Episodenkritik: The Walking Dead – Staffel 8

Folge 16: Der Spuk hat endlich ein Ende
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 44 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Rick und seine Verbündeten sind schwer bewaffnet und türmen sich in einer Collage zu The Walking Dead 8 zu einer Art Pyramide über der die Worte "All Out War" prangen
  • In 'The Walking Dead – Staffel 8' wird aus dem Konflikt zwischen Rick und Negan ein Krieg. Reicht das, um die Zombie-Serie vor dem drohenden Grab zu bewahren? Unsere Episodenkritik zu TWD 8 legt jede Woche von Neuem den Finger in die Wunde.  Direkt zur neuesten Episodenkritik Kritik: Folge 1 'Erster Kampf' Original-Titel:  Mercy Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2017 (DE) Endlich, endlich, endlich ist es soweit: Nach einer in die Länge gezogenen siebten Staffel nimmt das Flaggschiff aus dem Hause AMC wieder Fahrt auf. Ohne lang zu fackeln springt die erste Folge der achten Staffel zum Wesentlichen: Der Krieg zwischen Negan und…

    55%

    Enttäuschend

    Handlung
    60%
    Schauspiel
    55%
    Spannung
    55%
    Visuelle Umsetzung
    55%
    Emotionen
    50%
    User Rating: 1.47 ( 14 votes)
  • Staffelstart: 23.10.2017
    Episoden: 115 in 8+ Staffeln
    FSK: 18
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2018 AMC

Gesamtbewertung:

Enttäuschend
55%

In 'The Walking Dead – Staffel 8' wird aus dem Konflikt zwischen Rick und Negan ein Krieg. Reicht das, um die Zombie-Serie vor dem drohenden Grab zu bewahren? Unsere Episodenkritik zu TWD 8 legt jede Woche von Neuem den Finger in die Wunde. 

Kritik: Folge 1 'Erster Kampf'

Original-Titel:  Mercy
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2017 (DE)

Rick Grimes (Andrew Lincoln) and Maggie Greene (Lauren Cohan) zielen mit Handfeuerwaffen auf die Fabrik der Saviors in The Walking Dead Staffel 8 Episode 1

Episode 1 geht aufs Volle und lässt Rick und seine Verbündeten in den Krieg ziehen.

Endlich, endlich, endlich ist es soweit: Nach einer in die Länge gezogenen siebten Staffel nimmt das Flaggschiff aus dem Hause AMC wieder Fahrt auf. Ohne lang zu fackeln springt die erste Folge der achten Staffel zum Wesentlichen: Der Krieg zwischen Negan und Rick entflammt.

So richtig überspringen will der Funke aber noch nicht. Mercy wirkt zu zerstückelt und ist von gewagten Zeitsprüngen zersetzt. Zugegeben: Eine komplexere und herausfordernde Story würde der Serie guttun. Aber wie bei so vielem in The Walking Dead, wirkt die anachronistische Erzählweise von Folge 1 gewollt.

Wenn schon in der ersten Folge ein handfester Angriff gestartet wird, wie sollen dann die restlichen 15 Folgen aussehen? Dass die Staffel dieses Gewalt-Potenzial nicht wird halten können, ist ziemlich sicher. Wahrscheinlicher ist, dass die Staffel auf halber Strecke in einem dramaturgischen Loch versinkt, und erst gegen Ende wieder Fahrt aufnimmt. Diese Durststrecken kennen wir ja bereits aus Staffel 7.

Die größten Fragen werfen jedoch die Szenen auf, in denen ein sichtlich gealterter Rick zu sehen ist, der glücklich mit Michonne und Judith zusammenlebt. Gegengeschnitten werden diese Szenen mit einem Close-Up des gegenwärtigen (?) Rick, dessen tränenerfüllten Augen blutunterlaufen sind. Sehen wir Ricks tatsächliche Zukunft? So schön das wäre, so unwahrscheinlich ist das jedoch. Zwei Gründe: Zunächst wäre das ein erzählerisches Desaster. Denn wenn wir uns nicht um Rick sorgen müssten, dann wäre die Spannung der Serie endgültig dahin.  Zweitens lässt der Schnitt auf Ricks todtraurigen Augen vermuten, dass ihn ein weiterer Schicksalsschlag heimsucht. Die schöne Zukunft, wäre demnach ein utopischer Traum, der im Moment der Aufnahme zerstört wird. Unsere Theorie ist, dass Rick den Tod von Judith, Michonne oder Carls  sieht. Mal sehen, was die Staffel noch bereithält.

Fazit: Folge 1 'Erster Kampf'
Glücklicherweise kommt die erste Folge schnell auf den Punkt und der langerwartete Krieg bricht aus. Dennoch wirken die Zeitsprünge der Folge gewollt, werfen jedoch spannende Fragen auf, die Staffel 8 klären muss.

Stand der Gesamtbewertung: 70%


Kritik: Folge 2 'Die Verdammten'

Original-Titel:  The Damned
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2017 (DE)

Morgan und Jesus streiten sich in Folge 2 Die Verdammten von The Wlaking Dead Staffel 8

In Die Verdammten streiten sich Morgan und Jesus – Was soll mit den Gefangenen geschehen?

In Folge 100 der Serie setzen die Kämpfer von Rick, Maggie und Ezekiel ihren Angriff fort und überfallen gleich zwei Außenposten der Saviors. Es geht also weiter, wie in der ersten Folge: mit viel Ballerei.

Während Erste Kämpfe noch versuchte mehrere Handlungsebenen einzuführen, ist die zweite Episode der Staffel umso einfacher gestrickt. In der Tat besteht die Folge aus kaum mehr, als ratternden Maschinengewehr-Salven. Dabei wirkt besonders der Angriff, den Jesus und Morgan auf einen der beiden Außenposten anführen, albern. Ausgerüstet mit Schalldämpfern, verabredeten Handzeichen und einem durchgetakteten Angriffsplan hat der Überfall nur noch wenig mit dem Kern der Serie zu tun. Stattdessen fühlt sich das Ganze an, als spielten da ein paar Kids nach, was sie in einem SWAT-Film gesehen haben.

Dass das für eine interessante TV-Folge nicht ausreicht, weiß auch Showrunner Frank Darabont. Kompensiert werden soll das, indem sich die Folge auf Morgan konzentriert. Im Grunde keine schlechte Wahl, denn Morgan ist sicher einer der interessantesten Charaktere der ganzen Serie. Seit seinem ersten Erscheinen in Staffel 1 hat sich sein Charakter mit am Meisten verändert. Die letzte Staffel profitierte dabei besonders von seiner Überzeugung, keine Menschenleben zu nehmen. Dieser moralische Konflikt verlieh Staffel 7 zumindest ein wenig mehr Tiefgang.

Damit ist es spätestens jetzt endgültig vorbei. In The Damned wird aus Morgan eine eiskalte Kampfmaschine, die in der Façon eines Navy SEALS dutzende Saviors dahinschlachtet. Dass ihm das noch nicht reicht, stellt er unter Beweis, als er sich mit Jesus anlegt, der sich weigert die Gefangenen Saviors hinzurichten. Die Frage, was mit den Gefangenen geschehen soll, ist in der Tat spannend. Daran, wie Alexandria, Hilltop und das Königreich mit ihnen verfahren, spiegelt wieder, wer sie sind. Fairer Prozess oder unmittelbare Erschießung? Bleibt zu hoffen, dass der Serie dabei etwas Kluges einfällt.

Ob das auch mit Ricks Handlungsstrang gelingen wird, ist fragwürdig. Was Rick in Folge 2 geschieht, hat dennoch dramaturgisches Potenzial: Er tötete den Vater eines Kleinkindes. Wird Rick, der aktuell einen harten und erbarmungslosen Kurs einschlägt, das seelisch verkraften? Erkennt er, dass er auf dem Weg ist, so zu werden, wie die, die er bekämpft? Sein Traum aus Folge 1 scheint weiter entfernt, denn je.

Fazit: Folge 2 'Die Verdammten'
In Folge 2 Die Verdammten wird vor allem geballert, was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es an einem packenden Plot fehlt. Morgan, der eine erneuten Sinneswandel hinlegt, soll die dramaturgischen Mängel kompensieren, was ihm aber (noch) nicht gelingt. 

Stand der Gesamtbewertung: 68%


Kritik: Folge 3 'Wir oder die'

Original-Titel: Monsters
Erscheinungsdatum: 6. November 2017 (DE)

Juan Gabriel Pareja als Morales zielt in The Walking Dead Folge 3 it einer Pistole auf Rick Grimes

Sinnloser Cliffhanger: Das Auftauchen von Morales (Juan Gabriel Pareja) ist ein weiteres Armutszeugnis der Serie.

Folge 2 endete für Rick mit dem Blick in den Lauf einer Pistole. Ein alter Bekannter zielte in sein Gesicht. Ein alter Bekannter? Wer zu Hölle ist dieser bärtige Typ? Wenn du es nicht weißt, brauchst die dich nicht zu schämen. Es handelt sich um Morales, einen Charakter aus Staffel 1. Als Rick und Co. das Camp von Atlanta verließen, wollte sich Morales mit seiner Familie nicht Rick anschließen. Sein Fehler also? Was kann denn jetzt Rick bitte dafür?

Wer sich schämen sollte, sind die Macher von TWD. Nicht nur, dass sich kein Mensch an einen Nebencharakter erinnern kann, der vor 7 Jahren (!!!) über den Bildschirm torkelte. Nein, vielmehr ist der Cliffhanger der letzten Folge ein weiteres Armutszeugnis für The Walking Dead. Denn etwas wirklich Sinnvolles fällt der Serie mit Morales nicht ein – er wird einfach kurzerhand von Daryl erschossen. Abzusehen war das ja sowieso. Ein Cliffhanger also, der die Story Null Komma Null vorangebracht hat. Einfach überflüssig.  Ärgerlich.

Ähnlich gestelzt wirkt der Konflikt zwischen Jesus und Morgan der in Monsters eskaliert. Jesus will die gefangenen Saviors leben lassen, Morgan bevorzugt eine Exekution. Wie wir letzte Woche schrieben, ist die Frage, was mit Gefangenen geschehen soll, im Grunde eine spannende. Schließlich manifestiert sich daran, ob Alexandria, Hilltop und Kingdom besser oder gar schlimmer als die Saviors sind. Dennoch wirkt der Zweikampf, der zwischen Jesus und Morgan entflammt wie ein notgedrungener Lückenfüller um mehr Dramatik zu erzeugen. Wie zwei beleidigte Schuljungen prügeln die Beiden aufeinander ein. Was ist aus dem friedliebenden Morgan geworden? Erst wird er zum eiskalten Hitman (Folge 2) und jetzt zum Raufbold? Ist ja schön und gut, dass ihr seinen Charakter komplexer anlegen wollt, aber macht das doch bitte verständlich. Wir kommen zumindest nicht mehr mit.

