Kritik: Die Mitchells gegen die Maschinen

Mit der Familie durch die Robo-Kalypse!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Mit 'Die Mitchells gegen die Maschinen' bringt das erfolgreiche Produzenten-Duo Phil Lord und Christ Miller ('The LEGO Movie', 'Spider-Man: A New Universe') den nächsten potentiellen Animationshit an den Start. Ob die verrückte und bunte Reise durch eine von Technik beherrschten Welt auch wieder überzeugen kann, erfahrt ihr in dieser Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Die Robo-Kalypse startet jetzt! Für Katie Mitchell (Abbie Jacobson/Lea Kalbhenn) geht ein Traum in Erfüllung: Sie wurde an ihrem Wunsch-College angenommen, um Film zu studieren! Nichts wünscht sich die Memes liebende, junge Frau mehr, als endlich auf Gleichgesinnte zu treffen, die sie und ihren Humor verstehen. Denn zu Hause fühlt sich nicht immer verstanden. Während sie mit ihre Mutter Linda (Maya Rudolph/Anna Griesbach) und ihrem kleinen Bruder Aaron (Mike Rianda/Oskar Hansch) noch ganz gut klarkommt, gerät sie ständig mit ihrem Natur-liebenden und Technik-hassenden Vater Rick (Danny McBride/Matti Klemm) aneinander. Bevor Katie das Heim der Eltern verlässt, startet Rick noch einen letzten Versuch, um die Beziehung zu seiner Tochter zu verbessern – ein Roadtrip zum College! Dieser wird jedoch durch die plötzlich eintretende Robo-Kalypse zu einem verfrühten Ende gebracht. Das neue Ziel der Mitchells: Die Rettung der Menschheit. Ob die verrückte Familie das schafft? Eine chaotische Familie Mit seinem Regie-Debüt erzählt Michael Rianda, der zuvor an der genialen Animationsserie Willkommen in Gravity Falls beteiligt war, einen Film bestehend aus drei Hauptzutaten: Einer vermeintlich merkwürdigen Familie, einem in die Brüche geratenen Vater-Tochter-Verhältnis und einer Apokalypse ausgelöst von einer beleidigten Siri, im Film Pal genannt. Herausgekommen ist ein Animationsfilm, der diese Zutaten mit ordentlich Tempo und sichtlich viel Spaß und Herz vermischt. Den Fokus haben Rianda und Co-Autor und Co-Regisseur Jeff Rowe wohl klar auf Tochter Katie und Vater Rick gelegt. Trotz ihrer Eigenarten sind die beiden so sympathisch geschrieben, dass man ihr verrücktes Abenteuer begleiten mag. Besonders Katie ist eine dermaßen vor Leben sprühende und lustige Figur, die sich mit ihrer Verrücktheit mit Leichtigkeit einen Platz in meinem Herzen gesichert hat. Und obwohl der kleine Bruder Aaron und Mutter Linda ähnlich sympathisch und lustig sind, verkommen sie oft zu Hilfsmitteln, um die charakterliche Entwicklung von Vater und Tochter in Worte zu fassen oder voranzutreiben. Das ist natürlich ein bisschen Schade, tut den allgemeinen Sympathiepunkten der Familie aber keinen Abbruch. Das emotionale Kernstück des Films ist mit Sicherheit die etwas komplizierte Beziehung zwischen Tochter Katie und Vater Rick. Wohl jede:r hat sich einmal wie Katie gefühlt, von der Welt und der eigenen Familie nicht verstanden. Viele können aber sicherlich auch Ricks Problem, einen Zugang zu seiner Tochter zu finden, nachvollziehen. Die rührende Art, wie der Film von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und dem gleichzeitigen Aufrechterhalten familiärer Beziehungen erzählt, macht Die Mitchells gegen die Maschinen zu einem überraschend emotionalen Film, der sich deshalb prima zum gemeinsamen Schauen mit der Familie eignet. Die letzte Zutat, aus der der neuste Sony Animation Film besteht, ist die Robo-Kalypse, ausgelöst von einer beleidigten KI. Das Szenario funktioniert ausreichend und die Gags, die