Top 13: Die besten feministischen Horrorfilme

Unsere Top Feminismus-Horrorfilme!
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 10 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
Titelbild für Topliste Die besten Horrorfilme mit starken Frauen

Der Oktober ist bekanntlich der Gruselmonat schlechthin. Abseits der üblichen Verdächtigen hat das Horrorgenre aber auch ganz andere Perlen zu bieten. Denn besonders weibliche Charaktere haben in Schockern schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Wir haben deshalb mal einen Blick auf verschiedene Frauenfiguren geworfen und uns gefragt: Welche ist die beeindruckendste und stärkste Frau des Horrorgenres?

Die Basics: Der Bechdel-Wallace Test

Bevor wir uns dem Ranking der stärksten Frauenfiguren in Horrorfilmen widmen, braucht es zunächst eine entscheidende Grundlage: Den Bechdel-Wallace Test. Dieser geht auf die US-amerikanische Cartoon-Zeichnerin und Autorin Alyson Bechdel und deren Freundin Liz Wallace zurück. Ziel des nicht-wissenschaftlichen Tests ist es festzustellen, ob die Handlung eines Films oder eines anderen Mediums eigenständige Frauenfiguren beinhaltet. Dafür werden drei einfache Fragen gestellt:

  1. Gibt es mindestens zwei Frauenrollen?
  2. Sprechen sie miteinander?
  3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

Seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 1985, gewann der Test zusehend an Beliebtheit und wurde um weitere Fragen und Kategorien erweitert, aber auch aufgrund der fehlenden Komplexität kritisiert. Wir haben uns trotzdem dafür entschieden, den Test im Rahmen dieser Topliste anzuwenden, um euch einen groben Indikator dafür geben zu können, wie es um die Rolle der Frau in den besagten Filmen steht.

Platz 13: 'Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot' (2019)

Samara Weaving in Ready or Not

Noch ahnt Grace (Samara Weaving) nicht, auf was für eine Familie sie sich durch ihre Hochzeit eingelassen hat.

Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot beweist, dass Horrorfilme nicht todernst sein müssen, um spannende Geschichten über starke Frauen zu erzählen. Anstatt das altbekannte Märchen von der Braut, die ins Verderben geritten wird zu erzählen, wendet die Horrorkomödie das Blatt. Grace, gespielt von Samara Weaving, wird von einer traumatisierten Frau zu einer aktiven, entschlossenen Protagonistin, die sich ihren zahlreichen Gegenspielern entschieden entgegensetzt. Somit bricht sie mit dem Klischee der hilflosen Frau, die sich den Antagonisten mittellos ausgeliefert sieht und nichts tun kann, um einem bösen Ende der Geschichte zu entfliehen. Grace' Wandlung wird auch durch ihr Brautkleid deutlich, das im Laufe des Films so einiges mitmachen muss.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel über die Rolle des Brautkleides in 'Ready or not'

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Platz 12: ‘The VVitch’ (2016)

Anya Taylor-Joy in The Witch

In 'The Witch' muss sich die junge Thomasin mit teuflischen Kräften befassen.

Es wird das Jahr um 1630 geschrieben. Unter den ersten Siedlern ist auch der streng gläubige William und seine Familie. Nachdem Hexen aus dem Wald es zunehmend auf die Kinder der Familie abgesehen haben, gerät die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) in den Verdacht der Mutter eine Hexe zu sein. Der Horrorfilm von Robert Eggers behandelt im Film vor allem die Entwicklung der ältesten Tochter, ihre zunehmende Sexualisierung und Entfremdung von der Familie. Thomasin befindet sich in einem Alter, indem sie dazu gezwungen wird erwachsen zu werden. Sie wird als Frau wahrgenommen, wohingegen sie noch nicht ganz ihre Kindlichkeit abgestreift hat.

Eine interessante Reflexion über die viel zu frühe Sexualisierung von Frauen und der Verlust der Unschuld in den Augen der Gesellschaft.

Hier ist noch ein weiterführendes Essay mitunter über die „Übernatürliche Weiblichkeit im Supernatural Horrorfilm“ (S.29)

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Platz 11: 'Das Schweigen der Lämmer' (1991)

Jodie Foster und Sir Anthony Hopkins in Das Schweigen der Lämmer

Als junge FBI-Anwärterin muss sich Clarice Startling (Jodie Foster) mit einem besonders harten Fall befassen.

