Kritik: The Wilds – Staffel 1

Schiffbruch mal anders
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Titelbild zur Serie "The Wilds"
    © Amazon Studios
  • Amazon Prime präsentiert mit 'The Wilds' ein fast schon abgegriffenes Thema: Teenager allein auf einer Insel. Doch hinter diesem abgedroschenen Szenario steckt mehr, als man zunächst glauben mag… Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht’s: Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Nahrung, Trinkwasser, ein Feuerzeug oder ein Funkgerät? Gedanken, mit denen wahrscheinlich jeder von uns schon mal gespielt hat, doch trotzdem packt kaum jemand von uns Dinge in sein Urlaubs-Gepäck, die im Falle eines Flugzeugabsturzes nützlich sein könnten, oder? Auch die acht Protagonistinnen der Serie schenken diesem Gedankenexperiment keinerlei Beachtung, als sie in das Flugzeug nach Hawaii steigen, um an einem Spa-/Therapie-Wochenende für junge Frauen teilzunehmen. Doch als das Flugzeug tatsächlich abstürzt, finden sich die grundlegend verschiedenen Mädchen mitten im Nirgendwo wieder und müssen sich zusammentun, um zu überleben. Gestrandet zwischen Klischees Das Thema Schiffbruch scheint abgedroschen: [glossary_exclude]Cast[/glossary_exclude] Away, Die blaue Lagune oder Lost - Daniel Defoes Robinsonade wurde schon vielfach verwendet, sei es in der Literatur oder im Kino. Wahnsinnig innovativ ist der Plot von The Wilds also nicht. Jedoch bringen die Macher durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge so viele Facetten in die Handlung ein, dass sie Story gar nicht langweilig werden kann. Im Gegenteil: Nach jeder Folge fragt man sich nicht nur, wie es weitergeht, sondern auch was die Lebensgeschichten der anderen Charaktere sind und was diese vielleicht zu verbergen haben.  Außerdem werden viele Fragen aufgeworfen, deren Antwort man unbedingt wissen muss: Wie sind die Mädchen überhaupt auf der Insel gelandet? War der Flugzeugabsturz reiner Zufall oder steckt mehr dahinter? Und was hat das “Dawn of Eve” - Programm mit der Katastrophe zu tun? Die Erklärungen zu den Fragen wirken zwar manchmal etwas zu abgehoben und weit hergeholt, was wiederum andere Fragen aufwirft, am Ende wirkt trotzdem alles rund und natürlich auch unterhaltsam. Die vielen Handlungs-und Zeitebenen sorgen für das richtige Maß an Abwechslung zwischen abwegiger Verschwörung und emotionalen Rückblicken, sodass trotz so manchem Fragezeichen die Spannung erhalten bleibt. Menschliche Abgründe und emotionale Tiefpunkte Während die Rahmenhandlung also durchaus mehr Logik, Zusammenhang und Originalität hätte vertragen können, sind die Ausflüge in die verschiedenen Lebensgeschichten der Mädchen umso spannender und komplexer. Hier geht es nämlich nicht nur um normale Teenager-Probleme. Die Protagonistinnen sahen sich mit vielen Dingen konfrontiert, die sich viele von uns gar nicht vorstellen können. Sensible Themen werden in der Serie auf fast einzigartige Weise dargestellt und mit dem nötigen Feingefühl und Respekt behandelt, sodass die Art und Weise, wie die Mädchen mit ihren Traumata umgehen, angemessen herausgearbeitet wird.  Körperlicher und seelischer Verfall sind in The Wilds brillant dargestellt und in Szene gesetzt, denn wir sehen von der Sonne verbrannte Kleidung, schmutzige Gesichter und traurige Augen. Am Verhalten der Gruppe merken wir, dass die Umstände nicht nur dem Körper zu schaffen machen, sondern auch dem geistige Zustand schwer zu schaffen machen. Darüber hinaus gibt es mindestens einen der vielfältigen Charakterzüge der Hauptfiguren, mit dem wir uns identifizieren können, sei es Unsicherheit oder Eifersucht, Ehrgeiz oder Humor. Vor allem aber der hohe Druck und die Erwartungshaltung, die an die Mädchen gerichtet ist und unter dem sie leiden, macht die Figuren gerade für junges Publikum sehr zugänglich.  