7.3/10

Episodenguide: She-Hulk: Die Anwältin – Staffel 1 (Kritik)

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Genres: Action, Comic, Komödie, Startdatum: 18.08.2022

Interessante Fakten für…

  • She-Hulk: Die Anwältin soll die erste richtige Comedy-Serie der Marvel Studios werden.
  • Neben Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk kehrt auch Tim Roth als Emil Blonsky/Abomination zurück.

Die Hulk-Familie bekommt mit der Serie „She-Hulk: Die Anwältin“ Zuwachs! Ob die Comedy-Serie rund um das Leben der frisch gebackenen Heldin und Star-Anwältin Jennifer Walters funktionieren wird?

Dieser Artikel wurde in Ko-Produktion durch folgende Autoren erstellt:

Folge 1: ‚Ne normale Menge an Wut‘

Originaltitel: A Normal Amount of Rage

Erscheinungsdatum: 18.08.2022

Darum geht’s

Jennifer Walters (Tatiana Maslany), ihres Zeichens Anwältin und Cousine des Hulks Bruce Banner (Mark Ruffalo), hatte für die nächsten Jahre ihres Lebens eigentlich nur ein Ziel vor Augen: In der Kanzlei aufsteigen und zu einer der besten Anwältinnen für Fälle rund um Superheld:innen werden! Doch das Leben hatte anderes im Sinn, als sie und Bruce bei einem Ausflug einen Autounfall haben und das Blut des Hulk in ihre Blutbahn gelangt. Geboren ist She-Hulk! 

Beim Training mit Bruce auf einer abgelegenen Insel in Mexiko, wo er ihr die „Wege des Hulk-Seins“ beibringen möchte, fällt jedoch schnell auf: Jen hat sich als Hulk bestens im Griff und keine Probleme mit den Wutanfällen oder spontanen Verwandlungen, für die ihr Cousin einst so bekannt war. Für Jen wird klar: Superheldin sein ist für sie keine Option und kehrt zurück, um ihrer wahren Berufung zu folgen: Anwältin sein!

It’s easy being green!

Mit She-Hulk: Die Anwältin bringen die Marvel Studios nach eigenen Angaben ihre erste richtige Comedy-Serie auf den Markt. Und der ersten Episode nach zu urteilen scheint das zu gelingen. She-Hulk unterscheidet sich in der Tonalität merklich von Serien wie Moon Knight, WandaVision und auch Ms. Marvel und wirkt mit dem Anwaltsthema und dem Durchbrechen der vierten Wand (eine Markenzeichen der Figur in den Comics) lustig, angenehm nostalgisch und im positiven Sinne aus der Zeit gefallen. Auch kleinere ernstere Momente fügen sich gut in die Handlung ein und deuten neben der gut sitzenden Comedy zumindest eine tiefere Ebene an, die hoffentlich noch weiter erforscht wird.

Dass die Comedy so gut funktioniert ist ohne Zweifel Tatiana Maslany zu verdanken, die schon in der Serie Orphan Black ihre unglaubliche Range unter Beweis stellte und jetzt auch noch ihr Comedy-Talent zum besten gibt. Mit Maslany hat man genau die richtige Schauspielerin für She-Hulk gefunden, schafft sie es doch die Schlagfertigkeit, den Witz und die Intelligenz der beliebten Marvel-Figur auf den Bildschirm zu zaubern. Hoffen wir mal, dass die Drehbücher ihr Talent und ihre Bandbreite über die insgesamt neun Folgen einzusetzen wissen!

Kurz ein Wort zu den Animationen der Serie: Schon mit dem ersten Trailer ernteten die Marvel Studios Spott für die, sagen wir mal nicht ganz so überzeugenden Animationen von She-Hulk, Hulk und Co. Und obwohl diese in der Serie schon weitaus besser aussehen als noch im ersten Trailer: So richtig rund wirkt das Ganze noch nicht. Zugegeben, die nicht wirklich natürlichen Animationen fallen zunächst tatsächlich auf, aber man kann sich dran gewöhnen. Hier wäre sicherlich noch mehr drin gewesen, aber ein Ausschalter sind die Animationen nicht. Und wer weiß, vielleicht tut sich im Verlauf der Serie noch was!