In Das Schweigen der Lämmer von 1991 musste sich die junge FBI-Anwärterin Clarice Startling (Jodie Foster) in einem männerdominierenden Umfeld durchsetzen, um einem der bekanntesten Serienmörder der Filmgeschichte gegenüberzustehen – dem kannibalistisch veranlagten Hannibal Lecter. Clarice Startling ist eine ehrgeizige FBI-Anwärterin und wird beauftragt, sich den Serienmörder Hannibal Lecter anzunehmen, um mit seinen Informationen weitere Kenntnisse und den Verbleib des noch frei herumlaufen Serienmördern „Buffalo Bill“ zu bekommen. Der Fall nimmt sie zusehends mit und sie wird auch in ihrer Verletzlichkeit gezeigt. Dadurch verliert sie aber nicht an Autorität, sondern gewinnt vielmehr an Komplexität und Authentizität.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier eine Analyse von 'Das Schweigen der Lämmer'

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Platz 10: ‘Suspiria’ (2018)

Dakota Johnson und Cast in Suspiria

Die begabte Tänzerin Susie hofft auf einen Platz im berühmten Ensemble Markos. Noch ahnt sie nicht, was dahinter steckt.

Die junge, amerikanische Susie Bannion (Dakota Johnson) reist 1977 nach Berlin, um sich dem renommierten Tanzensemble Markos anzuschließen. Während die Schulleiterin ihr natürliches Talent erkennt, freundet sie sich mit einer anderen Tänzerin an. Aufgrund des mysteriösen Verschwindens eine der Tänzerinnen, wird ein Platz für Susie im Tanzensemble Markos frei. Die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper und dem Matriarchat vor dem Hintergrund des RAF-Terrors in Deutschland lässt interessante Analysen und Vergleiche zu und wirft viele Fragen auf. Ist 'Suspiria' ein feministischer Film? Wie reagiert die Gesellschaft auf machtvolle Frauen? Das von Luca Guadagnino inszenierte Remake des 1977er Kult-Klassikers von Dario Argento hat seinen Platz auf der Liste definitiv verdient.

Lies hier eine Artikel über die Frage, ob Supiria ein feministischer Film ist!

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Platz 9: 'Carrie – Des Satans jüngste Tochter' (1976)

Sissy Spacek in Carrie: Die jüngste Tochter Satans

Carrie hat mit tyrannischen Mitschülern und mit der Pubertät zu kämpfen. Doch sie weiß sich eines Tages zu helfen...

In Carrie lernen wir die gerade mal sechszehnjährige Carrie White (Sissy Spacek) als schüchternes und unscheinbares Mädchen kennen. Besonders die Mobbing-Szenen in der Schule und die extrem, religiös angehauchte Mutter illustrieren ein beklemmendes Gesamtbild. Als Carrie übernatürliche Kräfte entwickelt, sich gegen ihre Peiniger zu wehr setzten kann, schafft sie es immer mehr, ihre Schüchternheit abzuschütteln und sich gegen ihre Klassenkameraden durchzusetzen. Carrie ist nicht nur ein düstere Darstellung des Alltags von Teenagern. Der Film beschäftigt sich auch intensiv mit der Frage, wie die Gesellschaft damals und auch heute noch Probleme damit hat, den Körper der Frau und dessen Entwicklung als etwas natürliches anzusehen, losgelöst von jeglichem sexuellen Kontext. Carrie fungiert als gepeinigte Protagonistin, die sich schlussendlich auf harte Art und Weise ihren Unterdrückern und Unterdrückerinnen zur Wehr setzt.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier eine spannende Analyse der 'Carrie'-Filmen

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Platz 8: ‘It Follows’ (2014)

Maike Monroe in It Follows

In 'It Follows' wird die junge Jamie von einer unheimlichen Präsenz heimgesucht, die sie auf Schritt und Tritt verfolgt.

It Follows von David Robert Mitchell holt eine Geschlechtskrankheit der etwas anderen Art auf die Leinwand. Jamie „Jay“ Height (Maika Monroe) wird nach dem Sex mit einem Jungen namens Hugh von einem unbekanntem Wesen verfolgt, welches sie umbringen will. Sie versucht mithilfe ihrer Freunde dem Fluch zu entkommen. Jay agiert meistens sehr rational und nachvollziehbar. Sie ist sich nicht zu schade um Hilfe zu fragen und verliert dadurch keine Autorität oder Ernsthaftigkeit. Leider muss man dazu sagen, dass der Film stark mit der moralischen Verwerflichkeit von außerehelichem Sex arbeitet, indem nur diejenigen in Lebensgefahr schweben, die Sex haben. Gleichzeitig wird aber kein Unterschied dargestellt zwischen den männlichen und weiblichen Charakteren.