Dennoch hat die Folge Wir oder Die etwas Interessantes. Die Frage, die über dieser Episode, wenn nicht sogar schon der ganzen Staffel schwebt, ist eindeutig: Sind Rick und Co. so schlimm wie Negan und die Saviors? So einfach die Frage, so kompliziert ist auch die Antwort. Auch wenn der Cliffhanger mit Morales nicht geklappt hat, so wird dennoch klar, dass zumindest Daryl nicht mehr zimperlich drauf ist. Noch deutlicher wird es, als Daryl wenig später einen Savior exekutiert, und das obwohl Rick ihm sein Wort gab. Aus Ricks Blick wird klar, dass er schockiert ist. Dennoch rügt er Daryl nicht. Wie wird sich Rick entscheiden? Sieht er die Exekution von sich ergebenden Feinden als notwendiges Übel an, oder als Frevel? Sollte die Staffel die Frage klug weiterverfolgen, besteht noch ein bisschen Hoffnung für das Zombie-Franchise. Ansonsten, wird es eng.

Fazit: Folge 3 'Wir oder die'
Folge 3 lässt die Qualität der Staffel weiter absinken. Der Cliffhanger der letzten Folge wird inkonsequent weitergeführt und taugt nicht als Plot Twist. Währenddessen geht das ermüdend langweilige Geballer der letzten Folge weiter. Hoffnung gibt die Frage, wieviel Rechtschaffenheit noch in Rick und Co. stecken. 

Stand der Gesamtbewertung: 64%


Kritik: Folge 4 'Nur Irgendwer'

Original-Titel: Some Guy
Erscheinungsdatum: 13. November 2017 (DE)

Khary Payton kämpft als Ezekiel gegen einen Zombie in The Walking Dead Staffel 8 Folge 4

Aus Ezekiels (Khary Payton) herber Niederlage entwickeln sich neue Möglichkeiten für Staffel 8.

Nach drei action-reichen Folgen, schaltet The Walking Dead – Staffel 8 mit der vierten Episode einen Gang runter. Wie erwartet, verfällt die Serie dabei in alte Muster und wird wieder langatmiger. Soll heißen, dass sich Some Guy auf einige wenige Charaktere konzentriert, statt, wie in den vorherigen Folgen, zwischen Handlungssträngen hin und her zu springen. Diese Verzögerungstaktik ist ein alter lästiger Bekannter der ganzen Serie – geht in Some Guy jedoch auf.

In Episode 4 liegt der Fokus auf Ezekiel – pardon –, ihrer Majestät, der König. Am Anführer des sogenannten Königreichs scheiden sich seit je her die Geister. Manche kritisieren, dass der geschwollen daherredende Kauz nicht ins apokalyptische Setting passe, andere meinen, dass er gerade deswegen die Serie vor der Monotonie rette. Auf welcher Seite man auch steht, Staffel 8 schafft es, aus dem Plattitüden-Potentaten einen interessanten Charakter zu formen. Wir wussten natürlich bereits, das Ezekiel (Khary Payton) keinesfalls selbst an die Show glaubt, die er seinem Gefolge vorspielte – jetzt ist es aber endgültig vorbei. So albern und kitschig sein Königstheater auch sein mochte, es verbreitete Hoffnung und war damit eine ungemein wertvolle Ressource im Kampf gegen die Saviours.

In Folge 4 scheint es mit dieser Hoffnung vorbei zu sein. Der Zauber seines Charismas verpufft endgültig, als der im Kampf geschlagene Ezekiel – unfähig eines Trostwortes – am Ende der Episode an seinem Gefolge vorbeihumpelt. Rick braucht diese Siegesgewissheit jedoch fast mehr, als die Kampftruppe des Kingdoms, die es nach dem verheerenden Maschinengewehr-Massaker ja ebenfalls nicht mehr gibt. Denn der Angst, die Negan und seine Schlächter verbreiten, kann nur mit einer ordentlichen Portion Hoffnung begegnet werden. Das Momentum, das seit der Aufputschrede zu Beginn von Folge 1 herrschte, ist vorbei. Die Staffel steht vor einem Wendepunkt.

Was The Walking Dead daraus machen wird, ist eine spannende Frage. Denkbar wäre einerseits, dass sich das Königreich, das scheinbar nur noch aus Alten und Kindern besteht, neutral erklärt. Negans Vergeltungssituation in einem solchen Fall, will ich mir lieber nicht ausmalen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Carol die Führung des Kingdoms übernimmt. Als „Queen Carol“ wird sie sich aber wohl eher nicht betiteln lassen. Die dritte und wahrscheinlich ungefährlichste Möglichkeit wäre, dass sich die Überlebenden des Königreichs nach Alexandria oder Hilltop retten. Der Nachteil: Negan, dessen Sanctuary derzeit kaum bewohnbar ist, könnte mit seinem Tross ins verlassene Kingdom übersiedeln.

Fazit: Folge 4 'Nur Irgendwer'
Nur Irgendwer ist ein kleiner Lichtblick für die  ganze Serie, die seit geraumer Zeit nicht mehr weiter weiß mit ihren Charakteren. Mit einem Wendepunkt für Ezekiel werden jedoch neue spannende Fragen aufgeworfen, die der Serie gut tun dürften.  Die Gesamtbewertung der Staffel  verbessert sich daher leicht im Verhältnis zur letzten Episode. 

Stand der Gesamtbewertung: 65%


Kritik: Folge 5 'Die Beichte'

Original-Titel: The Big Scary U
Erscheinungsdatum: 20. November 2017 (DE)

Negan (Jeffrey Dean Morgan) bekommt die schlechtesten Dialogszenen an die Hand, die man sich denken kann.

Das war ja zu erwarten. Nach einer überraschend "annehmbaren" vierten Folge fällt The Walking Dead erneut auf die Nase. Episode 5 Die Beichte folgt drei Handlungssträngen: Negan und Gabriel, die in einem Camper festsitzen, Rick und Daryl, die sich um Dynamit prügeln und die Offiziere der Saviors, die nicht wissen, was sie ohne Papa Negan anstellen sollen.

Am wenigsten zu erzählen hat die Folge mit Rick und Daryl. Eigentlich sind die beiden ja Hauptfiguren. Aber in dieser Folge wirken Rick und Daryl einfach nur wie unnötiges Beiwerk. Wie schon letzte Woche versuchen die Beiden ein paar Waffen aus einem Autowrack zu bergen. Das ist nicht nur öde, sondern trägt auch nicht zur Haupthandlung der Staffel bei. Ein wenig fühlt es sich an, als ob nur aus einem Grund zu Rick und Daryl geschnitten wird: weil – naja, weil man eben nicht vergessen soll, wer eigentlich im Zentrum der Serie steht. Was alles noch schlimmer macht ist die unnötige Prügelei, die zwischen den Beiden entbrennt. Das ist wie bei zwei Testosteron geschwängerten pubertierenden Jungs, die, sobald sie die Aufmerksamkeit eines Publikums haben, anfangen in einer Prügelei ihre „Männlichkeit“ unter Beweis zu stellen. Einfach peinlich.

In der Sanctuary kochen die Gefühle ebenfalls hoch. In einem langatmigen Flashback springt die Handlung zurück zu Ricks Angriff auf das Hauptquartier der Saviors aus Folge 1. Zugegeben: Es ist interessant einmal hinter die Fassade von Negans Reich zu schauen und mitzubekommen, wie die Saviors Rat halten. Aber der Fall, den Sie verhandeln, könnte nicht peinlicher sein. Angeklagter ist Gregory, der opportunistische Ex-Anführer der Hilltop-Kolonie. Die Blamage dieses steif geschriebenen Strangs beginnt schon mit der ersten Szene: In einem überflüssigen Dialog erinnert Simon Gregory daran, dass er nicht wieder und wieder das Gleiche erzählen solle. Bei der Szene musste ich verbittert lachen, denn genau das lässt sich auch den Autoren der Serie vorwerfen, die gerade mit diesem Flashback unter Beweis stellen, dass sie doch selbst genau das machen: sich wiederholen. Nicht nur, dass uns die Szene wenig weiterbringt. Noch dazu ist der ganze Handlungsstrang grandios schlecht geschrieben. Auf eine traurig-komische Weise erinnern die gestelzten Dialogzeilen von Simon und Gregory an ein albernes Schultheaterstück. Denn mit echten Dialogen, wie sie normale Menschen führen, hat das nur noch wenig zu tun, wenn Simon Gregory seine Liebe beteuert indem er auf ein Frühstückstablett verweist, dass er mit "ganz viel Liebe" zubereitet hat. Am Schlimmsten trifft es jedoch Negan, dessen Welcome-Back-Rede mehr an einen Klotürspruch als an erstklassige TV-Unterhaltung erinnert:

I wear a leather jacket, I have Lucille, and my nutsack is made of steel.

Negans Willkommen-Zurück-Rede zeigt, wie tief die Serie gesunken ist

Etwas besser macht sich die Serie mit der Kombination aus Prinzipienreiter Gabriel und Prügelknabe Negan. Die Beiden sitzen in einem Wohnwagen fest, der hoffnungslos von Zombies umringt ist. Zeit Negan die Beichte abzunehmen, meint zumindest Gabriel. Vielleicht sollte der Priester lieber den Autoren der Serie die Beichte abnehmen, denn so interessant diese Kammerspiel-Konstellation auch ist, viel macht die Serie daraus nicht. Nach einer Phase des gegenseitigen Belauerns greift Gabriel beherzt ein und versucht Negan zu erschießen. Das klappt natürlich nicht, weshalb Gabriel Negan kurz darauf zahm die Waffe zurückgibt, so als hätte er das Ding nur mal ausprobieren wollen. Hä? Welches Spiel spielt Gabriel denn jetzt nun? Mir wird es nicht klar. Will er treu seiner christlichen Überzeugung Negans Seele Absolution erteilen oder will er ihn lieber gleich selbst (hin-)richten. Schließlich entscheidet sich The Big Scary U für Option 3: Die Beiden machen auf Best Buddys und schlagen sich durch eine Horde von Untoten. Das Absurde dabei: die Erzfeinde helfen sich dabei gegenseitig und schmeißen ihr eigenes Leben in die Waagschale um den Anderen zu retten. Warum sollte Gabriel das tun?