Folge 2: ‚Supermenschenrecht‘

Originaltitel: Superhuman Law

Erscheinungsdatum: 25.08.2022

Darum geht’s

Nach ihrem ersten Einsatz als She-Hulk mitten in einem Gerichtssaal wird Jen prompt von ihrem Chef aus der Kanzlei geworfen. Man wolle unnötige Aufmerksamkeit vermeiden, dafür sei ein Hulk nicht gerade das richtige. Nach zahlreichen ernüchternden Bewerbungsgesprächen und einem unangenehmen Familienessen scheint Jen in einer Sackgasse gelandet zu sein…

Doch plötzlich erreicht sie ein überraschendes Angebot: Holden Holliway (Steve Coulter), seines Zeichens Chef der einst verfeindeten Kanzlei GLK & H, bietet ihr den Chefposten einer neuen Abteilung innerhalb der Kanzlei an, die sich um Supermenschenrecht kümmern soll. Doch das Angebot hat zwei kleine Haken: Ersten muss Jen sowohl im Büro als auch außerhalb als She-Hulk auftreten und ihr ersten Klient muss Emil Blonsky (Tim Roth) aka Abomination sein, der einst versuchte, Jens Cousin Bruce/Hulk umzubringen. Ob Jen auf dieses Angebot eingehen wird?

Lasst die Jura-Spiele beginnen!

Exposition, die Zweite: Legte die erste Episode noch das Hauptaugenmerk auf Jen und ihre neuen Fähigkeiten, befasst sich Supermenschenrecht mit der Frage, wie Jen mit ihrem neuen Status Quo als She-Hulk von der Außenwelt gesehen und aufgenommen wird. Mit dem Ende der zweiten Episode scheint man inhaltlich genug Basics geklärt zu haben, um jetzt das nächste Kapitel aufzuschlagen und in den nächsten erzählerischen Gang zu wechseln.

Die Vermutung, dass die Serie trotz der klaren Comedy-Ausrichtung auch einige ernste Töne anschlagen wird, scheint sich auch langsam zu festigen: Trotz all der tollen Gags (ein großes Danke an Tatiana Maslany und ihr komödiantisches Talent) und lustigen Momente, blitzen immer wieder Situationen durch, die den ernsteren Unterbau der Serie offenbaren. Denn neben dem vielen Humor erzählt She-Hulk auch eine Geschichte über Machtverhältnisse und was passiert, wenn man diese, zum Beispiel dank plötzlich eintretender Superkräfte, ordentlich durchmixt. Klar, eine tiefgründige Auseinandersetzung sollte man hier nicht erwarten, die Nuancen zu entdecken und einzuordnen bereichert das Sehvergnügen aber unglaublich.

Natürlich darf bei einer Marvel-Serie die Einbindung in das größere MCU-Konstrukt nicht fehlen. Die findet hier in Form der Rückkehr des sehr alten Bekannten Emil Blonsky statt, der noch zu Edward-Norton-Hulk Zeiten seinen großen Auftritt hatte und zuletzt in Shang-Chi wieder auftauchte. Die Wiedereinführung von Blonsky, ganz besonders als ersten Klienten für Jen, ist ein durchaus spannender Storykniff, der unsere Protagonistin in eine interessante moralische Zwickmühle bringt. Man darf gespannt sein, wie sich dieser innere Konflikt gepaart mit dem humorigen Ton der Serie über die kommenden Folgen weiterentwickeln wird.

Folge 3: ‚Das Volk gegen Emil Blonsky‘

Originaltitel: The People vs. Emil Blonsky

Erscheinungsdatum: 01.09.2022

Darum geht’s

Jen hat entschieden, Bronsky als neuen Klienten anzunehmen. Ihre neue und seine alte Bekanntheit sorgen vor Allem in der Öffentlichkeit für ordentlich Gesprächsbedarf. Besonders Hasskommentare voller Sexismus und Gerüchte über Monster-Kinder oder eine abgelehnte Bewerbung bei den Avengers bestimmen den Ton.

Dabei will Jen nur eines: Ihren Fall bearbeiten! Doch bereits am Ende letzter Folge bahnte sich ein Problem an. Wir erinnern uns und an den kurzen Auftritt von Abomination bei Shang-Chi. Für eben diesen Kampf ist Wong (Benedict Wong) verantwortlich, der Bronsky eigens für Trainingszwecke aus dem Gefängnis geholt hat. Sie macht Wong ausfindig und gewinnt den Fall.

