Review: Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere – Extended Version

Schlacht, Schlacht und nochmal Schlacht

Poster von Der Hobbit Die Schlacht der fünf Heere

Der Kreis schließt sich. Und zwar für immer. Wohingegen das Star Wars Franchise nach Original- und Prequel-Trilogie noch großzügig ausgebaut werden kann, scheint im Mittelerde Universum nun endgültig Schluss zu sein. Natürlich wird es mit Sicherheit in sehr vielen Jahren eine Der Herr der Ringe Neuverfilmung geben… aber es scheint so, als sei Peter Jacksons Werk nun für immer beendet. Ist Die Schlacht der fünf Heere also ein würdiger Salutschuss? Jetzt, da der Extended Cut erscheint und nochmal 20 Minuten extra Szenen drauf packt, lässt sich ein finales Bild über das abschließende Kapitel der Hobbit-/ Der Herr der Ringe-Welt zeichnen.

Nach dem fiesen Cliffhanger aus Smaugs Einöde, segelt der titelgebende Drache strikt auf die Seestadt zu, die dem Feuer der Bestie nun hilflos ausgesetzt ist. Gleichzeitig richten sich gierige Augen auf den Einsamen Berg, denn der riesige Schatz liegt nun ungeschützt da. Orks, Elben und Menschen wollen alle ihren Teil am endlosen Gold. Doch die Zwerge, angeführt von Thorin Eichenschild (Richard Armitage), verteidigen tapfer ihre Festung gegen alles was sich verdächtig nähert. Bilbo Beutlin (Martin Freeman), der kein Interesse an Reichtum und Macht zu haben scheint, sieht die Situation als einziger objektiv, und versucht eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Aber der Film heißt ja nicht umsonst Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere. Es ist also kaum ein Spoiler, wenn man sagt, dass Bilbo’s Streitschlichtung nicht vollkommen von Erfolg gekrönt ist…

„Ich bin Feuer. Ich bin der Tod.“

Mit diesen bedrohlichen Worten ließ Smaug den letzten Film auf einer dramatischen Note ausklingen. Die Schlacht der fünf Heere setzt nur Sekunden später wieder ein, und es folgt eine apokalyptische Zerstörungssequenz, die nicht enttäuscht. Tatsächlich wirken die ersten 10 Minuten eher wie die letzten 10 von Smaug’s Einöde. Extrem mutig, einen Film mit solch einem Klimax starten zu lassen. Es wird nämlich schwer, das Geschehen im Laufe des Films zu toppen: Smaug spuckt Feuerschwaden aus seiner Kehle, Häuser stürzen ein und fackeln ab, und der mutige Bard (Luke Evans) stellt sich mit einem einzigen Pfeil der Bestie entgegen. Eine wahrhaft epische Szene, die einem auch etwas Gänsehaut bereitet.

****SPOILER: Nur für jene, die den Film schon gesehen haben.****

Auch wenn der Extended Cut während dieser Szene einige Sekunden neues Material bietet, ist Smaug immer noch relativ schnell tot. In seinen wenigen Minuten Screentime ist er zwar furchteinflößender denn je, aber es ist ein wahrlich großes Opfer, dass der Film mit seinem frühen Ableben einbüßt. Dafür kann die Romanvorlage nichts, aber die Dreiteilung der Hobbit-Filme fällt an dieser Stelle noch einmal mit einem etwas bitteren Nachgeschmack auf.

**** SPOILER ENDE****

In diesem „Hobbit“ gibt's wenig zu lachen

Nach dem furiosen Beginn, flacht die Action für die nächste Stunde erstmal ab. Die Handlung spaltet sich in mehrere Stränge auf, und die Erzählweise erinnert nun stark an Die Zwei Türme oder Die Rückkehr des Königs. Die Bürger der Seestadt suchen eine neue Zuflucht, Legolas (Orlando Bloom) und Tauriel (Evangeline Lilly) jagen Orks, Gandalf und der White Council (Die Avengers von Mittelerde) kämpfen gegen die dunklen Mächte, und die Zwerge verschanzen sich im Berg. Einige der besten Szenen gehören dabei Thorin Eichenschild, der langsam aber sicher dem Wahnsinn verfällt. Hier gibt es leider noch kaum neue Szenen aus dem Extended Cut.

