zu teilen. Stattdessen hat Floki zwei Dutzend arme Schlucker in eine kalte Ödnis entführt, die mehr verflucht als verwunschen aussieht. Sein Monolog über eine starke Gemeinschaft hört sich an wie das erste Konzept des Kommunismus, das von den konservativen Wikinger-Kameraden natürlich abgelehnt werden wird. Dieser Handlungsstrang braucht mehr Laufzeit, er wird verdammt interessant!

Es ist erfrischend, einen ruhigen und konzentrierten Ivar zu sehen, der Schachpartien gegen Heahmund verliert. Sein Charakter ist also doch nicht allzu overpowered. Offensichtlich wird die ultimative Invasions-Strategie für Kattegat nicht von Ivar, sondern von Heahmund gestellt werden. Dass Ivar das verdammt sexy findet, zeigt sich im leicht homoerotischen Dialog bei Mondschein. Ein schwuler Ivar würde tatsächlich Sinn ergeben. Es wird sich zeigen, ob die Serienmacher mutig genug dafür sind. Schließlich gab es für einen ähnlichen Move in Black Sails viel Hass von einem Teil Fangemeinde.

Fazit: Folge 7 'Vollmond'

Die Erwartungen an Staffel 5 sind wieder gestiegen. Vollmond ist eine starke Vorbereitung auf ein (hoffentlich) großes Finale. Dabei gibt es noch ganze drei Episoden, bevor die fünfte Staffel in die Halbzeitpause geht. Zum Glück ist das wilde Jonglieren mit mehreren Handlungssträngen vorbei, da die heruntergefallenen Bälle (z.B. der Arabien-Plot) erstmal liegen gelassen werden. Enttäuscht uns jetzt bloß nicht mit einer langweiligen Schlacht um Kattegat!

Episodenrating: 81%


Kritik: Folge 8 'Der Witz'

Original-Titel: The Joke
Erscheinungsdatum: 11.01.2018

Marco Ilsø und Jordan Patrick Smith als Hvitserk und Ubbe in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 8 Der Witz

Ernstes Gespräch zwischen Brüdern: Warum will Hvitserk (Marco Ilsø) nicht an der Seite seines großen Bruders Ubbe (Jordan Patrick Smith) kämpfen?

In Flokis Gruppe von Siedlern wachsen die ersten Feindschaften. In Kattegat treffen Lagerthas und Haralds Armeen aufeinander. Doch bevor gekämpft wird, soll die Möglichkeit einer friedlichen Verhandlung wahrgenommen werden… 

Der Witz ist eigentlich ein unwürdiger Name für diese kraftstrotzende Folge, die Staffel 5 endlich auf den Gipfel treibt. Vikings nimmt sich genug Zeit, die persönlichen Konflikte der Charaktere auszuspielen, denn die Ausgangssituation ist gold wert: Gleich zwei Geschwister-Gruppen wurden durch eine ungünstige Reihe von Ereignissen in verschiedenen Teams aufgestellt – außerdem nicht zu vergessen ist Astrid, die Lagertha kaum noch in die Augen schauen kann. 

Eventuell wiederholt Der Witz den Satz „Ich will dich nicht töten“ ein paar mal zu oft, doch die Dilemmas der Charaktere sind spürbar, da sie über die letzten Folgen wunderbar vorbereitet wurden. Dabei wirkt die Inszenierung des Aufeinandertreffen ähnlich wie im Finale der letzten Game of Thrones-Staffel.

Die anschließende Schlacht erinnert stattdessen an die große Endschlacht der ersten Staffel The Last Kingdom. Sie erreicht zwar nicht die Größe einer Schlacht um Paris aus der dritten Staffel, gehört aber zu den „klassischsten“ Schlachten der Serie: Großes Build-Up, klare Seitenverteilung und eine anschließende Wall of Death in bester Braveheart-Manier. Schonmal aufgefallen, dass wir soetwas in Vikings noch gar nicht so oft gesehen haben? 

Die Spannung ist so hoch wie selten zuvor. Der Witz schafft es, in beinahe jeder Szene ein Momentum zu erschaffen – die Zeit für Exposition ist endgültig vorbei. Allerdings wirken die kurzen Szenen in Island und England, die immer wieder dazwischen gestreut werden, etwas Fehl am Platz. Besonders der Island-Konflikt ist weiterhin spannend, doch hätte man die kurzen Szenen auch für die nächste Folge aufheben können, um diese Folge komplett auf Kattegat zu fokussieren. 