Werbung Traurige Schicksale Was der Serie in den anderen Bereichen also vielleicht fehlen mag, macht sie durch die diversen Lebensgeschichten der Hauptpersonen wieder wett, denn zuhause hat jedes der Mädchen sein eigenes Päckchen zu tragen. Die verwöhnte Fatin (Sophia Ali) wird von ihren reichen Eltern zum Cello spielen gedrillt und muss nebenbei mit deren Problemen umgehen. Leah (Sarah Pidgeon) erholt sich von einer harten Trennung und einem Unfall und die toughe Dot (Shannon Berry) muss ihren krebskranken Vater pflegen und Geld für Medikamente auftreiben. Shelby (Mia Healey) versteckt ihre wahre Persönlichkeit vor ihren streng christlichen Eltern und muss mit einem schlimmen Verlust umgehen. Martha (Jenna Clause), Indigena und tierliebe Vegetarierin, verarbeitet ein schweres Trauma aus ihrer Kindheit, während ihre beste Freundin Toni (Erana James) versucht, ihre massiven Aggressionen in den Griff zu bekommen. Rachel (Reign Edwards), die als Schwimmerin für Olympia trainiert, kämpft gegen ihren eigenen Körper und ihre Schwester Nora (Helena Howard), Bücherwurm mit Sozialphobie, sorgt sich um ihre Schwester.  Doch neben den zahlreichen Problemen und Sorgen bringen die Mädchen auch ihre eigenen Qualitäten und Stärken mit auf die Insel. Sei es Fatins Garderobe, Dots Survival Skills, Rachels Schwimmfähigkeiten oder Noras Wissen - die Mädchen formen ein starkes Team, wären da nicht die persönlichen Dramen und Konflikte. Auch Hunger und Kälte tragen dazu bei, den Frieden im Inselparadies zu stören und führen dazu, dass nach und nach auch die dunklen Charakterzüge der jungen Frauen ans Licht kommen. Beeindruckende Performance Die schauspielerische Leistung der jungen Darstellerinnen sollte keinesfalls unerwähnt bleiben. Jede einzelne von ihnen schafft es, die Eigenheiten ihrer Figur glaubhaft zu vermitteln. Sei es Mia Healeys aufgesetztes Lächeln, mit dem sie ihrer Figur Shelby das gewisse Etwas verleiht oder Shannon Berrys Entschlossenheit, die sich in jeder Faser von Dot widerspiegelt. Die Charaktere passen sowohl äußerlich als auch in den Bereichen der Gestik und Mimik wie die Faust aufs Auge. Mit so vielen im Fokus stehenden Figuren ist es oft schwer, jede Darstellerin unter die Lupe zu nehmen, doch in The Wilds spielt jede der Frauen auch in harten Szenen fantastisch und mitreißend. Die Darstellung der Figuren wirkt durch die treffend gewählten Schauspielerinnen unfassbar intensiv, sodass seelischer, aber auch moralischer Verfall präzise hervorgehoben werden. Fazit: Solides Insel-Drama Insgesamt handelt es sich bei The Wilds um eine runde Sache. Natürlich hat die Handlung ihre Schwächen: Der Plot ist zwar durchaus innovativ gemeint, hinkt aber an manchen Stellen und wirkt somit aufgesetzt, erzwungen und irgendwie hat man das alles schon mal gesehen. Bei den Erklärungen für die Katastrophe wimmelt es vor Klischees. Trotzdem kann man über all das leicht hinweg sehen, denn was Charaktere, Tiefgang und Schauspiel angeht ist die Serie mehr als stark und überzeugt mit Einfühlungsvermögen, Emotionen, tollen Schauspieler:innen und genügend Spannung. Das offene Ende lässt hoffen, dass die Serie in der folgenden Staffel nicht zu sehr in die Teenager-Drama-Kategorie abrutscht. Zusammengefasst ist The Wilds eine gut gemeinte, unterhaltsame Serie, die natürlich nicht nur für das jüngere Publikum geeignet ist. Menschen, die Spaß an Diversität in Serien haben, kommen genauso auf ihre Kosten, wie Freunde von Mysterien oder Verschwörungen. Aber auch Fans von emotionalem Drama oder Survival-Shows können der Serie was abgewinnen.
    Kritik: The Wilds – Staffel 1
    Handlung
    60%
    Spannung
    65%
    Tiefgang
    75%
    Charaktere
    80%
    Schauspiel
    80%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 11.12.2020
    Episoden: 10 in 1 Staffel
    FSK: 16
    Genre: , ,
    Showrunner: , , , , , , ,
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: Amazon Studios
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Gesamtbewertung:

