6.6/10

Kritik: How I Met Your Father – Staffel 1

BRAUCHT MAN DIESES SPIN-OFF?

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Genres: Komödie, Startdatum: 09.06.2022

Interessante Fakten für…

  • Bevor How I Met Your Father produziert wurde, versuchte man sich bereits 2014 an einem Spin-Off namens How I Met Your Dad, die es allerdings nur bis zu einer Pilot-Episode schaffte.
  • Pamela Fryman, die bei einem Großteil der Originalserie Regie führte, kehrte für das Spin-Off als Regisseurin zurück.

Acht Jahre nachdem sich How I Met Your Mother mit einem kontroversen Ende aus dem Fernsehen verabschiedete, kehrt das Spin-Off How I Met Your Father mit einer neuen Freund:innen-Gruppe, aber der gleichen Prämisse zurück. Kann das funktionieren?

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Im Jahr 2050 erzählt Sophie (Kim Cattrall) ihrem Sohn, wie sie vor Jahren seinen Vater kennengelernt hat. Flashback ins Jahr 2022: Inmitten von Dating-Apps, Quarter-Life-Krisen und Co. versucht die junge Sophie (Hilary Duff) ihre große Liebe zu finden.

Nebenbei muss ihre beste Freundin Valentina (Francia Raisa) lernen, mit ihrem neuen, britischen Freund Charlie (Tom Ainsley) klarzukommen, Sid (Suraj Sharma) plant mit seiner Verlobten Hannah (Ashley Reyes) eine Hochzeit, Musiker Jesse (Chris Lowell) erholt sich von seiner Trennung und seine Schwester Ellen (Tien Tran) macht nach einem Leben auf dem Land erstmals den Big Apple unsicher.

Ein moderner Anstrich für ein altes Konzept

Eine kleine Anmerkung zu mir: How I Met Your Mother (HIMYM) war meine Jugend. Während die Generation vor mir mit Friends großgeworden ist, fieberte ich bei den Irrungen und Wirrungen der Leben von Ted, Marshall, Lilly, Robin und Barney mit. Wie viele war auch ich enttäuscht vom Ende der Original-Serie und schaue heute mit nostalgisch verklärtem Blick auf die nicht ganz unproblematische (Stichwort Sexismus) Sitcom der 2000er zurück.

Gerade deswegen hatte ich, wie viele andere die ein oder andere Sorge, was ein Spin-Off von HIMYM anging. Nicht nur, weil mir das Original so am Herzen liegt, sondern auch weil man sich zurecht die Frage stellen muss, ob eine Sitcom im Stile von Friends, HIMYM und Co., deren Humor oft auf problematischen Stereotypen und Menschenbildern beruht, heute überhaupt noch funktionieren kann.

Von Sekunde eins merkt man, dass sich Showrunner:innen Isaac Aptaker und Elizabeth Berger Mühe gegeben haben, das Konzept der Serie ins 21. Jahrhundert zu befördern. Das führt dazu, dass sich How I Met Your Father (HIMYF) in den besten Momenten anfühlt wie eine witzige und emotionale Weiterentwicklung des bekannten Konzeptes, das Altbewährtes mit der Jetztzeit verbindet. Gute Beispiele dafür sind die merklich präsentere Diversität des gesamten Casts, Witze die aus der Situation oder den Eigenheiten der Charaktere heraus lustig sind, nicht aber, weil eine Figur weiblich oder nicht-weiß ist, oder das Aufgreifen und Integrieren aktueller Trends wie Dating-Apps.