Auf dem Weg nach Hause versucht eine Gruppe an Männern mit Waffen aus Asgard Jen zu überfallen und ihr Blut abzunehmen. Dieser Versuch scheitert kläglich, nachdem Jen sich in She-Hulk verwandelt.

Derweil braucht Jens ehemaliger Kollege Dennis Bukowski (Drew Matthews) die Hilfe der Kanzlei. Eine asgardischen Gestaltwandlerin hatte sich als Megan Thee Stallion ausgegeben und Dennis hat dabei sehr viel Geld verloren. Nach Jens Zeugenaussage gewinnt auch dieser den Fall.

Nicht übertreiben bitte

Jetzt hat She-Hulk vollständig die Anwalt-Richtung eingeschlagen und packt die angeteaserten Fälle an. Diese Folge gibt uns schöne Cameo Momente mit Wong und Megan Thee Stallion (?!), was nicht komplett unerwartet, aber dennoch witzig anzusehen ist. Dabei bahnt sich jedoch die Gefahr an, dass die Macher:innen sich mit den 30 Minuten pro etwas zu viel Inhalt vorgenommen haben. Diese Folge werden gleich zwei Fälle behandelt und ein neuer Handlungsstrang angedeutet, auf den wohl die nächsten Wochen näher eingegangen wird. Hoffentlich wird nicht zu viel angerissen und nichts richtig behandelt. Doch es besteht Hoffnung, dass die Macher:innen die Handlungsstränge zufriedenstellend erzählen werden und das vor Allem bei der kurzen Folgen-Dauer.

Zwecks Tiefgang hat die Serie ihre eigene Art den Hass, mit dem Marvel selbst bereits durch wachsende Diversität im Cast konfrontiert wurde, unterzubringen. All die Kommentare gegen eine neue Superheldin und die Reduzierung auf ihr Geschlecht wurden pointiert, witzig und passend eingebracht.

Alles in allem eine gelungene Folge, die jedoch etwas überladen wirkt, was sich hoffentlich nicht durch die nächsten Folgen ziehen wird.

Folge 4: ‚Ist das keine echte Magie?‘

Originaltitel: Is This Not Real Magic?

Erscheinungsdatum: 08.09.2022

Darum geht’s

Seines Zeichens Magier und Verstoßener aus dem Kamar-Taj Donny Blaze, will aus dem wenigen, was er dort gelernt hat, Profit schlagen. Als Wong herausfindet, dass er Menschen in andere Dimensionen schickt, will er ihn verklagen und heuert dafür Jen an.

Zwischenzeitlich versucht Walters mithilfe eines Online-Dating-Profils ihr nicht existentes Liebesleben wieder anzufeuern. Nach mehreren Fehlgriffen entschließt sie es sich als She-Hulk zu präsentieren und bekommt weitaus mehr Matches. Schließlich lernt sie jemanden kennen, der perfekt zu sein scheint. Doch mag er sie auch als Jen?

Weiter so!

Bisher ist diese Folge eine der Stärksten. Sie ist abwechslungsreich, hat einen guten Anteil an Action und ist witzig. Außerdem macht hier die Dynamik zwischen den verschiedenen Darsteller:innen Spaß anzusehen und führt zu schönen, zwischenmenschlichen Momenten. Hier ist ein absolutes Highlight Schauspieler Benedikt Wong. Dass er ein Comedy-Talent besitzt sollte spätestens jetzt klar sein und dazu harmoniert er mit allen seinen Co-Stars.

Inhaltlich wurden nur wenige Themen der Folge zuvor weitergeführt, was zwar irritiert, aber die Folge ungemein entzerrt. Doch ich bleibe gespannt, wie sie die ominösen Männer, die Jens Blut wollen, Teil der Handlung werden, ohne dass es den Rahmen der Serie sprengt.

