Kritik: Sonic the Hedgehog 2
WER HAT NOCH MAL, ICH WILL NICHT MEHR
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Einige Monate nach den Ereignissen des ersten Teils sitzt Robotnik (Jim Carrey) noch immer auf einem Pilzplaneten fest. Als er frustriert daran scheitert, Kaffee zu kochen, taucht Knuckles (Oliver Stritzel) auf. Mit dessen Hilfe kehrt Robotnik auf die Erde zurück, um sich an Sonic zu rächen. Der ringt gerade mit seinen Fähigkeiten und seiner Rolle in der Gesellschaft. Und falls das noch nicht albern genug klingt: dann gibt es da noch allerhand Humbug um smaragdene Relikte, die die Realität verbiegen können, Geheimagenten und Geheimorganisiationen und und und…
Nachdem niemand darum gebeten hatte, wurde die Welt bereits vor zwei Jahren mit einem ersten Wirrwarr-Machwerk auf Spielfilmlänge in Form von Sonic the Hedgehog (2020) belästigt. Das ganze Internet – oder zumindest der Teil, der sich leicht von blinkenden Lichtern und Zuckerwattegeruch ablenken lässt – regte sich darüber auf, dass irgendwas mit dem Charakterdesign im Trailer nicht stimmte. Es gab viel Echo und alle erwarteten einen sehr schlechten Film. Der kam auch. Und spielte trotzdem über dreihundert Millionen Dollar ein. Wahrscheinlichste Erklärung: Nostalgie + laut und stumpf.
Es ist daher wenig überraschend, dass die inhaltliche Vollkatastrophe, die es selbst schon nicht wert war, veröffentlicht und gezeigt zu werden, nun auch noch fortgesetzt wird. Was Geld bringt, wird gebracht. Es bleibt nur: seufzen, Kopf schütteln und kritisieren. Denn da gibt es so einiges!
Direkt vorweg: ganz so schlimm wie der Vorgänger ist der Film nicht. Deshalb gut? Auf keinen Fall. Sonic the Hedgehog 2 ist auch inhaltlich genauso leeres Kommerzmachwerk und kalkuliertes Produkt, wie es bei der durch Zuschauerwunsch rechtfertigten Filmen zu erwarten ist. Die Handlung ist seelenlos vorhersehbar, die visuelle Umsetzung ist nichts Besonderes, Musik, Animation, Figurendarstellung – alles nichts der Rede wert.
Besonders unbesonders fällt jedoch Jim Carreys Schauspiel auf. Wie auch schon im ersten Teil gibt er den Bösewicht Doktor Robotnik. Und in Carreys Darstellung verdient der auch jeden Laut diese Wortes. Böh-seh-wicccht! Haha!
Jim Carrey, der mit Filmen wie Der Mondmann (1999) oder Vergiss mein nicht! (2004) bewiesen hat, dass er durchaus ein begabter Schauspieler ist, beschränkt sich hier auf Grimassen und Gimmicks. So wie z.B. Henry Cavills “Schauspiel” ausschließlich als Austellen von Muskulatur zu verstehen scheint, ist Carrey dahin zurückgegangen, wo man gehofft hatte, ihn nach Ace Ventura – Jetzt wird’s wild (1995) nicht wieder zu finden: Schauspiel, das nur aus weicher Gesichtsmasse besteht.
Wer sagt, dass niemand das Grimassieren so beherrsche wie Jim Carrey, vergisst dabei, dass Einzigartigkeit noch kein Qualitätsmerkmal darstellt. Niemand spielt komödiantische Rollen mit so viel blödsinnigem Overacting und anstrengendem Tamtam wie Jim Carrey, weil das auch nicht besonders unterhaltsam ist. Genauso wie lautes Schreien noch keinen Grusel verursacht, bewirkt schrilles Gegacker noch keine Lacher.
Auch wenn sich bereits abzeichnet, dass er viele Zuschauer haben und großen Gewinn machen wird, bleibt Sonic the Hedgehog 2 dennoch ein leeres Produkt. Am Reißbrett geplant, um Geld zu machen, ist dieser Film frei von künstlerischer oder auch nur kreativer Vision. Wer nach Hintergrundbeschallung sucht, um im Kino nicht einzuschlafen, mag begeistert sein. Für alle anderen, gibt es jedoch lediglich mittelmäßige Wegwerfunterhaltung.
Artikel vom 19. April 2022
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