Köstlich ist der Austausch von "Geiseln", der Hvitserk und Halfdan auf die eigentlich richtige Seite zurückholt. Doch die Beiden erweisen sich als stur und kämpfen lieber für die Ehre als für die Familie. Die Charaktermotivationen sind dabei absolut nachvollziehbar: Während Halfdan es satt hat, nur der Zweitbeste zu sein, ist Schoßhündchen Hvitserk zu sehr von seinem kleinen Bruder Ivar eingeschüchtert, als jetzt nochmal die Seiten zu wechseln.

Neben diesen tollen Momenten gibt es dennoch etwas zu meckern. Was wurde jetzt aus Ivars teuflischen "Plan", der in der letzten Folge angekündigt wurde? Schwer zu glauben, dass der große Plan letztendlich nur ein schnelles Absprechen zwischen Ivar und Harald kurz vor der Schlacht war. Andererseits ist es verdammt wohltuend, Ivar, den ständigen Aggressor, endlich verlieren zu sehen. Das war bitter nötig und ist beinahe schon kathartisch. Eventuell kann man seinem Charakter nun wieder mehr Sympathie schenken. Dennoch ist es ziemlich offensichtlich, dass die Serienmacher die Fan-Loyalität eher in Richtung Team Lagertha lenken wollen. 

Fazit: Folge 8 'Der Witz'

Folge 8 ist die bisher Beste der fünften Staffel. Hier kommt alles zusammen: Die Dilemmas der Charaktere sind nachvollziehbar, die Einsätze hoch und die persönlichen Opfer groß. Vielleicht hätte es doch mehr tatsächliche Opfer geben sollen. Dennoch ist Der Witz eine spannende Folge, die Momentum erschafft und sich wie ein kleines Finale anfühlt. 

Episodenrating: 89%


Kritik: Folge 9 'Eine einfache Geschichte'

Original-Titel: A Simple Story
Erscheinungsdatum: 18.01.2018

Peter Franzén als König Harald in Szenenbild für Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 9 Eine einfache Geschichte

König Harald (Peter Franzén), Ivar und Hvitserk zählen auf die Unterstützung der Franzosen durch Onkel Rollo.

Lagertha und Heahmund entwickeln eine beidseitige Faszination füreinander, während Harald und Ivar ihre Kräfte regenerieren. Hvitserk segelt nach Frankreich, um Rollo und seine französischen Truppen für den Kampf zu mobilisieren. In Island eskaliert der Konflikt zwischen den Siedlern. England braucht einen neuen König...

Nach der dramatischen Folge letzte Woche, ruht sich Vikings erstmal aus. Eine einfache Geschichte fühlt sich nicht an wie das vorletzte Kapitel einer Staffel (bzw. eines ersten Teils einer Doppelstaffel). Doch das ist kein Vorwurf. Es gibt andere Gründe, warum die Folge eher frustriert als gefällt.

Die Teleportationskräfte der Wikinger werden grenzenlos. Hvitserk segelt innerhalb von wortwörtlichen Sekunden nach Frankreich und zurück. Natürlich darf man als historische Serie auch mal grobe Zeitsprünge in Kauf nehmen. Doch ist Vikings wirklich eine historische Serie? Die Stärke des Storytellings lag doch gerade in den langsamen und beinahe hypnotisierenden Erzählflüssen. Wenn das Format seine Größe um das Dreifache aufpusten möchte, sollte man wenigstens solche schlampigen Story-Kniffe vermeiden oder eleganter umschiffen.

Noch ernüchternder ist die Wiedereinführung des lange verschollenen Rollo, die aber zum reinen Plot-Werkzeug verpufft. Rollo hatte keine Lust zu kommen. Vielleicht schaue er ja später bei der Siegeszeremonie vorbei. Glückwunsch an die Drehbuchautoren, so zerstört man einen potentiellen Überraschungsauftritt im Voraus. Hoffentlich gibt es noch einen anderen Weg, wie Rollo seine glorreiche Rückkehr feiern könnte – falls er denn überhaupt noch zurückkehrt.