Folge 5: ‚Grün, fies, und der Hammer in ’ner Jeans‘

Originaltitel: Mean, Green, and Straight Poured into These Jeans

Erscheinungsdatum: 15.09.2022

Darum geht’s

Nachdem Titania mit ihrer Kosmetikmarke die Rechte am Namen She-Hulk erlangt hat, fühlt sich Walters dazu gezwungen, gegen sie ins Gericht zu gehen. Da sich Jen nicht selbst vertreten kann, wird ihr von der Kanzlei die Anwältin Mallory Book (Renée Elise Goldsberry) zugewiesen. Kurzzeitig sieht es schlecht aus für die beiden, doch als Jen einer ihrer alten Dates zufällig über den Weg läuft, kommt ihr eine Idee: Als sie ihr Datingprofil auf She-Hulk umstellte, identifizierte sie sich sehr eindeutig mit diesem Namen. Der unangenehme Teil: alle ihre teils katastrophalen, aber auch schmerzhaften Erfahrungen kommen hoch, als die alten Matches nach und nach in den Zeugenstand gerufen werden. Sie gewinnen jedoch die Verteidigung und Walters besitzt nun die Rechte an dem Namen She-Hulk!

Derweil klärt Nikki Walters einen Termin mit einem angesehenen Designer für Superheld:innen. Welcher der schließlich nach Maß angefertigen Anzüge es wird, wird sich nächste Folge zeigen. Und was hat Daredevil mit der ganzen Sache zu tun?

Grüner Faden?

Was hier sehr schön verpackt wurde, ist wie Walters sich langsam mit ihrer She-Hulk-Persona anfreundet. Dass sie vor Gericht beweisen muss, dass sie sich aktiv mit diesem Namen identifiziert, hat die Charakterentwicklung ordentlich vorangebracht. Auch gingen einige der Szenen sehr nah. Die unangenehme Stimmung während der Zeugenaussagen war nahezu greifbar, nicht zuletzt wieder durch die grandiose Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Tatiana Maslany. Sonst ist hier wieder eines meiner Highlights die wunderschön portraitierten Beziehungen unter den Frauen der Serie und in dieser Folge vor Allem zwischen den beiden Anwältinnen. Sie ist ehrlich, authentisch und angenehm anzusehen.

Was mir jedoch immer mehr fehlt, ist der rote Faden. Gibt es einen größeren Plot im Hintergrund? Bis jetzt bleibt die Serie im Sitcom Format, doch auch Sitcoms haben oft einen etwas weitergehenden Handlungsstrang. Hier wünsche ich mir noch in den letzten Folgen mehr Fokus und eine klarere Richtung.

Folge 6: ‚Nur Jen‘

Originaltitel: Just Jen

Erscheinungsdatum: 22.09.2022

Darum geht’s

Neben dem üblichen Stress, den man so als Star-Anwältin hat, sieht sich Jen mit einem ganz anderen Problem konfrontiert: Der Hochzeit ihrer High-School-Freundin Lulu. Auf der Hochzeit angekommen kommandiert die egoistische Braut Jen durch die Gegend und erlegt ihr zu allem Übel auch noch ein She-Hulk-Verbot auf. Das wird besonders dann zum Problem, als ein Überraschungsgast auf der Hochzeit auftaucht: Titania.

Währenddessen bekommen es Nikki und Mallory mit dem Scheidungsfall von Mr. Immortal (David Pasquesi) zu tun: Der unsterbliche „Held“ hat sich mit diversen vorgetäuschten Toden aus den Ehe zu seinen Ex-Frauen und -Männern gewunden und wird jetzt mit den rechtlichen Konsequenzen konfrontiert. 

Hochzeitsspaß mit Jen?

Trotz zahlreicher Teaser und Andeutungen bleibt sich She-Hulk, mitsamt extra eingesprochener Ansage von Jen, treu und erzählt eine komplett in sich geschlossene Geschichte rund um die Hochzeit von Jens Freundin und einem verzwickten Scheidungsfall.

Trotz hoher Gag-Dichte (insbesondere im B-Plot über Mr. Immortal) bleibt die Folge leicht hinter den letzten beiden Folgen der Staffel zurück, schafft es aber trotz ausbleibender großer Lacher gut zu unterhalten, mal wieder vor allem wegen Tatiana Maslany. Das eigentliche Highlight sind aber nach wie vor die Parallelen und Meta-Kommentare, die She-Hulk zum Umgang einer patriarchalen Gesellschaft mit Frauen zieht und macht. Es sind gerade die kleinen Momente, in denen beispielsweise Jens beruflicher Erfolg im Hinblick auf einen nicht-vorhandenen Beziehungspartner als komplett irrelevant bewertet wird, in denen She-Hulk von einer „einfachen Comedy-Serie“ zu etwas mehr wird. Einfach toll!

