Kritik: Deadpool 2

Endlich wieder Chimichangas!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 6 Mins.
  • Titelbild Kritik Deadpool 2 mit Ryan Reynolds als Deadpool, der sich von einem Schauer von Patronen berieseln lässt
  • Deadpool ist zurück! Nachdem der erste Auftritt des wohl anarchistischsten Superhelden des Marvel Cinematic Universe eine echte Offenbarung war, geht nun das heiß ersehnte Sequel an den Start. Kann uns Ryan Reynolds Paraderolle ebenso vom Hocker hauen wie vor zwei Jahren? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Wade Wilson (Ryan Reynolds, Killer's Bodyguard) zieht als Deadpool mittlerweile auch internationale Kreise. Auf der ganzen Welt schnippelt der vorlaute Superheld mit seinen Katanas böse Buben in mundgerechte Häppchen. Natürlich als Einzelkämpfer - Teamplayer ist er ja nicht gerade. Mit seiner großen Liebe Vanessa (Morena Baccarin)…
    Kritik: Deadpool 2 tba
    1

    86%

    Sehr Gut

    Humor
    95%
    Handlung
    75%
    Schauspiel
    85%
    Action
    85%
    Visuelle Umsetzung
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 17.05.2018
    Filmlänge: 119 Minuten
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: © 2018 20th Century Fox

Gesamtbewertung:

Sehr Gut
86%

Deadpool ist zurück! Nachdem der erste Auftritt des wohl anarchistischsten Superhelden des Marvel Cinematic Universe eine echte Offenbarung war, geht nun das heiß ersehnte Sequel an den Start. Kann uns Ryan Reynolds Paraderolle ebenso vom Hocker hauen wie vor zwei Jahren? Erfahrt es in unserer Bewertung und Kritik.

Darum geht's

Wade Wilson (Ryan Reynolds, Killer's Bodyguard) zieht als Deadpool mittlerweile auch internationale Kreise. Auf der ganzen Welt schnippelt der vorlaute Superheld mit seinen Katanas böse Buben in mundgerechte Häppchen. Natürlich als Einzelkämpfer - Teamplayer ist er ja nicht gerade. Mit seiner großen Liebe Vanessa (Morena Baccarin) läuft es aber fantastisch. Die beiden überlegen sich sogar, eine Familie zu gründen.

Als jedoch ein kleiner Junge namens Russel (Julian Dennison) aus einem dubiosen Internat für Mutanten ausbricht und anfängt, die Welt in Schutt und Asche zu legen, ist auch Deadpool mit seinen Erziehungstipps am Ende. Zu allem Überfluss taucht dann noch der grummelige Cable (Josh Brolin) aus der Zukunft auf, um eben jenen kleinen Mutanten zu töten. Doch weshalb?

Gleiches Konzept, immer noch brillant

Während Deadpool vor zwei Jahren Comic-Nerds und Filmfans gleichermaßen durch seine frische und vorlagengerechte Machart begeisterte, hat Part 2 eine deutlich härtere Ausgangslage. Der Ton des Franchise ist etabliert, Deadpool als Figur ist bekannt; die Zuschauer erwarten nichts Geringeres als eine mit Popkultur gespickte Attacke aufs Zwerchfell. Und was soll man sagen? Deadpool 2 liefert genau das ab - mit einem ähnlichen Gesamtkonzept, doch so frisch wie eh und je!

Schon die Werbekampage für das Sequel war einfach nur brillant. Etwa, wenn sich Deadpool als Bob Ross an Landschaftsmalerei versucht. Oder er sich echauffiert, weil die Special Effects noch nicht fertig gestellt sind und deshalb kurzerhand den Trailer mit Puppen nachspielt. Doch anders als bei vielen Filmen heutzutage wurde das Pulver nicht schon im Vorfeld verschossen. Im Gegenteil: Deadpool 2 ist einer der witzigsten Filme seit... nun ja. Deadpool.

