8.6/10

Kritik: American Crime Story – Staffel 2: The Assassination of Gianni Versace

WOHER KOMMEN SERIENKILLER?

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Genres: Drama, Krimi, Thriller, Startdatum: 17.01.2018

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Neue Staffel, neuer Fall: Nachdem das Format ‚American Crime Story‘ mit dem Fall O.J. Simpson einen mordstarken Start hinlegte, musste für die Fortsetzung ein mindestens ebenso packendes, wahres Verbrechen recherchiert werden. Das Attentat auf Modedesigner Gianni Versace soll es also sein. Wie stark die zweite Staffel ist und inwiefern sie sich von der ersten Staffel unterscheidet, erfahrt ihr in der Bewertung und Kritik.

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#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Darum geht’s

15. Juli 1997: Der italienische Modestar Gianni Versace (Edgar Ramirez) wird auf den Eingangsstufen seiner Residenz in Florida erschossen. Es gibt einen Hauptverdächtigen, doch es fehlt ein Motiv. Serienkiller Andrew Cunanan (Darren Criss) sei der Täter. Eine landesweite Fahndung soll Andrew endgültig zur Strecke bringen.

Je weiter die Staffel voranschreitet, desto mehr erfahren wir über den Mörder. Andrew Cunanan ist intelligent, attraktiv und schwul. Diese Attribute nutzt er schamlos aus, indem er sich an alte, reiche Männer verkauft, die ihre Homosexualität mit einem jüngeren Partner ausleben wollen. Das geschnorrte Geld steckt Andrew in plakativen Luxus, um Status und Ansehen zu erlangen. Diese Selbstinszenierung mündet schnell in notorisches Lügen und Hochstapeln, das ihn immer mehr von der Gesellschaft entfremdet. Doch wieso wird Andrew ein Serienmörder, der innerhalb von drei Monaten fünf Menschen ermordet? Was ist sein Verhältnis zu Versace? Die Antworten liegen in der Vergangenheit…

Anders als Staffel 1

Im Gegensatz zu The People v. O.J. Simpson konzentriert sich The Assassination of Gianni Versace auf die Geschichte des Mörders. Polizei und Justiz sind hier nur eine Randnotiz. (Reim!) Selbst Versace ist nicht mehr als ein Nebencharakter. Das Skript fokussiert sich voll und ganz auf dessen Mörder Andrew Cunanan.

Während die erste Staffel American Crime Story den Medienzirkus um O.J. Simpson einfing, umschifft Staffel 2 die Öffentlichkeit und legt den Fokus auf einzelne Charaktere und deren Innenleben. Statt „das große Ganze“ zu erklären, zeigt die Serie nun die Rückseite eines öffentlichen Verbrechens, das ähnlich wie der Simpson-Prozess einen medialen Aufruhr erzeugte. Davon spüren wir dieses Mal aber nichts.

Vom Anfang zum Ende

Die Geschichte von Andrew wird rückwärts erzählt. Wie Schichten einer Zwiebel arbeitet sich das Drehbuch immer weiter ins Innere vor. Je weiter man in die Vergangenheit reist, desto mehr erfährt man über Andrews unglückliche Charakterentwicklung. Die Erzählstruktur erinnert an Christopher Nolans Memento: Durch die umgekehrte Aneinanderreihung von Handlungsabschnitten fügt sich das Gesamtbild erst später zusammen – wie ein Puzzle, dessen Bild immer deutlicher wird.

Wer rückwärts läuft, sollte dabei nicht über seine eigenen Füße stolpern: Zu Beginn hat American Crime Story nämlich deutliche Schwierigkeiten, den virtuosen Erzählstil zu etablieren. Es wird wild zwischen den Jahren und Monaten hin und her gesprungen. Doch was zuerst wie ein unnötiges und prätentiöses Stilmittel wirkt, erweist sich mit den fortschreitenden Episoden als logisches Konzept, das die Geschichte so spannend und nachvollziehbar wie möglich erzählt. Die Spannung baut nämlich nicht auf die Ermordung von Versace auf, sondern auf die Suche nach den Motiven des Mörders.

Gedanken eines Serienkillers

Darren Criss als Andrew Cunanan ist eine absolute Wucht. Der extrovertierte, weibische Schönling passt einfach nicht in das Profil eines Serienmörders, was die Exploration des Charakters umso interessanter und beängstigender macht. Criss’ Performance lässt einen genauso oft erschaudern, wie sie einen mitfühlen lässt. Cunanan als Hauptcharakter ist der größte Trumpf der zweiten Staffel.