Eine gute Sache hat dieser Handlungsstrang aber dennoch: Wir erfahren mehr über Negans Schwächen und seine Vergangenheit. Etwas, dass der Serie guttut. Denn bisher war der Antagonist so grundböse, dass es mitunter schon absurd wurde. Mehr Einblicke in diesen bisher eindimensional präsentierten Charakter sind der richtige Weg. Aber als Fluchtweg wird das nicht reichen.

Fazit: Folge 5 'Die Beichte'
Nach einer soliden vierten Folge verliert sich Die Beichte in unnötig ausartenden Rückblicken und wenig zielstrebigen Nebenhandlungen. Am schlimmsten sind jedoch die Dialoge, die einfach nur noch peinlich sind.

Stand der Gesamtbewertung: 60%


Kritik: Folge 6 'Der König, die Witwe und Rick'

Original-Titel: The King, the Widow and Rick
Erscheinungsdatum: 27. November 2017 (DE)

Lauren Cohen als Maggie in The Walking Dead 8 Folge 6

Maggie (Laura Cohen) muss in Folge 6 eine schwere Entscheidung treffen.

Noch sind die Wunden, die Folge 5 der Staffel geschlagen hat, noch nicht verheilt. Mit Episode 6 beginnt dennoch so etwas wie ein Heilungsprozess. Zumindest ist diese Folge etwas ausgeglichener. Wie der Episodenname wenig einfallsreich anteasert, dreht sich Der König, die Witwe und Rick um Ezekiel, Maggie und Rick.

Nach der vernichtenden Niederlage gegen die Saviors haben sich Ezekiel und Carol ins Kingdom zurückgezogen. Desillusioniert und vollkommen niedergeschlagen kauert Ezekiel neben seinem Thron und hadert mit seinem Schicksal. So pathetisch und albern Ezekiel auch sein kann, in diesem Moment ist er tatsächlich bemitleidenswert. Als er schließlich von Carol aufgesucht wird, werden wir Zeugen eines „Wunders“: Es folgt ein wahrhaftig bewegender Dialog. Spätestens nach den fatalen Dialog-Pannen der letzten Folge war damit ja kaum noch zu rechnen. Carols Aufmunterungsrede ist deshalb so gut, weil sie einen Blick hinter ihre antrainierte harte Fassade aber auch hinter die Theatermaske von Ezekiel erhaschen lässt. Endlich, endlich, endlich gelingt es einmal wirklich in die Herzen der Protagonisten zu schauen.

In der Hilltop-Kolonie versuchen Maggie, Jesus und Gregory nach wie vor eine langfristige (oder endgültige) Lösung für die gefangenen Saviors zu finden. Leider schafft es auch diese Folge nicht, klar zu stellen, warum Jesus sich so vehement für die Gefangenen einsetzt. Reine Menschlichkeit ist zu einfach, da muss doch noch ein persönlicher Grund sein, oder?

Stattdessen kann die Folge mit Maggie (Lauren Cohen) überzeugen. Sie schenkt Der König, die Witwe und Rick ein paar starke Momente. Ihre Entscheidung die Gefangenen nicht zu töten, und stattdessen als Druckmittel für eventuelle Verhandlungen zu behalten, ist nachsichtig und unerbittlich zu gleich. Würde ich einen Anführer wählen müssen, meine Wahl fiele auf Maggie. Aber vielleicht sollte ich erstmal abwarten. Wer weiß, wie lange die Saviors in ihrem Hühnerkäfig bleiben...

Und jetzt zu dir: Rick. Man, man, man, was ist denn nur los? Erst ein an den Haaren herbei gezogener Faustkampf mit Daryl, und jetzt auch noch das: In The King, The Widow and Rick läuft der Hauptdarsteller der Serie schnurstracks ins Lager der Schrottplatz-Siedler, also in die Arme seiner Feinde. Und wie erwartet, erreicht er nicht mehr, als in einem Frachtcontainer festgesetzt zu werden. Toll gemacht! Aber gut, warten wir ab, vielleicht verbirgt sich hinter Ricks Himmelfahrtskommando ja doch ein ausgetüftelter Plan. Hoffen wir mal.

Außerdem (endlich!) wieder zu sehen, ist Michonne, die zusammen mit Rosita zu einem weiteren risikoreichen Abenteuer aufbricht. Beide sind noch verletzt vom Endkampf der letzten Staffel. Offensichtlich auch am Kopf, denn ohne Notwendigkeit geben sich die Beiden in Lebensgefahr. Wenn etwas besonders schrecklich an The Walking Dead ist, dann das: In einer Welt, in der der Tod hinter jeder Ecke lauern kann und in der, wie Negan trefflich feststellt, Menschen Ressourcen sind, die eine Kolonie am Leben erhalten, begibt man sich nicht ohne guten Grund in Lebensgefahr. Das ist dumm und egoistisch – und außerdem dramaturgischer Müll. Noch schlimmer: Statt einen klugen Ausweg aus dem Schlamassel zu finden, bedienen sich die Autoren eines Deus Ex Machina in Form von Daryl, der aus dem Nichts auftaucht und die Gefahr eliminiert. WTF?

In Gefahr begibt sich auch Carl, als er im Wald einen halb verhungerten Fremden mit Lebensmitteln ausstattet. Die Szene, in der Carl Siddiq ausfragt, ist die zweitbeste der Folge. Sie ist emotional und relevant, zeigt sie doch, wie Carl in die Fußstapfen seines Vaters zu treten versucht. Auch wenn von Siddiq noch nicht viel zu sehen ist, ist der einsame Wanderer sofort sympathisch und dürfte eine interessante Ergänzung zum ansonsten so durch und durch christlich-amerikanischen Rest-Cast sein.

Fazit: Folge 6 'Der König, die Witwe und Rick'
Der König, die Witwe und Rick kann mit emotionalen Szenen aufwarten, die der Serie sonst so dramatisch fehlen. Ricks Handlungsstrang ist dennoch platt und wenig nachvollziehbar geschrieben.

Stand der Gesamtbewertung: 61%


Kritik: Folge 7 'Für danach'

Original-Titel: Time for After
Erscheinungsdatum: 4. Dezember 2017 (DE)

Eugene Porter in The Walking Dead Staffel 8 Folge 7

Eugene Porter (Josh McDermitt) ist nicht für eine Hauptrolle gemacht.

Die siebte Folge von The Walking Dead beschreitet den richtigen Weg, tut dies aber mit der falschen Figur. Das Ergebnis ist eine weitere Enttäuschung in einer erschreckend schlechten Staffel, die nichts mehr mit dem Ursprung der Serie gemein hat.

In den letzten Staffeln hat sich der Hauptcast der Zombieserie merklich gelichtet (z.B.: Hershel, Sasha, Glenn). Jetzt treten Figuren ins Licht, die dort nichts verloren haben. In dieser Folge gilt das ganz besonders für Eugene Porter (Josh McDermitt).

Zugegeben: Es gab Zeiten, da war das sonderbare Riesenbaby ja noch ganz amüsant. Aber das war damals, als Eugene noch in der zweiten Reihe stand – als Comic-Relief sozusagen. Die Grundidee, Eugene einer Charakterentwicklung zu unterziehen, mag richtig sein, denn wenn es dieser Staffel an etwas fehlt, dann an Nuancen. Doch trotz des guten Ansatzes, ist Eugene die falsche Figur um der Serie mehr Tiefe zu geben. Dass gerade diesem Charakter jetzt fast eine ganze Folge gewidmet wird, ist ein Fehler.

Das liegt in erster Linie daran, dass Eugenes genuscheltes Fachwort-Kauderwelsch genau das Gegenteil von dem erreicht, wofür ein Dialog gedacht ist. Sprache ist ein Mittel um Gefühle und Gedanken auszudrücken. Was die The Walking Dead-Autoren mit Eugene vollbringen, ist lediglich viel Geschwafel, wenig Output. Seine Worthülsen disqualifiziert ihn als Hauptfigur, denn dadurch fällt es schwer sich mich mit Eugene zu identifizieren, also mitzufiebern.

Hinzukommt, dass wir über Eugene und seine Beweggründe wenig wissen, was es umso schwieriger macht, sein Engagement für Negan nachzuvollziehen. Versuchen wir es trotzdem: Wir wissen, dass sich Eugene stets einen starken Beschützer sucht, denn er ist schwach – oder denkt das zumindest von sich. Den Tod des Rotschopfs Abraham muss Eugene ganz besonders geschockt haben. Wie es scheint, sieht er in Negan einen neuen Schutzherrn.

Das Problem dabei ist, dass die Serie genau das nie richtig klargemacht hat, sodass die Charakterentwicklung in dieser Folge überraschend und plump daherkommt. Viel spannender wäre es zum Beispiel gewesen, wenn sich Fan-Liebling Daryl Negan angeschlossen hätte. Das wäre ein Schocker und würde die Serie auf ein neues (oder altes) Level heben.

Noch banaler als Eugene ist Jadis (Pollyanna McIntosh), die Anführerin der  Scavengers, die auf einer Mülldeponie hausen. Hier ist Name Programm. Der ganze Handlungsstrang ist Trash, also Müll. Zum einen ist das bedeutungsschwangere Schweigen der Müllhalden-Chefin unerträglich öde, zum anderen ist es ähnlich gekünstelt wie das Gebrabbel von Eugene. Am Schlimmsten ist jedoch Ricks Handeln, das sich normalem Menschenverstand entzieht.

Letzte Woche wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich hinter Ricks Himmelfahrtkommando eine kluge Strategie verbirgt. Diese Woche zeigt jedoch, dass es tatsächlich keine gibt. Den Autoren fällt nichts Besseres ein, als Rick ohne Sinn und Verstand in die Arme seiner Feindin laufen zu lassen. Und dann – tadaaaa – ist Jadis plötzlich doch auf Ricks Seite. Und warum? War es etwa Ricks Adoniskörper, der Jardis umstimmte? Es scheint so, als ob uns die Serie genau das glauben machen will. Meine Güte, wie tief kann man sinken? Erst ein „Hodensack aus Stahl“ (Folge 5) und jetzt will Jadis, dass Rick für sie die Hosen runterlässt. Haben die Autoren von Big Mouth etwa einen Betriebsausflug in die TWD-Redaktion gemacht? Bei diesem präpotenten Niveau scheint es so. Traurig.