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Ein popkulturelles Referenzfest

Wer Deadpool kennt, der weiß, dass vor ihm und seinem losen Mundwerk wirklich nichts sicher ist. Mit einer unglaublichen Frequenz wird hier alles aufs Korn genommen, was in den letzten zwei Jahren unsere Popkultur dominiert hat. Und dabei wird natürlich augenzwinkernd die vierte Wand durchbrochen, wie wir es von einem waschechten Deadpool eben gewohnt sind.

Deadpool (Ryan Reynolds) in Kampfpose in einem Szenenbild für Kritik Deadpool 2.

Deadpool ist dafür bekannt, dass er als einziger Marvel-Held die "vierte Wand" durchbrechen kann – heißt, er ist sich bewusst, dass er nur eine Filmfigur ist und kann somit immer wieder mit dem Publikum sprechen.

Deadpools Proteste, dass das Studio mal wieder nur die zwei X-Men des letzten Films zur Verfügung stellt, werden einmal mehr auf die Spitze getrieben (und münden in ein paar amüsanten Cameos). Klar, sein Hassfreund Logan will natürlich verspottet sein! Großartig auch, wenn sich Deadpool und Cable streiten, ob Dubstep noch cool ist und die darauffolgende Actionsequenz mit genau dieser Musik unterlegt wird. Das ist simpel wie effektiv!

Zudem lassen es sich die Autoren nicht nehmen, auch auf dem missglückten Batman v Superman vom Konkurrenz-Studio rumzureiten. Und schon der schlicht phänomenale Vorspann im James Bond-Stil, zu dem Céline Dion ihren neuen Hit "Ashes" schmettert, ist eine Klasse für sich. Spätestens wenn dort die Autoren als "die wahren Monster" und der Regisseur als "der Typ, der John Wicks Hund getötet hat" betitelt werden, ist das prustende Publikum ganz in Deadpools eigenwillig-ironischen Universum angekommen.

So dark. You sure you're not from the DC universe?

Deadpool

Bewährte Story, aber mehr Emotionen

Sind wir mal ehrlich: wir erwarten bei einem Deadpool keine übermäßig ausgeklügelte Story. Die Handlung dient viel mehr als Spielwiese für das irre Treiben auf der Leinwand. Im ersten Deadpool lag der inhaltliche Fokus noch stark auf der Origin-Story des titelgebenden Helden. Der zweite Teil wirkt storytechnisch größtenteils wie ein Mashup aus allen bisher dagewesenen X-Men-Filmen: ein junger Mutant, der aus einer gewalttätigen Einrichtung flieht und seine Kräfte nicht kennt; ein dubioser Zeitreisender, der in den Zeitstrahl eingreifen möchte und ein großer Showdown mit sich kloppenden Ungetümen in einer deftigen Materialschlacht. Die große Handlung in Deadpool 2 funktioniert aber dennoch mühelos, weil auf ihr kein alleiniger Fokus liegt.

Was nämlich hinzukommt, ist eine ganz neue, persönliche Tiefe - vor allem beim Protagonisten und seinem unfreiwilligen Protegé. Ohne zu viel zu verraten: Deadpool 2 driftet sehr schnell in überraschend emotionale Gefilde ab. Diese Szenen fügen sich aber nahtlos in das humorvolle und brutale Setting ein und werden mit typisch sarkastischen Sprüchen perfekt aufgelockert. Genau das hebt den Film deutlich von anderen Werken ab, die diese Gratwanderung so unbedingt erreichen wollen, aber daran scheitern (wie zuletzt etwa Happy!). Der König dieser Disziplin ist und bleibt Deadpool allein!

Lasst die Köpfe rollen!

Deadpool kam vor zwei Jahren wie ein brachialer Mittelfinger gegen all die generischen Superheldenfilme des MCU daher. Und das war höchst erfrischend! Sowohl in den Comics, als auch im Debutfilm geizten die Macher nicht mit überzogen brutaler Gewaltdarstellung, die die Kinosäle in wahre Schlachtplatten verwandelten. Deadpool 2 ist zwar nur einen Hauch brutaler (ja, es werden wieder munter Körperteile entfernt, Köpfe zerschossen und Gauner überfahren), dafür sind die Actionszenen deutlich einfallsreicher geraten.

