Hollywood Style Guide: Sonnenbrillen

Sehen und gesehen werden
Spoilerfrei!
Lesedauer: 7 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte

Keiner hat mehr damit gerechnet aber: Der Sommer ist da! Ob Ausflug an den See, Städtetrip oder entspannter Nachmittag im Liegestuhl, nirgendwo sollte die Sonnenbrille fehlen. Falls ihr ein Style-Update braucht, haben wir für euch eine Auswahl von Hollywoods legendärsten Sonnenbrillen – abgucken erwünscht!

Hollywoods Liebe zu Linsen:

Sonnenbrillen garantieren nicht nur ungeblendete Sicht, wie kein anderes Accessoire sind sie vor allem dafür zuständig, das Outfit dezent zu vervollständigen. Auch aus der Filmwelt sind sie nicht wegzudenken. Für einige Bewohner erfüllt die Brille einen unverzichtbaren Nutzen: man denke an John Nada aus Sie Leben!, der durch sie die Realität wahrnehmen kann. Oder natürlich Cyclops aus X-Men, der nur durch eine spezielle Sonnenbrille in der Lage ist, die Laserstrahlen zu kontrollieren, die aus seinen Augen schießen. Doch für die anderen gilt häufig: Die Sonnenbrille macht den Unterschied zwischen cool und uncool.

Wir lassen einige ikonische Modelle Revue passieren und analysieren, was uns die getönten Gläser über ihre Träger verraten. Vielleicht schöpft ihr Inspiration, falls euch für den Sommer noch das richtige Gestell fehlt. Denn nichts ist für einen Filmfan schöner, als wenn man die eigenen Lieblingsfiguren draußen auf der Straße lebendig werden lässt – und sei es nur, indem man ihre Outfits klaut.

(P.S.: In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf männliche Figuren, aber, liebe Ladies, die Gestelle sind natürlich sowohl zeitlos als auch unisex.)

Pete "Maverick" Mitchell: 'Top Gun'

Tom Cruise ist ein Mann für legendäre Looks. Seine charmante Lässigkeit und das 10.000 Volt-Lächeln werden erst durch die perfekte Brille komplettiert. Dieses Aviator-Modell wird bis heute bei der US-Airforce getragen. Die übergroßen Gläser garantieren ein großes Sichtfeld und starken Sonnenschutz über den Wolken. Und ein harter Typ wie „Maverick“ kann dahinter sogar seine Tränen verstecken.

Sam "Ace" Rothstein: 'Casino'

Wenn man es mit Joe Pesci zu tun bekommt, gibt es zwei Regeln: Komm niemals in Reichweite seiner Fäuste und zeig ihm von der ersten Sekunde an, dass mit dir nicht zu spaßen ist. Robert de Niros gigantische „Goliath“ tut genau das. Ein Gestell so groß wie sein Ego, eine riesige Schautafel die sagt: Don’t f*** with me. Wer, wenn nicht de Niro, könnte sich erlauben, so etwas zu tragen?

Morpheus: 'Matrix'

Ein zentrales Erzählelement des Films ist das „Sehen“: Verschleierung, Spiegelungen, Verfremdungen der Realität. Da war es nur logisch, dass auch Sehhilfen eine dominante Rolle im Kostümdesign spielen. Anfang der 2000er prägte der Film einen eigenen Look, welcher jedoch schon kurz darauf albern wirkte. Und doch, die Signature-Modelle aller Charaktere bleiben unvergessen. Morpheus technisch-präziser Augenschutz mit filigranem Rahmen ist ikonisch. Die extreme Verspiegelung ermöglichte außerdem die großartige Rote Pille/Blaue Pille-Szene. Morpheus der Weltenwandler, so losgelöst von allem, dass er nicht einmal Bügel braucht.

Thomas Crown: 'Thomas Crown ist nicht zu fassen'

Steve McQueen ist der King of Cool. Im Zweifel gilt die Faustregel: Wenn McQueen es auf der Leinwand anhatte, ist es bedenkenlos tragbar. Unprätentiös, lässig, unvergänglich. Dieses Modell von Persol ist groß, aber nicht wuchtig, mit seinen warm-blau getönten Gläsern unterstreicht es den frechen Charm der Figur Thomas Crown, mit unangestrengter Coolness, wie sie nur von Steve McQueen verkörpert werden konnte.

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Guido Anselmi: '8 ½'

Nicht aus Hollywood, aber zu gut, um sie zu ignorieren: gleichzeitig futuristisch und doch alt wirkt die Prada-Brille aus diesem Klassiker des italienischen Kinos. Kantige Gestelle dieser Art sieht man derzeit wenig. Warum eigentlich? Marcello Mastroianni macht eine hervorragende Figur als der Regisseur Guido, der die Welt im Cinemascope-Format wahrnimmt. Und auch als Zuschauer:in blicken wir durch seine Brille und sehen eine Traumwelt, die Guidos Fantasie und Erinnerung entspringt.