Fazit: Folge 7 'Für Danach'
Für Danach ist ein weiteres trauriges Kapitel einer Serie, die mal ganz groß war. Mit Eugene und Jardis gibt es in dieser Folge gleich zwei Figuren zu sehen, die sich mit Pannen nur so übertrumpfen.   

Stand der Gesamtbewertung: 56%


Kritik: Folge 8 'Kampf um die Zukunft'

Original-Titel: How It's Gotta Be
Erscheinungsdatum: 11. Dezember 2017

Chandler Ricks in The Walking Dead Staffel 8 Folge 8

In Folge 8 bekommt Carl (Chandler Riggs) noch einen letzten großen Augenblick.

Mit Folge 8 rettet sich The Walking Dead – Staffel 8 in die Halbzeit-Pause. Von zwei fatalen taktischen Fehler des Midseason-Finales wird sich die zweite Staffelhälfte jedoch kaum erholen können.

Wenn du ein eifriger Leser dieser Episodenkritik bist, ist dir sicher nicht entgangen, dass mir diese Staffel alles andere als Freude bereitet hat. Getoppt wird das ganz von einem Midseason-Finale, das den Zeiger wieder auf Anfang dreht. Denn mit Folge 8 ist alles wieder beim Alten. Alexandria, Hilltop und Kingdom sind wieder unter Negans Fuchtel – oder gar vollends zerstört. Der dramaturgische Fortschritt, den Staffel 8 bisher gemacht hat, ist – futsch.

Ehrlich gesagt fühle ich mich wie – pardon – verarscht. Wieso habe ich mir acht zermürbende Folgen angesehen, wenn sich die Handlung rückwärts entwickelt? Und mal ehrlich: Wie soll denn die zweite Hälfte von Season 8 aussehen? Wenn den Serienmachern nicht etwas Geniales einfällt (woran ich absolut zweifle), dann wird die zweite Hälfte der Staffel eine Wiederholung der ersten: Rick greift mit neuen Verbündeten (Oceanside und Scavengers?) die Sanctuary an.

Ein wenig ist das wie im Klassiker Täglich grüßt das Murmeltier: Die Protagonisten sind in einer Zeitschleife gefangen und durchleben den selben Albtraum immer wieder aufs Neue. Das mag in einem Film unterhaltend sein – nicht aber in einer Serie. TWD schmeckt wie gestreckte Suppe: einfach fad.

Einen weiteren taktischen Fehler leistet sich die Serie mit Carl (Chandler Riggs). Ricks Sohn wurde von einem Zombie in den Bauch gebissen. Sein Tod ist also sicher. Enttäuschend ist, dass sich die Serie nicht einmal die Mühe macht zu zeigen, wie es zu diesem Biss kommt. Noch viel fataler sind jedoch die Auswirkungen, die Carls Todesurteil für die ganze Serie hat. Denn Carl, der sich in kürzester Zeit zum verantwortungsvollen Mann entwickelt hat, ist nicht nur einer der sympathischsten Charaktere, nein, er ist auch einer der interessantesten.

Kampf um die Zukunft beginnt mit einem interessanten Flashback in dem Rick von seinem Sohn daran erinnert wird, dass der Angriff auf die Saviors kein blinder Vergeltungsschlag sein dürfe – Töten aus Rache sei kein Weg. Damit zeigt Carl, dass er Ricks (einstige?) Grundüberzeugung besser verstanden hat, als dieser selbst. Carl ist zu Ricks Gewissen geworden. Die klassische Vater-Sohn-Beziehung hat sich umgekehrt.

Neben dem nimmt Carl eine weitere wichtige Funktion ein: Rick kämpft für die Sicherheit und Zukunft seiner Familie – allen voran für Carl. Jetzt, wo der Tod seines Sohnes besiedelt ist, ist zu erwarten, dass Rick in erneute Lethargie verfällt – wie schon nach dem Tod seiner Frau. Ein gelähmter Hauptdarsteller ist genau das, was der Staffel den Todesstoß geben könnte.

Aber wie der TWD-Kenner weiß: Was tot ist, kehrt wieder. Für die zweite Hälfte der achten Staffel ist das der 25. Februar 2018 (US).

Fazit: Folge 8 'Kampf um die Zukunft'
Folge 8 trägt den Titel Kampf um die Zukunft. Diesen „Kampf“ hat die Zombieserie aus dem Hause AMC spätestens jetzt verloren, denn mit dem Midseason-Finale der achten Staffel zeigen die Macher, dass ihnen absolut nichts Neues einfällt.    

Stand der Gesamtbewertung: 59%


Kritik: Folge 9 'Ehre'

Original-Titel: Honour
Erscheinungsdatum: 26. Februar 2018 (DE)

Michonne und Rick nehmen Abschied von Carl in Folge 9 Ehre von The Walking Dead Staffel 8

So weh es auch tut: Carls Tod ist es wert.

Die erste Hälfte der achten Staffel fühlte sich an wie die letzten schwachen Atemzüge eines Sterbenden. Mit Folge 9 gelingt jedoch ein kleines Wunder: es bewegt sich wieder etwas. Ob es sich dabei nur um ein letztes Zucken handelt und die Zombie-Serie dennoch dem Tode geweiht ist, wird sich zeigen, aber für den Zeitpunkt regt sich in mir so etwas wie Hoffnung.

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens ist die Folge emotional und zweitens macht sie Sinn. Zwei Attribute, die ich lange nicht mehr im Zusammenhang mit The Walking Dead verwendet habe.

Mit „emotional“ beziehe ich mich natürlich auf Carls Tod, der bereits in Folge 8 als unausweichlich angedeutet wurde. Auch wenn wir fast drei Monate lang Zeit hatten uns darauf vorzubereiten, tut es schrecklich weh den sympathischen Carl nun doch zu verlieren.

Aber genau darin liegt auch die Stärke der Folge, denn endlich, endlich, endlich gelingt es The Walking Dead wieder die größte Stärke des Serienformates auszuspielen: die emotionale Nähe zwischen Zuschauer und Figuren. Während Rick und Daryls Verhalten in den letzten Folgen kaum noch nachzuvollziehen war, kittet Folge 9 genau diesen Riss mit einem zutiefst menschlichen Fokus.

Das gelingt auch durch eine filmische Umsetzung, die dabei kaum zu wünschen übriglässt, denn sowohl Tonalität, Tempo und Dialoge werden mit einem TWD-untypischen Fingerspitzengefühl eingesetzt. Besonders beklemmend ist dabei für mich die Sprachlosigkeit, die Rick ergreift, als er erkennt, dass er seinen Sohn nicht retten kann. Die kurze Zeit, die Vater und Sohn danach bleibt um ein paar letzte Worte und Erklärungen auszutauschen, gibt mir den Rest: Die Tränen kullern.

Aber, so hart es auch klingt: Carls Tod ist es wert, was mich zu meinem zweiten Punkt bringt: Folge 9 macht Sinn. Der Grund dafür ist die Botschaft, die Carl auf dem Sterbebett an Rick übergibt.

You can’t kill all of them. There’s gotta be something after – for you and for them.

Carl auf dem Sterbebett zu Rick

Seit Negans Metzelei unter den Bewohnern von Alexandria ist Rick auf Vergeltung programmiert. Kaum noch zugänglich für rationale Elemente stürzte sich der Ex-Polizist in den Krieg gegen die Saviors. Für uns als Zuschauer, ist dabei nicht viel mehr als sinnloses und langweiliges Maschinengewehrgeratter herausgekommen. Carls Appell an seinen Vater stellt einen willkommenen Weckruf dar, den sich AMC im Produktionsstudio an die Wand hängen sollte.

Mein Wunsch ist, dass Carls Worte einen Wendepunkt in der Staffel markieren. Denn der Konflikt zwischen Rick und Negan bringt die Serie nicht weiter. Die Gewaltspirale ist eine Zeitschleife geworden. Will die Serie überleben, muss sie aus dieser ausbrechen. Im Gegensatz zu seinem Vater scheint Carl das verstanden zu haben. In den letzten bewegenden Momenten seines jungen Lebens träumt er von einem friedlichen Zusammenleben aller Überlebenden – sogar mit Negan.

Unterstrichen wird dieser Wunsch vom zweiten Handlungsstrang der Folge, in dem Morgan und Carol in einer selbstmörderischen Rettungsaktion Ezekiel aus den Händen der Saviors befreien. Auch wenn dieser Strang altbekannte Mängel wie Logikfehler und Plattitüden enthält, ist die Kernbotschaft die richtige: Morgan, der sich in den ersten 8 Folgen der Staffel zunehmend radikalisierte, muss einsehen, dass seine Gewalt zu nichts anderem führt, als weiterer Gewalt.

Was Rick und Morgan erleben, ähnelt sich also: Zum einen wird Rick von Carl ermahnt Frieden zu suchen, während Morgan mit ansehen muss wie der Kingdom-Junge Henry, den Morgan im Stockkampf trainierte, zum eiskalten Killer wird. Beiden muss nun einleuchten, dass die Gefahr besteht, dass im Kielwasser der Gewalt eine Generation heranwächst, die nichts anderes kennt als Krieg und Tod.

Eine weitere Stärke von Carls Traums ist, dass sie eine Brücke vom Anfang der Serie bis zu einem möglichen Ende der Geschichte schlägt. Carls Wunsch, dass alle bekriegenden Parteien Frieden finden, ist tatsächlich eine Lösung, die dem Serienschlachtschiff TWD ein stimmiges Ende verpassen könnte.

Fazit: Folge 9 'Ehre'

Endlich gelingt es The Walking Dead wieder echte Emotionen zu wecken und diese ohne kitschigen Pathos, sondern mit Fingerspitzengefühl zu inszenieren. Darüber hinaus wird eine Lösung angeboten, die die Serie doch noch zu einem würdigen Ende führen könnte. 

Stand der Gesamtbewertung: 62%

Kritik: Folge 10 'Botschaften'

Original-Titel: The Lost And The Plunderers
Erscheinungsdatum: 5. März 2018 (DE)

Jadis (Pollyanna McIntosh) in The Walking Dead Staffel 8 Episode 10

Jadis (Pollyanna McIntosh), der gekünstelteste Charakter der ganzen Serie, ist endlich auf dem richtigen Weg.