Lies hier einen Artikel zum Thema Sexualität in 'It Follows'

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Platz 7: 'Black Swan' (2010)

Natalie Portman in Black Swan

Als ehrgeizige Ballerina begeistert Natalie Portman in diesem tiefsinnigen Thriller.

Mit Black Swan zauberte Regisseur Darren Aronofsky ein morbides Märchen über eine Ballerina auf die Leinwand, die in dem Spannungsfeld ihrer Ambitionen und ihrer Psyche zu zerbrechen droht. Gespielt wird die facettenreiche Protagonistin Nina Sayers von Natalie Portman, einer der wohl begabtesten Schauspielerinnen unserer Zeit. Was den Film so faszinierend macht ist nicht nur die spannende Verwendung des Klassikers Schwanensee von Tschaikowski als Metapher für die Dualität der Persönlichkeit, sondern vor allem die Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenbilder und der Rolle der Frau in einer Leistungsgesellschaft, Selbstfindung sowie der weiblichen Sexualität.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel zu 'Black Swan' und Feminismus

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Platz 6: 'Thelma' (2017)

Ellie Harboe in Thelma

Im norwegischen Mytery-Thriller entdeckt die namensgebenden Thelma ihre eigenen übernatürlichen Kräfte.

Der norwegische Mystery-Thriller mit Horror-Elementen von Joachim Trier behandelt die erste Liebe der gerade nach Oslo gezogenen Thelma (Eili Harboe) und wie sie langsam herausfindet, dass sie übernatürliche Kräfte besitzt. Wie viele Jugendliche hat sie Probleme ihre Identität zu finden, wozu sexuelle Selbstfindung und Abkapselung von den Eltern gehört. Es wurde viel Fokus auf die charakterliche Entwicklung der Hauptfigur gelegt und der Film behandelt auch viele Themen wie Emanzipation, Religion, LGBTQ+ und der generelle Umgang mit der eigenen Andersartigkeit. 

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel zum Thema Homosexualität in 'Thelma'

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Platz 5: 'Raw' (2014)

Garance Marillier in Raw

Die Studentin Justine entdeckt an der Universität ihre eigenen, bisher unentdeckten Gelüste.

Die französisch-belgische Co-Produktion von Julia Ducournau, handelt von der veganen Studentin Justine (Garance Marillier). Im Studium entwickelt sie zunehmend eine Obsession mit Fleisch und vor Allem Menschenfleisch. Der Film bricht Tabus und stellt die Hauptrolle in sehr intimen Szenen dar, die in vielen Filmen niemals so dargestellt würden. Außerdem schafft Ducournau eine gewisse Ästhetik in Ekel und bildet auch die unerotische Realität der Weiblichkeit ab. Obendrauf thematisiert der Film auch das Verhältnis von Schwestern zueinander und erforscht demnach nicht nur Weiblichkeit, sondern auch Schwesternschaft.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier ein Interview mit Regisseurin Julia Ducournau

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Platz 4: 'Halloween' (1978)

Jamie Lee Curtis in Halloween

Laurie Strode ist das 'Final Girl' schlechthin und als eine der beliebtesten Horror-Protagonistinnen überhaupt bekannt.

Über Halloween aus dem Jahr 1978 muss wahrscheinlich nicht mehr viel gesagt werden. Unzählig Menschen haben sich schon mit der Frage beschäftigt, ob einer der Klassiker des Horrorgenres eine starke Botschaft über Frauen in sich trägt. Wir schließen uns der Fraktion an, die diese Frage klar mit "Ja!" beantwortet! Halloween ist nicht nur einer der Wegbegründer des Slasher-Genres. Mit Laurie Strode, gespielt von Schauspielikone Jamie Lee Curtis, erschuf der Film auch das wohl bekannteste "Final Girl", also die Frau, die den Film bis zum Ende und darüber hinaus überlebt. Das Besondere an Laurie: Sie ist keine todesmutige Teenagerin mit Terminator-Anleihen, sondern eine normale junge Frau, die sich trotz ihrer Angst im Moment der Gefahr mit den verfügbaren Mitteln gegen Michael Myers zur Wehr setzt. Das erscheint heute vielleicht relativ unspektakulär, war aber damals ein gigantischer Sprung in die richtige Richtung.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Analyse des Charakters Laurie Strode

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Platz 3: 'Wir' (2019)

Lupita Nyong'o als böse Doppelgängerin in einem Bild für Kritik Wir

Lupita Nyong'o besticht mit einer ausdrucksstarken Mimik, die einem Gänsehaut bereitet.

