Kritik: Sex Education – Staffel 3

'cause they’re just teenage dirtbags baby!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Nach fast zwei Jahren Pause geht Netflix’ Coming-of-Age Serie 'Sex Education' in die nächste Runde. Ob die dritte Staffel der britischen Dramedy an den bisherigen Erfolg anknüpfen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! In Moordale weht ein neuer Wind! Mit diversen Skandalen und dem Sex-Positiven Musical zum Ende des letzten Schuljahres haben die Schüler:innen der Moordale Secondary School für einiges an Aufsehen gesorgt. Während Otis (Asa Butterfield), Maeve (Emma Mackey), Eric (Ncuti Gatwa) und Co. die Sommerferien damit verbringen, sich untereinander emotional und körperlich näher zukommen und auszuprobieren, ahnen sie noch nicht, das sich bald einiges ändern wird. Hope (Jemima Kirke) wird als neue Rektorin eingesetzt, die die Schule mit ganz besonderen Methoden und Einstellungen zum Thema Sex zu ihrem ehemaligen, skandalfreien Glanz verhelfen soll. Ob das gut geht? Im letzten Jahrzehnt ist die Gesellschaft zu einem Wandel aufgebrochen: Themen wie Gefühle, Geschlechter, Sexualität und Sex werden Schritt für Schritt enttabuisiert und immer öfter zum Mittelpunkt von Diskussionen, welche zum Umdenken anregen und veraltete, verletzende Denkmuster auflösen. Es ist nur logisch, dass auch die Film- und Fernsehlandschaft diesen Wandel aufgreift und zum Thema ihrer Geschichten macht. Doch meistens sind das Resultat Werke, die besagten Wandel und dessen Bedeutung eher schlecht als recht wiedergeben, oftmals wegen fehlendem Feingefühl. Aber zum Glück gibt es Serien wie Sex Education. Werbung So spricht man über Gefühle, Sex und das Erwachsenwerden! Im Grunde ist schnell erklärt, warum Sex Education so gut funktioniert: Es nimmt den eingangs erwähnten Wandel, die Vielfalt der Gesellschaft und die Sorgen und Gedanken von jungen Menschen ernst. Es wäre einfach, die Angst vor beispielsweise einem zu kleinen Penis oder dem ersten Mal für Witze auszuspielen, aber den Mehrwert sucht man bei solchen Witzen vergeblich. Showrunnerin Laurie Nunn und ihr Autor:innen-Team gehen den nächsten Schritt und schaffen es, überall diese Fragen, die man als junger Mensch eben hat, aufzuklären, ohne dabei Lehrer:innenhaft zu wirken oder die Leichtigkeit einer Coming-of-Age-Dramedy zu verlieren. Man könnte jetzt meinen, dass der emotionale Wirbelwind pubertierender Menschen und ihrer Eltern nicht über drei Staffel lang unterhalten kann, aber hier können wir Entwarnung geben. Die Fragen und Probleme, denen sich die Protagonist:innen stellen müssen, sind derart universell und für jede Altersgruppe relevant, dass ihr sicherlich bei mehr als einer Figur mitfühlen, -lachen und -leiden könnt. Zum anderen wirft die dritte Staffel eine spannende, neue Frage auf: Wie lässt sich ein System, dass Einheitlichkeit und Rollenkonformität fordert, mit der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit vereinbaren? Und was kann das für Folgen haben? Die Antwort, die Sex Education auf diese Frage gibt, ist nichts anderes als ein starkes und emotionales Plädoyer für Vielfalt, Gemeinschaft und Akzeptanz untereinander. Trotzdem zeigt die Serie auf, wie schwer es sei kann, sich selbst zu entdecken und zu sich selbst zu stehen, wenn man selbst nicht der vermeintlichen Norm entspricht. Stereotype mal anders Eine gute Geschichte lebt natürlich auch von spannenden, vielschichtigen Charakteren. Auf den ersten Blick könnte man hier sagen, dass sich Sex Education an vielen Stereotypen bedient und