Schon beinahe lächerlich ist das ultra-spontane Ableben von König Aethelwulf. Er wird von einer Biene gestochen, reagiert allergisch und stirbt. Das kann man schon machen, nicht jeder Charakter braucht einen bedeutungsvollen Tod – doch die Ausführung war so generisch und antiklimatisch, dass es dafür keine Entschuldigung gibt. Minuten vor seinem tödlichen Bienenstich hält Aethelwulf natürlich noch eine charismatische Rede, die vollkommen Fehl am Platz wirkt und nicht mehr sagt als "Ich bin bald tot, das ist mein letzter Auftritt!". Ganz zu schweigen davon, dass Aethelwulf als Charakter noch lange nicht ausgeschöpft war. Vielleicht kann man seinen Tod noch irgendwie rechtfertigen, indem man seine Todesumstände mit einem Twist auflöst: Könnte es sein, dass der König von Judith vergiftet wurde, um ihren Sohn Alfred so schnell wie möglich herrschen zu lassen? Ich glaube nicht, dass es so kommen wird, aber es würde Aethelwulfs Tod mehr Gewicht geben.

Doch nicht alles war mies. Gerade die Debatte um die Nachfolge des Königs ist stark inszeniert und bewegt die Geschichte in England weiter nach vorne, die in den letzten Folgen schon beinahe pausiert wurde. Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) als Herrscher über Wessex wird sich seinen späteren Titel "Alfred der Große" mit Sicherheit verdienen.

Auch die Unruhen auf Island sind weiterhin spannend. Der breite und Floki-loyale Kjetill (Adam Copeland) rückt immer mehr in den Vordergrund. Seine Fehde mit dem schleimigen Eywind (Kris Holden-Ried) schaukelt sich immer weiter hoch und mündet schließlich in einem Brand des Tempels von Thor. Die abschließende Szenen-Collage inklusive Alfreds Krönung und Flokis Kontrollverlust macht einen Teil der Ernüchterung wieder wett. Atmosphärische Musik und hypnotische Bilder von blutgetränkten Ritualen lassen wenigstens in den letzten fünf Minuten alte Vikings-Qualitäten auflodern.

Fazit: Folge 9 'Eine Einfache Geschichte'

Leider ist die vorletzte Folge der ersten Staffelhälfte eine kleine Enttäuschung. Nach der stärksten Folge der Staffel Der Witz, folgt nun leider die Schwächste. Zwar sind die üblichen Vikings-Qualitäten immer noch erhalten, doch das Drehbuch erlaubt sich zu viele Schwächen. Das Storytelling fühlt sich so an, als führe man über Schlaglöcher – irgendwann rumpelt es einfach so sehr, dass man es der Straße nicht mehr verzeihen kann. Hoffen wir also, dass Vikings nach der insgesamt starken Staffel nicht plötzlich im Schlamm stecken bleibt.

Episodenrating: 72%


Kritik: Folge 10 'Momente und Visionen'

Original-Titel: Moments of Vision
Erscheinungsdatum: 25.01.2018

Astrid (Josefin Asplund) und Harald (Peter Franzén) reden miteinander in einem Szenenbild für Kritik Vikings Staffel 5 Teil 1 Folge 10 Momente und Visionen.

Vor und nach der Schlacht: Diese Folge mischt Dialog und Action in einem nicht-linearen Storytelling zusammen. Wird es das letzte Gespräch zwischen Harald und Astrid sein?

Die letzte Folge hat meine Erwartungen auf das Minimum zurückgesetzt. Ich hoffte auf ein passables Midseason-Finale, das meinen positiven Zugang zur Serie nicht zerbröseln ließe. Ein weitere Talfahrt à la The Walking Dead hätte ich nicht verkraftet. Die erfreuliche Nachricht: Momente und Visionen ist nicht schlecht. Noch erfreulicher: Momente und Vision ist, vollkommen unerwartet, die wahrscheinlich beste Folge der Serie. Uff.

Schon in den ersten Sekunden lässt Regisseur Daniel Grou einen wissen, dass er aus diesem Finale etwas Besonderes machen möchte. Wir starten nämlich nicht mit „Uhh, gimme more, gimme moore…!“, sondern mit einem gespenstischem Gesangs-Duett von Harald und Halfdan. Erste blitzartige Eindrücke der bevorstehenden Schlacht mischen sich der unglaublich kühlen Atmosphäre bei, die innerhalb von zwei Minuten mühelos heraufbeschworen wurde. „In medias res“ (auf Deutsch: „Mitten in das Geschehen“) heißt dieses Stilmittel des Storytellings, das einen ohne Exposition mitten ins Geschehen wirft. Bevor es losgehen kann, ist es schon längst losgegangen.