Nach Get Out (2017) freute sich das Publikum auf Jordan Peeles Wir mit Lupita Nyong'o in der Hauptrolle. Die Familie Wilson versucht einen ruhigen Urlaub zu machen, bis sie von ihren Doppelgängern besucht und tyrannisiert werden. Wie auch ‘Get out‘ hat ‘Us‘ einen sehr stark gesellschaftskritischen Subtext, der genau diejenigen Menschen behandelt, die von der Gesellschaft übersehen werden. Ganz abgesehen von der unglaublichen doppelten Besetzung der Hauptrollen, bekommt Adelaide Ada Wilson, bzw. Red (Lupita Nyong'o) einen extrem komplexen Charakter, welcher besonders im Fokus steht. Es ist hier bedeutend unbedeutend, dass die Hauptrolle eine Frau ist. Sie ist nicht besonders tough, aber auch nicht überemotional oder sexualisiert, und wird daher sehr realistisch und angenehm dargestellt.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel über die politische Botschaft hinter 'Wir'

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Platz 2: 'Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt' (1979)

Ripley (Sigourney Weaver) wird oft als das Paradebeispiel für starke Frauenfiguren im Horrorgenre bezeichnet.

Wenn man von starken Frauen im Horrorgenre spricht, darf Ellen Ripley natürlich nicht fehlen. Über zahlreiche Filme hinweg widersetzt sich die toughe, von Sigourney Weaver gespielte Offizierin nicht nur den weniger diskutierten Schrecken einer Crew voller Machos, sondern vor allem den Schrecken des Aliens. Ganz nebenbei bricht Ripley auch noch mit zahlreichen Klischees, die weiblichen Charakteren im Film bis dato zugeschrieben wurden, zum Beispiel in Sachen Kleidung und Charakter. Ähnlich wie bei Halloween, der nur ein Jahr vor Alien erschien, wirkt die Rolle der starken Actionheldin in Zeiten von Wonder Woman, Furiosa und Co. aus der heutigen Perspektive nur wenig außergewöhnlich. Doch zur damaligen Zeit war das Kino noch dichter von Testosteron-triefenden, männlichen Muskelpaketen mit "coolen" One-Litern besiedelt, als es heute der Fall ist. Ripley ebnete den Weg für viele tolle, inspirierende und starke weibliche Charaktere und das in einem bis dato von starken Männerrollen dominierten Genre.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel über Alien und Feminismus

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Platz 1: 'Midsommar' (2019)

In der Kommune erlebt Dani (Florence Pugh) nicht nur schreckliche, sondern auch tröstende Momente.

Nach einer Familientragödie stürzt die Welt von Dani (Florence Pugh) in sich zusammen. Ihr einziger Halt und Trostspender ist ihr Freund Christian. Als sie mit seinen Freunden nach Schweden reist, um einen Stamm während ihrer Festlichkeiten zum Midsommar zu begleiten, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt, denn die Rituale der Kommune sind nichts für schwache Gemüter. Midsommar von Ari Aster verdient den ersten Platz, da Dani eine starke Entwicklung durchmacht. Sie bricht aus der Abhängigkeit und stellt sich ihren Ängsten und Schwächen. Außerdem nimmt sie am Anfang eine sehr passive Rolle ein, trifft aber zunehmend aktivere Entscheidungen für den Verlauf der Geschichte. Eine starke Frauenfigur muss nicht emotionslos und tough sein. Sie kann ihre Schwächen haben. Doch man sollte ihr den Raum geben sich zu entwickeln und es sollte das Ziel einer jeden Frau sein aus der eigenen Abhängigkeit auszubrechen und anzufangen sein Leben in die eigene Hand zu nehmen, fern von Stereotypen und veralteten Konventionen.

Bechdel-Wallace-Test bestanden? Ja!

Lies hier einen Artikel über Feminsimus in Midsommar

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