das wäre auch nicht einmal falsch. Aber wir kennen Otis, Jean (Gillian Anderson) und Co. inzwischen seit drei Staffel und können sagen: All diese augenscheinlich stereotypen Charaktere – und das ist ein weiterer Punkt, der das Netflix Original so großartig macht – sind eben nicht nur Stereotype. Alle Figuren fühlen sich wie echte Menschen mit einer Geschichte an und zeigen so, dass hinter der Fassade mehr steckt, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten mag. In der dritten Staffel geht diese Prämisse besonders bei Adam (Connor Swindells) und Ruby (Mimi Keene) auf, die im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinauswachsen. Werbung Ohne zu viel verraten zu wollen: Neuzugang Hope ist als knallharte und augenscheinlich progressive neue Rektorin eine spannende Antagonistin, hat allerdings ein wenig darunter zu leiden, dass für ihre Geschichte nicht wirklich Raum gefunden wurde. Neben anderen Charakteren wirkt sie deshalb teilweise nicht greifbar. Neben ihr strahlt Dua Saleh als weiterer Neuzugang Cal. Sie stellt eine nicht-binäre Figur da und gibt dieser oftmals unter- und falsch repräsentierten Gruppe in dem Netflix Original eine tolle Identifikationsfigur.  Schöne Bilder soweit das Auge reicht Auch optisch kann Sex Education wieder auf ganzer Linie überzeugen: Sei es durch die starke Kameraarbeit, die in den richtigen Momenten Nähe oder eben Distanz zu den Charakteren schafft, oder die saftigen, knalligen Farben, die uns als Publikum in diesen britischen Coming-of-Age-Traum entführen. Ihr werdet mit Sicherheit mehr als einmal über Bilder stolpern, die ihr euch gerne an die Wand hängen würdet. Abgerundet wird das Gesamtwerk durch einen starken Soundtrack, der die Geschichte nicht nur begleitet, sondern sie in vielen Moment auch auf musikalischer Ebene weitererzählt. Musik ist hier nicht nur Stimmungsmacher, sondern auch eine aktive Geschichtenerzählerin! Eine Serie für alle Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt es mir schwer in Worte zu fassen, warum Sex Education so großartig ist. Aber vielleicht liegt es auch auf der Hand: So lange erzählten Film und Fernsehen nur von dem einen, weißen und heterosexuellen Helden, der sich den Weg zu seiner großen Liebe erkämpft. So lange wurden zahlreiche Geschichten von Menschen, die sich eben nicht in dieser vermeintlichen Norm wiederfinden, nicht erzählt. Es ist so schön zu sehen, dass sich das endlich ändert und jede:r, egal welchem Geschlecht, welcher Sexualität, welcher Ethnie oder gesellschaftlichen Schicht man angehört, sich selbst in Film und Fernsehen wiederfinden kann. Der Weg ist sicherlich noch lang, aber mit Serien wie Sex Education als Blaupause stehen die Zeichen für die Zukunft der Unterhaltung gut. Fazit: Eine meisterhafte Fortsetzung einer rührenden Geschichte Das Netflix Original rund um die Schüler:innen der Moordale Secondary School schafft es, das Publikum mit einer berührenden und relevanten Geschichte und liebenswürdigen Charakteren in seinen Bann zu ziehen. Die dritte Staffel bleibt auf dem extrem hohen Niveau der vorherigen Folgen und enttäuscht zu keiner Sekunde – definitiv eine der besten Serien der letzten Jahre!
    Kritik: Sex Education – Staffel 3
    Handlung
    95%
    Schauspiel
    90%
    Tiefgang
    95%
    Emotionen
    90%
    Dialoge
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 17.09.2021
    Episoden: 24 in 3 Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , , , , , , ,
    Bildrechte: Netflix
  • YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

