Kritik: Das Hausboot

Auf Reisen mit Kapitän Olli und Kapitän Fynn
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Titelbild zur Serienkritik "Das Hausboot"
  • Was passiert, wenn zwei erwachsene Kinder sich ein schrottreifes Hausboot kaufen? Chaos, reines Chaos! Aber ist das auch genug Stoff für eine gute Dokumentationsserie? Das erfahrt ihr in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Der Doku-Hypetrain kommt! Dokumentarserien sind voll im Trend. Das hat spätestens der Hype um Netflix-Originals wie Tiger King (2020) gezeigt. Aber was macht eine gute Dokumentation aus? Darauf gibt es vermutlich viele Antworten. Anders als fiktive Werke verpflichtet sich eine gute Dokumentation dazu, die „Realität“ so gut es geht wiederzugeben. Wenn sie dem Publikum im Schnelldurchlauf auch noch ein oder zwei neue Wissenshappen vermitteln kann und…
    Kritik: Das Hausboot tba
    1
    Struktur
    75%
    Authentizität
    75%
    Tiefgang
    70%
    Wissensvermittlung
    50%
    Unterhaltung
    80%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 09.03.2021
    Episoden: 4 in 1 Staffel
    FSK: 0
    Genre: ,
    Showrunner:
    Besetzung: ,
    Bildrechte: Netflix
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Gesamtbewertung:

Ganz okay
70%

Was passiert, wenn zwei erwachsene Kinder sich ein schrottreifes Hausboot kaufen? Chaos, reines Chaos! Aber ist das auch genug Stoff für eine gute Dokumentationsserie? Das erfahrt ihr in unserer Kritik.

Der Doku-Hypetrain kommt!

Dokumentarserien sind voll im Trend. Das hat spätestens der Hype um Netflix-Originals wie Tiger King (2020) gezeigt. Aber was macht eine gute Dokumentation aus? Darauf gibt es vermutlich viele Antworten. Anders als fiktive Werke verpflichtet sich eine gute Dokumentation dazu, die „Realität“ so gut es geht wiederzugeben. Wenn sie dem Publikum im Schnelldurchlauf auch noch ein oder zwei neue Wissenshappen vermitteln kann und zur Meinungsbildung beiträgt, ohne die Meinung der Macher:innen aufzuzwingen, ist schon Vieles richtig gelaufen. Und wenn das Ganze dann auch noch unterhaltend ist, umso besser! Wie schlägt sich Das Hausboot in diesen Kategorien?

Kann man aus Mist Gold machen?

Wohl jede:r hat schon mal ein Projekt begonnen, das im Laufe der Zeit immer größer und komplizierter wurde. Jede:r hat schon mal dieses Grummeln im Bauch gefühlt, wenn man kurz davor ist, alles hinzuschmeißen und keine Sekunde mehr mit besagtem Projekt zu verschwenden. Und doch bleibt man dran. Man beißt sich durch, egal welche Steine einem in den Weg geschmissen werden und ist (in den meisten Fällen) stolz, wenn man mit gutem Wissen und Gewissen nach getaner Arbeit einen Schlussstrich ziehen kann. Und genau dieser Kampf gegen einen immer größer werdenden Berg an Müll (wortwörtlich und metaphorisch gesehen) ist es, was Das Hausboot so sehenswert macht.

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Olli Schulz und Fynn Kliemann in Das Hausboot

Dass die Arbeiten an Gunter Gabriels altem Hausboot solche Ausmaße annehmen würden, hatten wohl weder Olli Schulz noch Fynn Kliemann gedacht.

Schulz und Kliemann dabei zuzusehen, wie sie im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck wühlen, um aus einem Misthaufen etwas Schönes zu machen, fühlt sich unfassbar verrückt und unfassbar greifbar zugleich an. Gerade weil eben jede:r schon mal in so einer verzwickten Situation war, auch wenn es bei den wenigsten um die Sanierung eines Hausbootes ging. Das Hausboot zeigt eindrucksvoll was passiert, wenn man sich, trotz aller Warnsignale, etwas in den Kopf setzen und so lange dranbleibt, bis auch endlich etwas draus wird. Das ist nicht immer schön und spaßig, aber lehrreich und aus dem Leben gegriffen allemal.

Vorhang auf für Olli und Fynn!

Die meisten Zuschauer:innen werden die Dokumentarserie aus einem von zwei Gründen schauen: Olli Schulz oder Fynn Kliemann. Deshalb verbringt die Serie auch viel Zeit damit, die Erlebnisse, Emotionen und Sicht der beiden Kindsköpfe in den Fokus zu stellen. Das ist durchaus auch interessant, ermöglicht es dem Publikum doch einen scheinbar ehrlichen und ungeschönten Einblick in die Höhenflüge und Talfahrten, die man als Mensch, Freund und letztlich eben auch Geschäftspartner mit einem schwierigen Projekt so durchmachen muss. Dass Schulz und Kliemann neben vielen lustigen und rührenden Momenten nicht immer gut wegkommen und manchmal sogar unsympathisch wirken ist also kein Patzer der Macher:innen, sondern macht die Serie nur authentischer.

Fynn Kliemann und Olli Schulz in Das Hausboot

Fynn Kliemann und Olli Schulz sind zwar die Stars der Show, hätten die Kernsanierung des Hausbootes aber nie ohne ihre tatkräftige Crew hinbekommen.

Doch bei all der Zeit, die Das Hausboot mit Schulz und Kliemann verbringt, bleibt leider nur wenig für andere wichtige Leidensgenoss:innen übrig. So gewährt die Serie zwar durchaus einen Einblick in die Sichtweise des Bootsbauers Max Luth, der sich mehrmals mit Schulz und Kliemann in die Haare kriegt. Doch bis auf kurze Interviewschnipsel bekommen nur relativ wenige Beteiligte eine Chance, ihre Sicht der Dinge und ihre Meinung zu äußern. Die Dokumentarserie funktioniert zwar auch ohne diese Kommentare, mit ihnen wäre aber sicherlich ein runderes Bild von diesem Mammutprojekt entstanden.

Und was lernen wir daraus?

Herzensprojekte sind etwas Schönes. Sie sind nicht immer leicht umzusetzen, aber am Ende ist man doch glücklich darüber, dass man es versucht hat. Und manchmal sollte man eben genau das machen, was das Herz einem sagt. Egal, ob es um ein Hausboot oder nur um ein Vogelhäuschen geht und egal, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das alles am Ende den Bach runtergeht. Wenn man stetig dranbleibt und die richtigen Freund:innen an der Seite hat, wird das, was man sich vornimmt, auf die eine oder andere Art ein Erfolg. Das Hausboot hinterlässt einen genau mit dieser wohligen Botschaft und zeigt, dass es sich manchmal lohnen kann, mit guten Freund:innen gegen den Strom zu schwimmen.

Fazit:

'Das Hausboot' - Eine spaßige Seefahrt

Mit Das Hausboot liefert Netflix eine spaßig, spannende und ehrliche Dokumentarserie über ein verrücktes Projekt der Kindsköpfe Olli Schulz und Fynn Kliemann ab. Mit einer tollen Botschaft, nicht immer sympathischen aber dafür authentischen Protagonisten und schönen Bildern kann die Serie überzeugen. Der ein oder andere Einblick in die Gefühlswelt der Crew, die so wichtig für das Projekt war, hätte aber auch gut getan. 

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