Nach einem überraschend soliden Start der zweiten Hälfte versucht sich The Walking Dead – Staffel 8 mit der zehnten Folge Botschaften neu zu orientieren. Die insgesamt sechs (!), durch Zwischentitel voneinander getrennten Kapitel fühlen sich dabei an wie eine Bestandsaufnahme. Denn ohne große Raffinesse werden wir an die aktuelle Gefühlslage von Michonne, Negan, Enid, Simon, Jadis und Rick erinnert.

Ein großer Teil der Folge verfällt dabei in die TWD-typische Manier, das Geschehen unnötig in die Länge zu ziehen. Dennoch kann Botschaften mit mindestens zwei interessanten Entscheidungen aufwarten, die für den Fortgang der Staffel von Wichtigkeit sein dürften.

Der erste Punkt ist für mich, dass Rick Grimes den Tod seines Sohnes Carl mit einer nahezu stoischen Routine zur Kenntnis nimmt – der zu erwartende Nervenzusammenbruch Ricks bleibt aus. Das mag auf den ersten Blick vielleicht verwundern, ein Urteil möchte ich mir darüber jedoch nicht erlauben. Wer, der nicht selbst diese schreckliche Bürde selbst erleben musste, kann sagen, was Rick fühlt? Für mich wirkt es jedoch glaubhaft, wie Andrew Lincoln den Schmerz verdrängt und sich in die „Arbeit“ stürzt.

Das Entscheidende ist jedoch, dass dieser nach hinten verschobene Nervenzusammenbruch eine Chance für die Spannung der Staffel bedeuten kann. Die Frage ist, wann wird sich Rick dem Schmerz stellen. Und was macht er dann? Läuft Rick Amok oder zeigt er Einsicht? Beides ist möglich. Letztes ist spannender.

Der zweite Pluspunkt der Folge ist, dass Botschaften eine interessante Neuerung des Verhältnisses zwischen Negan und Rick einführt. Wer von den Beiden der Bösewicht ist, war bisher glasklar: Negan. Aufbauend auf den Wohnwagenszenen zwischen Negan und Gabriel in Folge 5, verwischt diese Folge jedoch die bisher so eindeutig gezeichneten Grenzen. Denn als Negan die Nachricht von Carls Tod erreicht, zeigt dieser wahrhaftige Bestürzung und Reue – ja er geht sogar auf Rick zu. Dieser wiederum nimmt sich – anders als Negan – die mahnenden, letzten Worte seines Sohnes nicht zu Herzen: In seiner alten Raserei verhaftet, droht er seinem Widersacher mit dem Tod.

Das Gespräch zwischen Rick und Negan ist eine Schlüsselszene für die ganze Staffel. Denn Negan erscheint plötzlich menschlich, nahezu sympathisch. Der Zweifel ist gesät. Vielleicht ist Negan gar kein so böser Kerl, wie wir bisher glaubten. Rick wiederum wirkt stur und wenig einsichtig. Es wird spannend zu sehen sein, was die Staffel mit diesen Charakterentwicklungen vorhat.

Ebenfalls bemerkenswert ist das Schicksal, das die Scavengers ereilt, die wortwörtlich auf die Müllhalde der Serie (Sorry, für den schlechten Wortwitz aber ich konnte nicht widerstehen) befördert werden. Wer diese Episodenkritik seit Staffelbeginn verfolgt, weiß, dass ich ganz besonders deren Anführerin Jadis absolut nicht ausstehen kann, was vor allem an ihrer lächerlich gekünstelten Sprache liegt.

Auch wenn von dieser Peinlichkeit noch einiges in der Folge zu sehen ist, Jadis Storyline nimmt eine längst überfällige Entwicklung: Die Massenhinrichtung ihres Gefolges, lockert ihr steifes Korsett und ermöglicht endlich einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Und oben drauf gibt’s eine schöne Überraschung:  Sie spricht – wie ein normaler Mensch. Juhu! Als sie anschließend ihre Zombie-Freunde zu Sülze schreddert, fühlen wir sogar mit ihr. Wow, das ist mal eine unerwartete Entwicklung (auch wenn die Szene eine gewisse trashige Absurdität mit sich bringt).

Viel wichtiger ist jedoch der wachsende Konflikt zwischen Negan und seiner rechten Hand Simon. Statt wie aufgetragen nur einen Scavenger zu töten, verwandelt Simon seinen Besuch bei Jadis in ein gnadenloses Blutbad. Damit missachtet er einen direkten Befehl und hintergeht Negan, was sich dieser im Grunde nicht bieten lassen kann. Da Simon jedoch über eigene Kämpfer befiehlt und auch sonst für Negan eigentlich unabkömmlich ist, legt die Staffel hier den Grundstein für einen vielversprechenden internen Machtkampf unter den Saviors, der Negan und uns noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten wird. Hoffentlich ist das ein gutes Zeichen.

Fazit: Folge 10 'Botschaften'

Folge 10 greift die neue Doktrin der neunten Folge nur behutsam auf, deutet aber in die richtige Richtung. Besonders bei der Konstellation Negan-Rick zeichnet sich ein neuer Weg ab, der Staffel 8 vielleicht doch noch aus der Misere der ersten Staffelhälfte führen kann.  

Stand der Gesamtbewertung: 61%


Kritik: Folge 11 'Flucht nach Hilltop'

Original-Titel: Dead or Alive Or
Erscheinungsdatum: 12. März 2018 (DE)

Episode 11 Flucht nach Hilltop (Dead or Alive or) nimmt, – fast als nähme sie Rücksicht auf Ricks Trauer – vor allem Nebencharaktere unter die Lupe: Gabriel und Dr. Carson, Tara und Dwight sowie Maggie und Eugene. Auch wenn die Folge dabei den leichten Aufwärtstrend fortsetzt, der sich seit der Midseason-Pause abzeichnet, weist Flucht nach Hilltop auch einige Patzer auf.

Gabriel und Dr. Carson

Gabriel (Seth Gilliam) und Dr. Carson (R. Keith Harris) sind Negans Fängen entflohen und auf dem Weg nach Hilltop. Blöd nur, dass sich die beiden verirrt haben. Noch blöder: Der erkrankte Gabriel scheint zu erblinden. Am blödesten ist jedoch, dass uns die Episode (noch immer) nicht verrät, was mit Gabriel los ist. Wir wissen nur, dass er ­– nachdem er sich mit Negan durch eine Zombiehorde kämpfte – in eine Zelle gesperrt wurde, wo er erkrankte.

Was mich dabei ärgert ist, dass uns die Serie nicht zeigt, wie Dr. Carson Gabriels Krankheitsbild diagnostiziert. Zwar untersucht er dessen Erblindung – eine Diagnose stellt er dennoch nicht. Wäre es nicht das Natürlichste, wenn Gabriel Carson fragen würde, was los ist? „Herr Doktor, ist das jetzt eine Sommergrippe oder eine Zombie-Infektion?“

Sicher ist, dass Gabriel nicht gebissen wurde. Würde es sich aber um eine „normale“ Erkrankung handeln, wäre das aus dramaturgischer Sicht ziemlich langweilig. Dass sich Gabriel infizierte, als er sich mit Zombiegedärmen einschmierte, macht jedoch ebenfalls keinen Sinn. Nick aus Fear the Walking Dead macht das schließlich andauernd.

Für mich fühlt es sich so an, als ob uns die Serienmacher ganz bewusst die Diagnose vorenthalten. Statt Spannung aufzubauen, führt das letztendlich dazu, dass sich der ganze Handlungsstrang künstlich anfühlt.

Schade eigentlich, denn ansonsten ist diese kleine abgeschlossene Geschichte nicht schlecht. Interessant ist vor allem Gabriels Dilemma. Im Angesicht des Todes wächst sein Vertrauen in Gott – nur um wenig später zutiefst erschüttert zu werden.

Sein anfängliches Gottvertrauen geht soweit, dass er – geführt von Gott – trotz seines schwachen Sehvermögens einem Beißer genau ins Hirn schießt. Das wirkt zwar wie plumpes Product Placement von Bibelfanatikern, tatsächlich macht die Folge daraus jedoch etwas weitaus tiefsinnigeres:

Denn obwohl die Gabriel und Carson schließlich von einer Savior-Patrouille gefangen genommen werden, versichert Gabriel, dass Gott sie führe. Von diesen Worten ermutigt greift Carson seinen Bewacher an und wird – erschossen. Die bitterböse Moral ist, dass Gabriels Glauben an Gott Carsons Tod auf dem Gewissen hat.

Tara und Dwight

Im zweiten Hauptstrang von Folge 11 versucht Tara (Alanna Masterson) den Tod von Denise (Merritt Wever) zu rächen. Der Beschuldigte ist Dwight (Austin Amelio), dessen „Doppelagententum“ die verbliebenen Alexandriner wiederum ihr Leben verdanken. Dass es Zweifel an Dwights Loyalität gibt, ist verständlich. Es ist auch legitim, dass Taras Schmerz über den Tod ihrer Geliebten in Hass umschlägt. Die Inszenierung von Taras Vendetta ist jedoch so plump, wie sie nur sein könnte.

Wenn Tara einen Beißer auf Dwight schleudert und meint, dass er damit doch wohl fertigen werden könne, dann erinnert das mehr an den Groll eines beleidigten Teenagers, als an den Schmerz einer krisengeschüttelten Überlebenden. Zudem teasert ihr Verhalten so eindeutig an was als Nächstes kommt, dass wenn sie Dwight in den Wald führt jedem klar sein dürfte, dass sie versuchen wird ihn hinzurichten. Als es so weit ist, ist das weder überraschend noch spannend.

Das Komische ist zudem, dass diese Schwarz-Weiß-Denke nicht zu Taras „Lebenslauf“ passt. Als ehemalige Kämpferin des Governors von Woodbury, sollte sie doch am besten wissen, dass jeder tut, was er tun muss um zu überleben. Dazu gehört einem Monster zu dienen, dessen Prinzipien man nicht gutheißt.

Endlich, nachdem Dwight eine Savior-Streife von den Alexandrinern wegführt, kommt Tara zur Erkenntnis, dass Dwight ein „Good Guy“ ist. Zwar ist dieser Sinneswandel wünschenswert und überfällig, kommt aber so schnell, dass es sich schlichtweg albern anfühlt, als sie plötzlich Dwight vor Daryl verteidigt.