Ordentlich
72%

Amazon Prime präsentiert mit 'The Wilds' ein fast schon abgegriffenes Thema: Teenager allein auf einer Insel. Doch hinter diesem abgedroschenen Szenario steckt mehr, als man zunächst glauben mag…

Darum geht’s:

Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Nahrung, Trinkwasser, ein Feuerzeug oder ein Funkgerät? Gedanken, mit denen wahrscheinlich jeder von uns schon mal gespielt hat, doch trotzdem packt kaum jemand von uns Dinge in sein Urlaubs-Gepäck, die im Falle eines Flugzeugabsturzes nützlich sein könnten, oder? Auch die acht Protagonistinnen der Serie schenken diesem Gedankenexperiment keinerlei Beachtung, als sie in das Flugzeug nach Hawaii steigen, um an einem Spa-/Therapie-Wochenende für junge Frauen teilzunehmen. Doch als das Flugzeug tatsächlich abstürzt, finden sich die grundlegend verschiedenen Mädchen mitten im Nirgendwo wieder und müssen sich zusammentun, um zu überleben.

Gestrandet auf einer einsamen Insel - Albtraum oder Chance?

Gestrandet zwischen Klischees

Das Thema Schiffbruch scheint abgedroschen: Cast Away, Die blaue Lagune oder Lost - Daniel Defoes Robinsonade wurde schon vielfach verwendet, sei es in der Literatur oder im Kino. Wahnsinnig innovativ ist der Plot von The Wilds also nicht. Jedoch bringen die Macher durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge so viele Facetten in die Handlung ein, dass sie Story gar nicht langweilig werden kann. Im Gegenteil: Nach jeder Folge fragt man sich nicht nur, wie es weitergeht, sondern auch was die Lebensgeschichten der anderen Charaktere sind und was diese vielleicht zu verbergen haben. 

Hunger und Kälte machen allen zu schaffen...

Außerdem werden viele Fragen aufgeworfen, deren Antwort man unbedingt wissen muss: Wie sind die Mädchen überhaupt auf der Insel gelandet? War der Flugzeugabsturz reiner Zufall oder steckt mehr dahinter? Und was hat das “Dawn of Eve” - Programm mit der Katastrophe zu tun? Die Erklärungen zu den Fragen wirken zwar manchmal etwas zu abgehoben und weit hergeholt, was wiederum andere Fragen aufwirft, am Ende wirkt trotzdem alles rund und natürlich auch unterhaltsam. Die vielen Handlungs-und Zeitebenen sorgen für das richtige Maß an Abwechslung zwischen abwegiger Verschwörung und emotionalen Rückblicken, sodass trotz so manchem Fragezeichen die Spannung erhalten bleibt.

Menschliche Abgründe und emotionale Tiefpunkte

Während die Rahmenhandlung also durchaus mehr Logik, Zusammenhang und Originalität hätte vertragen können, sind die Ausflüge in die verschiedenen Lebensgeschichten der Mädchen umso spannender und komplexer. Hier geht es nämlich nicht nur um normale Teenager-Probleme. Die Protagonistinnen sahen sich mit vielen Dingen konfrontiert, die sich viele von uns gar nicht vorstellen können. Sensible Themen werden in der Serie auf fast einzigartige Weise dargestellt und mit dem nötigen Feingefühl und Respekt behandelt, sodass die Art und Weise, wie die Mädchen mit ihren Traumata umgehen, angemessen herausgearbeitet wird. 

Jeder hat etwas zu verbergen...

Körperlicher und seelischer Verfall sind in The Wilds brillant dargestellt und in Szene gesetzt, denn wir sehen von der Sonne verbrannte Kleidung, schmutzige Gesichter und traurige Augen. Am Verhalten der Gruppe merken wir, dass die Umstände nicht nur dem Körper zu schaffen machen, sondern auch dem geistige Zustand schwer zu schaffen machen. Darüber hinaus gibt es mindestens einen der vielfältigen Charakterzüge der Hauptfiguren, mit dem wir uns identifizieren können, sei es Unsicherheit oder Eifersucht, Ehrgeiz oder Humor. Vor allem aber der hohe Druck und die Erwartungshaltung, die an die Mädchen gerichtet ist und unter dem sie leiden, macht die Figuren gerade für junges Publikum sehr zugänglich. 