Nach wie vor deutet She-Hulk eine größere horizontale Handlung nur durch kurze Einschübe an, was mir persönlich gut gefällt! Nicht jede MCU-Serie muss eine große, episch angelegte Geschichte erzählen. Das episodische Sitcom-Gewand steht der Serie rund um die charismatische Super-Anwältin bisher sehr gut und spielt die Stärken der Figuren gut aus. Und gerade der Mix aus 80 % Stand-Alone und 20 % übergreifende Handlung ist eines der Argumente, mit denen sich She-Hulk vom Rest des MCU-Contents abhebt. 

Folge 7: ‚Das Retreat‘

Originaltitel: The Retreat

Erscheinungsdatum: 29.09.2022

Darum geht’s

Jen könnte es nicht besser gehen, denn nachdem sie auf der Hochzeit ihrer Freundin Lulu den charmanten Josh (Trevor Salter) kennenlernt, geht es mit ihrem Liebesleben abseits von She-Hulk scheinbar endlich wieder bergauf. Doch als Josh sich nach der ersten gemeinsamen Nacht nicht mehr bei Jen meldet und auf keine ihrer Nachrichten antwortet, beginnt die Star-Anwältin, Zweifel zu hegen.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, bekommt Jen unerwartet einen Anruf des Bewährungshelfers von Emil Blonsky: Der scheint sich nämlich auf dem abgelegenen Gelände seines Retreats verbotenerweise in Abomination verwandelt zu haben. Um der Vermutung auf den Grund zu gehen, stattet Jen Emil einen Besuch ab und wird im Retreat von einer Selbsthilfegruppe bestehend aus sich selbst suchenden Männern mit „Superkräften“ überrascht.

Auf der Suche nach dem inneren Frieden

In Form eines unverhofften (und ungewollten) Retreat-Besuches widmet sich Das Retreat ähnlich wie Nur Jen der Figurenentwicklung der namensgebenden Protagonistin. Heraus kommt eine Episode, die mit ein wenig Sitcom-Erfahrung auf dem Buckel zwar wahrlich das Rad nicht neu erfindet, aber spannende Einblicke in die innere Gefühlswelt von Jen liefert. Bisher wurde der innere Konflikt, der seit der Verwandlung in die grüne Superheldin in Jen brodelt, hier und da angedeutet. Das Retreat nimmt sich aber Zeit, um Jen den Ursprung dieses Konfliktes erforschen und – überraschend schnell – auch lösen zu lassen, was tatsächlich auch für den ein oder anderen emotionalen Moment sorgt.

Wer jetzt denkt, She-Hulk hat ihre komödiantischen Wurzeln hinter sich gelassen, liegt aber glücklicherweise falsch. Auf dem Weg zum inneren Frieden wird Jen nicht nur von Emil Blonsky, sondern auch von einer Gruppe der wohl merkwürdigsten „Superhelden“ überhaupt unterstützt. Die Chemie zwischen Jen, Emil und der „Gang“ funktioniert überraschend gut und neben dem ein oder anderen Hau-Drauf-Witz ist es vor allem der Umgang dieser doch sehr ungewöhnlichen Gruppe, die hier und da zum Lachen bringt.

Doch Fans horizontaler Handlungsstränge, habt keine Angst! Auch euch haben die Drehbuchautor:innen nicht vollends vergessen. Episode 7 liefert nämlich das nächste Puzzleteil in Richtung eines größeren Finales und lässt die Spannung so weiter steigen. Wer eine große, epische Handlung erwartet hat, wird mit Sicherheit trotzdem etwas enttäuscht sein, aber das liegt wohl weniger an der Qualität der episodisch erzählten Serie und mehr an einer falschen Erwartungshaltung. Denn freundet man sich erstmal mit dieser für das MCU neuen Erzählform an, funktioniert She-Hulk auf erzählerischer Ebene echt gut!

Folge 8: ‚Quack und zack‘

Originaltitel: Ribbit and Rip it

Erscheinungsdatum: 06.10.2022

Darum geht’s

Bei einer Auseinandersetzung im Gerichtssaal im Fall des Super-Modedesigners Luke Jacobson (Griffin Matthews) gegen Jens Klienten Eugene Patilio aka Leap Frog (Brandon Stanley), muss sich Jen mit einem ganz besonderen Anwalt messen – Matt Murdock (Charlie Cox).