Meine größte Befürchtung für das Finale war, dass die Schlacht aus Folge 8 einfach wiederholt werden würde – vielleicht etwas größer und mit einem anderen Sieger. Zum Glück hatten die Drehbuchautoren offensichtlich dieselbe Sorge. Zwar bekommen wir ein Rückspiel, doch die Inszenierung lenkt den Fokus auf eine ganz andere Sichtweise. Die Charaktere stehen im Mittelpunkt.

Die Folge verweigert Linearität. Das Geschehen springt selbstbewusst zwischen vor und nach der Schlacht und verbindet somit den physischen und psychischen Kampf der einzelnen Hauptcharaktere. Das kann ordentlich in die Hose gehen und „verkünstelt“ wirken. Tatsächlich wirkt Momente und Visionen auch verkünstelt, doch im positiven Sinn. Denn die nicht-lineare Erzählung ist nicht nur erfrischend anders, sie wirkt auch unglaublich kompakt und effektiv.

Die 45 Minuten lange Folge ist ein einziges Momentum, ein konstant dramatisches Crescendo, das niemals an Fahrt verliert. Lineares Storytelling kann diese Intensität nicht tragen – denn eine lineare Geschichte braucht eine Einführung, einen Mittelteil und ein Ende. Wie man diese Dreiakt-Struktur umgeht und ein durchgehend fesselndes Geschehen erschafft, hat letztens erst Christopher Nolan mit Dunkirk bewiesen.

Alle Drehbuchschwächen der letzten Folgen sind vergessen. Die Folge liefert grandiose Momente im Minutentakt. Hvitserks Treffen mit Ubbe inmitten der Schlacht wirkt umso tragischer, da Sekunden zuvor ein sauber geschriebener Dialog mit Ivar seine Reue aufdeckt, die Seiten gewechselt zu haben. Ubbe verschont seinen kleinen Bruder und stößt dabei einen Schmerzensschrei aus. Ein absoluter Gänsehaut-Moment!

Weniger wohlwollend endet das Aufeinandertreffen von Harald und Halfdan. Während Halfdan sich beinahe wehrlos seinem Tod hingibt, sehen wir surreale Rückblenden aus der Wüste Sahara. Halfdan rinnt der Sand aus den Fingern – eine vielschichtige Metapher, die gleichzeitig Halfdans Wunsch nach Leben und Abenteuer, und gleichzeitig sein unentrinnbares Schicksal symbolisiert. So viel Tiefe hätte ich Vikings ehrlich gesagt gar nicht zugetraut.

Das Entsetzen der Schlacht (so derbe Bilder sind selbst für Vikings heftig) wird mit Stille und surrealen Visionen vermischt. Wir bekommen nicht nur grandiose Actionszenen, die sogar dem legendären Battle of the Bastards aus Game of Thrones das Wasser reichen können, sondern auch hypnotisierende und pulsierende Sequenzen, die einen in Hypnose versetzen. Lagerthas Mord an Astrid, der das komplette Geschehen der Schlacht ausblendet, oder Ivars Halluzination von kämpfenden Skellet-Kriegern, die sich um Lagertha tummeln, sind schon beinahe impressionistisch. Wir lernen die subjektiven Eindrücke der einzelnen Charaktere kennen, die mit unglaublicher Hingabe inszeniert wurden. Hier stimmt jede Aufnahme, jede Kamerafahrt und jeder Computereffekt.

Die grandiosen Momente beschränken sich nicht nur auf die Schlacht, die (natürlich) von Ivar und Co. gewonnen wird. Margrethes wachsender Wahnsinn stellt einem die Nackenhaare auf. Auch Flokis weiser Monolog zu Eywind über die Sinnlosigkeit von Rache (hervorragend zusammengeschnitten mit Ivars Blutrausch auf dem Schlachtfeld), der sich letztendlich als nutzlos erweist, ist ein weiteres Highlight. Die geisterhafte Aufnahme von Kjetills ermordeten Sohn in der Quelle gehört zu den kleinen Momenten, die diese Folge so wahnsinnig gut machen.

