Kritik: Soul

Keine Zeit zu sterben
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Nach 'Onward' bringt Animationshit-Schmiede Pixar mit 'Soul' schon ihr nächstes Werk auf Disney Plus heraus. Regisseur Pete Docter ('Oben', 'Alles steht Kopf') entführt die Zuschauer dieses Mal nicht in die Gefühle der Menschen, sondern in ihre Seelen. Ob Pixar damit erneut ein tiefsinniges Meisterwerk liefert oder den Erwartungen nicht gerecht werden kann, erfahrt ihr in dieser Kritik.  Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Seit seiner Kindheit liebt und lebt Joe Gardner (Charles Rettinghaus) die Musik. Auf dem Klavier ist er ein unvergleichbarer Virtuose, und wenn er spielt, scheint für ihn alles andere unwichtig zu werden. Stundenlang kann er begeistert von…
    Kritik: Soul tba
    1
    Animation
    95%
    Handlung
    85%
    Tiefgang
    100%
    Emotionen
    80%
    Musik
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 25.12.2020
    Filmlänge: 106 Minuten
    FSK: 0
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: Disney
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Sehr gut
89%

Nach 'Onward' bringt Animationshit-Schmiede Pixar mit 'Soul' schon ihr nächstes Werk auf Disney Plus heraus. Regisseur Pete Docter ('Oben', 'Alles steht Kopf') entführt die Zuschauer dieses Mal nicht in die Gefühle der Menschen, sondern in ihre Seelen. Ob Pixar damit erneut ein tiefsinniges Meisterwerk liefert oder den Erwartungen nicht gerecht werden kann, erfahrt ihr in dieser Kritik. 

Worum geht's?

Seit seiner Kindheit liebt und lebt Joe Gardner (Charles Rettinghaus) die Musik. Auf dem Klavier ist er ein unvergleichbarer Virtuose, und wenn er spielt, scheint für ihn alles andere unwichtig zu werden. Stundenlang kann er begeistert von seiner großen Leidenschaft schwärmen, denn nichts ist wichtiger als der pure Jazz, der durch seine Venen pumpt. Nur eine Sache fehlt zum vollständigen Glück: Joes großer Traum, die Musik zu seiner Berufung zu machen und Jazzpianist zu werden. Als es schließlich so aussieht, als könnte das endlich in Erfüllung gehen, kann sich Joe vor Begeisterung kaum halten. Voller Ekstase stürmt er vor die Tür, rennt auf die Straße, fällt in einen offenen Gully - und stirbt.

Und genau vor seiner großen Chance ist Joe plötzlich kein Teil unserer Erde mehr und findet sich in Form seiner Seele im Davorseits wieder. Dieses ist eine Art fantasievolle Schule, an der neue Seelen beigebracht bekommen, ein Leben auf der Erde zu führen. Durch Zufall wird Joe dort der Mentor der Seele 22 (Anna Carlsson). Sie will genau das Gegenteil von dem, was Joe will, der alles daran setzt wieder auf die Erde zu kommen: für immer im Davorseits bleiben. Denn was soll das Leben auf der Erde eigentlich so lebenswert machen?

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Die Tiefe der Seele

Schon mit vielen Filmen bewegte sich Pixar auf einem schmalen Grat zwischen einer erwachsenen oder kindlichen Zielgruppe. Von dem apokalyptischen Toy Story 3, über die herzzerreißende Eröffnung von Oben bis zu dem emotionalem Alles steht Kopf: Pixar  - und besonders Regisseur Pete Docter - scheut nicht davor zurück, anspruchsvolle Thematiken zu behandeln. Diesen Weg will nun auch Soul einschlagen. Doch auf der Reise in die Seele des Menschen geht Docter viele Schritte weiter als vorherige Pixar Filme es taten und schafft so einen einzigartigen Animationsfilm, der sich tendenziell eher an ein erwachsenes Publikum richtet.

Joes große Leidenschaft ist der Jazz - auch nicht das kindlichste Thema.