Doch das soll nicht das letzte Treffen der beiden Held:innen gewesen sein: Nachdem Murdock die Unschuld seines Klienten beweisen kann, treffen Murdock aka Daredevil und Jen aka She-Hulk bei einer Verfolgungsjagd aufeinander. Ihr Ziel: Die Geiselnahme von Jacobson durch Eugene zu stoppen!

Nach der ersten offiziellen Mission im Superheldinnen-Outfit (und das auch noch direkt im Team mit Daredevil!), macht sich Jen bereit für die Auszeichnung zur „Weiblichen Anwältin des Jahres“. Doch auf der Gala wird Jen mit den Machenschaften einer niederträchtigen Gruppe mysteriöser Männer konfrontiert, die es schon lange auf She-Hulk abgesehen haben.

Darauf habt ihr doch alle gewartet

Quack und Zack hat all das, was an She-Hulk gut funktioniert: Tolle Charakterdynamik, gut sitzenden Humor, starke Gerichtssaal-Szenen und erstmals auch einen etwas stärkeren Fokus auf Action, der der Serie durchaus gut steht! Während She-Hulk mit Das Retreat zuletzt zugunsten der Charakterentwicklung ein wenig auf die Bremse drückte, wechselt man jetzt rechtzeitig vor der finalen Episode das Tempo und geht voll auf’s Gas!

Sprechen wir zunächst über das Teufelchen im Raum – Daredevil. Lange haben MCU-Fans auf die Rückkehr des Helden gewartet. Und siehe da – sie werden nicht enttäuscht: messerscharfes Anwaltsgerede, knallharte Heldenaction, eine toll belichtete Kampfszene im Gang und ja, sogar der altbekannte Themesong haben sich in die Episode geschlichen. Viel mehr kann man von dem Debut des beliebten Helden gar nicht wünschen (außer vielleicht Foggy)! Obendrauf stimmt die Chemie zwischen Charlie Cox und Tatiana Maslany einfach, sodass wir nur auf ein weiteres Team-Up der zwei Jura-Superheld:innen hoffen.

Und natürlich müssen wir auch über das große Finale der Episode sprechen: Der Antagonist:innen-Reveal steht zwar noch aus, aber aktuell kann man den Autor:innen der Serie nur dankbar die Hände schütteln. Schon seit Produktionsbeginn der Serie sieht sich She-Hulk mit Misogynie und hasserfüllten „Fans“ konfrontiert, die grundlos gegen die Serie hetzen. Diese Tatsache zu einem zentralen erzählerischen Element der Serie zu machen zahlt sich in Quack und Zack wieder vollends aus. Erneut weben die Autor:innen das Thema zugegeben nicht sonderlich subtil aber nichtsdestotrotz packend in die vorletzte Episode ein, schlagen obendrein noch einen tollen Haken zu den Lehren aus der ersten Episode und lassen Jen/She-Hulk in einer bisher noch nicht dagewesene misslichen Lage zurück. Man darf gespannt sein, wie die Serie rund um die grüne Heldin mit der nächsten Episode ihr Ende finden wird!

Folge 9: ‚Wessen Serie ist das nochmal?

Originaltitel: Whose Show is This?

Erscheinungsdatum: 13.10.2022

Darum geht’s

Alles geht den Bach herunter. Nachdem Jen in ihrer Form als She-Hulk die Gala in Unruhe versetzt hat, wird sie verhaftet, es wird ihr verboten, sich zu verwandeln, sie wird gekündigt und muss wieder zu ihren Eltern ziehen.

Ihre Freund:innen Pug und Nikki versuchen die Organisation Intelligenzia und vor allem den HulkKing zu enttarnen und zur Rechenschaft zu ziehen. Derweil entschließt Jen der Selbsthilfegruppe von Blonsky einen Besuch abzustatten.

Unfreiwillig kreuzen sich bereits hier ihre Wege. Auf der Suche nach Blonsky findet sich Jen bei einem Treffen der Intelligenzia wieder, deren Spur auch ihre Freund:innen gefolgt sind. Emil sollte dabei in Form von Abomination eine Rede halten. Hier finden sie auch heraus, dass der sogenannte HulkKing niemand anderes als ihr ehemaliges Date und Ego-gekränkte Todd (Jon Bass) ist. Wie bereits vermutet, steckt hinter der Organisation eine Gruppe an Incells, denen auch Frauen wie Heldinnen wie Jane Foster aka Lady Thor sauer aufstoßen.