Kommen wir zum Schluss. Letzte Woche habe ich mich darüber aufgeregt, dass Rollos Rückkehr so spannungsarm „verschoben“ wurde. Dazu stehe ich immer noch. So genial die letzte Aufnahme vom stolzen Rollo auch ist, sie wäre besser und überraschender gewesen, wenn man seine Rückkehr nicht auf so lahme Weise angekündigt hätte. Sei’s drum. Für die Folge allein war es das Sahnehäubchen.

Fazit: Folge 10 'Momente und Visionen'

Dieses Midseason-Finale ist nicht das, was man erwartet hätte. Einigen wird der experimentelle Zugang überhaupt nicht gefallen. Doch alle anderen können Momente und Visionen als ein kleines Kunstwerk feiern, das Vikings nicht nur vor der Stagnation bewahrt, sondern auf ein vollkommen neues Level hievt. Die Drehbuchschwächen der letzten Episoden wurden mit einem kongenialen, dynamischen und nicht-linearen Skript wieder wett gemacht, dass vor Emotionen nur so strotzt. Wir haben eine große Schlacht erwartet. Die bekamen wir, und dazu noch viel mehr. Für mich ist dieses Finale die beste Folge der Serien-Geschichte, dicht gefolgt von Die Schlangengrube. Beinahe sprachlos. Die Lust auf die kommenden zehn Folgen ist verdammt noch mal wieder da! 

Episodenrating: 90%


Kritik: Folge 11 'Land der Steine'

Original-Titel: The Revelation
Erscheinungsdatum: 29.11.2018

Rollo in eleganter Robe auf einem Pferd in Vikings Staffel 5 Folge 11 Insel der Steine

Mit Rollos Rückkehr gewinnt die zweite Staffelhälfte einen besonders vielversprechenden Charakter.

Rollo fordert von Ivar einen hohen Preis für seine militärische Hilfe in der Schlacht um Kattegat. Floki lässt die Siedler über sein Schicksal abstimmen. Björn, Lagertha und Ubbe verlassen ihre Heimat und segeln erneut nach England.

Der Auftakt der zweiten Staffelhälfte stellt die Balance wieder her. Während sich die letzten Folgen in immer mehr Subplots und exotischen Settings ausbreiteten, fühlt sich Land der Steine wie eine Rückbesinnung an. Die Loyalitäten sind klar, die Story überschaubar und Rollo ist zurück. Und Rollo regelt.

Lange haben wir uns gefragt, wer dem größenwahnsinnigen Ivar wohl die Stirn bieten könne. Rollo, mit seinem westfränkischen Heer im Rücken, scheint dafür der richtige Mann zu sein. Im ersten Dialog mit Ivar stellt der alte Vikings-Hase gleich klar, wer hier am längeren Hebel sitzt. Das macht die Präsenz von Ivar schon um einiges erträglicher und die Story dynamischer. Genau so eine Figur hat der aktuellen Spielaufstellung gefehlt.

Umso bemitleidenswerter schlägt sich Rollo im direkten Gespräch mit Lagertha. Das macht Rollo im Handumdrehen zum interessantesten und konfliktreichsten Charakter der fünften Staffel. Hat er Lagerthas Standort wirklich an Ivar verraten oder war die Aktion abgesprochen, um Ivar zu demütigen? Gut gemacht, liebe Drehbuchautoren, so führt man stilvoll einen lang verschollenen Charakter wieder ein.

Der große „Reveal“ ist hingegen von gar nicht so großer Story-Bedeutung. Ob Rollo nun wirklich Björns Vater ist oder nicht, werden wir ohne einen Vaterschaftstest nie erfahren – und solange uns die Wikinger keine ausgereifte Medizintechnik verschwiegen haben, werden wir Björns leiblichen Vater nicht bestimmen können. Umso besser passt Björns Reaktion auf die Enthüllung seines Vielleicht-Vaters: Es spiele keine Rolle, da Björn sowieso ähnlicher zu Ragnar sei als zu Rollo. Dadurch gewinnt der grob geschnitzte Björn mindestens eine Ebene an Charaktertiefe. 