Wie auch immer, hoffentlich hat sich die Sache damit erledigt, denn Taras Rachegelüste taugen nicht für eine spannende Storyline.

Negan und Eugene

Während sich die Reste der Anti-Negan-Allianz in Hilltop versammeln, tüfteln Negan und Eugene an einem Plan ebenjenen Außenposten zu vernichten. Die glorreiche Idee lautet, Beißer und deren Körperteile mit Katapulten über die Mauern von Hilltop zu schleudern. Das ist gelinde gesagt: eine scheiß Idee.

In Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs mag das schaurig-schön gewesen sein, in The Walking Dead würde ein Leichenteil-Bombardement jedoch mehr wie ein schlechter Witz aussehen. Warum dann nicht gleich eine Mittelalter-Zombie-Serie machen? Schwertkämpfer, ein Königreich und einen König gibt’s ja schon. Die Katapulte passen da ja schon fast wieder rein.

Fazit: Folge 11 'Flucht nach Hilltop'

Folge 11 fällt nicht auf das unterirdische Niveau der ersten Staffelhälfte zurück muss aber kleine Dämpfer hinnehmen, was vor allem an schlecht eingeführten und mangelhaft begründeten Entscheidungen in Taras sowie Gabriels Handlungsstrang liegt. 

Stand der Gesamtbewertung: 55%


Kritik: Folge 12 'Der Schlüssel zur Zukunft'

Original-Titel: The Key
Erscheinungsdatum: 21. März 2018 (DE)

Georgie (Jayne Atkinson) in The Walking Dead Staffel 8 Episode 12

New Girl in Town: Georgie (Jayne Atkinson) hat das Rezept um 'The Walking Dead' ein Happy End zu bescheren.

Dass die Zuschauerzahlen von The Walking Dead abnehmen, ist kein Geheimnis. Zwar gibt es noch keine öffentlichen Verlautbarungen, doch lässt sich immer deutlicher erkennen, dass die AMC-Serie langsam aber sicher einem Ende entgegenstrebt.

Die neue Episode Schlüssel zur Zukunft könnte sich in Puncto Zukunft der Serie tatsächlich als Schlüsselmoment erweisen. Denn was die überraschend starke zwölfte Episode der achten Staffel anteasert, ist nicht weniger als ein Ausweg aus dem ganzen Schlamassel.

Maggie und Georgie

Bereits Carls Friedensappell an Rick und Negan (siehe Folge 9) lässt sich als Vorspann eines finalen Kapitels deuten. Der Schlüssel zur Zukunft wird nun noch konkreter:

Gemeint ist der Auftritt von Georgie (Jayne Atkinson), einer in weißgekleideten Dame, die im wahrsten Sinne des Wortes eine astreine Weste hat. Mit ihrer engelsweißen Garderobe scheint es zumindest so, als habe der Hillary Clinton-Verschnitt nur das Beste im Sinn: Sie sagt Hilltop eine strahlende Zukunft voraus, spendet kostbare Lebensmittel und vor alledem übergibt sie Maggie ein Buch, das einen Masterplan für ein glückliches und ertragsreiches Leben in postapokalyptischen Zeiten umfasst.

Georgies Deus Ex Machina-Auftritt kommt zwar etwas unvermittelt, ist jedoch richtungsweisend für eine Serie, die seit mehreren Staffeln in einer Zeitschleife gefangen ist. Mit Georgies Masterplan in der Hand sollten sich alle uns bekannten Kolonien an einen runden Tisch setzen und eine glückliche Zukunft planen. Klingt vielleicht kitschig, aber ehrlich mal: Irgendwann darf auch The Walking Dead in den wohlverdienten und friedlichen Ruhestand gehen.

Simon und Dwight

In einem weiteren Handlungsstrang folgen wir Simon, der von Negans „Kuschelkurs“ endgültig die Nase voll hat. Bereits in Episode 10 missachtete er Negans direkten Befehl und verübte ein Massaker an der Scavenger-Kolonie. Jetzt nutzt er dessen Verschwinden um die Macht an sich zu reißen. Und mitten in diesem Umsturzversuch gefangen ist Dwight, in dessen Haut ich definitiv nicht stecken möchte.

Dwight ist mittlerweile so etwas wie ein Triple-Agent. Eigentlich gilt seine Loyalität neuerdings Rick und Maggie. Andererseits muss er den Schein waren, auf Negans Seite zu stehen. Und als ob das noch nicht kompliziert genug wäre, gibt es jetzt einen neuen Boss im Haus: Simon.

Mit seinen Gewissenskonflikten, seinem vordergründig harten, aber eigentlich sensiblen Wesen ist Dwight einer der interessantesten Charaktere der achten Staffel. Die Zwickmühle, in der er nun steckt, ist ein vielversprechender Schachzug der Serienmacher um The Walking Dead zu mehr Spannung zu verhelfen. Hoffentlich geht das auf.

Rick und Negan

Die dramatischsten Momente der Folge gehören jedoch dem Showdown zwischen Rick und Negan. Dabei kommen sich die zwei Streithähne so nahe, dass es tatsächlich spannend wird. Kurz scheint es sogar so, als hätte die Staffel den Mut Negan, den ultimativen Antagonisten der Serie, sterben zu lassen. Zwar kommt es anders, aber immerhin ließ sich ordentlich mitfiebern.

Was den Zweikampf interessant macht ist, dass Superbösewicht Negan in den letzten Folgen immer mehr menschliche Züge hinzugewonnen hat. Es fällt immer schwerer den Prügelknaben blind zu hassen. Diese Abkehr von Schwarz-Weiß tut der Serie gut. Hoffentlich ergeben sich daraus noch mehr dramaturgische Kniffe, die unsere uneingeschränkte Loyalität gegenüber Rick in Frage stellen.

Wer sich über die Ereignisse von Schlüssel zur Zukunft nicht freuen dürfte ist Carl. Sein letzter Wunsch galt dem Frieden zwischen Rick und Negan. So sieht es aktuell zwar absolut nicht aus. Aber dennoch scheint es, als würden sich die Rick und Negan im Einzelkampf näherkommen. Vielleicht ist Carls Tagtraum einer vereinten Community aller Überlebenden gar nicht so unrealistisch. Schließlich gilt: Bevor es besser werden kann, muss es noch einmal richtig krachen. Und genau dort stehen wir jetzt. Vielleicht.

Fazit: Folge 12 'Schlüssel zur Zukunft'
Mit Folge 12 gelingt AMC eine überraschend starke Episode, die die Tiefpunkte der ersten Staffel nahezu vergessen macht. Sowohl Dialoge, Schauspiel und Spannung sind erfreulich stark. Hinzukommen vielversprechende Konflikte und Aussichten für die folgenden Episoden.   

Stand der Gesamtbewertung: 57%


Kritik: Folge 13 'Der Weg der Toten'

Original-Titel: Do Not Send Us Astray
Erscheinungsdatum: 26. März 2018 (DE)

Ein Zombie beisst einen Nebendarsteller in The Walking Dead Staffel 8 Episode 13

Sieht aus wie der leidenschaftliche Kuss eines Liebenden, ist aber ein weiterer unwichtiger Tod einer Nebenrolle.

Der Titel Der Weg der Toten kündigt es bereits an: Episode 13 ist besonders blutig – und findet sogar ein wenig zu den Anfängen der Serie zurück: Dem Zombie-Horror.

Die Ereignisse der letzten Folge werden in Der Weg der Toten jedoch kaum aufgegriffen: Es gibt keine Neuigkeiten zu Negans Schicksal, der von Jadis entführt wurde, noch wird das „Survival-Buch“, das Maggie erhalten hat, aufgegriffen. Stattdessen gibt es Krieg.

Eigentlich wollte Negan die Hilltopper „nur“ infizieren (Danke für die nette Idee, Eugene) und nicht angreifen. Doch Simon, der jetzt das Kommando hat, macht bekanntlich keine halben Sachen. Mit voller Kraft greift Simon Maggies Kolonie an – und geht der Witwe, wie sich Maggie neuerdings nennt, in die Falle.

Ja, es ist unterhaltend dem Kampf im Dunkeln zuzusehen – aber nur, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Denn Sinn macht so ziemlich gar nichts: Warum lockt Maggie ihren Feind ins Innere der Befestigung? Es wäre doch viel sinnvoller, die Gegner von der sicheren Palisade aus zu bekämpfen. Und warum lässt sich Simons Truppe, die nicht einmal die notwendige Feuerkraft besitzt, so ausgesprochen leicht in die Falle locken?

Am dümmsten ist jedoch Simons Frontalangriff auf das Hauptgebäude. Als ob das noch nicht genug wäre, pfeift er – wie es sich für einen kranken Filmbösewicht gehört – dabei noch eine Melodie, die daraufhin seine Position preisgibt. Wenigstens kassiert er prompt die Rechnung – auch wenn in der Maschinengewehrsalve kaum jemand getroffen wird.

Diese Kampfszene ist wieder einmal typisch für The Walking Dead: Aus unerklärlichen Gründen begeben sich Figuren in tödliche Gefahr und überleben dann auch noch – was umso unerklärlicher ist. Wer stattdessen stirbt, sind Nebendarsteller.

Und in Der Weg der Toten stirbt ein ganzer Haufen Nebendarsteller – und, wisst ihr was, es ist mir total egal. Denn die meisten der Todgeweihten kenne ich nicht einmal. Wo zur Hölle kommt zum Beispiel auf einmal diese Ärztin her? War nicht genau das der Dreh- und Angelpunkt vieler Episoden: Dass Hilltop nur einen Arzt, nämlich Doktor Carson (RIP), hat.

Und dann ist da auch noch dieser Tobin, mit dem Carol in Erinnerungen schwelgt. Ich musste echt recherchieren, bis mir wieder einfiel, dass Carol und Tobin in Staffel 6 eine kurze Affäre hatten. Das ist sooo lange her. Tobins Tod, hätte mir nicht mehr egal sein können. Oh man AMC, euer Ernst? So sieht doch keine gute Unterhaltung aus.