sich aus der ständigen Konfrontation mit plötzlich lebendiger Technik ergeben, sind auch mit die besten. Doch richtig auserzählt wurde dieser Teil der Handlung nicht. Anstatt sich dafür zu entschieden, den heutigen Umgang mit Technik und Social Media zu kritisieren, setzte man Fokus auf das Beziehungsgeflecht der Familie. Versteht mich hier bitte nicht falsch: Das war auch absolut die richtige Entscheidung, anders hätte ich das auch nicht gemacht! Trotzdem bleibt das Gefühl, dass man mit dem Thema Robo-Kalypse noch mehr hätte anfangen können. Die Gag-Kanone feuert im Turbo Mit all ihren Eigenheiten wirken die Mitchells nicht wie die glattgebügelte Vorstadt-Familie von Nebenan, auch wenn sie eigentlich gar nicht so merkwürdig sind. Doch dieser Hauch von Verschrobenheit und Andersartigkeit ist es, aus dem Die Mitchells gegen die Maschinen so viel seiner Comedy zieht. Überraschend oft geht das gut auf, wobei man durchaus auch den ein oder anderen Rohrkrepierer in Kauf nehmen muss. Auch die zahlreichen Bildeffekte und Gimmicks, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, sind eine der Humorkarten, auf die der Film setzt. Das wird für viele Zuschauer:innen gut funktionieren, andere werden den Witz hinter Bildfiltern nicht verstehen oder, noch schlimmer, diesen vielleicht sogar ein bisschen unangenehm finden. Generell setzt der Animationsfilm eher auf die schnelle Abfolge zahlreicher Gags anstatt diesen mehr Raum zu geben. Das schnelle Gag-Tempo mag nicht bei jedem gut ankommen, bei mir hat es gut funktioniert.  Werbung Ein knalliger Look für das 21. Jahrhundert Eine weitere große Frage, die ihr euch vielleicht vor dem Drücken das Start-Buttons stellt: Sieht der Film denn auch gut aus? Schließlich ist das ein wichtiger Punkt, ganz besonders wenn es um Animationsfilme geht. Die Mitchells gegen die Maschinen reiht sich perfekt in die jüngst erschienenen Animationswerke von Lord und Miller ein. Man bewegt sich weg von klassischer Animation, mixt Stilelemente und dreht die Farbsättigung ordentlich auf. Herauskommt ein bunter und wunderschöner Film, der frisch und modern wirkt und den schnelllebigen Puls der Zeit ziemlich gut trifft. Vor allem für die Zuschauer:innen, die sich auf Instagram, TikTok und Snapchat wohl fühlen, hat Die Mitchells gegen die Maschinen einiges zu bieten. Wie als hätte Katie selbst den Film gestaltet und geschnitten, finden sich in jeder Ecke zahlreiche lustige Bilder, Effekte und Referenzen auf das Internet des 21. Jahrhunderts. So konsequent haben Animationsfilme dieses Stilmittel bisher noch nicht verwendet und fast immer geht dieses Experiment auf. Stellenweise übertreibt es der Film etwas und nicht immer folgt auf einen lustigen Effekt ein Lacher, aber das kann man an dieser Stelle gut verzeihen. Fazit: Eine verrückte Reise durch die Robo-Kalypse! Mit einer extrem liebenswürdigen und ein wenig verrückten Familie im Zentrum, erzählt Die Mitchells gegen die Maschinen eine temporeiche, spaßige und berührende Geschichte über Familie. Da fallen die wenigen nicht so guten Gags und die zum Teil nebensächlich wirkende Prämisse der Robe-Kalypse gar nicht so schwer ins Gewicht.
    Kritik: Die Mitchells gegen die Maschinen
    Handlung
    75%
    Emotionen
    75%
    Tiefgang
    70%
    Humor
    80%
    Animation
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 30.04.2021
    Filmlänge: 114 Minuten
    FSK: 6
    Genre: , , , , ,
    Regisseur: ,
    Besetzung: , , , , , , , , ,
    Bildrechte: Netflix
  • YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