Dies beginnt bereits mit dem unerwarteten Tod der Hauptfigur in den ersten Minuten des Filmes, fängt aber erst richtig an, wenn Joe sich im Davorseits wiederfindet, und die Seele 22 auf das Leben vorbereiten muss. Denn hier fragt uns Soul, in vielen eleganten Metaphern verschleierte, Fragen nach dem Zweck des Lebens, ob wir eine feste Aufgabe oder Bestimmung haben, und wie wir diese finden können.

"Ist dieses Leben es wirklich wert, dass man dafür stirbt?"

22 in Soul

Die Zuschauer begleiten Joe und 22, wie sie sich im Davorseits auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen zwischen verlorenen Seelen und unbestimmten Zukünften zurechtfinden müssen, und erleben eine Reise, die auf ganz besondere Weise die Geschichte von zwei im Konflikt stehenden Seelen erzählt. Die eine möchte nichts lieber als leben zu können, während die andere alles gibt, um gar nicht erst geboren zu werden. Aus diesem Zusammenspiel gelingt es Soul wirklich magische und tiefsinnige Momente zu zaubern.

Immer noch ein Familienfilm

Zwar werden diese ihre größte Resonanz bei Erwachsenen finden, was jedoch nicht bedeutet, dass der Film ungeeignet für eine jüngere Zielgruppe ist. Denn natürlich darf auch bei Soul nicht der herrliche Pixar Humor fehlen. Nach einem eher ruhigen ersten Drittel gelingt dem Film eine großartige Wendung, die für viele urkomische Szenen sorgt. Soul jongliert hier gekonnt mit spaßigem Slapstick im Stile von Ratatouille, und cleverem Wortwitz, ohne dabei jemals die Kernthematik aus den Augen zu verlieren. Durch diese perfekte Balance gelingt es dem Film auch das jüngere Publikum gekonnt abzuholen und der Gefahr auszuweichen, durch seine Themen eine zu große emotionale Schwere zu entwickeln.

Joe und Mr Mittens - Das Comedy-Duo des Jahres.

Zu diesem perfektem Ausgleich trägt auch der wunderschöne Soundtrack von Trent Reznor, Atticus Ross und Jon Batiste bei. Aus teils Jazz, teils existenziellen Klangteppichen ergibt sich eine einzigartige Mischung, die Reznors und Ross Siegeszug nach dem grandiosen Mank-Soundtrack fortsetzt.

Kubismus meets Pixar

Eine große Verspieltheit findet sich auch im Animationsstil des Filmes wieder. Dass Pixar-Filme fantastisch aussehen und den Standard im Animationsbereich regelmäßig neu definieren, sollte inzwischen niemanden mehr überraschen. Auch Soul sieht selbstverständlich atemberaubend gut aus. Doch neben tollen Charakteranimationen und der täuschend echten Darstellung unserer Welt hat dieser Film noch mehr zu bieten. Denn ganz im Gegensatz zu der immer realistischer werdenden Animation glänzt Soul durch Abstraktion und einen mutigen Minimalismus.

Joe und 22 mit Jerry. 3D und 2D prallt bei Soul aufeinander.

Besonders fällt das bei den leicht göttlich wirkenden Wesen, genannt Jerry (Magdalena Turba, Jaron Loewenberg), ins Auge, die im Davorseits das Sagen haben. Diese bestehen nämlich ausschließlich aus Linien und bewegen sich, im Gegensatz zu den anderen Figuren, im zweidimensionalen Raum. Wie diese Figuren auf unsere Welt treffen und mit ihr zusammenspielen ist einzigartig und skurril und geht perfekt mit den komplexen Themen des Filmes einher.

Fazit:

Soul jazzt

Pixars neuer Film ist eine wahre Wucht. Soul zeigt uns, wie Träume in Erfüllung gehen, Leben neu entstehen und Menschen auf der Suche nach ihrer Bestimmung. Aber auch wie sich ein tanzend drehender Ahornsamen aus einem goldenen Herbstbaum langsam auf die Hand des Protagonisten setzt. Denn zwischen den großen Themen wie Leben und Tod, ist Soul vor allem ein wunderschönes, urkomisches und verträumtes Meisterwerk, das nur so vor Originalität strotzt. Ein Film zum darüber nachdenken und mehrfach gucken. Aber auch ein bunter und witziger Familienfilm. Soul gehört in jeder Pixar-Rangliste weit nach oben.

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