Mit erscheinen von Jen gerät die Situation außer Kontrolle, Bruce stößt dazu und legt sich mit der Abomination an, Todd wird plötzlich selbst zum Hulk und dann will Tatiana auch noch mitmischen. Jen möchte dieses Ende nicht, bricht die vierte Wand und findet sich bei Marvel wieder, wo sie ein Gespräch mit K.E.V.I.N. einfordert, der sich als KI entpuppt und die Kontrolle über alle Filme und Serien des MCU hat. Sie wünscht sich von ihm, dass Blonsky zurück ins Gefängnis geht, Todd vor Gericht treten soll, ihre Anklage fallen gelassen wird und gegen eine Rückkehr von Daredevil hätte sie dabei auch nichts… und genauso kommt es!

Bei einem Familienessen (der auch Matt Murdock beiwohnt) taucht schließlich Bruce auf, der seinen Sohn Skaar (Wil Deusner) von seiner Zeit auf Sakaar vorstellt.

In der Post-Credit Scene sehen wir nochmal Wong, der Blonsky nach Kamar Taj nimmt.

Meta-Hulk

Wo soll man hier anfangen? Dass wir hier die größte Meta-Ebene des MCU sehen, wie sich Marvel mit Themen wie Incels und Rache-Pornos befasst, oder die spannenden Easter Eggs und Parallelverweise der Folge?

Bereits das Intro setzt den Ton der Folge. Als Hommage an die Der unglaubliche Hulk-Serie aus den 70ern, wurde das alte Intro in die She-Hulk Serie übersetzt, und das so detailgetreu, dass man genau sieht, wie viel Herz dabei eingeflossen ist. Auch gibt es in diesem Staffelfinale zahlreiche Querverweise auf Comics wie beispielsweise Savage She-Hulk oder The sensational She-Hulk. All diese kleinen Elemente zeigen liebevoll die Verbundenheit zum Fundament, auf das das MCU aufgebaut ist.

Zudem hat mich persönlich sichtbarere rote Faden der Serie positiv überrascht, indem Momente des Anfangs wieder aufgenommen wurden und sich der Kreis an vielen Stellen schließt. Und so leicht die Serie auch daherkommt, spricht sie Themen an, die allgegenwärtig und ernst sind. Marvels nimmt sich Themen wie Rache-Pornos und Incels auf eine humoristische Art an und übt Kritik an denjenigen, die sich vor allem auch in der Marvel-Fan-Bubble gegen die wachsende Diversität im MCU aussprechen. Eben jene, die auch jetzt gegen den Charakter von She-Hulk schießen, obwohl auch ihr Charakter vorlagengetreu umgesetzt und von Tatiana Maslany hervorragend gespielt wird. Auch das setzt in Sachen Meta nochmal einen rauf.

Und wo wir schon bei Meta sind: Das Level, das Marvel in dieser Folge erreicht, war so noch nie vorher im MCU gesehen. In den Comics haben Charaktere wie She-Hulk, Gwenpool oder Deadpool Panels übersprungen, mit Autor:innen und Leser:innen gesprochen oder Einfluss auf ihre eigene Geschichte geübt. Auf dem Bildschirm hingegen stand mir ab dem Zeitpunkt, in dem Jen über das Disney+ Interface in die Serie Marvel Studios: Gemeinsam Unbesiegbar eintritt, der Mund auf. An einigen Stellen möchte man den Bildschirm anhalten und nach Easter Eggs Ausschau halten oder Personen googlen. Es gibt einige Punkte, wie das inkonsequente Sitcom-Format, das CGI oder der mangelnde rote Faden, worin die Serie einbüßt. Doch alleine für diese Folge, diese Grenzüberschreitung und Selbstkritik des MCU, lohnt es sich, die Serie geschaut zu haben!

7.4/10
Ordentlich
Community-Rating: (5 Votes)
Folge 1 7.5/10
Folge 2 7.4/10
Folge 3 7/10
Folge 4 7.6/10
Folge 5 7.2/10
Folge 6 7/10
Folge 7 7/10
Folge 8 7.6/10
Folge 9 8/10

Artikel vom 16. Oktober 2022

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