Kritik: Kings of Hollywood

Irgendwas mit Hollywood
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Gleich drei Oscarpreisträger in den Hauptrollen – mit solch einer Starbesetzung kann 'Kings of Hollywood' doch eigentlich nur gut werden. Leider nicht. Wieso der Film über alternde Stars einen noch viel längeren Bart hat, als seine Stars, erfährst du in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Es ist 1974 und der erfolglose Filmproduzent Max Barber (Robert De Niro) und sein Neffe Walter (Zach Braff) haben gerade mal wieder einen Flopp rausgebracht. Keine Besucher, Proteste vor den Kinos wegen Geschmacklosigkeit, und Gangster Reggie Fontaine (Morgan Freeman) will sein Geld zurück, das er in die Produktion investiert hat. Barbers eher weniger geniale Idee, um zumindest die Sache mit dem Geld zu lösen: den alternden Westernstar Duke Montana (Tommy Lee Jones) in seinem nächsten Film besetzen und die Versicherungsprämie kassieren, wenn der nur noch sehr lose am Leben hängende Duke das Zeitliche segnet. Werbung Selbstironie? Wie ja bereits an anderer Stelle erwähnt, scheint Robert De Niro nicht mehr das allerbeste Gespür für gute Rollen zu haben. Fast mag man Kings of Hollywood für selbstironisch halten. Denn er erzählt zu einem gewissen Grad seine eigene Geschichte. Die alten Männer in den Hauptrollen sind natürlich nicht ganz so heruntergekommen und vergessen wie die Figur Duke Montanas, aber es bestehen nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeiten. Duke Montana spielt die Hauptrolle in einem Film, der aus Verlegenheit entsteht und nur versehentlich am Ende auch ins Kino kommt. Kings of Hollywood kommt so uninspiriert und unüberzeugend daher, dass man das auch über den Film selbst sagen kann. Langweilige Traumfabrik Hollywood als Thema im Film ist nicht neu und hat seit Billy Wilders Sunset Boulevard (1950) immer wieder für ganz außergewöhnliche Filme über die Schattenseiten der amerikanischen Traumfabrik gesorgt. Die Idee, eine Reflektion über Film und Berühmtheit dabei gerade nicht am Mainstream Hollywoods festzumachen, ist ebenfalls schon häufiger ausgearbeitet worden, wie etwa in Boogie Nights (1997), der diese Themen in der Pornofilmbracnhe behandelt. Und auch Einblicke in vergangene Äras Hollywoods sind uns in den letzten Jahren gleich mehrfach untergekommen. Ob Hail, Cesar! (2016) oder Once upon a Time… in Hollywood (2019), den Blick hinter die Kulissen alter Zeiten kennt man. Spricht das jetzt gegen Kings of Hollywood, dass das er etwas macht, was so ähnlich schon gemacht wurde? Nein, natürlich nicht. Innovation ist weder notwendig noch Garant für Qualität. Vielmehr muss sich der Film aber natürlich im Lichte dieser Tradition behaupten – und da versagt er voll und ganz. Nichts weiß hier so mitzureißen, zu überzeugen  wie es die vorgenannten Filme (auch nach wiederholter Lektüre) zu tun verstehen. Kings of Hollywood entwirft eines der langweiligsten Hollywoods, das mir bisher untergekommen ist. Sets aus dem Schultheaterfundus Kings of Hollywood zeichnet sich durch eine Aneinanderreihung extremer Mittelmäßigkeiten aus, die am Ende weniger sind als die Summe ihrer einzelnen Teile. Das beginnt bei den billig wirkenden Sets und der Ausstattung, die auch aus dem Fundus des Schultheaters stammen oder in einem Nobudget-Studentenfilm auftauchen könnten – zumindest an den schlimmsten Stellen (wenn im Film ein Westernfilm gedreht wird). Im Durchschnitt kommt Kings of Hollywood visuell trotzdem nicht über das Niveau eines mittelmäßigen Fernsehfilms aus den Neunzigern raus. Doch die Geschichte ist immerhin stimmig mit der Optik: blödsinnig und handlungslöchrig weiß der Film an vielen Stellen durch Sinnlosigkeit und Unlogik zu verwirren und zu irritieren. Damit sind nicht die bewussten Übertreibungen gemeint wie Unfälle, die nur Cartooncharaktere überleben würden. Das mag man vergeben, wenn es gekonnt zu komödiantischen Zwecken eingesetzt würde – was hier nicht passiert. Die Slapstick-Momente beschränkt sich auf sehr plumpe und altbekannte Da-geht-jetzt-mit-Anlauf-etwas-schief-Gags. Das ist sehr bemüht, sehr angestrengt. Und noch zum Schluss eine Schnellfeuerrunde: Die Dreharbeiten, die im Film gezeigt werden, sind voller, offensichtlicher Kontinuitätsfehler. Die Figurenzeichnung ist inkonsistent und daher unglaubhaft. Die Handlung ist gezwungen und unglaubwürdig entwickelt. Die Stimmung und der Ton des Films sind an mehreren Stellen widersinnig. Die Altenheimszene wirkt geschmacklos und unangenehm. Auch wenn einzelne Gags zum Lachen bringen – z.B. das Pferd, das Johnny Carson schaut – muss ich insgesamt konstatieren: Nicht witzig. Fazit: Was soll der Quatsch Kings of Hollywood ist eine Enttäuschung. Zumindest dann, wenn man etwas erwartet. Wenn man das nicht tut, ist er immerhin noch eine Zeitverschwendung. Generisches, uninspiriertes Kino, das mit schlechter Figurenzeichnung, vorhersehbarer Handlung und ohne viel Humor nur langweilt. Zum Glück kommt er in einem sehr starken Monat raus. Es laufen so viele gute andere Filme, man schaue bitte ins Programm und suche sich etwas anderes aus. Irgendwas. Es kann nur besser sein.
    Kritik: Kings of Hollywood
    Handlung
    45%
    Humor
    40%
    Schauspiel
    60%
    Atmosphäre
    45%
    Emotionen
    35%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 24.06.2021
    Filmlänge: 105 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: Cloudburst Entertainment
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Gesamtbewertung:

