Kritik: ÜberWeihnachten – Staffel 1

Weihnachten mit der Familie = Chaos pur!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Titelbild zur Kritik "ÜberWeihnachten"
  • Netflix präsentiert mit 'ÜberWeihnachten' eine neue Weihnachtsserie aus Deutschland mit dem Publikumsliebling Luke Mockridge in der Hauptrolle. Unser Redaktionsinterner Grinch hat sich an eine Kritik gewagt - und kam zu einem überraschenden Ergebnis.  Wenig Zeit? Zum Fazit! Bevor ihr diese Kritik lest, eine wichtige Information über mich: Ich kann Weihnachten und Weihnachtsfilmen und -serien jeglicher Art nichts abgewinnen. Auch Luke Mockridge, das Wunderkind der deutschen Fernsehlandschaft, konnte bei mir bisher noch nicht punkten. Von daher mag eine deutsche Weihnachtsserie, in der Mockridge die Hauptrolle übernimmt, für viele ein wahr gewordener Traum sein, doch für mich ist sie eher ein Alptraum. Und dennoch hat irgendwas an dem riesigen Plakat, das in der Kölner Innenstadt hing, mich neugierig gemacht. Also hab ich all meinen Mut zusammengenommen und mich in einem Rutsch an ÜberWeihnachten gesetzt. Doch worum geht es überhaupt? Ein ganz "normales" Weihnachtsfest Bastian (Luke Mockridge), ein mutloser Musiker, der sich in Berlin mit einem Job im Callcenter über Wasser hält, fährt über Weihnachten zur Familie in die Eifel. Dort erwarten ihn neben seinen gestressten Eltern (Johanna Gastdorf und Rudolf Kowalski) und seiner frechen Großmutter (Carmen-Maja Antoni) auch sein Bruder Niklas (Lucas Reiber). Der hat wohl die größte Überraschung für Bastian mitgebracht: Fine (Cristina do Rego), ihres Zeichens Ex-Freundin von Bastian, sitzt dieses Weihnachten als neue Freundin von Niklas am Tisch. Völlig geschockt von der frohen Botschaft lernt Basti Karina (Seyneb Saleh) kennen, die erste Freundin seines kleinen Bruders. Kurz und knapp: Das Chaos ist perfekt. Werbung Schon wieder nur Klischees? Was einen Weihnachtsfilm ausmacht? Viel Herz, viel Wärme, viel schöne Atmosphäre und genau die richtige Menge an Kitsch. ÜberWeihnachten - übrigens lose basierend auf dem Buch „7 Kilo in 3 Tagen“ von Christian Hubert - vereint genau diese Elemente in sich. Also warum habe ich das Netflix Original nicht zu den ganzen Aschenbrödels, Kevins und Weihnachtsmännern auf den „Bloß nicht anfassen!“-Stapel geworfen? Das ist relativ einfach erklärt: Vor allem in den ersten beiden der drei Episoden schlägt die Serie einen anderen Weg ein und widmet sich zweien DER großen Weihnachtsthemen für junge Erwachsene: Die Rückkehr in die Heimat und dem damit einhergehenden Stress. All die Begegnungen und Erfahrungen, die Bastian über Weihnachten in seinem beschaulichen Heimatdorf macht und erlebt, wirken in ihren Ansätzen so lebensnah und echt, dass ich als wahrhaftiger Grinch und Weihnachtsmuffel zum gefühlt ersten Mal eine Weihnachtsgeschichte gesehen habe, die das ach so tolle Fest zeigt, wie es wirklich ist: Anstrengend, ein bisschen nervig und unangenehm, aber irgendwie doch ganz schön. Zum Schluss hin „verliert“ sich ÜberWeihnachten, wie andere Genrevertreter, in Weihnachtsklischees und einer mehr oder weniger heilen Welt. Das ist aber wahrscheinlich genau das, was das breite Publikum von einer neuen Weihnachtsserie auch erwartet. Nur in Bezug auf einen Nebencharakter nimmt die Handlung einige sehr unglückliche Wendungen, die trotz als positiv verkaufte Auflösung einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Regisseur Tobi Baumann, der auch am Drehbuch beteiligt war, hat das Rad hier also nicht neu erfunden. Die typischen Krankheiten des deutschen Films, wie beispielsweise zum Teil hölzerne Dialoge und entsprechend gestelltes Schauspiel sieht man auch hier mehr als einmal. Aber er hat das Rad zumindest um ein paar schöne und authentische Extras erweitert. Untermalt wird das ganze noch von einer technisch soliden Umsetzung, einem angenehm weihnachtlichen Indie-Soundtrack und harmonischen Bildern eines verträumten Eifeldorfes.  Applaus für Mockridge und Antoni Dass die Mini-Serie bei mir so gepunktet hat liegt auch - ich glaube kaum, dass ich das hier schreibe - an Luke Mockridge selbst. Nur um eines klarzustellen, ich habe nichts gegen den wirklich begabten Alleskönner, aber ich konnte mich bisher eben noch nicht mit seiner Arbeit anfreunden. Doch Mockridge spielt Bastian, dessen letzte Jahre nicht allzu rund gelaufen sind, so glaubhaft, dass er mich diesmal echt überzeugen konnte. Basti hat Ecken und Kanten, ist aber im Kern ein guter und lustiger Kerl. Das kommt dank dem Schauspiel von Mockridge wirklich gut rüber und hat mich tatsächlich ein wenig mit dem Entertainer versöhnt. Auch Seyneb Saleh kann als toughe Karina überzeugen und vor allem Johanna Gastdorf, die als besorgt-gestresste, aber liebevolle Mutter Brigitte auftritt, hat mir ein wenig mein gegen Weihnachten-allergisches Herz erwärmt. Klar, nicht jeder der Charaktere bekommt einen Preis für besonders viel Tiefe und Vielschichtigkeit, aber alle erfüllen ihren Zweck wirklich gut und werden von den Darsteller:innen mehr oder weniger toll verkörpert. Neben Mockridge ist das wahre Highlight, und da werden sich vermutlich alle einig sein, Carmen-Maja Antoni, die in der Mini-Serie Oma Hilde spielt. Die freche Großmutter der Familie ist eine wahre Gag-Kanone und haut immer wieder diese trockenen und eiskalten Jokes raus, die eben nur eine Großmutter, die vielleicht schon einen zu viel im Tee hatte, raushauen kann. Unter diesen ganzen Gags versteckt sich aber auch oft eine ehrliche und liebevolle Wahrheit, die den Charakteren mehr als einmal bei ihren Problemen weiterhelfen. Fazit: Eine realistische Weihnachtsgeschichte Inmitten der zahlreichen von Klischees triefenden Weihnachtsfilme und -serien ist ÜberWeihnachten schon etwas Besonderes. Die Mini-Serie erfindet das Rad nicht neu und verliert sich gegen Ende in Klischees, überzeugt aber mit interessanten Handlungsansätzen und mit einem tollen Mockridge in der Hauptrolle. Die Serie hat es sogar geschafft, einen ausgemachten Weihnachtsgegner ein bisschen mit dem Fest der Liebe anzufreunden. Und wenn das mal nichts heißen mag!
    Kritik: ÜberWeihnachten – Staffel 1
    Handlung
    65%
    Emotionen
    70%
    Humor
    65%
    Schauspiel
    75%
    Tiefgang
    70%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 27.11.2020
    Episoden: 3 in 1 Staffel
    FSK: 12
    Genre: , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , ,
    Bildrechte: © 2020 Netflix
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Ganz okay
69%