Die Schlacht der fünf Heere ist düsterer und bodenständiger als die anderen beiden Hobbit Filme. Dafür fehlt aber auch etwas von der Magie. Diesmal auch anders: Die Zwerge befinden sich nicht auf einer aufregenden Reise, sondern sind einer einzigen Situation ausgeliefert. Der Konflikt wird im Film aber straff dargestellt. Wie die verschiedenen Kontrahenten und Charaktere interagieren, wird vor allem räumlich sehr gekonnt eingefangen: Die Settings Berg, Ruine, Seestadt, usw. und deren Beziehung zueinander werden für den Zuschauer richtig spürbar, und man fühlt sich als Teil der Situation.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die gesamte erste Hälfte des Films ist sehr geschwätzig, Action gibt’s bis jetzt kaum. Das Tempo wird aber durch die vielen Wechsel der Settings hoch genug gehalten, um nicht langweilig zu werden. Man spürt leider auch, dass die Dramatik der Handlung einfach viel weniger hergibt, als zum Beispiel eine Schlacht um Gondor oder Helms Klamm. Anstatt um Ehre, Rebellion, oder das „nackte Überleben“ geht es bei der „Schlacht der fünf Heere“ einfach nur um’s Gold.

Die längste Action-Szene aller Zeiten?

Perfekt zur Halbzeit geht’s also zur Sache: Die Schlacht bricht aus. In der Kinofassung war die Kämpferei schon ziemlich lang, aber viele haben die „Größe“ aus Der Herr der Ringe vermisst. Die Schlacht bestand zu einem Großteil aus isolierten Duellen zwischen den Hauptcharakteren. Jetzt wird im Extended Cut eine komplette Viertel Stunde neues Actionmaterial hineingeworfen.

Einige der neuen Szenen haben es echt in sich! Ungewöhnlich blutig fallen sie aus, sogar noch um ein Haar brutaler als das, was man in Der Herr der Ringe sah. Besonders fällt eine fünf Minuten lange Sequenz in einem „Zwergenpanzer“ auf, der von 6 strammen Ziegen mit einem Affenzahn durch die Schlacht gezogen wird. Diese Actionszene ist wohl eine der spektakulärsten, die es überhaupt in Mittelerde zu sehen gab. Wieso ausgerechnet diese Szene aus der Kinofassung geschnitten wurde, ist etwas überraschend.

Tatsächlich hat die „Schlacht der fünf Heere“ mit dem Extended Cut nun kolossale Ausmaße erreicht. Allerdings rein auf der visuellen Ebene. Es fehlt immer noch etwas an der Dramatik und den Emotionen, die man aus vergangenen Mittelerde Schlachten kennt. Dafür umso mehr Trolle, Oger, Riesenwürmer und mehr Taktik. Andererseits, es sieht halt einfach auch saucool aus.

Die letzten 90 Minuten wird so gut wie gar nicht geredet. Es werden zwar immer wieder verzweifelt Namen gerufen („Kili!“, „Tauriel, ich komme!“ usw.) aber die Story weicht jetzt zu 100% der Action. Kein Wunder, dass man den Namen des dritten Hobbit Films von „Hin und Zurück“ in „Die Schlacht der fünf Heere“ umgetauft hat. Der alte Titel wäre lächerlich unpassend gewesen.

Es macht Spaß, sich von den visuellen Eindrücken der Kämpfe berieseln zu lassen. Man kann nun auch fast über die endgültige ausgegangene Story hinweg sehen. Parallelen zu 300 werden deutlich. Als es dann aber irgendwann doch zu anstrengend wird, geht die Schlacht dem Ende zu. Einige Charaktere sind gestorben… aber wirklich traurig wird man nicht. Eine Extended Scene gibt dem Ende dann doch eine willkommene Priese Emotionen.

Der Übergang zu Der Herr der Ringe

Ein recht abrupte Ende der Schlacht mündet in das Ende des Films: Dieses unterscheidet sich gewaltig vom ultralangen „Auf Wiedersehen“ aus Die Rückkehr des Königs. Nicht zu lang, aber auch nicht zu knapp, mündet der Schluss perfekt in die Herr der Ringe - Trilogie. Es wirkt mehr wie ein Übergang, nicht wie das Ende einer Ära. Die Vollendung eines Kreises.

Fazit

Der ganz große Wurf ist Die Schlacht der fünf Heere nicht… auch nicht im Extended Cut. Es fehlt an echten Emotionen und an spürbarer Dramatik, die Der Herr der Ringe so unvergesslich machten. Aber trotzdem: Es handelt sich um ein visuelles Monstrum von Film. Einige absolut „epische“ Szenen bleiben im Gedächtnis, allen voran Smaug’s kurzer Auftritt am Anfang. Die Schlacht ist spektakulär, und für Actionfans sehr unterhaltsam… sie wird gegen Ende aber auch echt anstrengend. Weit davon entfernt, der beste Film der Mittelerde-Reihe zu sein, ist es trotzdem ein grundsolider Fantasyfilm, der das Franchise würdig von der Bühne führt.

 

 

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2 thoughts on “Review: Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere – Extended Version

    1. Danke für das nette Feedback Stefanie!
      Ja da hast du Recht, die Avengers können dagegen echt einpacken 😉
      Übrigens auch gute Hobbit-Review von euch!
      LG Keyvan

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