Schwach
45%

Gleich drei Oscarpreisträger in den Hauptrollen – mit solch einer Starbesetzung kann 'Kings of Hollywood' doch eigentlich nur gut werden. Leider nicht. Wieso der Film über alternde Stars einen noch viel längeren Bart hat, als seine Stars, erfährst du in der Kritik.

Worum geht's?

Es ist 1974 und der erfolglose Filmproduzent Max Barber (Robert De Niro) und sein Neffe Walter (Zach Braff) haben gerade mal wieder einen Flopp rausgebracht. Keine Besucher, Proteste vor den Kinos wegen Geschmacklosigkeit, und Gangster Reggie Fontaine (Morgan Freeman) will sein Geld zurück, das er in die Produktion investiert hat. Barbers eher weniger geniale Idee, um zumindest die Sache mit dem Geld zu lösen: den alternden Westernstar Duke Montana (Tommy Lee Jones) in seinem nächsten Film besetzen und die Versicherungsprämie kassieren, wenn der nur noch sehr lose am Leben hängende Duke das Zeitliche segnet.

Robert De Niro und Zach Braff in Kings of Hollywood

Die behauptete humoristische Chemie zwischen De Niro und Braff bleibt die meiste Zeit nur behauptet.

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Selbstironie?

Wie ja bereits an anderer Stelle erwähnt, scheint Robert De Niro nicht mehr das allerbeste Gespür für gute Rollen zu haben. Fast mag man Kings of Hollywood für selbstironisch halten. Denn er erzählt zu einem gewissen Grad seine eigene Geschichte. Die alten Männer in den Hauptrollen sind natürlich nicht ganz so heruntergekommen und vergessen wie die Figur Duke Montanas, aber es bestehen nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeiten.

Duke Montana spielt die Hauptrolle in einem Film, der aus Verlegenheit entsteht und nur versehentlich am Ende auch ins Kino kommt. Kings of Hollywood kommt so uninspiriert und unüberzeugend daher, dass man das auch über den Film selbst sagen kann.