Gesamtbewertung:

Meisterwerk
92%

Nach fast zwei Jahren Pause geht Netflix’ Coming-of-Age Serie 'Sex Education' in die nächste Runde. Ob die dritte Staffel der britischen Dramedy an den bisherigen Erfolg anknüpfen kann, erfahrt ihr in unserer Kritik.

In Moordale weht ein neuer Wind!

Mit diversen Skandalen und dem Sex-Positiven Musical zum Ende des letzten Schuljahres haben die Schüler:innen der Moordale Secondary School für einiges an Aufsehen gesorgt. Während Otis (Asa Butterfield), Maeve (Emma Mackey), Eric (Ncuti Gatwa) und Co. die Sommerferien damit verbringen, sich untereinander emotional und körperlich näher zukommen und auszuprobieren, ahnen sie noch nicht, das sich bald einiges ändern wird. Hope (Jemima Kirke) wird als neue Rektorin eingesetzt, die die Schule mit ganz besonderen Methoden und Einstellungen zum Thema Sex zu ihrem ehemaligen, skandalfreien Glanz verhelfen soll. Ob das gut geht?

Chinenye Ezeudu und Jemima Kirke in Sex Education.

Die neue Rektorin Hope (Jemima Kirke) sorgt an Moordale für mehr Ordnung – zum Leidwesen der Schüler:innen.

Im letzten Jahrzehnt ist die Gesellschaft zu einem Wandel aufgebrochen: Themen wie Gefühle, Geschlechter, Sexualität und Sex werden Schritt für Schritt enttabuisiert und immer öfter zum Mittelpunkt von Diskussionen, welche zum Umdenken anregen und veraltete, verletzende Denkmuster auflösen.

Es ist nur logisch, dass auch die Film- und Fernsehlandschaft diesen Wandel aufgreift und zum Thema ihrer Geschichten macht. Doch meistens sind das Resultat Werke, die besagten Wandel und dessen Bedeutung eher schlecht als recht wiedergeben, oftmals wegen fehlendem Feingefühl. Aber zum Glück gibt es Serien wie Sex Education.

Werbung



So spricht man über Gefühle, Sex und das Erwachsenwerden!

Im Grunde ist schnell erklärt, warum Sex Education so gut funktioniert: Es nimmt den eingangs erwähnten Wandel, die Vielfalt der Gesellschaft und die Sorgen und Gedanken von jungen Menschen ernst. Es wäre einfach, die Angst vor beispielsweise einem zu kleinen Penis oder dem ersten Mal für Witze auszuspielen, aber den Mehrwert sucht man bei solchen Witzen vergeblich. Showrunnerin Laurie Nunn und ihr Autor:innen-Team gehen den nächsten Schritt und schaffen es, überall diese Fragen, die man als junger Mensch eben hat, aufzuklären, ohne dabei Lehrer:innenhaft zu wirken oder die Leichtigkeit einer Coming-of-Age-Dramedy zu verlieren.

Aimee Lou Wood und Emma Mackey in Sex Education.

Die Freundschaft zwischen Aimee (Aimee Lou Wood) und Maeve (Emma Mackey) spielt auch in der dritten Staffel 'Sex Education' eine wichtige Rolle.

Man könnte jetzt meinen, dass der emotionale Wirbelwind pubertierender Menschen und ihrer Eltern nicht über drei Staffel lang unterhalten kann, aber hier können wir Entwarnung geben. Die Fragen und Probleme, denen sich die Protagonist:innen stellen müssen, sind derart universell und für jede Altersgruppe relevant, dass ihr sicherlich bei mehr als einer Figur mitfühlen, -lachen und -leiden könnt.

Zum anderen wirft die dritte Staffel eine spannende, neue Frage auf: Wie lässt sich ein System, dass Einheitlichkeit und Rollenkonformität fordert, mit der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit vereinbaren? Und was kann das für Folgen haben? Die Antwort, die Sex Education auf diese Frage gibt, ist nichts anderes als ein starkes und emotionales Plädoyer für Vielfalt, Gemeinschaft und Akzeptanz untereinander. Trotzdem zeigt die Serie auf, wie schwer es sei kann, sich selbst zu entdecken und zu sich selbst zu stehen, wenn man selbst nicht der vermeintlichen Norm entspricht.