Versace-Geschwister als Fußnote

Cuba Gooding Jr. als O.J. Simpson war eher schwaches Casting. Staffel 2 hat dazugelernt, denn die Besetzungen sind mehr als perfekt; sie sind echte Doppelgänger. Edgar Ramírez als Gianni Versace ist von seinem wahren Vorbild ununterscheidbar. Hier sitzt der Look, die Gestik und der italienische Akzent. Auch Penélope Cruz als Giannis Schwester Donatella imitiert die Vize-Präsidentin der Modefirma lupenrein. Leider haben die beiden überraschend wenig zu tun. Man erfährt nicht viel über das Leben der italienischen Modedesigner. Versaces Figur wird sogar absichtlich verschwommen, beinahe schon mystisch dargestellt. Eine mutige Entscheidung – und dennoch die richtige Entscheidung.

Die Geschichte der Versaces überschneidet sich nur am Anfang und am Ende der Staffel mit Cunanans Hauptstory. Dennoch werden immer wieder Parallelen gezogen, die Versaces und Cunanans Werdegänge als konträre Gegensätze darstellen. Versace ist der Erschaffer, Cunanan der Zerstörer. American Crime Story zeigt hervorragend, wie Ereignisse aus der Vergangenheit die Psyche eines Menschen formen können. Werden Psychopathen geboren oder gemacht? Die Serie scheint die Antwort zu kennen.

Gesellschaftliche Statements

Cunanan wird zum Opfer seiner eigenen Selbstdarstellung. Das Konstrukt aus Selbstinszenierung, Oberflächlichkeit und Lügen ist so wackelig wie ein Kartenhaus und droht jederzeit einzubrechen. Damit erlaubt sich American Crime Story einen Seitenhieb gegen die „Generation Instagram“, deren größtes Interesse es zu sein scheint, Freunde und Bekannte mit Oberflächlichkeiten zu beeindrucken. Wer diesem Druck der kapitalistischen Gesellschaft nicht standhalten kann, dem droht die Entfremdung. Wohin diese Entfremdung führen kann, offenbart Staffel 2 auf grausame Weise. American Crime Story zeigt mit dem Finger, statt den Finger zu erheben, wodurch die Message noch eindringlicher wirkt.

Eine ebenso große Rolle spielt Homosexualität. Es ist kein Zufall, dass sich Cunanan nur schwule Männer als Opfer ausgesucht hat. Während Versace sein Coming-Out vor laufender Kamera festhält, haben die anderen Mordopfer ihre Sexualität vor der Gesellschaft weitgehend versteckt. Projiziert Andrew Cunanan seinen eigenen Konflikt auf seine Opfer? Die Antwort ist nicht einfach und entfaltet sich erst am Schluss in ihrer Vollständigkeit. Hier haben die Drehbuchautoren ganze Arbeit geleistet: Das Finale der Staffel schließt den Kreis einer stringenten Erzählung, die keine Lücken lässt. Story-Lücken werden gestopft und Charakterentwicklungen vorbildlich zu Ende geführt. Von dieser Stringenz können sich andere Serien eine Scheibe abschneiden!

Fazit

8.6/10
Sehr gut
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 8.5/10
Spannung 8.5/10
Schauspiel 9.5/10
Visuelle Umsetzung 8.5/10
Emotionen 8/10
Details:
Showrunner: Larry Karaszewski, Scott Alexander, Tom Rob Smith,
FSK: 16 Episoden: 19
Besetzung: Annaleigh Ashford, Darren Criss, Edgar Ramírez, Penélope Cruz,

Ein starker Gegenentwurf zur ersten Staffel

Die Geschichte ist kleiner, einfacher und persönlicher. Staffel 2 schlägt einen komplett anderen Weg ein als Staffel 1 und konzentriert sich auf die Geschichte des Täters statt auf die der Verfolger. Die Psyche von Hauptcharakter Andrew Cunanan ist ein düsterer Ort, der Folge für Folge stärker beleuchtet wird. Die rückwärts erzählte Geschichte des Serienkillers hat nicht viel mit Versace zu tun, bietet aber erschreckende Einblicke in die Entfremdung von Moral und Gesellschaft. The Assassination of Gianni Versace ist ein beeindruckendes Mörder-Porträt, das sich als weniger unterhaltsam aber umso intensiver als The People v. O.J. Simpson entpuppt. Ob American Crime Story das hohe Niveau mit der kommenden dritten Staffel halten kann, die auf dem Buch Five Days at Memorial: Life and Death in a Storm-ravaged Hospital von Sheri Finck basieren soll, bleibt abzuwarten.

Artikel vom 18. Januar 2019

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