Léon: Léon – 'Der Profi'

Runde, filigrane Sonnenbrillen feiern seit einigen Jahren ein Comeback und neben John Lennon oder Lara Croft ist es wohl Léon, der besonders mit dieser Form verbunden ist. Gläser wie Zielfernrohre lassen den kühlen, perfektionistischen Auftragskiller wie ein Insekt erscheinen. Ein echter Profi eben, der nicht mit massivem Kunststoff auffallen will, sondern den stillen Fokus sucht.

Eric Brooks: 'Blade'

Für einen Vampirjäger ist die Sonnenbrille unverzichtbar. Obwohl der „Daywalker“ bei Sonnenlicht nicht zu Staub zerfällt, sind seine sportlichen Gläser trotzdem ein wichtiger Begleiter auf der Jagd nach Blutsaugern. Hier steht Funktionalität im Vordergrund, kein Wunder, wer hauptberuflich mit Langschwert kopfüber in Vampirgruppen stürzt, ist mit einem Sportmodell von Oakley gut beraten.

Django Freeman: 'Django Unchained'

Genau genommen trägt Jamie Foxx hier eine historische Ungenauigkeit auf der Nase, Sonnenbrillen waren in ihrer heutigen Form im 19. Jahrhundert noch unbekannt. Doch Treue zum korrekten, historischen Setting ist bei dieser Western-Oper sicherlich ein falscher Maßstab. Djangos blaues Kostüm dürfte wohl allen Zuschauer:innen im Gedächtnis geblieben sein. Nach der Befreiung verkündet er von Kopf bis Fuß: Ich bin kein Teil der Masse, ich bin ein Individuum, du kannst mich nicht mehr übersehen. Seine Sonnenbrille fügt hinzu: Und ich mache keine Witze.

Tony Montana: 'Scarface'

Dieses Modell von Carrera riecht nach den 80ern, Miami Beach und Geschäftspartnern im Hawaii-Hemd. Die dunkle Tönung schützt vor der grellen Sonne unter Palmen, aber verhindert auch direkten Blickkontakt, man kann nicht in den Augen des Trägers lesen. Für einen unberechenbaren Bad Boy wie Tony Montana ein unverzichtbares Stück. Der strenge, gerade Steg lässt die Augenbrauen zu einer bedrohlichen Linie verschmelzen die eiskalt wirkt, selbst bei 40° in der Strandbar.

Jake & Elwood Blues: 'The Blues Brothers'

Neben den Aviators ist die Wayfarer von Ray Ban wohl der andere große, zeitlose Rahmen in Hollywood. Trends kommen und gehen, mit einer Wayfarer greift man aber nie daneben. Unzähligen Helden und Bösewichten gab sie den finalen Touch. Doch ein besonderes Filmduo ist untrennbar mit ihr verbunden. Wortwörtlich, denn die beiden existieren nicht ohne Anzug, Hut und Brille. Sie abzunehmen wäre Folter, selbst bei Nacht. Die Blues Brothers sind musikalisch fest verwurzelt in den 60ern, aber durchstreifen die Dekaden, legen alles Individuelle ab, um sich uniformiert ganz dem Soul hinzugeben… was passt da besser als dieser Klassiker?

Tyler Durden: 'Fight Club'

Der namenlose Erzähler des Films und Tyler Durden sind ein seltsames Gespann. Während ersterer ein modern-bürgerliches Erscheinungsbild pflegt, sieht Tyler aus, als würde er die Reste vom Flohmarkt einsammeln – und lässt uns verwundert zurück, wie man damit trotzdem so cool wirken kann. Ein Lehrstück in Fashion vs. Style. Bei seiner rosaroten Sonnenbrille wundert man sich, ob er sie an einer Raststätte gefunden, oder in einer Designer-Store geklaut hat. Dieses geheimnisvolle Verwirrspiel auf der Kostümebene ist eine fantastische Bereicherung im Figurendesign. Im Privatleben sollte man mit sowas aber vorsichtig sein. Oder ab und zu mal seinen inneren Tyler rauslassen.

Walter Sobchak: 'The Big Lebowski'

Dieser moderne Evergreen steckt voller Brillen. Das klassische Inkognito-Gestell des Dude murmelt: Sprich mich nicht an, bevor die Sonne untergeht. Walter hingegen behält den klaren Durchblick. Als hellwacher Kopf ist er immer bei der Sache, möchte aber seine Pilotenbrille (Vietnam-Souvenir?) nicht ablegen. Dass er seine Umwelt stark gefiltert wahrnimmt, scheint er nicht zu merken. Zum Leiden des Dudes, zur Belustigung der Zuschauer.

Alan Garner: 'Hangover'

Was sagt uns diese Brille? Oder sollte man besser fragen: Was sagt sie uns nicht? Alans Sonnenschutz steht für Party, Eskalation, die beste Nacht deines Lebens, in weiser Voraussicht verdecken die großen Gläser morgen früh dann Augenringe und rote Augen. Für einen modischen Grenzgänger („Das ist eine Umhängetasche, keine Männerhandtasche!“) gibt es nur eine Kategorie – Aufmerksamkeit. Vorbilder: vermutlich Flo Rida und Usher.

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