Gesamtbewertung:

Gut
77%

Mit 'Die Mitchells gegen die Maschinen' bringt das erfolgreiche Produzenten-Duo Phil Lord und Christ Miller ('The LEGO Movie', 'Spider-Man: A New Universe') den nächsten potentiellen Animationshit an den Start. Ob die verrückte und bunte Reise durch eine von Technik beherrschten Welt auch wieder überzeugen kann, erfahrt ihr in dieser Kritik.

Die Robo-Kalypse startet jetzt!

Für Katie Mitchell (Abbie Jacobson/Lea Kalbhenn) geht ein Traum in Erfüllung: Sie wurde an ihrem Wunsch-College angenommen, um Film zu studieren! Nichts wünscht sich die Memes liebende, junge Frau mehr, als endlich auf Gleichgesinnte zu treffen, die sie und ihren Humor verstehen. Denn zu Hause fühlt sich nicht immer verstanden. Während sie mit ihre Mutter Linda (Maya Rudolph/Anna Griesbach) und ihrem kleinen Bruder Aaron (Mike Rianda/Oskar Hansch) noch ganz gut klarkommt, gerät sie ständig mit ihrem Natur-liebenden und Technik-hassenden Vater Rick (Danny McBride/Matti Klemm) aneinander.

Die Familie Mitchell in Die Mitchells gegen die Maschinen.

Für die Mitchells wird ein versöhnlicher Roadtrip zum Kampf gegen die Apokalypse.

Bevor Katie das Heim der Eltern verlässt, startet Rick noch einen letzten Versuch, um die Beziehung zu seiner Tochter zu verbessern – ein Roadtrip zum College! Dieser wird jedoch durch die plötzlich eintretende Robo-Kalypse zu einem verfrühten Ende gebracht. Das neue Ziel der Mitchells: Die Rettung der Menschheit. Ob die verrückte Familie das schafft?

Eine chaotische Familie

Mit seinem Regie-Debüt erzählt Michael Rianda, der zuvor an der genialen Animationsserie Willkommen in Gravity Falls beteiligt war, einen Film bestehend aus drei Hauptzutaten: Einer vermeintlich merkwürdigen Familie, einem in die Brüche geratenen Vater-Tochter-Verhältnis und einer Apokalypse ausgelöst von einer beleidigten Siri, im Film Pal genannt. Herausgekommen ist ein Animationsfilm, der diese Zutaten mit ordentlich Tempo und sichtlich viel Spaß und Herz vermischt.

Den Fokus haben Rianda und Co-Autor und Co-Regisseur Jeff Rowe wohl klar auf Tochter Katie und Vater Rick gelegt. Trotz ihrer Eigenarten sind die beiden so sympathisch geschrieben, dass man ihr verrücktes Abenteuer begleiten mag. Besonders Katie ist eine dermaßen vor Leben sprühende und lustige Figur, die sich mit ihrer Verrücktheit mit Leichtigkeit einen Platz in meinem Herzen gesichert hat. Und obwohl der kleine Bruder Aaron und Mutter Linda ähnlich sympathisch und lustig sind, verkommen sie oft zu Hilfsmitteln, um die charakterliche Entwicklung von Vater und Tochter in Worte zu fassen oder voranzutreiben. Das ist natürlich ein bisschen Schade, tut den allgemeinen Sympathiepunkten der Familie aber keinen Abbruch.

Die Familie Mitchell in Die Mitchells gegen die Maschinen.

Mit ihren Eigenarten sind die Mitchells wirklich keine typische Vorstadt-Familie.

Das emotionale Kernstück des Films ist mit Sicherheit die etwas komplizierte Beziehung zwischen Tochter Katie und Vater Rick. Wohl jede:r hat sich einmal wie Katie gefühlt, von der Welt und der eigenen Familie nicht verstanden. Viele können aber sicherlich auch Ricks Problem, einen Zugang zu seiner Tochter zu finden, nachvollziehen. Die rührende Art, wie der Film von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und dem gleichzeitigen Aufrechterhalten familiärer Beziehungen erzählt, macht Die Mitchells gegen die Maschinen zu einem überraschend emotionalen Film, der sich deshalb prima zum gemeinsamen Schauen mit der Familie eignet.