Werbung



Traurige Schicksale

Was der Serie in den anderen Bereichen also vielleicht fehlen mag, macht sie durch die diversen Lebensgeschichten der Hauptpersonen wieder wett, denn zuhause hat jedes der Mädchen sein eigenes Päckchen zu tragen. Die verwöhnte Fatin (Sophia Ali) wird von ihren reichen Eltern zum Cello spielen gedrillt und muss nebenbei mit deren Problemen umgehen. Leah (Sarah Pidgeon) erholt sich von einer harten Trennung und einem Unfall und die toughe Dot (Shannon Berry) muss ihren krebskranken Vater pflegen und Geld für Medikamente auftreiben. Shelby (Mia Healey) versteckt ihre wahre Persönlichkeit vor ihren streng christlichen Eltern und muss mit einem schlimmen Verlust umgehen. Martha (Jenna Clause), Indigena und tierliebe Vegetarierin, verarbeitet ein schweres Trauma aus ihrer Kindheit, während ihre beste Freundin Toni (Erana James) versucht, ihre massiven Aggressionen in den Griff zu bekommen. Rachel (Reign Edwards), die als Schwimmerin für Olympia trainiert, kämpft gegen ihren eigenen Körper und ihre Schwester Nora (Helena Howard), Bücherwurm mit Sozialphobie, sorgt sich um ihre Schwester. 

Was hat Martha (Jenna Clause) erlebt?

Doch neben den zahlreichen Problemen und Sorgen bringen die Mädchen auch ihre eigenen Qualitäten und Stärken mit auf die Insel. Sei es Fatins Garderobe, Dots Survival Skills, Rachels Schwimmfähigkeiten oder Noras Wissen - die Mädchen formen ein starkes Team, wären da nicht die persönlichen Dramen und Konflikte. Auch Hunger und Kälte tragen dazu bei, den Frieden im Inselparadies zu stören und führen dazu, dass nach und nach auch die dunklen Charakterzüge der jungen Frauen ans Licht kommen.

Beeindruckende Performance

Die schauspielerische Leistung der jungen Darstellerinnen sollte keinesfalls unerwähnt bleiben. Jede einzelne von ihnen schafft es, die Eigenheiten ihrer Figur glaubhaft zu vermitteln. Sei es Mia Healeys aufgesetztes Lächeln, mit dem sie ihrer Figur Shelby das gewisse Etwas verleiht oder Shannon Berrys Entschlossenheit, die sich in jeder Faser von Dot widerspiegelt. Die Charaktere passen sowohl äußerlich als auch in den Bereichen der Gestik und Mimik wie die Faust aufs Auge.

Mit so vielen im Fokus stehenden Figuren ist es oft schwer, jede Darstellerin unter die Lupe zu nehmen, doch in The Wilds spielt jede der Frauen auch in harten Szenen fantastisch und mitreißend. Die Darstellung der Figuren wirkt durch die treffend gewählten Schauspielerinnen unfassbar intensiv, sodass seelischer, aber auch moralischer Verfall präzise hervorgehoben werden.

Fazit:

Solides Insel-Drama

Insgesamt handelt es sich bei The Wilds um eine runde Sache. Natürlich hat die Handlung ihre Schwächen: Der Plot ist zwar durchaus innovativ gemeint, hinkt aber an manchen Stellen und wirkt somit aufgesetzt, erzwungen und irgendwie hat man das alles schon mal gesehen. Bei den Erklärungen für die Katastrophe wimmelt es vor Klischees. Trotzdem kann man über all das leicht hinweg sehen, denn was Charaktere, Tiefgang und Schauspiel angeht ist die Serie mehr als stark und überzeugt mit Einfühlungsvermögen, Emotionen, tollen Schauspieler:innen und genügend Spannung. Das offene Ende lässt hoffen, dass die Serie in der folgenden Staffel nicht zu sehr in die Teenager-Drama-Kategorie abrutscht.

Zusammengefasst ist The Wilds eine gut gemeinte, unterhaltsame Serie, die natürlich nicht nur für das jüngere Publikum geeignet ist. Menschen, die Spaß an Diversität in Serien haben, kommen genauso auf ihre Kosten, wie Freunde von Mysterien oder Verschwörungen. Aber auch Fans von emotionalem Drama oder Survival-Shows können der Serie was abgewinnen.

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