Wenn Deadpool in der Mitte des Films mit seiner "X-Force" (zwinker, zwinker) einen Konvoi aus der Luft überfallen will, dann hat der Film einen seiner vielen Höhepunkte erreicht. Hier reiht sich ein witzig-genialer Einfall an den nächsten - und original gar nichts funktioniert so, wie es unser Protagonist geplant hat. Da gehen derbe Splattermomente Hand in Hand mit extrem sauber animierter CGI und augenscheinlich wahllosen Kollisionen von Protagonisten und Fahrzeugen. Diese Szene ist auch deshalb so stark, weil Neuzugang Domino (Zazie Beetz) die Superkraft "Glück" hat. Entsprechend spaziert sie durch die Szenerie, während sie im Sekundentakt nur haarscharf dem Tod entgeht. Der ohnehin mal wieder großartige Soundtrack tut hier sein Übriges.

Auch das große Filmfinale ist humorvoll und stimmig inszeniert. Zwar muss während der ganz großen Schlägerei der Humor einen kleinen Schritt zurücktreten, doch den reiben uns die Macher im emotionalen Schlussakt noch mal sehr deutlich unter die Nase. Es ist überflüssig zu sagen, dass Deadpool 2 zu keiner Sekunde auch nur im Ansatz langweilt. Mission geglückt!

Starker Neuzugang

Kurz und schmerzlos: Ryan Reynolds brilliert einmal mehr als sprücheklopfender Humorbolzen im roten Superheldenkostüm. Seine Sprüche sitzen, sein Schauspiel dient jeder Szene und überhaupt gibt es derzeit wenige Darsteller, die so in ihren Figuren aufgehen. Es tut seiner Rolle gut, dass Ryan Reynolds am Drehbuch mitgetüftelt hat und sich ganz wunderbar selbst auf die Schippe nimmt.

Josh Brolin als Cable in einem Szenenbild für Kritik Deadpool 2.

Doppelt böse: Josh Brolin spielt nicht nur Cable, sondern auch Thanos in 'Avengers: Infinity War'.

Neben dem bereits bekannten Cast gesellt sich die charismatische Zazie Beetz hinzu, die für ordentlich Frauenpower und wahnwitzige Actionsequenzen verantwortlich ist. Josh Brolin darf sich nach dem Megahit Avengers 3: Infinity War ein weiteres Mal als Marvel-Bösewicht versuchen. Sein Cable ist dabei ein bisschen weniger ambivalent, entpuppt sich im Laufe des Films aber dennoch als interessanter Charakter, der von Brolin gewohnt gut verkörpert wird. Auch der junge Neuseeländer Julian Dennison überzeugt als mit sich hadernder Teenager, bringt dabei zwar weniger humoristische Nuancen in den Film, dafür aber einiges an Emotionen. Der beste Sidekick bleibt aber nach wie vor Weasel (T.J. Miller), der als Deadpools Kumpel einen Brüller nach dem anderen abfeuert. Von ihm hätte man getrost mehr sehen dürfen!

Fazit:

'Deadpool 2' übertrifft seinen Vorgänger!

Es ist unglaublich, was für ein Gag-Feuerwerk in Deadpool 2 abgeschossen wird! Scheinbar mühelos vereint der Fanliebling derben Humor, ultrabrutale Metzeleien und sogar einige gefühlvolle Momente zu einem homogenen Gesamtwerk. Die grandios inszenierte Action und die zahlreichen witzigen Anspielungen auf die Popkultur übertreffen den ersten Teil tatsächlich noch einmal um ein gutes Stück. Ryan Reynolds und seine Kollegen tragen den Film mit einer lässigen Selbstverständlichkeit und sorgen somit fast durchgehend für Lachanfälle. So frisch wie Deadpool kommt einfach kein Superheld daher. Wir jedenfalls freuen uns schon tierisch auf den gerade angekündigten X-Force.

PS: Wie immer bei Marvel gilt: beim Abspann sitzen bleiben. Die Post-Credits Scene übersteigt alles bisher Dagewesene. Versprochen!

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