In Land der Steine sehen wir mehr denn je, wie Björn die Körpersprache und Rhetorik von Ragnar imitiert. Hier frage ich mich, ob seine Anbiederung an Travis Fimmels Performance in die Story verankert ist, oder ob sich die Serienmacher einfach einen Ragnar-Ersatz wünschen. Es würde ja Sinn machen, dass Björn (gerade jetzt) Parallelen zu Ragnar entwickelt, doch der Spleen von Darsteller Alexander Ludwig driftet beinahe ab ins Overacting und passt nicht zu seiner hünenhaften Erscheinung. Auch wenn sich der Charakter in einer Existenzkrise befindet, sollte der Schauspieler Ludwig in Zukunft genau wissen, in welche Rolle er schlüpfen will. 

Umso unauffälliger präsentiert sich dieses Mal Floki, der die Siedler über sein Schicksal entscheiden lässt. Diese selbstlose Entscheidung passt zu seinem gottesfürchtigen Charakter und  bringt die Islandgeschichte weiter auf Eskalationskurs. Ob Floki weiser oder tatsächlich verrückter wird, erkunden wir hoffentlich in den nächsten Episoden.

Wer ebenfalls etwas am Rad drehen könnte, ist der verrückte Ivar selbst. Wirkt seine wunderschöne Liebe-auf-den-ersten-Blick namens Freydis nicht wie eine imaginäre Freundin? Ihre geisterhafte und unwirkliche Erscheinung könnte auch Ivars Fantasie entstammen – eine personifizierte Manifestation seiner Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit. Inwieweit wir mit dieser spannenden Theorie richtig liegen (wir würden es hoffen!), können wir bis jetzt aber noch nicht sagen.

Fazit: Folge 11 'Land der Steine'

Vikings nimmt den Mund nicht zu voll und konzentriert sich wieder auf die wesentlichen Konflikte der Serie. Unnötige Nebenstränge werden abgesägt. Stattdessen bekommt Rückkehrer Rollo seine verdiente Screentime. Noch lässt sich Rollo keiner Partei zuordnen und genau das macht seine Figur so spannend. Zwischen all der harten Fronten könnte er ein fluktuierendes Bindeglied werden, das der Handlung noch mehr Dynamik verleiht. Tja, so viel kann die Wiedereinführung eines Charakters bewegen – hoffentlich bleibt uns Rollo noch lange erhalten!

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Kritik: Folge 12 'Mord am Altar'

Original-Titel: Murder Most Foul
Erscheinungsdatum: 06.12.2018

König Alfred und Prinzessin Aelswith in einem Szenenbild aus Vikings Staffel 5 Episode 12 A Murder Most Fowl

Prinzessin Aelswith scheint an Alfred kein besonderes Interesse zu haben und umgekehrt.

Vikings gehört zwar zu den epischsten Namen der aktuellen Serienlandschaft, doch leidet sie immer noch an vollkommen willkürlichen Qualitätsschwankungen. Showrunner Michael Hirst hat sich mit Mord am Altar wieder einen kleinen Ausrutscher erlaubt. Weshalb diese Folge mit einer Handvoll neuer Probleme kämpft, erkläre ich in meiner Episodenkritik.

Fangen wir mit der besten Szene der Folge an: Floki zeigt in Mord am Altar einen Moment der Einsicht und Selbstreflexion. Das erste Mal seit fünf Staffeln zweifelt der Fanatiker an seiner Gabe, mit den Göttern sprechen zu können. Nicht nur haben wir Mitleid mit Floki – die bittere Realisation reißt ein Loch in seinen Charakter, das nicht so schnell wieder gestopft werden kann. Wenn Floki sowohl bei den Siedlern als auch bei den Göttern in Missgunst fällt und sich noch nichtmal aus Selbstmitleid opfern darf, welcher Weg bleibt dann für ihn übrig? Ich bin gespannt.

Außerdem ein Highlight: Ferdia Walsh-Peelo als König Alfred findet sich in seiner Rolle als unsicherer aber verantwortungsvoller Herrscher immer besser zurecht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schauspielern braucht Walsh-Peelo seine Kollegen nicht mit Overacting an die Wand zu spielen. Seine fokussierte und dennoch dezente Performance verleiht ihm, trotz Babyface, eine beachtliche Präsenz. Besonders ersichtlich wird das in den Verhandlungen mit den Muskelbergen von Wikingern am Hofe von Winchester.