Aber es gibt eben auch Momente, in denen sich HIMYF ein wenig identitätslos anfühlt. Wenn man den neuen Cast und die Modernisierungskniffe ausklammert, fällt einem doch relativ wenig auf, was das Spin-Off einzigartig oder besonders macht. Natürlich darf und soll ein Spin-Off in den Fußstapfen des Originals wandeln, aber der Unterschied zwischen guten und schlechten Spin-Offs ist eben, dass sich gute Spin-Offs nicht nur auf den Nostalgie-Effekt stützen müssen, um zu funktionieren. HIMYF schafft das zwar stellenweise, es bleibt aber abzuwarten, ob es die Serie in der bereits bestätigten zweiten Staffel schaffen wird, die Essenz von HIMYM beizubehalten und zeitgleich etwas neues, eigenständiges zu werden.

New Kids on the Block

Es fällt schwer, den Cast von HIMYF zu sehen, ohne die neue Freund:innen-Gruppe mit der alten Gang zu vergleichen. Auch hier hat man merklich versucht, von den Charakteren des Originals wegzutreten und herausgekommen sind Figuren, die vielleicht noch (!) nicht so ikonisch und lustig, in jedem Fall aber liebenswürdig wirken. Ich würde mich sogar dazu hinreißen lassen zu sagen, dass Sophie im Vergleich zu Ted, der in seiner Suche nach der ‚Einen‘ doch relativ obsessiv und stellenweise unangenehm wurde, weitaus sympathischer und nachvollziehbarer ist und handelt.

Es ist komplett nachvollziehbar, dass man beim Schauen von HIMYM die alte Gang, die alten Gags und Eigenarten vermisst. Was würde ich dafür geben, noch mehr von Judge Fudge zu sehen! Aber im Endeffekt ist das ein Beinchen, das man sich selbst stellen kann – aber nicht muss. Denn wenn man sich von der Tatsache lösen kann und will, dass die Figuren (zum Glück!) keine 1:1-Kopie ihrer Vorgänger:innen sind, trifft man nämlich auf eine Truppe netter Charaktere, die man gerne auf ihrer Reise durch ihr kompliziertes Liebesleben begleiten will. Ich für meinen Teil bin gespannt darauf zu sehen, wie es mit Sophie und Co. weitergeht.

Runter vom Gas

Eine Sache wird nach dem Schauen der zehn ca. 30-minütigen Episoden mit Sicherheit auffallen: Hier passiert doch ganz schön viel. So viel sogar, dass man sich manchmal wünscht, die Shworunner:innen und Autor:innen hätten sich für die ein oder andere Entwicklung ein wenig mehr Zeit genommen. Aktuell fühlt es sich nämlich so an, als würden bestimmte Ereignisse einfach passieren, weil es wieder mehr Drama braucht und eben nicht, weil sich diese Momente natürlich und organisch ergeben.

Keine der Entwicklungen kommt komplett aus dem nichts, aber es geht eben alles ein bisschen zu schnell. Kurz und knapp: Man hat gefühlt zu viel Stoff für nur zehn Episoden gehabt, wollte sich aber von nichts wirklich verabschieden und quetscht deswegen alles rein. Vergleicht man das mit Vorbildern wie Friends oder HIMYM fällt auf, dass sich diese eben mehr Zeit für aufkeimende Gefühle genommen haben und genau das macht ja auch den Reiz und das Mitfiebern aus. Vielleicht ändert sich das mit der anstehenden zweiten Staffel von HIMYF, die nicht mehr nur zehn, sondern 20 Episoden umfasst.

Fazit

6.6/10
Ganz okay
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 6.5/10
Charaktere 7/10
Emotionen 6.5/10
Tiefgang 6.5/10
Humor 6.5/10

Auch wenn die erste Staffel von How I Met Your Father nicht ganz an die erzählerischen und komödiantischen Höhen der ersten Staffel How I Met Your Mother kommt, macht die Serie einiges richtig – vor allem was die Modernisierung der Erzählung und Diversität angeht. Man darf gespannt sein, ob sich das Spin-Off in Zukunft noch besser vom Original lösen und ein paar dramaturgische Unstimmigkeiten ausbügeln kann – das Potential wäre auf jeden Fall da.

Artikel vom 23. Juni 2022

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