6.8/10

Kritik: The Adam Project

Deadpool zurück in die Zukunft

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Genres: Abenteuer, Coming-Of-Age, Science Fiction, Startdatum: 11.03.2022

Interessante Fakten für…

  • Der Film ist seit 2012 in Produktion und wurde nicht nur mehrfach umgeschrieben, sondern auch von Studio zu Studio weitergereicht.
  • Ursprünglich sollte Tom Cruise die Hauptrolle spielen.
  • Catherine Keener (Maya Sorian) spielt sowohl ihr jüngeres als auch ihr älteres Ich durch den Einsatz von Deepfake-Technologie im Gegensatz zur CGI-Alterung, die normalerweise in Big-Budget-Filmen/Serien verwendet wird.

Action-Comedy-Dreamteam Shawn Levy und Ryan Reynolds bündeln erneut ihre Energien und werfen über Netflix den nächsten Blockbuster in die Wohnzimmer. Das müsste doch eigentlich ein Selbstläufer sein, oder? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik.

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#NetflixAndChill #Meta #AdvocatusDiaboli

Darum geht’s

Bis auf sein loses Mundwerk ist dem 12-jährigen Adam (Walker Scobell) nicht viel geblieben: sein Vater (Mark Ruffalo, Avengers 3: Infinity War) starb bei einem Verkehrsunfall, seiner überforderten Mutter Ellie (Jennifer Garner) geht er mächtig auf die Nerven und in der Schule wird er fast täglich verhauen. Eines nachts taucht ein ominöser Kerl (Ryan Reynolds, Deadpool 2) mit einem ebenso losen Mundwerk auf – angeschossen, mit derselben Narbe am Kinn und mit der Uhr von Adams Vater am Handgelenk. Schnell wird klar: Adam steht seinem zukünftigen Ich gegenüber. Doch was hat es im Jahr 2022 verloren?

Turbo-Exposition mit witzigem Schlagabtausch

The Adam Project verliert keine Sekunde und etabliert Prämisse, Figuren und Konflikte in fast sträflicher Rekordzeit. Warum dies trotz des erzählerischen Sprints funktioniert, liegt an den zwei großen Stärken des Films: der Cast und die punktgenauen Dialoge. Die Chemie zwischen allen Akteur*innen ist phänomenal, selbst, wenn Timing-Meister Ryan Reynolds mal nicht mit dabei ist. Scobell und Garner schaffen es aus dem Stand, eine nahbare, echte Dynamik zu entwickeln. Zoe Saldana spielt federleicht, Catherine Keener präsent-böse (obgleich unterfordert) – und auch Mark Ruffalo macht mit seiner wilden Mähne und witzigen Gestik wie immer eine Menge Spaß.

Sobald Ryan Reynolds auftaucht, tut er, was ein Ryan Reynolds eben macht. Trockene Kommentare, blitzschnelle Konter, begossener Pudel-Blick, draufgängerische Aktionen. Wie schon zuletzt bei den netflix’schen Action-Gurken 6 Underground und Red Notice oder dem nerdigen Free Guy spielt Reynolds irgendwie sich selbst. Ein zahmer Deadpool, sozusagen. Das ist aber nicht per se negativ zu bewerten, denn auch in The Adam Project sorgt Reynolds‘ Spiel gerade zu Beginn für richtig amüsante Momente – nicht zuletzt, weil ihm die Dialoge förmlich auf den Leib geschneidert sind.

„Ein Goldstück, oder? Man will ihn unter Wasser drücken, bis es aufhört, zu blubbern.“

Der alte Adam über sein jüngeres Ich in The Adam Project

Generische Action ohne Grips

Einen krassen Stimmungsbruch erfährt The Adam Project dann, wenn die ganze Sci-Fi-Geschichte ins Rollen kommt und gepanzerte, mit futuristischen Waffen kämpfende Gesellen aufkreuzen. Die darauffolgenden Actionszenen sind im besten Fall nett, im schlimmsten Fall generisch-langweilig. Vor allem das Finale ist so streng nach Schema F gestrickt, dass man es im darauffolgenden, hundertmal unterhaltsameren Dialog direkt wieder vergessen hat.