Was in Winchester passiert, ist bestes Soap-Material. Natürlich ist es wieder der Macker Björn, der mit nichts weiter als ultra-intensiven Blicken die angehende Königin ins Bett lockt. Selten habe ich so eine miese Charaktereinführung erlebt: Prinzessin Aelswith bekommt keinerlei Backstory, Motivation oder persönliches Ziel, stattdessen ist sie einfach „geil“ auf Björn – und zwar sofort. Ach, und Jungfrau ist sie natürlich auch noch.

Als ob das nicht Cringe-Fest genug wäre, übertrifft sich Jonathan Rhys Meyers mit seinem Overacting mal wieder selbst. Der „Gotteskrieger auf Erden“ presst jedes einzelne Wort mit derart viel Pathos und Aggression durch seine Lippen, dass man meinen könnte, er wolle sich für die nächste Besetzung als Batman bewerben. Doch selbst mit einem dezenten Schauspiel wären Heahmunds platte Drehbuchzeilen kaum ernst zu nehmen.

Der titelgebende „Mord im Altar“ gehört in einen Mittelalter-Trash-Film, doch nicht in eine Historien-Serie mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden. Normalerweise finden Charaktere Hintertürchen oder intelligente Schachzüge, um ihre Ziele zu erreichen. Doch Heahmund geht einfach zu Bischof Cuthred und sticht ihn ab. Wenn er nach seinem Mord an einem Geistlichen noch ein "Amen" ausspricht, dann ist das bestes Material für einen Männerabend mit viel Bier. Im Kontext der Serie ist diese Szene allerdings unglaublich naiv und unrealistisch. Heahmund ist mittlerweile eine Karikatur seiner selbst.

Zum Glück ist es gerade Ivar, der mit dieser Folge um einiges erträglicher geworden ist. Endlich hat Ivar eine Schwäche (nein, seine Beine zählen schon lange nicht mehr) und wir dürfen endlich so etwas wie Empathie mit ihm empfinden. Seine blinde Liebe zu Freydis wird ihm zum Verhängnis.

Unsere Theorie, dass Freydis eine bloße Einbildung von Ivar sei, wurde im Nu zerschlagen. Dafür wissen wir jetzt umso besser, was die stille Schönheit im Schilde führt. Wäre es nicht interessanter gewesen, nicht zu sehen, wie Freydis Ivar betrügt? Schließlich war der schmale Grad zwischen mythischem Aberglauben und harter Realität immer eine Stärke von Vikings. Wir hätten auch Eins und Eins zusammenzählen können, um zu vermuten, dass Freydis keine magischen Kräfte besitzt, sondern stattdessen mit zeugungsfähigen Männern in die Kiste steigt. Schließlich war der schmale Grat zwischen mythischem Aberglauben und harter Realität immer eine Stärke von Vikings.

Der brutale Mord an Margrete wirft genau eine Frage auf: War es Hvitserk, der den Mordbefehl an Ivar gegeben hat? Darüber hinaus ist ihr plötzliches und dennoch sehr lange hinfälliges Ableben fragwürdig. Margrete wird bloß für einen schockierenden Kill aus der Geschichte geschrieben - man hätte ihr wenigstens noch einen Moment geben können, in dem sie die Story aktiv beeinflusst. Schließlich wurde ihr gefährlicher Wahnsinn schon seit mehreren Folgen angeteasert.

Fazit: Folge 12 'Mord am Altar'

Nach einem starken Auftakt der zweiten Staffelhälfte ist die Fortsetzung Mord im Altar eine mittelschwere Enttäuschung. Die Drehbuchschreiber verzichten auf jede Form der Subtilität und schicken ihre Charaktere in fragwürdige Situationen. Das peinliche Petting zwischen Björn und Prinzessin Aelswith kommt aus dem Nichts. Heahmund handelt jenseits aller Vernunft. Immerhin können Floki und König Alfred ihre starken Momente beisteuern, um die Folge vor der Schlangengrube zu retten. Es tut weh, doch Mord im Altar gehört zu den schwächsten und naivsten Folgen der Serie.

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Kritik: Folge 13 'Ein neuer Gott'

Original-Titel: A New God
Erscheinungsdatum: 13.12.2018

Unsere Kritik erscheint sobald diese Folge ausgestrahlt wurde! 

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