Was die Episode wiederum erträglicher macht, ist die nächtliche Zombie-Auferstehung. Als Eugene in Folge 11 vor Negan von mittelalterlichen Katapulten mit Leichenteilen schwärmte, war ich mehr als skeptisch. Was die Saviors aus Eugenes Ursprungsidee gemacht haben, überzeugt mich jedoch. Komisch eigentlich, dass bisher weder in The Walking Dead noch in Fear the Walking Dead jemand auf die Idee gekommen ist, Waffen und Munition mit dem Zombievirus zu versetzen.

Als dann mitten in der Nacht die Beisser erwachen, wird die Serie nach langer Zeit wieder einmal ihrem Zombie-Genre gerecht. Die nächtliche Schutzlosigkeit der schlafenden, verletzten Hilltop-Bewohner, unter denen sich auch Kinder befinden, macht den Zombieangriff sogar ein wenig gruselig. Das liegt zum einen daran, dass die Kriegstaktik der Saviors besonders schamlos und schockierend ist. Zum anderen gelingt auch die Inszenierung, die Schnitt für Schnitt die Spannung anzieht. Das große Manko ist jedoch das anschließende Gemetzel, bei dem wie erwähnt wieder einmal nur unwichtige Nebenrollen sterben.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Tara, die spätestens seit Folge 11 tierisch auf die Nerven geht, werden wir bald nicht mehr ertragen müssen. Hoffentlich zumindest.

Fazit: Folge 13 'Der Weg der Toten'
Folge 13 konzentriert sich ausschließlich auf den Kampf zwischen Simon und Maggie. Unlogische Entscheidungen und vergessene Nebenfiguren untergraben jedoch der im Kern solide inszenierten Folge.     

Stand der Gesamtbewertung: 56%


Kritik: Folge 14: 'Ich sterbe nicht'

Original-Titel: Still Gotta Mean Something
Erscheinungsdatum: 2. März 2018 (DE)

Jeffrey Dean Morgan als gefesselter Negan in The Walking Dead Staffel 8 Folge 14

Im Angesicht des Todes zeigt Negan (Jeffrey Dean Morgan) seine beste Seite – ganz anders als Rick.

Mit Folge 14 geht die Achterbahnfahrt weiter. Nachdem die letzte Folge die Abgründe des Filmemachens erkundete, schwingt sich Folge 14 Ich sterbe nicht zu höherem Niveau hinauf. Die Sympathiewerte von Rick Grimes (Andrew Lincoln) dürften nach dieser Folge jedoch vollends im Keller sein.

Bevor es Rick an den Kragen geht, möchte ich jedoch mit ein paar interessanten Mysterien beginnen.

Der mysteriöse Hubschrauber

Als Jadis (Pollyanna McIntosh) Negan in ihrer Gewalt hat, taucht überraschend ein Hubschrauber auf und dreht schließlich (da Jadis nicht das gewünschte Zeichen geben kann?) unverrichteter Dinge wieder ab. Vermutlich handelt es sich dabei um denselben Helikopter, den Rick bereits früher in dieser Staffel gesehen hat.

Die spannende Frage ist jedoch, wer zur Hölle hat einen funktionsfähigen Hubschrauber? Immerhin frisst ein solches Fluggefährt reichlich Sprit und muss andauernd gewartet werden. Eine Kolonie, die sich eine derartige Spritztour leisten kann, muss über so einige Ressourcen verfügen. Wer Fear the Walking Dead schaut, weiß jedoch auch, dass man Hubschraubern nicht immer vertrauen sollte.

Ein weiteres Mysterium ist Jadis‘ fensterloser, klinisch-sauberer Wohncontainer, der so gar nicht auf den dreckigen Schrottplatz passen mag. Achtung, gewagte Theorie: Vielleicht entstammen der Helikopter, Jadis‘ Container und die Anzugträgerin Georgie (siehe Folge 11) derselben Kolonie. Jene Kolonie könnte Jadis als eine Art Undercover-Agentin in der Nähe von Negan postiert haben, wo sie die Saviors im Auge behalten soll. Der Container könnte demnach als Operationsbasis oder Notunterschlupf gedacht sein. Das Funkgerät, das sich dort befindet, könnte Jadis wiederum genutzt haben um eine Luft-Evakuierung anzufordern. Aber wie gesagt: eine gewagte Theorie.

Der mysteriöse Tramper

Ein weiteres Rätsel ist der Tramper, dem Negan (Jeffrey Dean Morgan) auf seinem Heimweg vom Schrottplatz eine Mitfahrgelegenheit anbietet. Um wen es sich dabei handelt, wird nicht erwähnt. Denkbar ist, dass es sich um Simon handelt, der nach seiner Niederlage bei Hilltop ebenfalls auf dem Weg zur Sanctuary ist. Das würde auch erklären, weshalb Negan – der ja mittlerweile weiß, dass er hintergangen wurde – an den Pforten der Sanctuary befiehlt seine Rückkehr geheim zu halten. Vermutlich hat er einen Plan, wie er abtrünnige Gefolgsleute entlarven kann. Dass der aufgegabelte Mitfahrer nicht mehr in Negans Auto ist, ist ebenfalls auffällig. Hat Negan sich seiner entledigt? Wir werden es sehen.

Rick the Prick

Acht Staffeln lang mussten wir damit rechnen, dass es mit dem pflichtbewussten, aufrichtigen Kleinstadtpolizisten Rick Grimes irgendwann ein Ende nehmen würde. Nun ist es soweit. Zwar lebt unser Protagonist noch. Doch Rick ist eine amoralische, kaltherzige Killermaschine geworden.

Nicht einmal mehr seinem Wort kann Glauben geschenkt werden. In einem Atemzug verspricht er der verängstigten Gruppe flüchtender Saviors, dass er sie am Leben lasse und wenige Atemzüge später, fällt er seinen Befreiern in den Rücken. Zusammen mit Morgan ermordet Nick jeden einzelnen Savior, ganz gleich, ob dieser um Gnade fleht.

Was dieses Massaker anschaulich zeigt, ist wie Rick und Morgan (Lennie James) vollkommen abgestumpft sind. Töten ist nicht mehr die letzte, sondern die naheliegendste Antwort um ein Problem zu lösen. Ein Phänomen, das sich auch bei traumatisierten Soldaten zeigt. Dass Rick Morgan zudem noch fragt, weshalb er ihn einst (Staffel 1) rettete, zeigt umso mehr, dass hier zweierlei Maß angewandt wird.

Auch wenn es weh tut Rick „gehen zu sehen“, es ist die richtige und einzig logische Entscheidung, denn Ricks Wandel könnte The Walking Dead wieder interessant machen.

Der nette Negan

Umso mehr Rick an Sympathien verliert, umso sympathischer wird Negan. In den Fängen von Jadis Rache wirkt Negan so menschlich wie nie. Er ist verängstigt, fleht und zeigt seine weiche Seite als er von seiner Frau Lucille erzählt, der er sein Leben verdankt. Dass er seinen Baseballschläger nach seiner Partnerin benannt hat ist zwar etwas sehr schräg, erklärt aber wenigstens seine Obsession mit dem Stück Holz.

Genau wie Rick gibt Negan in dieser Folge auch sein Wort. Er verspricht, dass er Jadis am Leben lasse, wenn sie ihn losschneide. Anders als unser (Ex-)Protagonist Rick, hält sich Negan jedoch daran. Sein Wort zählt wirklich noch etwas. Zudem ist seine Reue darüber, dass sein Gefolgsmann Simon Jadis‘ Kolonisten massakriert hat, wahrhaftig. Es zeichnet sich ab, dass Negan Rick als Protagonisten ablöst. Eine Entwicklung, die The Walking Dead neuen Elan, neuen Sinn und neue Spannung verleihen würde.

Fazit: Folge 14 'Ich sterbe nicht'
Folge 14 macht es besser als die letzte Episode. Neben einigen mysteriösen Andeutungen überzeugt die Episode mit der Charakterentwicklung von Rick, die unsere Loyalität hart auf die Probe setzt.

Stand der Gesamtbewertung: 57%


Kritik: Folge 15 'Die rechte Hand'

Original-Titel: Worth
Erscheinungsdatum: 9. April 2018 (DE)

Der Machtkampf zwischen Negan und Simon endet in einem wenig überraschenden, wenn auch solide inszenierten Showdown.

Episode 15 ist für The Walking Dead – Staffel 8 der letzte Halt vorm Staffelfinale nächste Woche. Höchste Eisenbahn also, den Schlingerkurs der Staffel zu beenden und zum Punkt zu kommen. Tatsächlich gelingen der Staffel sogar ein paar spannende Szene und überraschende Twists.

Flops sind gewohnheitsgemäß auch dabei. Beginnen wir damit:

Eugene und Gregory

Eugene ist einer der nervigste Charaktere der ganzen Staffel. Wie bereits in der Episodenkritik zu Folge 7 besprochen, ist sein kryptisches Fachwort-Kauderwelsch soweit von dem entfernt, was sich ein Dialog nennt, dass es mir schier unmöglich ist, das Riesenbaby als echten Charakter wahrzunehmen. Vielleicht würde Eugene als Comic Relief noch etwas taugen, doch die Drehbuchautoren meinen es tatsächlich ernst mit ihm. Die Krönung ist, dass Eugene einfach nicht stirbt, wie die aktuelle Folge erneut unter Beweis stellt: Rosita und Daryl nehmen Eugene gefangen, nur um ihn wenig später wieder zu verlieren. Und – tadaa – Eugene läuft brav zurück in seine Munitionsfabrik. Warum habe ich mir den Handlungsstrang angesehen, wenn sich die Story de facto null weiterentwickelt hat?

Gregory ist ein weiterer Charakter, den wir schon viel zu lange ertragen mussten. Der opportunistische Ex-Hilltop-Boss ändert seine Allianz in dieser Folge ganze drei Mal (Simon > Negan > Dwight/Hilltop). Zwar ist die Szene in der Gregory versucht Simon zu überzeugen, dass er mittlerweile ein harter Kerl ist, auf gewisse Weise komisch, doch Gregorys Seitenwechsel haben eine solche Frequenz erreicht, dass ich die Figur nicht mehr ernst nehmen kann (habe ich das überhaupt einmal?). Warum AMC sich von Gregory nicht trennen kann, ist mir ein Rätsel.

Simon

Stattdessen erwischt es Figuren, die der Serie guttun. Figuren wie Simon, die rechte Hand Negans.

Dass der Konflikt zwischen Simon und Negan einen der Beiden das Leben kosten würde, war abzusehen. Die Inszenierung von Simons wenig überraschendem Ende gelingt der Folge jedoch überraschend gut.