Leider werden auch Zeitreise-Fans enttäuscht sein. Obwohl der junge Adam sofort ergründen will, ob es sich wohl um ein selbstkonsistentes Universum oder ein Multiverse handelt, wird ihm von seinem älteren Ich sofort der Mund verboten. Bis auf die altbekannten „wenn wir die Vergangenheit verändern, werden wir vielleicht für immer verschwinden“-Tropen fällt The Adam Project nichts bahnbrechendes ein und tappt in weit mehr als nur ein vermeidbares Zeitreise-Paradoxon. Von einem Predestination sind wir hier meilenweit entfernt, auch beim Klassiker Zurück in die Zukunft hat man deutlich mehr Hirn in den Plot gesteckt.

Tiefgang mit Herz?

Wo es hingegen interessant wird, sind die emotionalen Momente des Films, die beizeiten sogar psychologische Gefilde betreten. Durch den ständigen Spiegel seiner selbst wird die Figur des alten Adams immer wieder mit seiner eigenen Geschichte und ungelösten Traumata konfrontiert. Erkenntnisse darüber, dass verdrängte Trauer schnell zu Wut werden kann, werden gut platziert und haben auch wichtige Auswirkungen auf die restliche Handlung.

Ein frühes Highlight ist die Begegnung des alten Adam mit seiner Mutter in einer Bar. Diese Szene geht nicht nur ans Herz, sie hat auch ein stimmiges Timing und darf vor allem ein paar Minuten lang atmen, bevor sie durch humorvolle Sprüche und Action abgelöst wird. Dieses Atmen wird den meisten anderen Szenen nicht vergönnt – weswegen auch das Ende nicht den emotionalen Punch entwickelt, den es haben könnte. Aber The Adam Project hat dennoch seine echten emotionalen Momente!

Selbst die Nebenfiguren werden mit Humor und Charme verkörpert – wie hier von Jennifer Garner und Mark Ruffalo.

The Adam Project Beitragsbild2

Im Zweifel für das Entertainment

Die 106 Filmminuten gehen dank geschliffenen Dialogen und rasanter Erzählung runter wie Öl. Immer, wenn die Action zu belanglos wird, folgt ein humorvolles Dialog-Intermezzo der Figuren und macht die generischen Momente des Films kurz vergessen. The Adam Project ist eben einer dieser Filme, die beim Anschauen spaßig sind, aber dann doch nur die Halbwertszeit einer Avocado haben.

Deshalb stellt sich wieder die Frage der Erwartung. The Adam Project ist immer genau das, was den Mainstream nicht überfordert. Ein Zeitreise-Plot, bei dem die meisten mitkommen. Derber, aber noch familientauglicher Humor. Bekannte Action aus der Retorte. Ein Hauch Gefühl und ein gut aufgelegter Cast, dem man gerne bei der Arbeit zusieht. Weltbewegend? Nein. Unterhaltsam? Absolut! Kann man sich locker anschauen, wird aber nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Fazit

6.8/10
Ganz okay
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 6/10
Schauspiel 8/10
Action 5.5/10
Tiefgang 6/10
Dialoge 8.5/10
Details:
Regisseur: Shwan Levy,
FSK: 12 Filmlänge: 106 Min.
Besetzung: Jennifer Garner, Mark Ruffalo, Ryan Reynolds, Walker Scobell, Zoe Saldana,

The Adam Project vereint die bewährten Elemente und schafft eine ganze Reihe witziger, emotionaler und sehr spaßiger Momente. Beim genauen Hinsehen überzeugen jedoch weder der unausgegorene Plot, die launische Action noch die pseudo-tiefgehenden Szenen endgültig. Das kann man von Cast und den äußerst geschliffenen Dialogen aber nicht sagen – und sie sind es letztlich auch, die The Adam Project trotz deutlicher Mängel insgesamt zu einem unterhaltsamen Film machen. Nichts, was das Großhirn aus der Reserve lockt, aber perfekte Kost für einen gediegenen Filmeabend.

Artikel vom 26. März 2022

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