Stereotype mal anders

Eine gute Geschichte lebt natürlich auch von spannenden, vielschichtigen Charakteren. Auf den ersten Blick könnte man hier sagen, dass sich Sex Education an vielen Stereotypen bedient und das wäre auch nicht einmal falsch. Aber wir kennen Otis, Jean (Gillian Anderson) und Co. inzwischen seit drei Staffel und können sagen: All diese augenscheinlich stereotypen Charaktere – und das ist ein weiterer Punkt, der das Netflix Original so großartig macht – sind eben nicht nur Stereotype.

Asa Butterfield und Mimi Keene in Sex Education.

Neben Alltime-Favorites wie Otis (Asa Butterfield) ist die aus den Vorgängerstaffeln bekannte Ruby (Mimi Keene) eines der Highlights der neuen Folgen.

Alle Figuren fühlen sich wie echte Menschen mit einer Geschichte an und zeigen so, dass hinter der Fassade mehr steckt, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten mag. In der dritten Staffel geht diese Prämisse besonders bei Adam (Connor Swindells) und Ruby (Mimi Keene) auf, die im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinauswachsen.

Werbung



Ohne zu viel verraten zu wollen: Neuzugang Hope ist als knallharte und augenscheinlich progressive neue Rektorin eine spannende Antagonistin, hat allerdings ein wenig darunter zu leiden, dass für ihre Geschichte nicht wirklich Raum gefunden wurde. Neben anderen Charakteren wirkt sie deshalb teilweise nicht greifbar. Neben ihr strahlt Dua Saleh als weiterer Neuzugang Cal. Sie stellt eine nicht-binäre Figur da und gibt dieser oftmals unter- und falsch repräsentierten Gruppe in dem Netflix Original eine tolle Identifikationsfigur. 

Schöne Bilder soweit das Auge reicht

Auch optisch kann Sex Education wieder auf ganzer Linie überzeugen: Sei es durch die starke Kameraarbeit, die in den richtigen Momenten Nähe oder eben Distanz zu den Charakteren schafft, oder die saftigen, knalligen Farben, die uns als Publikum in diesen britischen Coming-of-Age-Traum entführen. Ihr werdet mit Sicherheit mehr als einmal über Bilder stolpern, die ihr euch gerne an die Wand hängen würdet.

Abgerundet wird das Gesamtwerk durch einen starken Soundtrack, der die Geschichte nicht nur begleitet, sondern sie in vielen Moment auch auf musikalischer Ebene weitererzählt. Musik ist hier nicht nur Stimmungsmacher, sondern auch eine aktive Geschichtenerzählerin!

Eine Serie für alle

Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt es mir schwer in Worte zu fassen, warum Sex Education so großartig ist. Aber vielleicht liegt es auch auf der Hand: So lange erzählten Film und Fernsehen nur von dem einen, weißen und heterosexuellen Helden, der sich den Weg zu seiner großen Liebe erkämpft. So lange wurden zahlreiche Geschichten von Menschen, die sich eben nicht in dieser vermeintlichen Norm wiederfinden, nicht erzählt.

Ncuti Gatwa und Asa Butterfield in Sex Education.

Nach wie vor das wahre Power-Couple von 'Sex Education': Eric (Ncuti Gatwa) und Otis (Asa Butterfield).

Es ist so schön zu sehen, dass sich das endlich ändert und jede:r, egal welchem Geschlecht, welcher Sexualität, welcher Ethnie oder gesellschaftlichen Schicht man angehört, sich selbst in Film und Fernsehen wiederfinden kann. Der Weg ist sicherlich noch lang, aber mit Serien wie Sex Education als Blaupause stehen die Zeichen für die Zukunft der Unterhaltung gut.

Fazit:

Eine meisterhafte Fortsetzung einer rührenden Geschichte

Das Netflix Original rund um die Schüler:innen der Moordale Secondary School schafft es, das Publikum mit einer berührenden und relevanten Geschichte und liebenswürdigen Charakteren in seinen Bann zu ziehen. Die dritte Staffel bleibt auf dem extrem hohen Niveau der vorherigen Folgen und enttäuscht zu keiner Sekunde – definitiv eine der besten Serien der letzten Jahre!

❯ Alle Artikel
SCHREIBE EINEN KOMMENTAR
Noch kein Kommentar

Antworten

*

*