7.6/10

Kritik: Parallele Mütter

ORTHOGONALE STILE

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Genres: Drama, Romanze, Startdatum: 10.03.2022

Interessante Fakten für…

  • Vor über einem Jahrzehnt gab es bereits das erste Plakat für Parallele Mütter in einer Szene von Almodóvars Zerrissene Umarmungen (2009). Er arbeitete bereits an dem Drehbuch und hatte ein Plakat gestaltet.
  • Instagram hat sich offiziell dafür entschuldigt, dass ein Poster des Films, auf dem eine weibliche Brustwarze zu sehen war, entfernt wurde. Der Beitrag wurde später wieder zugelassen, weil man der Ansicht war, dass er einen klaren künstlerischen Kontext hatte.

Im neuen Film von Spaniens bestem Regisseur Pedro Almodóvar (“Die Haut, in der ich wohne”) geht es um die ganz großen Themen einer jeden Telenovela. Wieso das aber unbedingt sehenswert und keinesfalls nur Lückenfüller im Abendprogramm ist, erfahrt ihr in der Kritik.

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Darum geht’s

Janis (Penélope Cruz) ist erfolgreiche Fotografin, die ihre Familiengeschichte aufarbeiten möchte. Ihr Großvater wurde im spanischen Bürgerkrieg von faschistischen Truppen ermordet und in einem unmarkierten Massengrab beerdigt. Beim Shooting für eine Zeitschrift lernt Janis den forensischen Anthropologen Arturo (Israel Elejalde) kennen. Sie bittet ihn und seine Stiftung, die sich mit den Verbrechen der Franco-Zeit befasst, um Unterstützung. Als zwischen den beiden jedoch mehr als nur professionelle Zusammenarbeit zu entstehen scheint, bahnen sich dramatische Ereignisse in Janis’ Leben an…

Seifige Handlung

Regisseur Pedro Almodóvar hat sich noch nie davor gescheut, drastische Themen in seinen Filmen zu behandeln, die dem Publikum an die Substanz gehen. Parallele Mütter ist da keine Ausnahme. Es geht um zerrüttete Familien, Mutter- und Vaterschaft, Liebe und Betrug, Eigenständigkeit, Verantwortung – und ganz nebenbei auch noch um die Verbrechen des Franco-Regimes in Spanien.

Auf den ersten Blick wirkt dabei die ein oder andere Wendung der Handlung gar etwas seifenopernhaft. Plotpoints wie überraschende Vaterschaftstests und passionierte Trennungen, familiäre Verdrehungen etc. sind ja nur zu gut aus dem Genre der Telenovela bekannt. Parallele Mütter schafft es aber, diese eingeseiften Handlungselemente zu jonglieren, ohne dabei die Balance zu verlieren und in den Kitsch abzurutschen.

Durch den bewussten Umgang mit den im Stoff lauernden Klischeegefahren gelingt nicht nur ein Umgehen des Kitsches, sondern gar eine Umkehrung und ein Unterlaufen der Erwartungen des Publikums. An verschiedenen Stellen ist es vor allem die Erwartung dessen, was passieren könnte, gegen die sich der Film anstemmt und so eine packende Spannung aufbaut.

Televisuelle Optik

Das bewusste Anarbeiten gegen den Kitsch und die Jonglage mit dem Melodram wird dabei visuell durch eine bunte und helle Optik konterkariert. Stil und Handlung sind dabei nämlich überhaupt nicht parallele, sondern stehen an vielen Stellen eher senkrecht aufeinander: Die Sets und Kostüme, die gut ausgeleuchteten Szenen – das alles verweigert sich geradezu dem dramatisch Dunklen, wie es wohl an vielen Stellen zu erwarten und von einem weniger begabten Regisseur geliefert werden würde.

Bemerkenswert ist, dass aus der Verweigerungshaltung gegenüber der dramatischen Inszenierung die eigentliche Dramatik noch unterstützt wird. Vergleichbar ist das etwa dem Grauen von Poltergeist (1982), der den Schrecken nicht in der Dunkelheit, sondern im Licht verortet. Anstatt die Brüche der Figuren zu spiegeln, bleiben die Bilder von Parallele Mütter bunt und überbordend. Alles sieht schön, zu schön aus, obwohl es sich nicht mehr schön anfühlt.

Meisterhaftes Schauspiel

Zentral für das Gelingen des Films ist ohne Zweifel das meisterhafte Schauspiel von Penélope Cruz und Milena Smit. Beiden Frauen gelingt es, die so unterschiedlichen Charaktere nicht nur glaubhaft zu verkörpern, sondern auch die Kommunikation und Chemie zwischen ihnen in ihrer vollen und ambivalenten Bandbreite einzufangen.

Das erwähnte Unterlaufen der Erwartungen und das Spiel mit dem Verhältnis von Optik und Handlung lastet auf den Schultern der Schauspieler:innen. Unterstützt werden sie dabei von einem gelungenen Cast an Nebendarsteller:innen, die es ebenfalls schaffen, in den richtigen Momenten der Spiegel oder die Vergleichsfolie der Entwicklung der Hauptfiguren zu sein.

Fazit

7.6/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 8/10
Schauspiel 8.5/10
Visuelle Umsetzung 6.5/10
Spannung 7.5/10
Tiefgang 7.5/10
Details:
Regisseur: Pedro Almodóvar,
FSK: 6 Filmlänge: 123 Min.
Besetzung: Aitana Sánchez-Gijón, Israel Elejalde, Milena Smit, Penélope Cruz, Rossy de Palma,

Parallele Mütter bietet eine emotionale Berg- und Talfahrt, die einnimmt, mitreißt und bewegt. Die Inszenierung ist gelungen und jede Person, die bereit ist das Spiel mit Melodram und Kitsch hinzunehmen, wird gut unterhalten werden. Unbedingt ansehen.

Artikel vom 17. März 2022

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