Netflix präsentiert mit 'ÜberWeihnachten' eine neue Weihnachtsserie aus Deutschland mit dem Publikumsliebling Luke Mockridge in der Hauptrolle. Unser Redaktionsinterner Grinch hat sich an eine Kritik gewagt - und kam zu einem überraschenden Ergebnis. 

Bevor ihr diese Kritik lest, eine wichtige Information über mich: Ich kann Weihnachten und Weihnachtsfilmen und -serien jeglicher Art nichts abgewinnen. Auch Luke Mockridge, das Wunderkind der deutschen Fernsehlandschaft, konnte bei mir bisher noch nicht punkten. Von daher mag eine deutsche Weihnachtsserie, in der Mockridge die Hauptrolle übernimmt, für viele ein wahr gewordener Traum sein, doch für mich ist sie eher ein Alptraum. Und dennoch hat irgendwas an dem riesigen Plakat, das in der Kölner Innenstadt hing, mich neugierig gemacht. Also hab ich all meinen Mut zusammengenommen und mich in einem Rutsch an ÜberWeihnachten gesetzt. Doch worum geht es überhaupt?

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Ein ganz "normales" Weihnachtsfest

Bastian (Luke Mockridge), ein mutloser Musiker, der sich in Berlin mit einem Job im Callcenter über Wasser hält, fährt über Weihnachten zur Familie in die Eifel. Dort erwarten ihn neben seinen gestressten Eltern (Johanna Gastdorf und Rudolf Kowalski) und seiner frechen Großmutter (Carmen-Maja Antoni) auch sein Bruder Niklas (Lucas Reiber). Der hat wohl die größte Überraschung für Bastian mitgebracht: Fine (Cristina do Rego), ihres Zeichens Ex-Freundin von Bastian, sitzt dieses Weihnachten als neue Freundin von Niklas am Tisch. Völlig geschockt von der frohen Botschaft lernt Basti Karina (Seyneb Saleh) kennen, die erste Freundin seines kleinen Bruders. Kurz und knapp: Das Chaos ist perfekt.

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Schon wieder nur Klischees?