Langweilige Traumfabrik

Hollywood als Thema im Film ist nicht neu und hat seit Billy Wilders Sunset Boulevard (1950) immer wieder für ganz außergewöhnliche Filme über die Schattenseiten der amerikanischen Traumfabrik gesorgt. Die Idee, eine Reflektion über Film und Berühmtheit dabei gerade nicht am Mainstream Hollywoods festzumachen, ist ebenfalls schon häufiger ausgearbeitet worden, wie etwa in Boogie Nights (1997), der diese Themen in der Pornofilmbracnhe behandelt. Und auch Einblicke in vergangene Äras Hollywoods sind uns in den letzten Jahren gleich mehrfach untergekommen. Ob Hail, Cesar! (2016) oder Once upon a Time… in Hollywood (2019), den Blick hinter die Kulissen alter Zeiten kennt man.

Morgan Freeman und Rober De Niro in Kings of Hollywood

Der Gangster-Nebenplot zwischen Freeman und De Niro bleibt ziemlich blutleer.

Spricht das jetzt gegen Kings of Hollywood, dass das er etwas macht, was so ähnlich schon gemacht wurde? Nein, natürlich nicht. Innovation ist weder notwendig noch Garant für Qualität. Vielmehr muss sich der Film aber natürlich im Lichte dieser Tradition behaupten – und da versagt er voll und ganz. Nichts weiß hier so mitzureißen, zu überzeugen  wie es die vorgenannten Filme (auch nach wiederholter Lektüre) zu tun verstehen. Kings of Hollywood entwirft eines der langweiligsten Hollywoods, das mir bisher untergekommen ist.

Sets aus dem Schultheaterfundus

Kings of Hollywood zeichnet sich durch eine Aneinanderreihung extremer Mittelmäßigkeiten aus, die am Ende weniger sind als die Summe ihrer einzelnen Teile. Das beginnt bei den billig wirkenden Sets und der Ausstattung, die auch aus dem Fundus des Schultheaters stammen oder in einem Nobudget-Studentenfilm auftauchen könnten – zumindest an den schlimmsten Stellen (wenn im Film ein Westernfilm gedreht wird). Im Durchschnitt kommt Kings of Hollywood visuell trotzdem nicht über das Niveau eines mittelmäßigen Fernsehfilms aus den Neunzigern raus.

Doch die Geschichte ist immerhin stimmig mit der Optik: blödsinnig und handlungslöchrig weiß der Film an vielen Stellen durch Sinnlosigkeit und Unlogik zu verwirren und zu irritieren. Damit sind nicht die bewussten Übertreibungen gemeint wie Unfälle, die nur Cartooncharaktere überleben würden. Das mag man vergeben, wenn es gekonnt zu komödiantischen Zwecken eingesetzt würde – was hier nicht passiert. Die Slapstick-Momente beschränkt sich auf sehr plumpe und altbekannte Da-geht-jetzt-mit-Anlauf-etwas-schief-Gags. Das ist sehr bemüht, sehr angestrengt.

Robert De Niro und Tommy Lee Jones in Kings of Hollywood.

Tommy Lee Jones Darstellung des alten Westernstars ist das Einzige, was ab und an Spaß macht im Film.

Und noch zum Schluss eine Schnellfeuerrunde: Die Dreharbeiten, die im Film gezeigt werden, sind voller, offensichtlicher Kontinuitätsfehler. Die Figurenzeichnung ist inkonsistent und daher unglaubhaft. Die Handlung ist gezwungen und unglaubwürdig entwickelt. Die Stimmung und der Ton des Films sind an mehreren Stellen widersinnig. Die Altenheimszene wirkt geschmacklos und unangenehm. Auch wenn einzelne Gags zum Lachen bringen – z.B. das Pferd, das Johnny Carson schaut – muss ich insgesamt konstatieren: Nicht witzig.

Fazit:

Was soll der Quatsch

Kings of Hollywood ist eine Enttäuschung. Zumindest dann, wenn man etwas erwartet. Wenn man das nicht tut, ist er immerhin noch eine Zeitverschwendung. Generisches, uninspiriertes Kino, das mit schlechter Figurenzeichnung, vorhersehbarer Handlung und ohne viel Humor nur langweilt. Zum Glück kommt er in einem sehr starken Monat raus. Es laufen so viele gute andere Filme, man schaue bitte ins Programm und suche sich etwas anderes aus. Irgendwas. Es kann nur besser sein.

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