Die letzte Zutat, aus der der neuste Sony Animation Film besteht, ist die Robo-Kalypse, ausgelöst von einer beleidigten KI. Das Szenario funktioniert ausreichend und die Gags, die sich aus der ständigen Konfrontation mit plötzlich lebendiger Technik ergeben, sind auch mit die besten. Doch richtig auserzählt wurde dieser Teil der Handlung nicht. Anstatt sich dafür zu entschieden, den heutigen Umgang mit Technik und Social Media zu kritisieren, setzte man Fokus auf das Beziehungsgeflecht der Familie. Versteht mich hier bitte nicht falsch: Das war auch absolut die richtige Entscheidung, anders hätte ich das auch nicht gemacht! Trotzdem bleibt das Gefühl, dass man mit dem Thema Robo-Kalypse noch mehr hätte anfangen können.

Die Gag-Kanone feuert im Turbo

Mit all ihren Eigenheiten wirken die Mitchells nicht wie die glattgebügelte Vorstadt-Familie von Nebenan, auch wenn sie eigentlich gar nicht so merkwürdig sind. Doch dieser Hauch von Verschrobenheit und Andersartigkeit ist es, aus dem Die Mitchells gegen die Maschinen so viel seiner Comedy zieht. Überraschend oft geht das gut auf, wobei man durchaus auch den ein oder anderen Rohrkrepierer in Kauf nehmen muss.

Auch die zahlreichen Bildeffekte und Gimmicks, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, sind eine der Humorkarten, auf die der Film setzt. Das wird für viele Zuschauer:innen gut funktionieren, andere werden den Witz hinter Bildfiltern nicht verstehen oder, noch schlimmer, diesen vielleicht sogar ein bisschen unangenehm finden. Generell setzt der Animationsfilm eher auf die schnelle Abfolge zahlreicher Gags anstatt diesen mehr Raum zu geben. Das schnelle Gag-Tempo mag nicht bei jedem gut ankommen, bei mir hat es gut funktioniert. 

Werbung



Ein knalliger Look für das 21. Jahrhundert

Eine weitere große Frage, die ihr euch vielleicht vor dem Drücken das Start-Buttons stellt: Sieht der Film denn auch gut aus? Schließlich ist das ein wichtiger Punkt, ganz besonders wenn es um Animationsfilme geht. Die Mitchells gegen die Maschinen reiht sich perfekt in die jüngst erschienenen Animationswerke von Lord und Miller ein. Man bewegt sich weg von klassischer Animation, mixt Stilelemente und dreht die Farbsättigung ordentlich auf. Herauskommt ein bunter und wunderschöner Film, der frisch und modern wirkt und den schnelllebigen Puls der Zeit ziemlich gut trifft.

PAL Max Roboter in Die Mitchells gegen die Maschinen.

'Die Mitchells gegen die Maschinen' kann mit knalligen Farben und einem coolen, modernen Animationsstil überzeugen.

Vor allem für die Zuschauer:innen, die sich auf Instagram, TikTok und Snapchat wohl fühlen, hat Die Mitchells gegen die Maschinen einiges zu bieten. Wie als hätte Katie selbst den Film gestaltet und geschnitten, finden sich in jeder Ecke zahlreiche lustige Bilder, Effekte und Referenzen auf das Internet des 21. Jahrhunderts. So konsequent haben Animationsfilme dieses Stilmittel bisher noch nicht verwendet und fast immer geht dieses Experiment auf. Stellenweise übertreibt es der Film etwas und nicht immer folgt auf einen lustigen Effekt ein Lacher, aber das kann man an dieser Stelle gut verzeihen.

Fazit:

Eine verrückte Reise durch die Robo-Kalypse!

Mit einer extrem liebenswürdigen und ein wenig verrückten Familie im Zentrum, erzählt Die Mitchells gegen die Maschinen eine temporeiche, spaßige und berührende Geschichte über Familie. Da fallen die wenigen nicht so guten Gags und die zum Teil nebensächlich wirkende Prämisse der Robe-Kalypse gar nicht so schwer ins Gewicht.

❯ Alle Artikel
SCHREIBE EINEN KOMMENTAR
Noch kein Kommentar

Antworten

*

*