In der Szene, in der Simon schicksalsergeben vor Negan niederkniet, bleibt mir vor Spannung kurz die Luft weg. Das ist nicht zuletzt auch der fesselnden Nahaufnahme geschuldet, die dunkle Erinnerungen an Abrahams und Glenns letzte Atemzüge weckt. Wegen dieses Close-Ups war ich mir schon fast sicher, dass sich Lucille in Simons Schädel graben würde. Dass Simon dann noch eine weitere Chance bekommt, macht das Warten auf den unausweichlichen Showdown noch spannender.

Als es dann soweit ist, und Negan seine rechte Hand auf frischer Tat ertappt, kommt der „alte“ Negan nach längerer Zeit wieder zum Vorschein (in den letzten Folgen war Negan ja überraschend menschlich). Der anschließende Faustkampf auf Leben und Tod wirkt zwar etwas konstruiert (hat Negan es wirklich nötig, das Risiko eines Kampfes einzugehen?), resultiert jedoch in einem brutalen Showdown, der dem interessantesten Konflikt der Staffelhälfte ein würdiges Ende beschert.

Dennoch, trotz der soliden Inszenierung, ist Simons Abgang bedauernswert. Denn Schauspieler Steven Ogg hat mit seiner Darbietung einen guten Job gemacht. Ihm gelang es die gewalttätige, einschüchternde Seite seines psychopatischen Charakters mit einer amüsant-ironischen Note abzurunden, was aus Simon einen erfrischend-vielseitigen Bösewicht gemacht hat.

Was ich außerdem bedauere, ist das Ende des Konflikts zwischen Simon und Negan, der der Staffel guttat. Simons Fatalismus brachte Negan dazu uns mehr Seiten seiner Persönlichkeit zu zeigen, was aus dem eindimensionalen Schlägertyp einen ambivalenten Charakter gemacht hat. Das spannendste Produkt dieses internen Machtkampfes ist jedoch Dwight, der zwischen sämtlichen Fronten gefangen ist.

Dwight

Für mich ist Dwight der letzte Held der Serie. Selbstlos spioniert er für Ricks Allianz und geht dabei das Risiko ein, jeder Zeit aufzufliegen, – und das obwohl sich die Hilltop/Alexandria-Kolonisten nicht sehr dankbar zeigen. Seine Aufgabe zwingt ihn dabei dem Mann, der seine Frau vergewaltigt und sein Gesicht entstellt hat, mit guter Miene zu begegnen. Dieser Konflikt biblischen Ausmaßes, der tief in Dwight schlummert, wird dabei wundervoll von Austin Amelio dargestellt.

Anders als bei so vielen Charakteren der Serie (Morgan, Tara, Aaron, Eugene, Carol), gelingt es hier endlich einmal, dass ich wirklich mit dem Schicksal eines Charakters mitfiebere. Aus diesem Grund, ist Negans Falle, die über dem ahnungslosen Dwight zuschlägt, umso schockierender. Hoffentlich, hoffentlich überlebt Dwight das Staffelfinale, das uns nächste Woche ins Haus steht. So oder so: Dwights Schicksal ist für mich der Hauptgrund, wieder einzuschalten.

Was sonst noch in Episode 15 passiert
  • Aaron schafft es (vermutlich) die Oceanside-Kolonie zum Kämpfen zu bewegen.
  • Michonne liest Negan Carls Brief vor und macht damit so ziemlich dasselbe, was Rick bereits in Folge 10 getan hat.

Fazit: Folge 15 'Die rechte Hand'
Folge 15 serviert mit dem Showdown zwischen Simon und Negan einen starken Handlungsstrang, der erahnen lässt, dass das Staffelfinale in Folge 16 besonders blutig enden wird.

Stand der Gesamtbewertung: 57%


Kritik: Folge 16 'Zorn'

Original-Titel: Wrath
Erscheinungsdatum: 16. April 2018 (DE)

Rick Grimes hält den jungen Carl auf dem Arm in einem Flashback in The Walking Dead Staffel 8 Episode 16

Am Ende einer enttäuschenden Staffel steht ein versöhnliches Ende, das jedoch wenig überrascht.

Folge 16 ist deutlich besser, als es vom Finale einer zutiefst enttäuschenden Staffel zu erwarten war. Ricks Wille zu versöhnen statt zu bekämpfen, hat das Zeug, der Serie tatsächlich ein neues Antlitz zu verschaffen. Nötig hat das TWD ganz bestimmt. Keine Staffel hatte so magere Einschaltquoten, wie diese.

In Zorn passieren vor allem drei Dinge, die für die Zukunft der Serie von Bedeutung sind.

Der Krieg endet

Über zwei Staffeln lang standen sich Rick und Negan unversöhnlich gegenüber. Damit ist jetzt Schluss, wie es scheint. Negan ist gefangen und die Saviors besiegt. Überraschend ist diese Entwicklung jedoch kaum. In Carls Wunschträumen, die diese Staffel hinweg immer wieder zu sehen waren, träumte Ricks Sohn von einem Frieden beider Konfliktparteien, der nun endlich eingetreten ist. Aber ehrlich mal AMC, hätte das nicht auch etwas geraffter erzählt werden können?

Wenn auch vorhersehbar, ist der Friedensschluss dennoch begrüßenswert. Denn Staffel 8 war in einer Gewaltspirale gefangen, die einfach kein Ende finden wollte. Die Eskalation zwischen Rick und Negan mag anfänglich noch unterhaltend gewesen sein. Jedoch war das Geballer der Staffel meist wenig mehr, als ein Ablenkungsversuch, der nicht über die Handlungslöcher hinwegtäuschen konnte.

Rick findet zurück

Möglich wird der neugefundene Frieden durch Ricks Sinneswandel. In einer spontanen Ansprache verspricht er sowohl Siegern als auch Besiegten nichts Geringeres als Vergebung und Frieden; kurzum eine Zukunft. Für Rick, der in der zweiten Staffelhälfte auf Krawall gebürstet war, ist das ein großer Schritt.

Ricks Sinneswandel war überfällig und absolut notwendig. Bereits in der Episodenkritik zu Folge 9 habe ich meinem Wunsch Ausdruck verliehen, dass The Walking Dead anfängt auf ein Ende hinzuarbeiten. Denn die Wiederholung der immer gleichen (oder ähnlichen) Handlungsstränge (Gefängnis vs. Woodbury, Alexandria vs. Sanctuary...) ist langweilig, ermüdend und eine Beleidigung der Fans der Serie. Die „neue Welt“, die Rick in seiner Ansprache verspricht, hat The Walking Dead mehr als nötig.

„The new world begins. All this is over. There is gotta be something after.”

Rick zeigt, dass er Carls Botschaft verstanden hat

Trotzdem kommt Ricks Sinneswandel überraschend abrupt. Noch in der letzten Folge richteten er und Morgan ein beispielloses Blutbad an. Zwar las er danach Carls Brief, der ihn auffordert Frieden zu schließen, dennoch fehlen mir ein oder zwei Szenen, in denen ich sehe, wie Rick mit der Entscheidung hadert und schließlich Carls Ratschlag annimmt.

Diese sprunghafte Charakterentwicklung ist symptomatisch für ein Kernproblem der ganzen Serie: Auf der einen Seite werden Schlüsselmomente breitgetreten, und auf der anderen Seite wird versäumt die Entwicklung einzelner Charaktere auf dem Weg dorthin logisch und nachvollziehbar darzulegen.

Maggies Komplott

Die dritte entscheidende Entwicklung in Folge 16 ist Maggies Komplott gegen Rick. Von Trauer und Zorn erfüllt, kann sie nicht nachvollziehen, weshalb Rick Negans Leben verschont. Auf der Suche nach Gleichgesinnten kontaktiert sie Jesus und Daryl, die Ricks Gnade ebenfalls abgeneigt gegenüberstehen.

Dieser erzwungene Plot Twist am Ende der Staffel macht mich wütend, ist er doch sehr an den Haaren herbeigezogen, wie kaum etwas in dieser Staffel. Maggie ist eine der Figuren, die am längsten und treusten zu Rick gehalten hat, dass sie jetzt mit einer solchen Vehemenz andeutet, Rick (und Michonne) beseitigen zu wollen, ist für mich eine weitere sprunghafte Charakterentwicklung, die nur schwer nachvollziehen ist.

Ja, Maggies Unfähigkeit zu vergeben ist nachvollziehbar und ja, es macht Sinn, dass sie mit Ricks Entscheidung unzufrieden ist. Aber ehrlich mal AMC, ihr wollt mir doch nicht weismachen, dass Maggie Rick stürzen oder gar bekämpfen will?

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Und was zur Hölle ist Jesus' Motivation für diesen Verrat. Kein Charakter hat sich in dieser Staffel so sehr für Vergebung und Menschlichkeit eingesetzt wie er. Immerhin war er es, der Maggie davon überzeugen konnte, die gefangenen Saviors am Leben zu lassen. Weshalb Jesus mit dem neugefundenen frieden solche Probleme hat, ist mir ein Rätsel.

Am ehesten verstehe ich da noch Daryl, der diese Staffel wenigstens zeitweise gezeigt hat, dass er einen radikaleren Weg bevorzugen würde.

Wünsche an Staffel 9

Auch wenn Maggies Komplott vermutlich eine große Rolle spielen wird, würde ich mir für Staffel 9 wünschen, dass der Versöhnungsprozess der beiden Kriegsparteien im Mittelpunkt steht. Es wäre interessant zu sehen, wie die ehemaligen Feinde mit Schuld und Vergebung umgehen und ob es gelingt ein funktionierendes System aufzubauen, dass die Überlebenden aller Kolonien (Sanctuary, Hilltop, Alexandria, Kingdom und Oceanside) vereint. Mir würde es gefallen, wenn das gelänge und The Walking Dead auf diesem Weg, mit einem Happy End ein für alle Mal enden würde. Und zwar ohne, von den Toten wiederaufzuerstehen.

Fazit: Folge 16 'Zorn'
Folge 16 beendet endlich (hoffentlich) den ausgelutschten Konflikt zwischen Negan und Rick. Der Brief, den Rick am Ende der Folge an Carl schreibt, verleiht der Folge eine emotionale Note und macht Hoffnung für die nächste Staffel. Maggies Sinneswandel lässt sich jedoch nur schwer nachvollziehen. 

Stand der Gesamtbewertung: 55%

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