Was einen Weihnachtsfilm ausmacht? Viel Herz, viel Wärme, viel schöne Atmosphäre und genau die richtige Menge an Kitsch. ÜberWeihnachten - übrigens lose basierend auf dem Buch „7 Kilo in 3 Tagen“ von Christian Hubert - vereint genau diese Elemente in sich. Also warum habe ich das Netflix Original nicht zu den ganzen Aschenbrödels, Kevins und Weihnachtsmännern auf den „Bloß nicht anfassen!“-Stapel geworfen? Das ist relativ einfach erklärt: Vor allem in den ersten beiden der drei Episoden schlägt die Serie einen anderen Weg ein und widmet sich zweien DER großen Weihnachtsthemen für junge Erwachsene: Die Rückkehr in die Heimat und dem damit einhergehenden Stress.

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All die Begegnungen und Erfahrungen, die Bastian über Weihnachten in seinem beschaulichen Heimatdorf macht und erlebt, wirken in ihren Ansätzen so lebensnah und echt, dass ich als wahrhaftiger Grinch und Weihnachtsmuffel zum gefühlt ersten Mal eine Weihnachtsgeschichte gesehen habe, die das ach so tolle Fest zeigt, wie es wirklich ist: Anstrengend, ein bisschen nervig und unangenehm, aber irgendwie doch ganz schön.

Zum Schluss hin „verliert“ sich ÜberWeihnachten, wie andere Genrevertreter, in Weihnachtsklischees und einer mehr oder weniger heilen Welt. Das ist aber wahrscheinlich genau das, was das breite Publikum von einer neuen Weihnachtsserie auch erwartet. Nur in Bezug auf einen Nebencharakter nimmt die Handlung einige sehr unglückliche Wendungen, die trotz als positiv verkaufte Auflösung einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

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Regisseur Tobi Baumann, der auch am Drehbuch beteiligt war, hat das Rad hier also nicht neu erfunden. Die typischen Krankheiten des deutschen Films, wie beispielsweise zum Teil hölzerne Dialoge und entsprechend gestelltes Schauspiel sieht man auch hier mehr als einmal. Aber er hat das Rad zumindest um ein paar schöne und authentische Extras erweitert. Untermalt wird das ganze noch von einer technisch soliden Umsetzung, einem angenehm weihnachtlichen Indie-Soundtrack und harmonischen Bildern eines verträumten Eifeldorfes. 

Applaus für Mockridge und Antoni

Dass die Mini-Serie bei mir so gepunktet hat liegt auch - ich glaube kaum, dass ich das hier schreibe - an Luke Mockridge selbst. Nur um eines klarzustellen, ich habe nichts gegen den wirklich begabten Alleskönner, aber ich konnte mich bisher eben noch nicht mit seiner Arbeit anfreunden. Doch Mockridge spielt Bastian, dessen letzte Jahre nicht allzu rund gelaufen sind, so glaubhaft, dass er mich diesmal echt überzeugen konnte. Basti hat Ecken und Kanten, ist aber im Kern ein guter und lustiger Kerl. Das kommt dank dem Schauspiel von Mockridge wirklich gut rüber und hat mich tatsächlich ein wenig mit dem Entertainer versöhnt.

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Auch Seyneb Saleh kann als toughe Karina überzeugen und vor allem Johanna Gastdorf, die als besorgt-gestresste, aber liebevolle Mutter Brigitte auftritt, hat mir ein wenig mein gegen Weihnachten-allergisches Herz erwärmt. Klar, nicht jeder der Charaktere bekommt einen Preis für besonders viel Tiefe und Vielschichtigkeit, aber alle erfüllen ihren Zweck wirklich gut und werden von den Darsteller:innen mehr oder weniger toll verkörpert.

Neben Mockridge ist das wahre Highlight, und da werden sich vermutlich alle einig sein, Carmen-Maja Antoni, die in der Mini-Serie Oma Hilde spielt. Die freche Großmutter der Familie ist eine wahre Gag-Kanone und haut immer wieder diese trockenen und eiskalten Jokes raus, die eben nur eine Großmutter, die vielleicht schon einen zu viel im Tee hatte, raushauen kann. Unter diesen ganzen Gags versteckt sich aber auch oft eine ehrliche und liebevolle Wahrheit, die den Charakteren mehr als einmal bei ihren Problemen weiterhelfen.

Fazit:

Eine realistische Weihnachtsgeschichte

Inmitten der zahlreichen von Klischees triefenden Weihnachtsfilme und -serien ist ÜberWeihnachten schon etwas Besonderes. Die Mini-Serie erfindet das Rad nicht neu und verliert sich gegen Ende in Klischees, überzeugt aber mit interessanten Handlungsansätzen und mit einem tollen Mockridge in der Hauptrolle. Die Serie hat es sogar geschafft, einen ausgemachten Weihnachtsgegner ein bisschen mit dem Fest der Liebe anzufreunden. Und wenn das mal nichts heißen mag!

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